Die Gemeinde Maulbronn (Kirchenbezirk Bretten) hat Mitte August 2017 die neue Kirche in der Frankfurter Straße 104 bezogen. Diese ist gottesdienstliche Versammlungsstätte und erfüllt – mit den Nebenräumen – zudem die Funktion eines Gemeindehauses.

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    Blick ins Kirchenschiff

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Die Weihe der neuen Kirche erfolgte in dem Festgottesdienst, den Bezirksapostel Michael Ehrich am 13. August durchführte (wir berichteten). Nun wurde am Freitag, 22. September, der Festakt zur Einweihung begangen und die neue Kirche der Öffentlichkeit vorgestellt.

Zum Festakt war als Vertreter der Bauherrschaft – der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland – Apostel Herbert Bansbach gekommen. Er leitet den Apostelbereich Karlsruhe, zu dem der Kirchenbezirk Bretten mit acht Gemeinden zählt, darunter die Gemeinde Maulbronn.

Zur heutigen Gemeinde Maulbronn sind anlässlich des Kirchenneubaus die bisherigen Gemeinden Knittlingen und Maulbronn zusammengeführt worden. Bereits Ende 2011 hatten die Gemeinden Maulbronn und Zaisersweiher zur Gemeinde Maulbronn fusioniert.

Apostel Bansbach erwähnte in der Festrede das an der Wand hinter dem Altar angebrachte Kreuz, das den Kirchenraum dominiert. Es sei das Symbol, das alle Christen miteinander miteinander in der frohen Botschaft von Tod und Auferstehung Christi verbinde. Einen schönen Ausdruck dieser Verbundenheit der christlichen Denominationen im Raum Maulbronn sah der Apostel auch darin, dass die Pfarrer der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde Maulbronn sowie der evangelischen Kirchengemeinde Knittlingen am Festakt Grußworte sprachen. Maulbronns Bürgermeister Andreas Felchle wandte sich ebenfalls mit einer Ansprache an die Festakt-Teilnehmer.

Eine Orgelsachverständige der Gebietskirche, Dr. Valerie Schnitzer, gab Erläuterungen zur Orgel. Es ist eine zweimanualige Pfeifenorgel (Waldkircher Orgelbau Jäger und Brommer) mit elf spielbaren Registern. Ihre klangliche Disposition orientiert sich an der Stilistik des süddeutschen-elsässischen Barock.

Zum Kirchenneubau

Martin Dürr von den mit Planung und Bauleitung beauftragten Architekten baurmann.dürr (Karlsruhe) erläuterte aus architektonischer Sicht den Neubau, der – an exponierter Lage am Kreisverkehr am Ortseingang von Maulbronn gelegen – mehrere Funktionen erfüllen muss: städtebaulich ein sakrales Zeichen setzen, einladend wirken und sich doch gegen den Kreisverkehr mit seinem Verkehrslärm abschirmen.

An dem Kreisel befindet sich nun ein Portikus im Kirchengrundstück, der die alte Baulinie von Maulbronn aufnimmt und zum Abschluss bringt. Dahinter wurde ein Kirchplatz geschaffen, von dem aus das Kirchengebäude erschlossen wird. Der Kirchplatz ist, wie man dies von Kirchplätzen vor historischen Kirchengebäuden kennt, als Ort der Begegnung und des Aufenthalts – vor dem Gottesdienst und nach dem Gottesdienst –, als Ort der Feste und Veranstaltungen konzipiert. Zugleich führt der mit schönem Betonriemchenpflaster belegte Kirchplatz vom öffentlichen Raum zum Kirchengebäude hin. Auf dem Weg vom Kirchplatz bis ins Kirchenschiff lässt der Gottesdienstbesucher Schritt für Schritt den Alltag hinter sich und begibt sich in die Geborgenheit der Gemeinde und die Stille und Andacht im Kirchenschiff.

Das Kirchenschiff bildet das Zentrum des Neubaus. Baulich betont wird dies in einem klaren Erscheinungsbild durch eine umlaufende Glasfassade im oberen Bereich des Kirchenschiffs. Durch diesen transluzenten Aufbau aus lichtstreuendem Profilbauglas erfährt das Kirchenschiff seine transzendente Wirkung. Die Fassade dieses Kubus – der sich auch durch seine Höhe vom Gesamtgebäude absetzt – leuchtet bei Gottesdiensten am Abend in den Stadtraum hinein und erscheint je nach Blickwinkel und Lichtverhältnissen mal flächig glänzend, mal zart und filigran strukturiert. Die Glasfassade lässt nicht nur Licht ins Kirchenschiff, sondern ist zugleich eine transparente Wärmedämmung.

Das Kirchenschiff bietet Sitzplätze für 170 Gottesdiensteilnehmer. Von jedem Platz aus ist baulich ein uneingeschränkter Blick zum Altar gegeben, auch bei einer partiellen Erweiterung um das Foyer oder die Mehrzweckräume. Der Altar ist im Kirchenschiff und gesamten Gebäude die zentrale Stätte: Hier werden die Sakramente gespendet; von hier aus erfolgt auch die Verkündigung des Evangeliums: in freier Rede, ohne Manuskript – inspiriert vom Heiligen Geist. Baulich ausgeführt wurde der Altar in Stampfbeton, der farblich die unterschiedlichen Schichten der natürlichen Materialmischung wiedergibt; die Altarplatte besteht aus hellem Holz, hingegen das Bibelpult auf dem Altar aus dunklem Wurzelholz. Mit dem an der Altarrückwand angebrachten christlichen Kreuz, das in dünnem Flachstahl filigran ausgeführt ist, ist ein ruhiges Gesamtensemble entstanden, das die Konzentration auf das Geschehen am Altar fördert.

Die neue Kirche hat drei Nebenräume: die Sakristei sowie zwei Mehrzweckräume, die zum Beispiel für die kirchlichen Unterrichte – Sonntagsschule, Religionsunterricht und Konfirmandenunterricht – genutzt werden können, aber auch für sonstige Aktivitäten im Gemeindeleben. Diese Räume orientieren sich zur Salzach hin und binden die Landschaft gleichsam mit in den Innenraum ein.

Erwähnenswert ist das ökologische Lüftungskonzept mit natürlicher Nachtauskühlung. Rückseitig, zum Ufer der Salzach hin, erfolgte eine naturnahe Begrünung. An der östlichen Seite des Kirchplatzes sind fünf Fahrradständer eingebaut, die Anstellmöglichkeiten für zehn Fahrräder bieten.