Zum dritten Mal hat die „Vesperkirche“ in Singen geöffnet, und wieder sind neuapostolische Christen unter den Helfern.

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Die Singener „Vesperkirche“, die in diesem Jahr mit einem feierlichen ökumenischen Gottesdienst am zweiten Januarsonntag eröffnet wurde und sich als „Gasthaus am Weg“ versteht, ist zwei Wochen lang täglich über die Mittagszeit geöffnet. Jeder Gast bekommt ein warmes Mittagessen, Kuchen und Getränke.

Zum „Vesperkirchen“-Betrieb – Service, Hauswirtschaft, Transport … – sind viele Helfer nötig. In der Stadt besteht ein gutes Miteinander der verschiedenen Kirchen, die auch unter organisatorischer Federführung der örtlichen Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) in Zusammenarbeit mit der Singener „Tafel“ die „Vesperkirche“ ausrichten. An jenem Januar-Sonntag 2018 wurde die neuapostolische Kirchengemeinde Singen, von der seit dem Start der „Vesperkirche“ Helfer kamen und die auch die „Tafel“ unterstützt, in die ACK der Stadt als Gastmitglied aufgenommen.

„Vesperkirchen“-Zunahme und immer größerer Zulauf

In Karlsruhe begann die „Vesperkirche“ am 7. Januar, sie geht über vier Wochen; in Freudenstadt dauert die „Vesperkirchen“-Öffnung in diesem Winter vom 23. November 2017 bis 2. Februar 2018, in Esslingen vom 15. Februar bis 18. März … An immer mehr Orten in Baden-Württemberg gibt es „Vesperkirchen“, und auch in Bayern hat es bereits einige – in Schweinfurt, Nürnberg, Würzburg –, die in der kalten Jahreszeit zu Stätten werden, wo bedürftige Menschen sich satt essen, teils auch medizinische Versorgung erhalten, Frisör- und Fußpflegedienste in Anspruch nehmen oder Zeitung lesen können.

Die „Vesperkirche“ in Ludwigsburg, die in dieser Saison am 11. Februar 2018 startet, steht unter dem Motto „Miteinander für Leib und Seele“ und drückt damit aus, was es außer der warmen Mahlzeit vor allem noch gibt: Zuwendung und Akzeptanz. Die „Vesperkirchen“-Gäste können ins Gespräch mit anderen kommen und Freunde finden.

Dieser weitere Aspekt spielte schon 1995 in Stuttgart eine Rolle, wo in der Leonhardskirche bundesweit mit dem „Vesperkirchen“-Projekt begonnen wurde. Die mittlerweile 23. „Vesperkirche“ dort öffnete am 15. Januar 2018 für sieben Wochen ihre Türen. Täglich werden rund 600 Essen ausgegeben, und es kommen immer mehr Gäste.

„Pfinztaler Mittagstisch“

Neben dem persönlichen Engagement von Kirchenmitgliedern – unter den Helferinnen und Helfern in „Vesperkirchen“ sind teils auch Jugendliche – und der finanziellen Unterstützung dieser Einrichtungen durch das Hilfswerk der Gebietskirche Süddeutschland gibt es noch eine Besonderheit: der „Pfinztaler Mittagstisch“ im Kirchenbezirk Söllingen. Das ganze Jahr über wird wöchentlich, immer donnerstags, in der Räuchle-Halle in Pfinztal-Söllingen ein Mittagessen angeboten.

Das Projekt, von neuapostolischen Christen im Kirchenbezirk Söllingen initiiert, wird seit Dezember 2011 in Kooperation mit der Kommune, der Arbeiterwohlfahrt sowie der ökumenischen Diakoniestation realisiert. Die Räumlichkeiten stellt die Kommune Pfinztal, ein Fahrdienst wird von der ökumenischen Diakoniestation organisiert, und um die Verpflegung kümmern sich ehrenamtlich Mitglieder der Neuapostolischen Kirche. Das süddeutsche Hilfswerk beteiligt sich an der Finanzierung der angebotenen Speisen, sodass – auch dank weiterer Sponsoren – der Mittagstisch kostenlos angeboten werden kann.

Eingeladen dazu sind nicht nur diejenigen, die finanziell bedürftig sind, sondern alle, die in Gemeinschaft essen und miteinander ins Gespräch kommen wollen. Manchmal ist es gar nicht das Geld, das fehlt – es ist die Ansprache, das menschliche Miteinander.