Bundesweit veranstalten jedes Jahr am letzten Juni-Wochenende die Architektenkammern der Länder den „Tag der Architektur“. Dabei können Architekturinteressierte an Besichtigungsfahrten („Architektouren“) teilnehmen, die zu Objekten führen, welche von den Landeskammern ausgewählt werden.

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    Das Kirchengebäude in Maulbronn

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    Blick in das Kirchenschiff

Eine von der Architektenkammer Baden-Württemberg angebotene „Architektour“ führte am 23. Juni 2018 zur neuapostolischen Kirche in Maulbronn (Kirchenbezirk Bretten, Apostelbereich Karlsruhe), die sich an exponierter Lage am Kreisverkehr am Ortseingang von Maulbronn befindet.

Die Kirche in Maulbronn wurde in der Frankfurter Straße 104 errichtet, den Weihegottesdienst feierte die Gemeinde am 13. August 2017 mit Bezirksapostel Michael Ehrich. Im September 2017 fand der Festakt statt, bei dem die neue Kirche der Öffentlichkeit präsentiert wurde (wir berichteten). Architekt Martin Dürr von den mit Planung und Bauleitung beauftragten Architekten baurmann.dürr (Karlsruhe), der im Festakt den Neubau aus architektonischer Sicht erläutert hatte, übernahm auch bei der „Architektour“ am Samstagnachmittag des 23. Juni die Führung. Rund 50 Architekturinteressierte waren zu der Besichtigung gekommen.

Die neue Kirche in Maulbronn besteht aus einem Kubus und einem niedrigeren Baukörper.

Der Kubus beherbergt das Zentrum des Kirchengebäudes, das Kirchenschiff – mit Sitzplätzen für 170 Teilnehmer –, in dem wiederum der Altar den zentralen Platz bildet. Baulich ausgeführt ist der Altar in Stampfbeton, der farblich die unterschiedlichen Schichten der natürlichen Materialmischung wiedergibt und auch optisch die beiden Funktionen als „Tisch des Herrn“, wo die Sakramente der Kirche gespendet werden, und Ort der Wortverkündigung verdeutlicht: Die Altarplatte besteht aus hellem Holz, hingegen das Bibelpult auf dem Altar aus dunklem Wurzelholz. Die Wortverkündigung erfolgt auf Basis eines Bibelworts in freier Rede ohne Manuskript, inspiriert vom Heiligen Geist.

Mit dem an der Wand hinter dem Altar angebrachten Kreuz als dem christlichen Symbol schlechthin wurde ein ruhiges Gesamtensemble geschaffen, das die Konzentration auf das Geschehen am Altar fördert.

Eine umlaufende Glasfassade im oberen Bereich des Kirchenschiffs betont dessen Bedeutung und verleiht dem Kirchenschiff gewissermaßen eine transzendente Wirkung. Bei den Gottesdiensten am Abend, die regelmäßig mittwochs um 20:00 Uhr stattfinden, leuchtet die Glasfassade in den Stadtraum hinein. Je nach Blickwinkel und Lichtverhältnissen erscheint sie mal flächig glänzend, mal zart und filigran strukturiert. Abgesehen von der optischen Funktion, stellt die Glasfassade zugleich eine transparente Wärmedämmung dar.

Der niedrigere Baukörper dient als Gemeindezentrum: Hier sind Mehrzweckräume, die für die kirchlichen Unterrichte, Jugend-, Senioren- und weitere Gemeindeveranstaltungen genutzt werden, sowie eine Teeküche untergebracht.