Für suchtgefährdete und suchtkranke Menschen gibt es zahlreiche professionelle Beratungsstellen. Suchtgefährdete und suchtkranke Kirchenmitglieder können sich künftig direkt dorthin wenden; die kirchliche Suchtkrankenhilfe in ihrer bisherigen Form wurde beendet.

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Kompetenz der Fachstellen direkt nutzen

Für suchtgefährdete und suchtkranke Menschen und ihre Angehörigen besteht ein dichtes, flächendeckendes Netz professioneller Suchthilfeeinrichtungen als Anlaufstellen für Erstkontakte und zur Antragstellung für eine Behandlung. Ausgebildete Fachkräfte helfen hochqualifiziert bei verschiedenen Suchterkrankungen. Zusätzlich gibt es vielerorts Selbsthilfegruppen, in denen sich suchtkranke Menschen austauschen und gegenseitig motivieren können, um einem Rückfall vorzubeugen.

„Angesichts der zahlreichen Angebote mit hoher Qualität und Respekt für die persönlichen Werte braucht es kein eigenes kirchliches Suchthilfenetzwerk mehr“, erklärte Bischof Rolf Ludwig, der als Mediziner für die ehrenamtlichen kirchlichen Suchtkrankenhelfer in Süddeutschland zuständig war.

Suchtgefährdete und suchtkranke Kirchenmitglieder sind gebeten, sich direkt an die professionellen Fachstellen zu wenden. (Eine Übersicht bietet z.B. die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung https://www.bzga.de/service/beratungsstellen/suchtprobleme/ oder die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.: https://www.dhs.de).

Ohnehin wurden die ehrenamtlichen kirchlichen SuchtkrankenhelferInnen – als mögliche erste Anlaufstellen – vergleichsweise selten kontaktiert.

Sucht – eine „Schamkrankheit“?

Bereits vor Jahrzehnten gab es in Süddeutschland einen in einer fachlichen Einrichtung tätigen Suchtkrankenhelfer, der neuapostolischer Christ ist und bei Bedarf suchtkranke Kirchenmitglieder in Süddeutschland zu einer Fachstelle begleitete.

Zur Erweiterung dieses Angebots erfolgten ab dem Jahr 2009 durch Fachkräfte Schulungen zum Einsatz als kirchliche SuchtkrankenhelferInnen. Diese ehrenamtlichen SuchtkrankenhelferInnen standen Kirchenmitgliedern bisher als erste Ansprechpartner zur Verfügung und vermittelten Adressen von professionellen Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe sowie auch von Selbsthilfegruppen vor Ort. „Im Lauf der Jahre haben Gemeindemitglieder wegen einer Abhängigkeit bzw. wegen süchtigen Verhaltens uns nur wenig kontaktiert“, mussten die kirchlichen SuchtkrankenhelferInnen jedoch konstatieren. „Gemeldet haben sich eher Angehörige von Suchtkranken.“ Ein Grund könnte sein, dass Sucht eine „Schamkrankheit“ ist und Betroffene ihre Erkrankung bei Menschen im Umfeld zu verbergen suchen.

Einige der kirchlichen SuchtkrankenhelferInnen wollen sich kommunalen Suchthilfenetzwerken anschließen, um sich nun dort fortzubilden und Erfahrungsaustausch zu pflegen.