Nach rund zehnmonatiger Bauzeit konnte die neue Kirche in Herbolzheim am Sonntag, 8. November 2015, geweiht und damit ihrer Bestimmung als Gotteshaus zugeführt werden. Bezirksapostel Michael Ehrich, Leiter der Gebietskirche Süddeutschland, führte den Weihegottesdienst am Sonntagvormittag in der voll besetzen Kirche durch.

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    Weihegottesdienst in der neuen Kirche in Herbolzheim

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    Bezirksapostel Michael Ehrich

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    Die Kinder der Gemeinde mit einem musikalischen Beitrag

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    Das Gemeindeorchester

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    Apostel Martin Schnaufer

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    Bischof Urs Heiniger

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    Die neue Kirche in Herbolzheim

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    Der Kirchensaal

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    Der neue Altar und die Orgel

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    Eingang in den Kirchensaal

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    Einer der vielfältig nutzbaren Nebenräume

Dank zuvorderst

Bevor der Bezirksapostel das Weihegebet sprach, brachte er Dank zum Ausdruck: An erster Stelle stand der Dank gegenüber Gott, der Segen und Schutz zum Gelingen des Bauvorhabens gegeben habe.

Im Weiteren dankte er allen Kirchenmitgliedern in Süddeutschland, die mit ihren Opfern und Spenden die Aktivitäten der Kirche und damit auch „sämtliche Baumaßnahmen finanziell gemeinsam stemmen“. (Die Kirche finanziert sich selbst; dabei erhebt sie weder Kirchensteuer noch Pflichtbeiträge von den Mitgliedern – die Mittel stammen aus Spenden und dem, was anonym in die Opferkasten in den Kirchengebäuden gelegt wird.)

Der Dank des Bezirksapostels galt auch den Mitgliedern der Gemeinde Herbolzheim, die in vielfältiger Art und Weise ihren Anteil dazu geleistet hätten, dass das Kirchengebäude nun fertig, gereinigt und schön geschmückt sei, sowie den Behörden, den Mitarbeitern der Abteilung Bau/Unterhalt der Kirchenverwaltung, den Architekten, allen Handwerkern und weiteren Dienstleistern für alle getane Arbeit. Es sei ein gelungenes Werk geworden, schön, hell und ansprechend, meinte er.

Im Anschluss daran erfolgte die Weihe des Gebäudes zum Gotteshaus.

Alles zu Gottes Ehre und aus Liebe

Aus Anlass des ersten Gottesdienstes im neuen Gotteshaus empfing die Gemeinde Herbolzheim vom Bezirksapostel ein Grußwort: Psalm 26, Vers 8: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.“ Der Bezirksapostel ermunterte die Gemeinde, darauf zu achten, dass alles im Gotteshaus zu Lob und Ehre Gottes diene und aus Liebe zu Gott sowie zu den Glaubensgeschwistern geschehe. Dabei erwähnte er das bekannte Wort „Soli Deo gloria“, Richtschnur auch für die Gemeindeaktivitäten. Er zeigte sich überzeugt, wenn der Geist der Liebe Christi regiere und sich alle darum bemühten, das Doppelgebot der Liebe – Gottesliebe und Nächstenliebe – in die Tat umzusetzen, dann entstehe in der Gemeinde eine besondere Atmosphäre und es gingen von der Gemeinde viele schöne Impulse aus; die Gemeinde sei dann ein „lesbarer Brief Christi“.

Für die Predigt im Weihegottesdienst verwendete der Bezirksapostel ein Bibelwort aus dem Alten Testament, aus dem Kontext des Tempelbaus, den seinerzeit Salomo veranlasst hatte: „Ich habe dein Gebet und Flehen gehört, das du vor mich gebracht hast, und habe dies Haus geheiligt, das du gebaut hast, dass ich meinen Namen dort wohnen lasse ewiglich, und meine Augen und mein Herz sollen da sein allezeit.“ (1. Könige 9,3).

Flehen, „ganz intensives Beten“, wünschte der Bezirksapostel, möge auch in der Gemeinde Herbolzheim offenbar werden und das Gotteshaus ein Zeichen des Glaubens sein, eine Anbetungsstätte, in der die Gemeinde alles beiseite stelle und sich ganz zu Gott hinwende. So könne sie hier auch Begegnung mit Gott haben, im verkündigten Wort Gottes und den Sakramenten.

Um Predigtbeiträge wurden Apostel Martin Schnaufer, Leiter des Apostelbereichs Freiburg/Tübingen, und der für den Arbeitsbereich Freiburg zuständige Bischof Urs Heiniger gebeten. Apostel Schnaufer griff den Gedanken auf, dass die Gemeinde im neuen Gebäude auch eine „Betgemeinde“ sein und sich diese Botschaft in die Umgebung verbreiten solle. Bischof Heiniger wünschte der Gemeinde, in der neuen Kirche einen „Ankerplatz der Seele“ zu finden.

Der Kirchenneubau

Der Neubau wurde auf dem bestehenden Kirchengrundstück errichtet. Es befindet sich an der Steigstraße / Ecke Hofestraße an einem kleinen städtebaulichen Platzraum im alten Ortskern von Herbolzheim in einer Umgebung mit Fachwerkhäusern.

Der Kirchenneubau besteht aus einem Haupt- und einem Nebenbaukörper. Der Hauptbaukörper liegt ca. einen Meter über der Hoferstraße. Er wurde mit einer Klinkerfassade versehen. Der Nebenbaukörper hat eine Putzfassade und liegt quer zum Hang. Wände und Decken des Hauptbaukörpers sind als massive Stahlbetonkonstruktion ausgeführt; die Wände des Kirchensaals erhielten eine vorgehängte Klinkerfassade. Bei dem niedrigeren Baukörper wurden die Wände aus hochgedämmten Ziegelmauersteinen errichtet. Aus Gründen der Nachhaltigkeit und Schöpfungsverantwortung sind auch die Dächer extensiv begrünt worden.

Der Sakralraum im Hauptbaukörper ist der zentrale Raum im Gebäude; er hat 100 Sitzplätze und ist auf den Altarbereich hin ausgerichtet. Der Altar wurde aus einem liegenden Quader aus Eichenholz skulptural gestaltet. Er ist der heilige Ort, an dem das Opfer Christi verwaltet und die Sakramente der Kirche gespendet werden und von dem aus auch die Wortverkündigung erfolgt.

Neben dem Altar hat die neue Pfeifenorgel ihren Platz. Sie wurde von der Kissinger Orgelbaufirma Andreas Offner gebaut und hat zwei Manuale und fünf Register.

Die für den Sakralraum gewählte, fast neun Meter hohe quadratische Form macht die Besonderheit der sakralen Nutzung deutlich. Im Inneren vermittelt die klare Gebäudeform Geborgenheit und Schutz, während die äußere Hülle für Beständigkeit und Langlebigkeit steht. Die Außenwände haben schlitzartige Fensteröffnungen, die als Glaskunst ausgeführt sind. Die Glaskunst stammt vom Künstler Tobias Kammerer (Rottweil).

In dem Nebenbaukörper, einem niedrigeren Flachbau, finden die Aktivitäten des Gemeindelebens statt. Denn hier sind außer der Sakristei die Mehrzweckräume angeordnet, die für die kirchlichen Unterrichte (Sonntagsschule usw.), Jugendabende, Gemeinde- und Seniorenzusammenkünfte und mehr genutzt werden können. Für die verschiedenen Nutzungen können die Mehrzweckräume untereinander zu einem großen Raum verbunden werden. Auch eine Teeküche ist hier untergebracht.

Die Erschließung des Kirchengebäudes erfolgt barrierefrei. Die farbliche Gestaltung des gesamten Gebäudes fügt sich mit warmen Erdtönen harmonisch in die Umgebung ein.

Die (vorigen) Versammlungsstätten

Die Anfänge der Gemeinde datieren in den 1920-er Jahren. Die ersten neuapostolischen Gottesdienste am Ort fanden ab 1927 in einem Wohnhaus an der Sonnhalde statt.

Ab 1952 wurde ein eigenes Kirchenbuch geführt, was die offizielle Gründung der Kirchengemeinde Herbolzheim bedeutete. Im Jahr 1954 wurde für sie die erste Versammlungsstätte an der Sonnenhalde geweiht.

Fast genau 20 Jahre später, am 4. Februar 1974, fand die Weihe des in der Steigstraße/Ecke Hofestraße neu errichteten Kirchengebäudes statt.

Nachdem dieses nicht barrierefreie Kirchengebäude stark sanierungsbedürftig geworden war, es mit seinen Räumlichkeiten auch nicht mehr den heutigen Anforderungen an ein aktives Gemeindeleben entsprach und ein Neubau wirtschaftlicher war als eine Umgestaltung und Sanierung, wurde das Gebäude im September 2014 profaniert und an derselben Stelle der nun fertiggestellte Kirchenneubau begonnen.

Der Neubau ist auf die Bedürfnisse der Gemeinde, die im Juni 2015 mit der Gemeinde Kippenheim zusammengeführt worden ist, abgestimmt und – nach Mosbach – das zweite in diesem Jahr in Süddeutschland realisierte Pilotprojekt eines Systembaus mit typisierten Plänen. Der Grundgedanke dabei ist, durch die mehrfache Herstellung Finanzmittel einzusparen.

Die Planung und Projektleitung hatten die Architekten Björn Seldte und Sebastian Metz von der Abteilung Bau/Unterhalt der Verwaltung der Gebietskirche inne, mit der Bauleitung war Architekt Ralf Conrad von Conrad und Conrad (Lahr) beauftragt.