Für die Kirche in 72124 Pliezhausen (Kirchenbezirk Reutlingen) gab es eine Architektur-Auszeichnung, umgangssprachlich „Kleiner Hugo“ genannt.

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    Die drei Architekten und Gemeindevorsteher Jens Sippel (Zweiter von rechts)

Die Auszeichnung ist zugleich eine Vorstufe zum Hugo-Häring-Preis – ein Architekturpreis für vorbildliche Bauwerke in Baden-Württemberg, den der Landesverband Baden-Württemberg des Bundes Deutscher Architekten (BDA) an Bauherren und Architekten für ihr gemeinsames Werk verleiht.

Erstmals wurde der Hugo-Häring-Preis 1969 vergeben, seit 1978 findet die Verleihung des Preises nur noch im Abstand von drei Jahren statt. In den beiden dazwischenliegenden Jahren gibt es in den 15 Kreisbezirken ein Verfahren zur „Auszeichnung guter Bauten“ – auch „Kleiner Hugo“ genannt. Die so ausgezeichneten Bauten qualifizieren sich für den eigentlichen Preis, der als „Hugo-Häring-Landespreis“ auch als „Großer Hugo“ bezeichnet wird.

Die Hugo-Häring-Auszeichnung 2017 in der Kreisgruppe Neckar/Alb für die markante Kirche in Pliezhausen wurde am 17. November 2017 im ehemaligen Landratsamt/Kunstamt in Tübingen verliehen. An der Preisverleihung nahmen die Architekten Oliver Braun und Johannes Weiß vom – von der Kirche Süddeutschland als Bauherrin beauftragten – Architekturbüro Ackermann & Raff, Architekten und Stadtplaner BDA (Stuttgart), teil sowie Architekt Stephan Pfäffle von der Abteilung Bau/Unterhalt des Verwaltungs- und Dienstleistungszentrums der Gebietskirche, der die Projektleitung innehatte. Auch der Gemeindevorsteher von Pliezhausen, Hirte Jens Sippel, war dabei.

Geweiht worden ist die Kirche im Oktober 2016 (wir berichteten). Sie war im Juni 2017 am bundesweiten „Tag der Architektur“, den die Architektenkammern der Länder veranstalten, Ziel einer Besichtigungsfahrt („Architektour“).

Zwei Tage dauerte die Bewertung der 56 eingereichten Arbeiten für den „Kleinen Hugo“, die insgesamt von einem sehr hohen architektonischen Niveau im Landkreis zeugen. Die Jury – fünf Preisrichter unter dem Vorsitz von Alexander Vohl – wählte letztlich zehn Projekte zur Prämierung aus, darunter die Kirche in Pliezhausen.

Der skulpturale, monochrom aus beigem Porenbeton gestaltete Baukörper mit seiner hoch aufragenden, bis auf ein kräftiges Lichtband nahezu geschlossenen Schmalseite und den quadratischen Fensteröffnungen an der Längsseite ist ein markanter Sakralbau. Zugleich dient er mit zwei Mehrzweckräumen, die zum Beispiel für die kirchlichen Unterrichte, Jugendveranstaltungen oder Gemeindezusammenkünfte genutzt werden, und einer Teeküche als Gemeindezentrum.

In der Begründung der Jury heißt es:  "Das Raumprogramm der Kirche wurde um ein zentrales Foyer organisiert, das sich zu einem kleinen, vom öffentlichen Raum der Straße abgehobenen Kirchhof hin öffnet. Die Zuordnung der Räume berücksichtigt die funktionalen Abläufe und mögliche Öffnungen zur umgebenden Landschaft. Außerdem erlaubt der Grundriss durch das Zusammenschalten verschiedener Raumbereiche verschiedene Nutzungsszenarien für Aktivitäten in der Kirchengemeinde. Naturbelassene Materialien wie der eingefärbte Dämmbeton und die Holzoberflächen schaffen außen wie innen eine spürbare Wertigkeit. Die treppenförmig zum Altar hin ansteigende Decke des Kirchenraumes und das sich nach außen hin abzeichnende, turmartige Oberlicht schafften einen spannungsvollen Sakralraum. Dieser verändert sich durch den sich je nach Tages- und Jahreszeit verändernden Lichteinfall und den Einsatz der in die Deckenstruktur integrierten Beleuchtung und kann so auf verschiedene Stimmungen angepasst werden."