In Besigheim (Kirchenbezirk Heilbronn) wurde vor der neuapostolischen Kirche in der Ulrichstraße 3 ein „Stolperstein“ verlegt. Er erinnert an die neuapostolische Christin Frida Dippon, die in der Zeit der NS-Diktatur ermordet wurde.

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    Ein "Stolperstein" erinnert nun an Frida Dippon.

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    Ein Chor umrahmte die Verlegung des "Stolpersteins" musikalisch.

Die 1896 in Großsachsenheim geborene Frida Dippon gehörte mit ihren Eltern und Geschwistern zu den ersten neuapostolischen Christen am Ort. Mit 21 Jahren heiratete sie Ernst Dippon, ebenfalls Mitglied der Neuapostolischen Kirche. Die beiden und ihre Kinder wohnten in der Ulrichstraße 3 in Besigheim, im Obergeschoss des früheren Kirchengebäudes. 1926 wurde Frida Dippon für einige Monate in die Universitätsklinik für Gemüts- und Nervenkrankheiten Tübingen eingewiesen, drei Jahre später erfolgte die Einweisung in die staatliche Heilanstalt Weinsberg. Von dort wurde Frida Dippon am 25. Januar 1940 zusammen mit 46 weiteren Frauen in die Landespflegeanstalt Grafeneck deportiert und noch am Tag ihrer Ankunft zusammen mit den anderen Frauen durch Giftgas ermordet.

Mit den „Stolpersteinen“, einem 1992 begonnenen Projekt des Künstlers Gunter Demnig, wird an Menschen erinnert, die während der NS-Diktatur verfolgt, deportiert und ermordet oder in den Suizid getrieben wurden. Über 70.000 „Stolpersteine“ – Betonwürfel mit einer beschrifteten Messingplatte an der Oberseite mit Namen, Geburts- und Todesjahr des NS-Opfers – hat Gunter Demnig bisher in Europa verlegt, zumeist vor dem letzten frei gewählten Wohnhaus des Betreffenden.

Da sie auffällig in den Wegbelag eingefügt sind, lassen die „Stolpersteine“ die Passanten unwillkürlich innehalten – stolpern – und sind so ein Mahnmal gegen das Vergessen des entsetzlichen Leides und Unrechts, das in der Zeit der NS-Diktatur geschah, und eine Erinnerung an die NS-Opfer.

„Der Stolperstein vor der Kirche wird uns immer wieder aus dem Tritt bringen“, sagte Gemeindevorsteher Dominik Floer in seiner Ansprache bei der „Stolperstein“-Verlegung. Er verstehe den „Stolperstein“ als tägliche Mahnung, gemäß dem Vorbild Jesu Christi zu handeln und die Nächstenliebe in den Vordergrund zu stellen.

Der erste „Stolperstein“ gegen das Vergessen einer neuapostolischen Christin in Süddeutschland wurde im November 2006 im Stuttgarter Stadtteil Feuerbach verlegt: zum Gedenken an Helene Wöhr, einst Mitglied in der neuapostolischen Kirchengemeinde Stuttgart-Feuerbach, wo sie im Jahr 1930 konfirmiert worden war. Helene Wöhr, deren Vater Jude war, wohnte in Stuttgart-Feuerbach am Eckhaus an der St.-Pöltener-/Oswald-Hesse-Straße. Sie hatte den Beruf einer Kindergärtnerin erlernt und war eine liebenswerte, nette junge Frau. Im jungen Alter von 27 Jahren wurde sie am 1. Dezember 1941 in das Konzentrationslager Riga deportiert und dort ermordet.

Auch gibt es einen „Stolperstein“ vor einer weiteren neuapostolischen Kirche in Süddeutschland – in Friedrichshafen-Fischbach, in der Zeppelinstraße 275, verlegt im September 2013. Dieser „Stolperstein“ erinnert an Elsa Hammer, eine 1884 in Göppingen geborene jüdische Mitbürgerin, die hier gewohnt hatte (das Wohnhaus wurde im Krieg zerstört, heute steht dort das Kirchengebäude). Elsa Hammer wurde 1943 nach Auschwitz deportiert und dort im selben Jahr ermordet.

Über die „Stolperstein“-Verlegung zur Erinnerung an Frida Dippon wird auch auf der Webseite des Kirchenbezirks Heilbronn berichtet.

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