Am Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres ist Buß- und Bettag. Er wird, auch wenn er in den meisten Bundesländern 1995 als gesetzlicher Feiertag abgeschafft wurde, als kirchlicher Feiertag begangen.

Dies betraf auch die Gottesdienste, die in den süddeutschen Kirchengemeinden am Mittwochabend, dem 21. November 2018, gefeiert wurden. Sie standen unter der Überschrift: „Dem Bußfertigen schenkt Gott Gnade“.

Als Bibelwort lag in den Gottesdiensten am diesjährigen Buß- und Bettag Psalm 51,12 zugrunde: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist.“

Die göttliche Gnade und Liebe zu den sündigen Menschen zeigte sich in Jesus Christus, dessen vollkommenes, ewig gültiges Opfer die Grundlage der Sündenvergebung ist.

Verkündigt wird die Vergebung der Sünden im Gottesdienst im Anschluss an das von der Gemeinde gemeinsam gebetete Vaterunser, das auch ein Bußgebet ist, in dem die Betenden vor Gott bekennen, gesündigt zu haben. Der dreieinige Gott ist es, der die Sünden vergibt; aus eigener Kraft kann niemand von Sünden frei werden.

Um die Sündenvergebung zu erlangen, ist der Glaube an Jesus Christus als den Erlöser erforderlich. Außerdem braucht es die Erkenntnis, gesündigt und Gnade nötig zu haben, das Bekennen der Sünden vor Gott sowie Buße und Reue über das eigene Fehlverhalten, verbunden mit dem Willen, Fehler und Schwächen zu überwinden. Auch gehört der Wille dazu, sich mit denen zu versöhnen, die einem Unrecht zugefügt haben, und ihnen zu vergeben.

Die im Glauben ergriffene Sündenvergebung ermöglicht einen Neuanfang.

 

Was sagt der Katechismus dazu?

Einiges von dem, was in dem 2015 erschienenen „Katechismus der Neuapostolischen Kirche in Fragen und Antworten“ zu Sünde, Schuld und Vergebung ausgeführt wird, zitieren wir nachstehend:

227. Hat der Sündenfall Folgen für alle Menschen?

Ja, seit dem Sündenfall unterliegen alle Menschen der Macht der Sünde. Sünde führt zur Trennung von Gott, das heißt zum geistlichen Tod: „Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben“ (Römer 5,12). Beim Menschen bleibt die Geneigtheit zur Sünde (Konkupiszenz) bestehen; aus eigener Kraft kann er nicht in den Zustand der Sündlosigkeit zurückkehren.

228. Hat der Sündenfall darüber hinaus Folgen für die Schöpfung?

Ja, aus dem Sündenfall des Menschen ergeben sich weit reichende Auswirkungen auf die Schöpfung: Der Acker wird verflucht: „Weil du … gegessen [hast] von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen –, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen“ (vgl. 1. Mose 3,17.18). Die ursprünglich vollkommene Schöpfung ist seitdem beschädigt. Auch die Schöpfung muss von dem Fluch, der auf ihr liegt, befreit werden.

298. Was bedeutet es, gegen Gottes Gebote zu verstoßen?

Jeder Verstoß gegen Gottes Gebote ist Sünde. Sünde macht den Menschen vor Gott schuldig. Das Ausmaß der aus der Sünde erwachsenen Schuld kann unterschiedlich sein. Gott allein legt fest, wie groß die Schuld ist. Im Einzelfall kann es sein, dass aus der Sünde kaum eine Schuld gegenüber Gott entsteht.

649. Was muss der Mensch tun, um Sündenvergebung zu erlangen?

Um Sündenvergebung zu erlangen, ist notwendig:

  • Der Mensch muss an Jesus Christus als seinen Erlöser glauben (Johannes 8,24).
  • Erforderlich ist zudem der Glaube, dass Sündenvergebung durch die Apostel verkündigt wird.
  • Notwendig ist auch die Einsicht, dass man gesündigt und Schuld auf sich geladen hat und somit Gnade benötigt.
  • Es muss der Wunsch im Herzen stehen, mit Gott versöhnt zu werden.
  • Der Sünder muss seine Sünden bereuen und vor Gott im Vaterunser bekennen: „Vergib uns unsere Schuld …“
  • Es muss der ernste Vorsatz bestehen, Schwächen und Fehler zu überwinden.
  • Der Sünder muss sich mit demjenigen versöhnen wollen, der ihm etwas angetan hat und somit ihm gegenüber schuldig geworden ist.

650. Was gehört zur Erkenntnis, gesündigt zu haben?

Zur Erkenntnis, gesündigt zu haben, gehört das Wahrnehmen der eigenen Schwächen und Fehler. Dies setzt eine Selbstprüfung voraus.

Diese Erkenntnis führt zu Buße und Reue.

652. Welche Wirkungen hat die Sündenvergebung?

Die Sündenvergebung reinigt von Sünden und hebt die Schuld auf, die Gott gegenüber besteht.

Den Gläubigen, denen die Sünden vergeben worden sind, wird der Friede Jesu Christi mit den Worten zugesprochen: „Der Friede des Auferstandenen sei mit euch!“ Wenn dieser Friede gläubig im Herzen aufgenommen wird, kann die Furcht vor den Folgen der Sünde weichen.

Unabhängig von der Sündenvergebung muss der Mensch für die Konsequenzen und Verantwortlichkeiten einstehen, die sich aus seinem sündigen Verhalten ergeben, etwa materieller oder rechtlicher Art.

653. Gibt es Sünden, die nicht vergeben werden?

Ja, die Lästerung des Heiligen Geist ist eine Sünde, für die es keine Vergebung gibt. Davon sagte der Sohn Gottes: „Wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig“ (Markus 3,29).

654. Wer begeht die Lästerung gegen den Heiligen Geist?

Lästerung gegen den Heiligen Geist begeht, wer aus feindseligen oder niedrigen Beweggründen bewusst und mutwillig den Heiligen Geist als teuflisch und verführerisch darstellt.

Den „Katechismus in Fragen und Antworten“ veröffentlichen wir nach und nach in thematischen Blöcken unter „Katechismus“ in der Rubrik „Woran wir glauben“.

 

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