Die Gemeinde Stuttgart-Münster (Kirchenbezirk Stuttgart-Bad Cannstatt) feierte am Sonntag, 22. Oktober 2017, ein doppeltes Jubiläum: das 90-jährige Bestehen der Kirchengemeinde und das 80-jährige des Kirchengebäudes in der Austraße 81.

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Ehre sei Gott, unserem Vater

Unter diesem Motto stand die Andacht, die am 22. Oktober anlässlich des doppelten Jubiläums stattfand und mit einem Dankgebet begann.

Mit Vorträgen von Orgel und Gemeindeorchester sowie des Gemeindechors und einer gemischten Chorgruppe, die sich alle auf das Andachtsmotto bezogen, wurde die Andacht musikalisch gestaltet. Bei den Wortbeiträgen gab es u.a. einen Wechselvortrag – Psalm 136 wurde vom Andachtsleiter vorgetragen, alle Anwesenden sprachen das Gotteslob „denn seine Güte währet ewiglich“ zum Ende jedes Verses. Aus dem Neuen Testament zitierten Jugendliche (Wechselstimmen) Bibelstellen, die vom Lob Gottes durch Jesus und seine Apostel künden.

Das Lob Gottes vereint, so die Überzeugung der Glaubenden, die sichtbare und die unsichtbare Gemeinde, und so wurden zur Freude vieler Andachtsteilnehmer auch Gedanken aus dem Gottesdienst erwähnt, den im April 1951 der damalige internationale Kirchenleiter, Stammapostel J.G. Bischoff, in Stuttgart-Münster gefeiert hatte. Der Stammapostel hatte in der Wortverkündigung auf das Bibelwort „Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit sich selber“ hingewiesen und Jesus Christus als den Erlöser, aus dem die erlösungsbedürftigen Menschen „alles geschenkt bekommen“, und als wiederkommenden Herrn in seinen Ausführungen ganz in die Mitte gestellt.

Aus der Gemeindechronik

Die Anfänge der Neuapostolischen Kirche im ehemaligen Bauern- und Weingärtnerdorf Münster am Neckar datieren vor über 100 Jahren.

In einem Bericht der „Cannstatter Zeitung“, der anlässlich der Weihe des Kirchengebäudes in der Austraße erschien, heißt es: „Im geschichtlichen Rückblick führte er [Bezirksapostel Karl Gutbrod] 1912 als Anfangsjahr der Gemeinde an, als Familie Fl. von Gablenberg nach hier zog. Durch ihr stilles Wirken unter Beihilfe von Diakon Nagel von Ostheim bildete sich ein Kreis, der bis 1914 etwa 20 Personen umfasste.“

Die seit dem Jahr 1912, als weitere Münsterer Bürger die Heilige Versiegelung empfingen, stetig gewachsene Gemeinde erhielt im Jahr 1918 mit der Ordination von Friedrich Pfänder zum Diakonen den ersten Amtsträger aus den eigenen Reihen.

Die ersten Kirchenmitglieder in Münster besuchten die Gottesdienste im benachbarten Bad Cannstatt. Seit 1922 werden regelmäßig neuapostolische Gottesdienste in Stuttgart-Münster durchgeführt, zunächst vorwiegend durch Geistliche der Gemeinde Bad Cannstatt.

Als Stammapostel Hermann Niehaus am 19. September 1926 die Gemeinden in Stuttgart besuchte und mit ihnen in der Stadthalle in der Neckarstraße Gottesdienst feierte – damals in Begleitung von Stammapostelhelfer J.G. Bischoff und Bezirksapostel Karl Gutbrod –, durften auch die neuapostolischen Christen aus Münster daran teilnehmen. Das waren damals aus Münster bereits rund 100 Personen.

Im Jahr 1927 erhielt die Gemeinde Münster ein eigenes Kirchenbuch und wurde damit offiziell selbständig; ihr erster Vorsteher war der im Jahr 1922 zum Priester ordinierte Friedrich Pfänder.

Gottesdienstliche Versammlungsstätten

Ab dem Jahr 1922 wurden in verschiedenen privaten Unterkünften die Gottesdienste in Münster durchgeführt. Auch die Glaser-Werkstatt von Glaubensgeschwistern wurde für Gottesdienstzwecke genutzt.

Ab dem Jahr 1929 stand der Gemeinde dazu dann eine Schulbaracke zur Verfügung. Später konnte der sogenannte Singsaal in der Turn- und Festhalle für die Gottesdienste und Gemeinde Zusammenkünfte gemietet werden.

Schließlich ließ die Kirchenleitung das Kirchengebäude in der Austraße 81 errichten. Die Weihe führte Bezirksapostel Karl Gutbrod am 31. Oktober 1937 durch. In einem Zeitungsbericht vom 1. November 1937 wird das Gebäude beschrieben, es heißt darin u.a.: „[Es ist] ein Langhaus im Ausmaß von 11 auf 21 Meter. Die Fassade ist aus Süßwasser-Tuffsteinen, in die über dem breiten Eingang ein Kreuz eingehauen ist. … Das Innere besteht außer der Sakristei und einem Nebenraum aus einem geräumigen Gemeindesaal. Dieser umfasst 350 Sitzplätze. … Die Wände sind mit gelblich-grauem Edelputz getönt, zwischen denen sich die hohen Kirchenfenster aus Antikglas gut ausnehmen. Die Empore ist von zwei Seiten zugänglich. … Im Chor steht der erhöhte Altar.“ Auch in der Kirchenzeitschrift „Unsere Familie“ aus dem Jahr 1937 wird darüber berichtet.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Kirchengebäude beschädigt. Der große persönliche Einsatz der Gemeindemitglieder ermöglichte den Wiederaufbau. Bezirksapostel Georg Schall führte am 4. September 1949 den festlichen Wiederbezug durch.

Mit dem Einbau einer neuen Pfeifenorgel im Jahr 1958 erfolgte eine Teilrenovierung. Im Jahr 1973 wurde dann das Innere des Kirchengebäudes nach dem damaligen Zeitgeschmack modernisiert und umgestaltet. Nach einer größeren Umbaumaßnahme übergab Bezirksapostel Karl Kühnle am 19. April 1992 die Kirche wieder ihrer Bestimmung.

Die Kirche hat den Status als Baudenkmal, gelistet beim Amt für Denkmalpflege Baden-Württemberg.