In der Salamanderstraße 4 in Kornwestheim hat die dortige Kirchengemeinde ein neues Gotteshaus erhalten, knapp einen Kilometer von der bisherigen Kirche in der Ulrichstraße entfernt.

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    Die neue Kirche in Kornwestheim

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    Der Eingangsbereich

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    Blick in den Kirchensaal von der Orgelempore

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    Der neue Altar

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    Bezirksapostel Michael Ehrich führt den Weihegottesdienst durch

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    Der Chor im Weihegottesdienst

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    Das Kreuz hinter dem Altar

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    Die Orgel auf der Empore

Geweiht wurde der Neubau in einem Festgottesdienst am Sonntag, 19. März 2017. Der offizielle Festakt und die Präsentation der neuen Kirche in der Öffentlichkeit erfolgten am Sonntag, 2. April 2017.

Weihegottesdienst und Festakt

Im Weihegottesdienst am 19. März übergab Bezirksapostel Michael Ehrich, Leiter der Gebietskirche Süddeutschland, den Neubau seiner Bestimmung und weihte ihn als Stätte, wo Erlösung durch Jesus Christus erfahren werden kann – die Erlösung des Menschen gründet auf dem Opfer Jesu Christi –, als Offenbarungsstätte des Heiligen Geistes. Die neue Kirche solle ein Ort der Anbetung Gottes sein, ein Ort, wo zu Gottes Lob und Ehre das Evangelium Jesu Christi verkündigt werde und Frieden und Trost gespendet würden, sagte der Bezirksapostel in der Weihehandlung. Er wünschte, die Gemeinde, die hier nun ihr Zuhause finde, möge gesegnet sein und sich weiterhin im inneren Menschen in Gesinnung und Wesen Jesu Christi entwickeln und auf Christi Wiederkunft vorbereitet werden.

Das Bibelwort, das der Predigt im Weihegottesdienst zugrunde lag, ist aus dem Alten Testament und bezieht sich auf den Tempelbau in Jerusalem zur Zeit Salomos: „Aber wer vermag es, ihm ein Haus zu bauen? Denn der Himmel und aller Himmel Himmel können ihn nicht fassen. Wer bin ich denn, dass ich ihm ein Haus baue, es sei denn, um vor ihm zu opfern?“ (2. Chronik 2,5)

Zu einem Predigtbeitrag rief der Bezirksapostel Bischof Bernd Bornhäusser, den vormaligen Vorsteher des Kirchenbezirks Stuttgart/Ludwigsburg, zu dem die Gemeinde Kornwestheim gehört, und Apostel Jürgen Loy, den Leiter des Apostelbereichs Stuttgart, zu dem der Kirchenbezirk Stuttgart/Ludwigsburg gehört.

Am Festakt am 2. April nahmen Apostel Loy als Vertreter des Bauherrn teil sowie Vertreter der Stadtspitze – darunter Kornwestheims Bürgermeister Daniel Güthler, der ein Grußwort sprach –, Vertreter anderer Kirchen und Vertreter der am Bau beteiligten Firmen, die Architekten, Nachbarn und Freunde. Das musikalische Programm enthielt Vorträge eines Bläserquartetts sowie Vorträge von Violine und Orgel.

Der Neubau – die langfristig beste Lösung

Im Weihegottesdienst gab der Bezirksapostel auch einen kleinen Einblick in die Entstehung der Gemeinde, als deren offizielles Gründungsdatum – mit Beauftragung des ersten Gemeindevorstehers – 1921 gilt. Neun Jahre später war für die gewachsene Gemeinde in der Ulrichstraße 34 eine stattliche Kirche erbaut worden, die Sitzplätze für bis zu 500 Personen bot. 1960 war diese Kirche renoviert und 1977 grundlegend umgebaut worden.

Da die Kirche in der Ulrichstraße sowohl baulich – beispielsweise nicht barrierefrei – als auch funktional – hinsichtlich der Mehrzweckräume – nicht den heutigen Bedürfnissen an ein aktives Gemeindeleben entsprach und ohnehin Sanierungsbedarf bestand, entschloss sich die Kirchenleitung, einen Neubau errichten zu lassen, „als langfristig beste Lösung“, wie der Bezirksapostel erklärte.

Mit der Planung und Bauleitung wurde Architekt Thomas Bamberg (Pfullingen) beauftragt; das Projektmanagement lag bei der Abteilung Bau/Unterhalt des Verwaltungs- und Dienstleistungszentrums der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland.

Dank zuvorderst

Im Weihegottesdienst brachte der Bezirksapostel zuvorderst Dank zum Ausdruck – „zuerst natürlich Gott, der das Gelingen schenkt und seine Hand über alles hält“, dann den Kirchenmitgliedern in Süddeutschland für ihre finanziellen Opfer und Spenden. Durch diese stehen der Körperschaft die Finanzmittel für den Kirchenbau und -unterhalt zur Verfügung („Das ist keine Selbstverständlichkeit“), denn die Kirche finanziert sich selbst.

Ausdrücklich dankte der Bezirksapostel auch den Gemeindemitgliedern, die Hand angelegt und gerne mitgewirkt hatten im Zusammenhang mit dem Kirchenneubau, sowie den beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum der Gebietskirche, den Architekten, Handwerkern und Firmen. „Ich freue mich mit der Gemeinde“, so der Bezirksapostel, der den Bau als gelungen und schön bezeichnete. „Ich denke, dass man sich hier wohl wohlfühlen kann – dass es so sein möge, wünsche ich euch von ganzem Herzen.“

Baukörper, Gestaltung und Raumprogramm

Das neue Kirchengebäude ist gottesdienstliche Versammlungsstätte und erfüllt mit den Nebenräumen zudem die Funktion eines Gemeindehauses. Der Baukörper ist nach außen hin sehr klar, einfach und kubisch gehalten. Die Erhebung auf einen Sockel und die klare Gebäudekontur unterstreichen die solitäre Lage in der städtebaulichen Umgebung.

Das neue Kirchengebäude ist als massiver Baukörper erstellt. Entsprechend dem Anspruch des Bauherrn wurde ein energieeffizienter Standard angestrebt. Der Baukörper besteht aus zwei Hauptteilen, die durch das Eingangsfoyer verbunden sind: Im westlichen Gebäudeteil, der die Funktion eines Gemeindehauses erfüllt, sind zwei Mehrzweckräume sowie die Sakristei untergebracht. Die Mehrzweckräume können untereinander und mit dem Foyer zu einer großen Veranstaltungsfläche zusammengelegt werden.

Das höhere Kirchenschiff bildet den östlichen Gebäudeteil. Kirchenschiff, Foyer und Nebenräume liegen auf einer Ebene und sind daher für Familien mit Kinderwagen und Gottesdienstbesucher, die auf eine Gehhilfe oder Rollstuhl angewiesen sind, barrierefrei zu erreichen. (Von der Westseite her, wo sich auch zusätzliche Parkplätze befinden, die für Menschen mit Behinderung reserviert sind, erreicht man den Eingang zum Gebäude ebenerdig.)

Im Innenbereich stehen warme Sandfarben helle Flächen im Kontrast zu dem warmen Holzton der Einbauten und den Verglasungen. Die Reduktion bei der Materialpalette vermittelt sowohl außen als auch innen Ruhe, Wärme und zeitlose Getragenheit.

Im Kirchenschiff als wichtigstem Gebäudeteil bildet der Altar den zentralen Ort. Hier werden die Sakramente gespendet; von hier aus erfolgt auch die Wortverkündigung. Der Altar wurde so ausgeführt, dass er mit dem rückwärtigen Schild und dem darin eingesetzten Kreuz eine Einheit bildet. Prägendes Element des Altars ist die subtile Schichtung der Holzlamellen.

Zur feierlichen musikalischen Mitgestaltung der Gottesdienste wurde eine zweimanualige Orgel eingebaut. Sie richtet sich nach dem Klangkonzept der französisch-romantischen Chororgeln des Großmeisters Aristide Cavaillé-Coll aus – damit bietet sie bei kleinster Disposition ein großes und unaufdringliches Klangvolumen mit feinen farbigen Elementen. Die Orgel fügt sich als Brüstungsorgel harmonisch in das gestalterische Gesamtkonzept des Kirchenschiffs ein.

Das Kirchenschiff bietet Sitzplätze in Reihenbestuhlung mit Bänken für 176 Personen.

Die Mehrzweckräume im westlichen Gebäudeteil können beispielsweise für die kirchlichen Unterrichte – Sonntagsschule, Religionsunterricht Konfirmandenunterricht – genutzt werden; aber auch für sonstige Aktivitäten im Gemeindeleben. Daher wurde auch eine Teeküche eingebaut. Die Nebenräume, die auf das Foyer ausgerichtete Teeküche und die Nasszellen bilden im Norden einen geschlossenen Rücken.

Lichtführung

Das Grundstück ist durch die umliegende hohe Bebauung oft verschattet. Lediglich die Westseite in Richtung Wohnbebauung garantiert gleichmäßigen Lichteinfall. Deshalb wird über mehrere Oberlichter und Lichtbänder von oben Tageslicht in das Gebäude eingefangen. Im Kirchenschiff fällt das Licht von oben auf den Altar. Dabei erzeugt das einfallende Licht je nach Tageszeit unterschiedliche Lichtsituationen und Reflektionen. Morgens scheint das Licht von über dem Altar, während am Nachmittag das Licht auf die helle Wand hinter dem Altar trifft.

Die handbemalten Verglasungen auf der Südseite des Kirchensaals werden unterschiedliche Lichtspiele auf den Wänden des Kirchensaals zeichnen. Dabei strahlen sie wechselseitig je nach Tageszeit von außen nach innen, oder, wenn die Kirche in abendlichen Stunden beleuchtet ist, von innen nach außen.

Außer dem Element der Eingangsverglasung, das dem Eingang ein repräsentatives Äußeres vermittelt, gibt es nach Süden aufgrund der Verschattung durch das Nachbargebäude keine zusätzlichen Fenster. Oberlichter über dem Foyer und den Mehrzweckräumen sorgen für ausreichend Tageslicht in den innenliegenden Bereichen der jeweiligen Räume.