Vor zehn Jahren, am Sonntag, 23. April 2006, wurde in Süddeutschland ein Gottesdienst mit Stammapostel Wilhelm Leber gefeiert, in dem Bezirksapostel Klaus Saur in den Ruhestand trat und Bezirksapostel Michael Ehrich ordiniert wurde.

  • Image 1 from 3

    Am 23. April 2006 trat Bezirksapostel Saur (rechts) in den Ruhestand

  • Image 2 from 3

    Apostel Michael Ehrich (Bildmitte) wurde als Bezirksapostel ordiniert

  • Image 3 from 3

    Herzliche Dankesworte des Stammapostels Leber (links) an Bezirksapostel Saur

25 Jahre hatte der bei seinem Eintritt in den Ruhestand knapp 66-jährige Bezirksapostel Saur die Gebietskirche Baden geleitet, rund zehn Jahre zudem die Gebietskirchen Bayern und Württemberg (Anfang 2002 fusioniert zur Gebietskirche Süddeutschland). Zuvor war er außer für Baden elf Jahre als Bezirksapostel für die heutige Gebietskirche Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland verantwortlich gewesen.

Als sein Nachfolger empfing der damals 46-jährige Apostel Michael Ehrich das Bezirksapostelamt und wurde mit der Leitung der Gebietskirche Süddeutschland betraut. Mit der Verantwortung für die größte neuapostolische Gebietskirche in Europa war zudem die Verantwortung für die geistliche und administrative Betreuung der von hier betreuten Gebietskirchen in rund 30 Ländern verbunden, zum Großteil in Westafrika.

Bezirksapostel Saur ein „Freudenbote“

Im Hinblick auf die Ruhesetzung des Bezirksapostels Saur zitierte der Stammapostel in jenem Gottesdienst Vers 7, Kapitel 52 aus dem Buch Jesaja. Diese Bibelstelle handelt von „Freudenboten“, die „Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen“. Freude aus dem Evangelium zu vermitteln, wie es der scheidende Bezirksapostel getan hatte, sei ein Auftrag für alle Amtsträger in der Kirche, sagte der Stammapostel dazu, der auch Ausführungen zu den Begriffen „Frieden“, „Gutes“ und „Heil“ machte.

Das Bibelwort, das der Predigt zugrunde lag, war aus dem Neuen Testament, Kapitel 7, Vers 38 aus dem Johannes-Evangelium: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“

Bezirksapostel Saur wies in seinem Predigtbeitrag darauf hin, dass die frohe Botschaft der Erlösung keine Angelegenheit des Verstandes, sondern des Gott kindlich vertrauenden Glaubens sei. „Werke des Glaubens“ müssten sich zeigen, sonst sei es ein toter Glaube.

In großem Segen hatte Bezirksapostel Saur gedient. Für Generationen von Amtsträgern und Glaubensgeschwistern hatte er prägend gewirkt. Mit seinem Namen verbinden viele Kirchenmitglieder einen starken Glauben und ein stetes, unerschrockenes Eintreten für Jesus Christus und das Evangelium.

Nur rund acht Jahre befand sich Bezirksapostel Saur im Ruhestand – auch in dieser Zeit war er auf unterschiedliche Weise für die Kirche tätig –, bis er am 29. Juli 2014 völlig überraschend verstarb.

Bezirksapostel Ehrich: Hauptaufgabe in der Seelsorge

Seine Hauptaufgabe sehe er in der Seelsorge – also darin, den Kirchenmitgliedern zu helfen, das Glaubensziel zu erreichen: das heißt, seelisch bereit zu sein, um an der Wiederkunft Christi teilzunehmen, sagte Bezirksapostel Ehrich in einer Pressekonferenz anlässlich seines Amtsantritts. „Gerne möchte ich meinen Glaubensbrüdern und -schwestern Mut machen, ein Leben im Glauben, orientiert an der Wertordnung aus dem Evangelium, zu führen, das so eine tiefe Sinnerfüllung findet.“ Alle sollten wissen: „Wir haben einen Platz in der Mitte der Gemeinde!“ Es sei ihm wichtig, dass die Gottesdienste und die persönliche Seelsorge so gestaltet würden, dass persönliche Nähe erlebt werden könne. Dazu wolle er den Amtsträgern Impulse geben, bezeichnete er als eine vorrangige Aufgabe.

Sein Vorhaben, in der Ausbildung und Weiterbildung der kirchlichen Amtsträger, Lehrkräfte und weiteren mit kirchlichen Aufgaben betrauten Kirchenmitglieder Akzente zu setzen, realisierte der Bezirksapostel dadurch, dass er im Jahr 2009 die Akademie der Gebietskirche Süddeutschland ins Leben rief.

Auch die Unterstützung eines christlichen Familienlebens hatte er bei Amtsantritt als eine bedeutende Aufgabe genannt. So setzte er beispielsweise die Herausgabe von „Elternbriefen“ fort, die er als „ein wertvolles Element einer am Glauben orientierten Erziehung“ sieht. Die bisher erschienenen Ausgaben will er voraussichtlich noch 2016 als Sammelband herausgeben.

Einen Beitrag dazu, dass Kinder und Jugendliche in der Kirche „dauerhaft einen geborgenen, geschützten Raum“ haben, leistet die vom Bezirksapostel zusammen mit den süddeutschen Aposteln vor einiger Zeit verabschiedete Konzeption „Achtsamkeit“ (wir berichteten). Im Kern geht es dabei um Vorbeugung vor Grenzverletzungen, sexuellem Missbrauch und Gewalt. Die Konzeption enthält aufklärende Informationen, Richtlinien sowie Sensibilisierungs- und Schulungsmaßnahmen für den achtsamen Umgang mit Kindern und Jugendlichen, für deren Signale und Bedürfnisse, insbesondere im Hinblick auf die Vermeidung von Grenzüberschreitungen aller Art. Diese Konzeption nachhaltig in der Gebietskirche zu verankern, sei ihm ein Anliegen, erklärte der Bezirksapostel.

Nachhaltigkeit gehört auch zu den Grundsätzen auf anderen Feldern kirchlichen Handelns, beispielsweise beim Kirchenbau. So werden in den zehn Jahren, seit Bezirksapostel Ehrich für Süddeutschland verantwortlich ist, die Kirchenbauten nach den ganzheitlichen Regeln der Nachhaltigkeit errichtet. Die Gebietskirche ist Mitglied in der „Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen“ (DGNB).

„Der verantwortungsvolle Umgang mit den Opfern und Spenden der Kirchenmitglieder verpflichtet uns zu nachhaltigem Wirtschaften“, so der Bezirksapostel zu Nachhaltigkeit auf diesem Gebiet. Das Vermögen der Kirche – die sich selbst finanziert und dabei keine Kirchensteuer erhebt – dient dazu, die kirchlichen Aufgaben nach Artikel 2 der Verfassung zu erfüllen. So wird ein Teil der finanziellen Mittel, die der Gebietskirche zufließen, angelegt, um die kirchliche Arbeit auch in der Zukunft sicherzustellen. 2008 hat der Bezirksapostel einen Finanzanlagenbeirat ins Leben gerufen und war damit wegweisend für andere Gebietskirchen. Dieses Beratungs- und Kontrollgremium kümmert sich um die Beratung, Begleitung und Überwachung der Vermögensverwaltung und bereitet die strategischen Entscheidungen in Fragen der Vermögensanlage vor. Zwei Mitglieder des Landesvorstands, der Vermögensverwalter und externe Fachleute bilden dieses Gremium, dessen Vorsitzender der Bezirksapostel ist.

Hinsichtlich der Gebietskirchen im Ausland hatte der neu ordinierte Bezirksapostel deren mittel- bis langfristige Verselbstständigung auf administrativem und seelsorgerischem Gebiet genannt, „eine gewaltige Aufgabe“, wie er das damals realistisch einschätzte, nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen mit kirchlicher Arbeit in so genannten Drittwelt- und Schwellenländern. Dass die Maßnahmen zum Erreichen dieses Vorhabens nach und nach greifen, zeigt sich auch daran, dass in einigen Ländern des Bezirksapostelbereichs keine süddeutschen Apostel mehr Verantwortung haben, sondern jeweils ein einheimischer Apostel als Länderverantwortlicher beauftragt ist, so in Ghana, Nigeria und der Ukraine.