… ist der Beginn der Neuapostolischen Kirche anzusetzen.

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Zu Anfang des 19. Jahrhunderts war es zum verstärkten Auftreten einer charismatischen Erweckungsbewegung gekommen, der Christen verschiedener Denominationen in England, Schottland und Deutschland angehörten. Daraus gingen die Katholisch-apostolischen Gemeinden hervor, aus denen sich dann ab Januar 1863 die spätere Neuapostolische Kirche entwickelt hat.

Anfang des Jahres 1863 erfolgte eine Apostelberufung. Diese wurde von den Aposteln der Katholisch-apostolischen Gemeinde nicht anerkannt. Im Gegensatz zu ihnen war der Leiter der Katholisch-apostolischen Gemeinde in Hamburg davon überzeugt, dass diese Berufung durch den Heiligen Geist erfolgte. Von nunmehr 155 Jahren, am 4. Januar 1863, erkannte die Gemeinde Hamburg diese Apostelrufung an. Daraufhin wurde die Gemeinde Hamburg aus der Katholisch-apostolischen Kirche ausgeschlossen. Somit ist der Beginn der Neuapostolischen Kirche, die sich von Hamburg aus weiter verbreitete, im Januar 1863 anzusetzen.

Die Kunde von der Wirksamkeit des Apostelamtes in der Neuzeit war um das Jahr 1850 nach Süddeutschland gekommen. Am 16. August 1856 fand in Ulm durch Apostel Henry Drummond die erste Heilige Versiegelung in Württemberg statt.

Von 130 Jahren, am 3. Juni 1888, wurde dann Apostel Georg Gustav Adolf Ruff für Süddeutschland ordiniert; seinen Arbeitsbereich bildeten Baden, Bayern, Hessen und Württemberg.


Was sagt der Katechismus dazu?


Von dem, was in dem 2015 erschienenen „Katechismus der Neuapostolischen Kirche in Fragen und Antworten“ zur Entstehung der Neuapostolischen Kirche gesagt wird, zitieren wir nachstehend:

600. Wie war die Lage des Christentums im Europa des 18. Jahrhunderts?

Im 18. Jahrhundert verband sich der christliche Glaube oft mit einem Denken, das den menschlichen Verstand als einzigen Maßstab ansah („Aufklärung“). Als Reaktion darauf gewann der Pietismus, eine Bewegung innerhalb der reformatorischen Kirche, zunehmend an Gewicht. Pietisten betreiben ein intensives Bibelstudium und sind sozial und missionarisch engagiert.

601. Wie war die Lage des Christentums im 19. Jahrhundert?

Im 19. Jahrhundert wurde der Versuch unternommen, Menschen, für die der christliche Glaube aufgrund ihrer Armut und Unwissenheit fremd geworden war, wieder für das Evangelium zu gewinnen („Innere Mission“). Darüber hinaus wurden „Missionsgesellschaften“ gegründet: Sie sorgten für eine weitere Ausbreitung des Christentums in außereuropäischen Ländern, vor allem in Afrika.

602. Welche wichtigen Entwicklungen gab es im Christentum des 19. Jahrhunderts?

Von großer Bedeutung – vor allem innerhalb des Protestantismus in England und den USA – waren die sogenannten „Erweckungsbewegungen“: Gläubige Christen riefen dazu auf, von einem „Gewohnheitschristentum“ zu einem lebendigen christlichen Glauben zurückkehren. Dieser Ruf nach Besinnung auf das Evangelium verband sich oft mit der Hoffnung auf die Wiederkunft Christi.

Dies ist der geschichtliche Hintergrund, vor dem Gott das erneute Wirken von Aposteln vorbereitete.

603. Wie kam es im 19. Jahrhundert zur Wiederbesetzung des Apostelamtes?

Zwischen 1826 und 1829 kamen gläubige Männer zu Konferenzen in Albury (Südengland) zusammen, um sich gemeinsam mit der Offenbarung des Johannes zu beschäftigen. Diese Konferenzen erfolgten auf Einladung des Bankiers Henry Drummond (1786 bis 1860) in enger Zusammenarbeit mit Edward Irving (1792 bis 1834), der Geistlicher der schottischen Nationalkirche war. Die Konferenzteilnehmer wollten Klarheit über biblische Aussagen zum Wirken des Heiligen Geistes und zur Wiederkunft Christi erlangen.

Auch in Schottland warteten Gläubige verschiedener Konfessionen auf ein verstärktes Wirken des Heiligen Geistes. Unter ihnen traten 1830 viel beachtete Krankenheilungen, Zungenreden (Reden in unbekannten Sprachen) und Weissagungen auf.

Im Herbst 1832 wurde John Bate Cardale (1802 bis 1877) in London vom Heiligen Geist zum Apostel berufen und durch Henry Drummond als Apostel bezeichnet.

Ab September 1833 wurden weitere elf Apostel durch Weissagungen – vor allem durch den Propheten Oliver Taplin (1800 bis1862) – gerufen.

604. Wie entstand die Katholisch-apostolische Kirche?

Die Apostel zogen sich 1835 für ein Jahr nach Albury zu intensiven gemeinsamen Beratungen zurück. Sie erarbeiteten das „Große Testimonium“ (1837), eine Bekenntnisschrift, die allen geistlichen und weltlichen Führern der Christenheit zugestellt wurde.

Im Testimonium forderten die Apostel die Christen dazu auf, sich unter ihrer Leitung zu sammeln, und sich auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten. Man wollte also keine neue Kirche gründen, sondern die verschiedenen vorhandenen Kirchen unter Aposteln zusammenführen.

Doch nahmen die meisten Christen den Ruf der Apostel nicht an. Die wenigen Christen, die den Aposteln Glauben schenkten, verbanden sich in einer neuen Kirche, nämlich der Katholisch-apostolischen Kirche.

605. Wann fanden die ersten Versiegelungen statt?

Die ersten Versiegelungen, die damals „apostolische Handauflegung“ genannt wurden, fanden 1847 in England, Kanada und Deutschland statt.

606. Was geschah, als einige der Apostel starben?

Im Jahr 1855 starben drei Apostel. Von den Propheten Edward Oliver Taplin und Heinrich Geyer (1818 bis 1896) wurden Nachfolger im Apostelamt benannt. Diese Rufungen wurden jedoch von den verbliebenen Aposteln nicht anerkannt. Es wurden keine Apostel mehr ordiniert.

Diese Sehensweise hatte schließlich zur Folge, dass es in der Katholisch-apostolischen Kirche nach dem Tod des zuletzt noch lebenden Apostels Francis V. Woodhouse im Jahr 1901 keine Apostel mehr gab. Es wurden auch keine Amtsträger mehr ordiniert.

607. Wie ist die Neuapostolische Kirche entstanden?

Am 10. Oktober 1862 wurde in Königsberg der Priester Rudolf Rosochacky (1815 bis 1894), Vorsteher der dortigen katholisch-apostolischen Gemeinde, durch den Propheten Geyer als Apostel benannt. Die Apostel der Katholisch-apostolischen Kirche erkannten diese Rufung nicht an.

Prophet Heinrich Geyer und der Leiter der Katholisch-apostolischen Gemeinde in Hamburg, Friedrich Wilhelm Schwartz (1815 bis 1895), waren jedoch davon überzeugt, dass diese Berufung ein Werk des Heiligen Geistes war.

Die Gemeinde in Hamburg erkannte am 4. Januar 1863 diese Apostelrufung an und wurde daraufhin aus der Katholisch-apostolischen Kirche ausgeschlossen.

Im Januar 1863 ist somit der Beginn der Neuapostolischen Kirche anzusetzen.

Auch als Apostel Rosochacky kurz darauf von seinem Amt zurücktrat, hielten Geyer, Schwartz und die Hamburger Gemeinde daran fest, dass es sich um einen göttlichen Ruf gehandelt hatte.

608. Was geschah in der Folgezeit?

Der Priester Carl Wilhelm Louis Preuß (1827 bis 1878) und wenig später Friedrich Wilhelm Schwartz wurden zu Aposteln gerufen. Apostel Preuß wirkte in Norddeutschland, während Apostel Schwartz die Niederlande als Arbeitsgebiet hatte.

Weitere Rufungen von Aposteln folgten in kurzer Zeit. Die neu entstandene Gemeinschaft nannte sich „Allgemeine christliche apostolische Mission“.

Im Jahr 1872 wurde Friedrich Wilhelm Menkhoff (1826 bis 1895) als Apostel für Westfalen und das Rheinland berufen.

Apostel Menkhoff gründete 1884 in Deutschland die Kirchenzeitschrift „Der Herold“. Unter seinem Einfluss schaffte Apostel Schwartz zunächst in seinem Tätigkeitsbereich die liturgischen Gewänder und viele Elemente der von der Katholisch-apostolischen Kirche übernommenen Liturgie ab. Im Jahr 1885 wurden diese Änderungen von allen anderen Gemeinden übernommen.

609. Wie kam es zum Namen „Neuapostolische Kirche“?

Zur Unterscheidung von den katholisch-apostolischen Gemeinden nannten sich die ab 1863 entstehenden Gemeinden im amtlichen Schriftverkehr bald „neuapostolische Gemeinden“. 1907 erfolgte die offizielle Bezeichnung „Neuapostolische Gemeinde“ und ab etwa 1930 „Neuapostolische Kirche“.

610. Wie lange wirkte das Prophetenamt?

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts trat das Apostelamt als zentrales Amt, das umfassende Vollmachten hat, in der Kirche immer mehr hervor. Zugleich ging die Bedeutung des Prophetenamts zurück. Seit Ende der 1920er-Jahre sind keine Propheten mehr in den Gemeinden tätig.


Den „Katechismus in Fragen und Antworten“ veröffentlichen wir nach und nach in thematischen Blöcken unter „Katechismus“ in der Rubrik „Woran wir glauben“.