Nach dem Gottesdienst am 12. November 2017 wurde in den Gemeinden Süddeutschlands ein Schreiben vorgelesen, das über eine geänderte Regelung in der Praxis der Gottesdienstleitung durch priesterliche Amtsträger informiert.

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    zum Gottesdienst versammelte Gemeinde

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    gemeinsamer Gesang zu Gottesdienstbeginn

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    Musikbeitrag vor der Wortverkündigung

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    Gottesdienstleiter ist hier Bezirksapostel Ehrich

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    Abendmahlsgefäße – Höhepunkt im Gottesdienst ist die Abendmahlsfeier

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    nach dem Gottesdienst - Verabschiedung vom Gottesdienstleiter

Der süddeutsche Kirchenpräsident, Bezirksapostel Michael Ehrich, verweist in dem Schreiben auf den Gottesdienst für Amtsträger, den der Präsident der Neuapostolischen Kirche International, Stammapostel Jean-Luc Schneider, am 22. Oktober durchgeführt hat (wir berichteten). Nach jenem Gottesdienst hatte der Stammapostel darüber informiert, dass sich die Bezirksapostel und Apostel intensiv mit dem Verständnis vom geistlichen Amt befassen.

Mit dem Verständnis vom geistlichen Amt hängt ein Beschluss der Bezirksapostelversammlung zusammen, des höchsten Leitungsgremiums der Neuapostolischen Kirche. Demzufolge werden die Gottesdienste nicht mehr zwangsläufig vom „ranghöchsten“ priesterlichen Amtsträger bzw. vom Gemeindevorsteher durchgeführt. Da der Amtsebene „priesterliches Amt“ (vom Priester bis zum Bischof) die identische geistliche Vollmacht zugeordnet wird, ist es bei der Leitung von Gottesdiensten nicht notwendig, die Amtshierarchie zu berücksichtigen.

Geänderte Regelung zur Gottesdienstleitung

Die am 12. November in Süddeutschland bekanntgegebene geänderte Regelung zur Gottesdienstleitung durch priesterliche Amtsträger basiert auf dem Beschluss der Bezirksapostelversammlung, dass nicht mehr der „ranghöchste“ priesterliche Amtsträger grundsätzlich Gottesdienstleiter ist.

Für den gesamten Arbeitsbereich des Bezirksapostels Ehrich, also für die Gebietskirche Süddeutschland und rund 30 weitere Gebietskirchen und Länder, gilt ab sofort:

  • Kommt der Bischof in die Gemeinde, ist er der Gottesdienstleiter.
  • Bezirksämter halten die Gottesdienste, wenn sie sich im Monatsplan dazu einteilen. Kommen sie ohne Einteilung in eine Gemeinde, informieren sie den Gemeindevorsteher vorab; dieser führt dann im Regelfall den Gottesdienst durch. (Dies kann ein- bis zweimal pro Monat – grundsätzlich wochentags – praktiziert werden.)
  • Der Gemeindevorsteher hält die Mehrzahl der Gottesdienste in seiner Gemeinde.

Dies, so der Bezirksapostel in seinem Schreiben, betrifft alle Gottesdienste, einschließlich der Wortgottesdienste wie Trauungen und Trauerfeiern.

Weitere Wortverkündigung

Der Bezirksapostel kommunizierte in seinem Schreiben, das nach dem Gottesdienst am 12. November vorgelesen wurde, zudem eine Festlegung zur weiteren Wortverkündigung, die in der Bezirksapostelversammlung getroffen wurde: Sie besagt, dass der Gottesdienstleiter – anders als bisher – einen Amtsträger, der ein „höheres“ Amt trägt, zur weiteren Wortverkündigung aufrufen kann.

Im neuapostolischen Gottesdienst nimmt die Verkündigung von Gottes Wort breiten Raum ein. Die Wortverkündigung gründet auf der Heiligen Schrift, d.h. ein biblischer Text liegt der Predigt zugrunde. Die Predigt – die an die Gemeinde gerichtete geistliche Rede eines Amtsträgers – ist von der Kraft des Heiligen Geistes erweckt und durchwirkt. Dies gilt für die Wortverkündigung dessen, der den Gottesdienst leitet, und ebenso für die Predigtbeiträge weiterer Amtsträger, die der Gottesdienstleiter dazu aufruft.

Was sagt der Katechismus dazu?


Was im 2015 erschienenen „Katechismus der Neuapostolischen Kirche in Fragen und Antworten“ zur Wortverkündigung ausgeführt wird, zitieren wir nachstehend:

623. Was verstehen wir unter „Wortverkündigung“ (Predigt)?

In den Gottesdiensten wird Gottes Wort verkündigt. Amtsträger sprechen Gedanken aus, die der Heilige Geist in ihnen erweckt. Dies nennt man „Wortverkündigung“ oder „Predigt“.

Die Predigt ist im neuapostolischen Gottesdienst kein vorgefertigter Text. Ihr liegt ein Wort aus der Bibel zugrunde, das der Amtsträger in freier Rede entfaltet.

624. Was vermag die Predigt?

Da die Predigt von Gott erweckt wird, erleben die Zuhörer, dass das gesprochene Wort „lebendig“ ist: dass also

  • Lebens- und Glaubensfragen beantwortet werden,
  • der Glaube gestärkt wird,
  • Trost geschenkt wird,
  • Zuversicht vermittelt wird,
  • Entscheidungshilfen und auch Ermahnungen gegeben werden.

Das Wort vom Altar gibt Orientierung, um nach Gottes Willen zu leben.

Die Predigt ist „Speise“ für die Seele gemäß den Worten Jesu: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“ (Matthäus 4,4).

625. Wer ist dazu berufen, im Gottesdienst das Wort zu verkündigen?

Die Apostel und die hierzu von ihnen beauftragten Amtsträger sind berufen, im Gottesdienst das Wort Gottes zu verkündigen.

626. Was ist Hauptinhalt und Ziel der Predigt?

Hauptinhalt der Predigt ist das Evangelium Jesu Christi, die frohe Botschaft davon, dass Jesus das Opfer gebracht hat, auferstanden ist und wiederkommen wird.

Der Heilige Geist spricht durch den Amtsträger. So wird Glaube geweckt und gestärkt. Die Wortverkündigung hat immer das Ziel, die Gemeinde auf das Kommen Jesu Christi vorzubereiten (2. Korinther 11,2).

627. Sind Fehler beim Verkündigen und beim Hören der Predigt ausgeschlossen?

Jeder Mensch, der Gottes Wort verkündigt, ist Sünder; er hat Fehler und er macht Fehler. Das Amt jedoch, das er trägt, ist von Gott gegeben und damit heilig. Wenn nun der unvollkommene Mensch Gottes Wort verkündigt, kann es Fehlerhaftes enthalten. Trotzdem legt Gott in die vom Menschen gesprochenen Worte Kraft hinein.

Auch der Zuhörer ist Sünder; er hat Fehler und er macht Fehler. Deshalb sind bei ihm Fehler im Verständnis des Gehörten nicht ausgeschlossen. Doch wenn er das Wort im Glauben annimmt, wird er trotz menschlicher Unvollkommenheiten und Fehler die göttlichen Kräfte, die in der Predigt liegen, in die Seele aufnehmen können.

628. Welche Aufgabe haben die Hörer der Predigt?

Vor der Predigt sollen die Hörer darum beten, dass der Herr ihnen aus dem Wort Stärkung und Frieden schenkt. Sie sollen das Wort im Glauben annehmen und haben die Aufgabe, es im Alltag – im Denken, Reden, Tun – zu verwirklichen. Sie sind also aufgerufen, ein Leben in der Nachfolge Christi zu führen.


Den „Katechismus in Fragen und Antworten“ veröffentlichen wir nach und nach in thematischen Blöcken unter „Katechismus“ in der Rubrik „Woran wir glauben“.

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