Unter diesem Hauptthema stand der Architekten- und Ingenieurtag (AIT) der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland, der am 1. und 2. Dezember 2016 im Forum Fasanenhof stattfand, der Begegnungsstätte der Gebietskirche in Stuttgart-Möhringen.

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    Rund 80 Teilnehmer besuchten den 3. AIT im Forum Fasanenhof

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    Der Schirmherr, Bezirksapostel Michael Ehrich, hielt die Eröffnungsansprache

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    Workshops, Gespräche und Austausch

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    Workshops, Gespräche und Austausch

Es war die dritte derartige Veranstaltung der Gebietskirche, wie der Schirmherr, Bezirksapostel Michael Ehrich, in der Eröffnungsansprache vor den ca. 80 Teilnehmern sagte. Die Begrüßung hatte Architekt Joachim Raff übernommen, Leiter der Abteilung Bau/Unterhalt im Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum (VDZ) der Gebietskirche Süddeutschland, der darauf hinwies, dass die Architektenkammer Baden-Württemberg der Veranstaltung die Anerkennung als Bildungsträger zugesprochen hatte. Er erwähnte auch das süddeutsche Richtlinienwerk zu den kirchlichen Immobilien, das die Basis des kirchlichen Bauens in Süddeutschland darlegt und daher für den größten Teil der Veranstaltungsteilnehmer Bedeutung hat.

Unter den Teilnehmern waren zum einen die Partner, also Architekten und Ingenieure, die bezüglich Planung, Bauleitung und Unterhalt mit der Abteilung Bau/Unterhalt im VDZ zusammenarbeiten. Zum anderen nahmen Fachkollegen aus Bauämtern anderer Denominationen teil, so der Leiter der Abteilung Bauen und Liegenschaften beim katholischen Stadtdekanat Stuttgart, Alexander Schmidt, der Leiter des Baureferats der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, Harald Hein, und der Leiter des erzbischöflichen Bauamts Freiburg, Anton Bauhofer, der an diesem dritten Architekten- und Ingenieurtag den Schlussvortrag mit dem Titel „Herausforderung Sakralität – was macht einen Raum zum sakralen Raum?“ hielt.

Begrüßt werden konnten zudem die Verantwortlichen aus den Bau- und Immobilienabteilungen der weiteren deutschen Gebietskirchen („mit denen wir intensiv kooperieren“, wie Raff erklärte), deren Partner sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung Bau/Unterhalt im VDZ.

Viele Komponenten vereinen

Beim letzten Architekten- und Ingenieurtag, den die Gebietskirche Süddeutschland im Jahr 2010 veranstaltet hatte, war es um „Nachhaltige Qualität“ gegangen. Dies habe nach wie vor Bedeutung, führte der Bezirksapostel in der Eröffnungsansprache aus, wobei es gelte, viele Komponenten zu vereinen. Dabei nannte er u.a. das kirchliche Leben vor Ort als Bedarfsbasis kirchlichen Bauens („wir bauen für die, die die Gemeinden ausmachen“), den Blick auf die bautechnischen und gestalterischen Möglichkeiten, behördliche und ökologische Vorgaben und Überlegungen sowie ökonomische und weitere Vorgaben des Bauherrn. Dies alles sei in eine möglichst ausgewogene Balance zu bringen.

Die Zufriedenheit der Nutzer, also der Kirchenmitglieder vor Ort, sei für ihn hoch wichtig, so der Bezirksapostel weiter, der verdeutlichte, dass sehr viele von ihnen engagierte Christen sind, die sich ehrenamtlich in der Gemeindearbeit einbringen. Aus diesem Grund hätten aus seiner Sicht neben den Vorgaben des Bauherrn bezüglich der Kosten – die Kirche finanziert sich selbst – die Vorgaben hinsichtlich praxistauglicher Gestaltung und Pflegeleichtigkeit Vorrang (auch die Pflege der Gebäude und Außenanlagen wird im ehrenamtlichen Bereich geleistet).

Die Prozess- und Managementqualität müsse ebenfalls stimmen, meinte der Bezirksapostel, der darauf verwies, bei der Erfüllung der Aufgaben im Bau unterscheide sich die Kirche nicht von anderen Bauherren- bzw. Eigentümerorganisationen. Zur ökologischen Nachhaltigkeit erwähnte er, dass die Gebietskirche Süddeutschland seit 2008 Mitglied der „Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen“ (DGNB) ist, um „zugeschnitten auf unsere Belange zum Thema ‚Nachhaltigkeit‘ in allen, nicht nur ökologischen Komponenten, am Puls der Zeit zu sein“.

Er zitierte in seiner interessanten, lebhaften Rede aus dem Leitbild des VDZ und untermauerte seine Ausführungen mit praxisnahen, auf die Teilnehmer am Architekten- und Ingenieurtag zugeschnittenen Beispielen. Auch Bibelzitate erwähnte er, so Sprüche 24,3.4: „Durch Weisheit wird ein Haus gebaut, und durch Verstand erhalten, und durch ordentliches Haushalten werden die Kammern voll kostbarer, lieblicher Habe.“

Warum heute noch Kirchenbau?

Unter rein ökonomischen Gesichtspunkten, wenn man beispielsweise den Nutzungsgrad betrachte, wäre es eigentlich ein Unding, heute noch Kirchen zu bauen, meinte der Bezirksapostel. Andere Gesichtspunkte jedoch seien ungleich wichtiger: Die Glaubenden hätten in ihrer Kirche einen sakralen Ort für die Anbetung Gottes, eine geweihte Offenbarungsstätte des Heiligen Geistes, wo Gottes Wort verkündigt und die Sakramente gespendet würden. Die Kirche sei so der Platz für das Praktizieren des Glaubens und sie sei der Ort, wo die Gemeinschaft in der Gemeinde erfahren werde.

Mit dem Bau von Kirchen werde damit auch ein „starkes Zeichen des Glaubens“ gesetzt, ein „Zeichen gegen den Zeitgeist“, in eine säkulare, vom christlichen Glauben abgewandte Gesellschaft hinein.

Podiumsgespräch, Fachvorträge und Workshops

Die zwei Veranstaltungstage waren bis an den Rand gefüllt mit Fachvorträgen und Workshops. Am Vormittag des 1. Dezember fand ein Podiumsgespräch statt, an dem sich die Architekten Joachim Raff, Leiter der Abteilung Bau/Unterhalt im VDZ, sowie sein Stellvertreter, Jürgen Häußer, und Stephan Pfäffle, Leiter der Gruppe Baumanagement in der Abteilung Bau/Unterhalt, beteiligten. Die Moderation hatte Annika Metz aus der Stabsabteilung des Kirchenpräsidenten übernommen.

„Was bedeutet Qualität? Und welche Herausforderungen ergeben sich beim Bau von Kirchengebäuden?“ Anhand dieser Einstiegsfragen entwickelte sich das Gespräch, in dem die „6 Säulen der Qualität“, herausgegeben von der DGNB, eine wichtige Rolle spielten. Diese sechs Aspekte von Qualität beim Bauen – ökologische Qualität, ökonomische Qualität, soziokulturelle und funktionale Qualität, technische Qualität, Prozessqualität und Standortqualität – bringen, so wurde schnell deutlich, jeweils ganz eigene Herausforderungen im Projektentwicklungs-, Planungs- und Umsetzungsprozess mit sich. Notwendige Aufgabe aller am Prozess Beteiligten sei daher, gemeinsam eine Balance zu finden, um in möglichst vielen Aspekten eine hohe Qualität zu erreichen. Gespräche und Austausch, transparente Kommunikation, die rechtzeitige und verbindliche Festlegung von Rahmenbedingungen und die Einbindung aller Prozessbeteiligten könnten für das Finden dieser Balance die Grundlagen sein.

Am Nachmittag des ersten Veranstaltungstages sowie am Vormittag des zweiten Tages wurden unterschiedliche Workshops angeboten, die jeweils mit kurzen Impulsvorträgen begannen.  Alle Workshops vertieften die Themen, die bereits beim Podiumsgespräch angesprochen worden waren. So gab es unter anderem die Workshops zum Thema „Herausforderung ‚Gestaltung im Kostenrahmen‘“, „Herausforderung ‚Integrale Planung‘“ und „Herausforderung ‚Bauherr und Architekt‘“.  Aber auch die Herausforderung bei der Ausführung von Unterhalts- und Teilbaumaßnahmen, bei denen beim weitaus größten Teil des Gebäudebestands von fast 700 Kirchen in Süddeutschland sinnvolle Kompromisse geschlossen werden müssen, wurde intensiv beleuchtet.

Den Abschluss des AIT bildeten Kirchenbesichtigungen. Es wurden zwei verschiedene Exkursionen in der Umgebung Stuttgarts angeboten, deren Routen die Teilnehmer zu bereits fertiggestellten oder aktuell im Bau befindlichen Kirchengebäude führten: Eine Gruppe besichtigte die im Jahr 2011 geweihte Kirche in Neuhausen/Fildern (Architekt: Stephan Pfäffle, Stuttgart) und das im Oktober 2016 geweihte Kirchengebäude in Pliezhausen (Architekt: Ackermann + Raff, Stuttgart). Die andere Gruppe besuchte die im Jahr 2015 geweihte Kirche in Stuttgart-Bad Cannstatt (Architekt: Mühleisen und Partner, Stuttgart) und die Baustelle des Kirchengebäudes in Kornwestheim, das im Frühjahr 2017 fertiggestellt wird.