Hier haben wir nach und nach in thematischen Blöcken die Fragen und Antworten des "Katechismus der Neuapostolischen Kirche in Fragen und Antworten" veröffentlicht.

(Die 1. gedruckte Auflage des Werks in Deutsch erschien 2015 im Verlag Friedrich Bischoff - ISBN: 978-3-943980-29-5)

Letzte Aktualisierung der Seite: 12.06.2019

1. Wo ist der Ursprung des Glaubens an Gott?
Der Ursprung des Glaubens ist in Gott selbst. Er gibt sich den Menschen zu erkennen: Er „offenbart“ sich. Das Wissen, dass Gott ist, hat also Gott selbst den Menschen geschenkt. Gott verbirgt sich nicht, sondern lässt sich von den Menschen erkennen, so dass die Menschen von Gott reden und an Gott glauben können.
2. Wie offenbart sich Gott?
Gott offenbart sich auf unterschiedliche Weise, in der Natur und in der Geschichte.
3. Wie zeigt sich Gott in der Natur?
Gott zeigt sich in der Natur als Schöpfer: in der Existenz des Universums, der Menschen, Tiere und Pflanzen.
4. Wie zeigt sich Gott in der Geschichte?
Gott zeigt sich in der Geschichte der Menschen. So führte er beispielsweise das Volk Israel aus der Gefangenschaft in Ägypten und gab ihm die Zehn Gebote. Die größte Offenbarung Gottes in der Geschichte war, dass Gott in Jesus Christus Mensch wurde und auf Erden wirkte. Er lebte vor 2.000 Jahren. In Jesus Christus offenbarte sich Gott als Erlöser.
5. Als was gibt sich Gott zu erkennen?
Gott ist ein geistiges Wesen. Er gibt sich zu erkennen als Gott, • der Vater, der Schöpfer und Erhalter der Schöpfung (vgl. 1. Mose 1; 1. Mose 8,21.22), • der Sohn, der Erlöser und Heilsbringer (vgl. 1. Johannes 5,20), • der Heilige Geist, der Tröster, der in alle Wahrheit leitet (vgl. Johannes 16,13).
6. Wo sind Offenbarungen Gottes festgehalten?
Offenbarungen Gottes sind in der Heiligen Schrift festgehalten.
7. Gibt Gott auch Offenbarungen über die Zukunft?
Ja, Gott gibt Offenbarungen über die Zukunft: Er hat verheißen, dass Jesus Christus wiederkommen wird (vgl. Johannes 14,3). Für diejenigen, die bei seiner Wiederkunft verwandelt und entrückt werden (vgl. 1. Thessalonicher 4,13-18), wird sich Gott in vollkommener Weise offenbaren – sie werden ihn dann sehen, wie er ist (vgl. 1. Johannes 3,1.2).
8. Gibt es weitere Erkenntnisse über göttliches Handeln?
Ja, durch das Wirken des Heiligen Geistes im Apostelamt werden Erkenntnisse und Einsichten über das Handeln Gottes zum Heil der Menschen geschenkt. In der Bibel sind diese angedeutet und werden durch den Heiligen Geist weiter enthüllt.
9. Wie soll sich der Mensch gegenüber Gottes Offenbarungen verhalten?
Der Mensch soll an Gott und seine Offenbarungen glauben. Nur durch den Glauben kann der Mensch die göttlichen Offenbarungen erfassen. Wenn er glaubt, wird Göttliches für ihn wertvoll und bestimmend für sein Leben. Für jemand, der nicht an Gott als den Schöpfer glaubt, ist beispielsweise das Weltall kein Werk Gottes, in dem sich der Schöpfer zu erkennen gibt, sondern Ergebnis zufälliger Prozesse in der Natur.
10. Was verstehen wir unter Glauben als Antwort auf Gottes Offenbarungen?
Glaube ist unerlässlich, um in die Nähe Gottes zu kommen. Dabei ist Glaube nicht etwas, was der Mensch aus sich selbst vollbringt. Glaube ist eine Gnadenerweisung Gottes, also ein Geschenk. Nach diesem Geschenk soll der Mensch Verlangen haben und er soll es annehmen. Der Glaube führt dazu, dass der Mensch Gott erkennt, auf Gott vertraut und sein Leben nach dem Willen Gottes gestaltet.
11. Wie gelangt der Mensch zum Glauben?
Der Glaube wird durch den Heiligen Geist geschenkt und gestärkt. Dies geschieht unter anderem durch die Predigt des Evangeliums auf der Grundlage der Heiligen Schrift.
12. Was ist die Heilige Schrift?
Die Heilige Schrift – die Bibel – ist die Sammlung der Schriften von Gottes Handeln, Verheißungen und Geboten. Sie besteht aus dem Alten Testament und dem Neuen Testament. Die Heilige Schrift gibt Zeugnis von Gottes Offenbarungen, sie ist jedoch kein vollständiger und lückenloser Bericht aller Taten Gottes. Gott hat dafür gesorgt, dass erhalten blieb, was für das Heil der Menschen wichtig ist.
13. Wer ist Urheber der Heiligen Schrift?
Urheber der Heiligen Schrift ist Gott. Menschen, die der Heilige Geist dazu anregte (inspirierte), haben aufgeschrieben, was Gott offenbarte. Hinsichtlich Form und Ausdrucksweise sind die biblischen Bücher geprägt von den jeweiligen Verfassern und deren Vorstellungswelt sowie den Erfahrungen in ihrer Zeit.
14. Sind die Texte der biblischen Bücher zuverlässig überliefert worden?
Ja, Gott hat dafür gesorgt, dass die Texte der biblischen Bücher über die Jahrhunderte hinweg unverfälscht erhalten geblieben sind.
15. Wie kam die Sammlung der biblischen Bücher zustande?
Die Sammlung der biblischen Schriften geschah im Lauf von Jahrhunderten. Sie verdankt ihr Zustandekommen nicht nur menschlichen Überlegungen, sondern vor allem dem göttlichen Willen. Der christliche Kanon des Alten Testaments gründet auf dem hebräischen Kanon des Judentums, dessen Schriften in einem Zeitraum von vermutlich 1.000 Jahren entstanden. Der Kanon des Neuen Testaments besteht aus den Evangelien, der Apostelgeschichte, Briefen und einem prophetischen Buch, der Offenbarung des Johannes. In der Urkirche hatten zunächst die Briefe des Apostels Paulus großes Ansehen. Später kamen die Evangelien – von denen das Evangelium nach Markus das älteste ist – und die anderen Schriften hinzu. Die Schriften des Neuen Testaments entstanden innerhalb von etwa 70 Jahren. Um diese ursprünglichen Zeugnisse des christlichen Glaubens zu bewahren und weiterzugeben, wurden sie zu einer Sammlung zusammengestellt, die schließlich auf verschiedenen Synoden als „Kanon“ bestätigt wurde.
16. Welchen Aufbau und Inhalt hat die Heilige Schrift?
Die Heilige Schrift ist in zwei Hauptteile gegliedert: in das Alte Testament, das die Zeit vor Christi Geburt betrifft, und in das Neue Testament, das mit der Zeit von Christi Geburt beginnt.
17. Was enthält das Alte Testament?
Das Alte Testament enthält bildhafte Berichte über die Schöpfung und die ersten Menschen sowie Texte zu Ursprung und Geschichte des Volkes Israel. Ferner finden sich im Alten Testament Lobpreisungen Gottes, Mahnungen und Verheißungen an den Menschen.
18. Was enthält das Neue Testament?
Das Neue Testament berichtet in den vier Evangelien und der Apostelgeschichte von Jesus Christus, seinen Aposteln und den ersten christlichen Gemeinden. Es enthält ferner Briefe der Apostel, die an Gemeinden und an einzelne Personen geschrieben wurden. Die Offenbarung des Johannes, das prophetische Buch des Neuen Testaments, handelt von der Wiederkunft Jesu Christi und weiteren zukünftigen Ereignissen.
19. Welche Einteilung, Anzahl und Reihenfolge haben die alttestamentlichen Bücher?
Das Alte Testament besteht aus 17 Geschichtsbüchern, fünf Lehrbüchern und 17 prophetischen Büchern. Die 17 Geschichtsbücher sind: - Die fünf Bücher Mose (Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri, Deuteronomium) - Das Buch Josua - Das Buch der Richter - Das Buch Rut - Die zwei Bücher Samuel - Die zwei Bücher der Könige - Die zwei Bücher der Chronik - Das Buch Esra - Das Buch Nehemia - Das Buch Ester Die fünf Lehrbücher sind: - Das Buch Hiob - Der Psalter - Die Sprüche Salomos - Der Prediger Salomo - Das Hohelied Salomos Die 17 prophetischen Bücher sind: - Jesaja - Jeremia - Klagelieder Jeremias - Hesekiel - Daniel - Hosea - Joel - Amos - Obadja - Jona - Micha - Nahum - Habakuk - Zefanja - Haggai - Sacharja - Maleachi
20. Welche biblischen Bücher zählt man zu den Apokryphen?
Die 14 apokryphen Bücher sind: - Das Buch Judit - Die Weisheit Salomos - Das Buch Tobias - Das Buch Jesus Sirach - Das Buch Baruch - Die zwei Bücher der Makkabäer - Stücke zum Buch Ester - Stücke zum Buch Daniel o Die Geschichte von Susanna und Daniel o Vom Bel zu Babel o Vom Drachen zu Babel o Das Gebet Asarjas o Der Gesang der drei Männer im Feuerofen - Das Gebet Manasses
21. Wie werden die Apokryphen in der Neuapostolischen Kirche gewertet?
In der Neuapostolischen Kirche werden die Apokryphen gleich gewertet wie die anderen alttestamentlichen Schriften.
22. Welche Einteilung, Anzahl und Reihenfolge haben die neutestamentlichen Bücher?
Das Neue Testament besteht aus fünf Geschichtsbüchern, 21 Lehrbüchern und einem prophetischen Buch. Die fünf Geschichtsbücher sind: - Das Evangelium nach Matthäus - Das Evangelium nach Markus - Das Evangelium nach Lukas - Das Evangelium nach Johannes - Die Apostelgeschichte des Lukas Die 21 Lehrbücher sind: - Der Brief des Paulus an die Römer - Die zwei Briefe des Paulus an die Korinther - Der Brief des Paulus an die Galater - Der Brief des Paulus an die Epheser - Der Brief des Paulus an die Philipper - Der Brief des Paulus an die Kolosser - Die zwei Briefe des Paulus an die Thessalonicher - Die zwei Briefe des Paulus an Timotheus - Der Brief des Paulus an Titus - Der Brief des Paulus an Philemon - Die zwei Briefe des Petrus - Die drei Briefe des Johannes - Der Brief an die Hebräer - Der Brief des Jakobus - Der Brief des Judas Das prophetische Buch ist: - Die Offenbarung des Johannes (Apokalypse)
23. Welche Bedeutung hat die Heilige Schrift für die Neuapostolische Kirche?
Die Heilige Schrift ist die Grundlage für die Lehre der Neuapostolischen Kirche. Verse aus der Heiligen Schrift sind auch Ausgangspunkt für die Predigt in den Gottesdiensten.
24. Wer ist berufen, die Heilige Schrift auszulegen?
Das rechte Verständnis der Heiligen Schrift erschließt sich in ganzer Tiefe nur durch das Wirken des Heiligen Geistes. Es gehört zum Auftrag der Apostel Jesu, die Heilige Schrift für Lehre und Glaubenspraxis auszulegen.
25. Was versteht man unter dem Ausdruck: „Jesus Christus ist die Mitte der Schrift“?
Im Mittelpunkt der Heiligen Schrift steht Jesus Christus. Dies wird mit den Worten ausgedrückt: „Jesus Christus ist die Mitte der Schrift.“ Daher muss auch das Alte Testament von ihm ausgehend ausgelegt werden. Im Alten Testament wird die Ankunft des Messias vorausgesagt und vorbereitet. Das Neue Testament berichtet von Jesu Wirken in Gegenwart und Zukunft.
26. Welche Bedeutung hat die Heilige Schrift für den Glaubenden?
Die Heilige Schrift hat im Leben des Glaubenden eine hohe Bedeutung: Sie tröstet und erbaut, gibt Wegweisung und Mahnung und fördert die Erkenntnis und den Glauben.
27. Was trägt dazu bei, dass durch die Beschäftigung mit der Bibel der Glaube gestärkt wird?
Gottesfurcht und ernsthaftes Gebet um das rechte Verständnis der Heiligen Schrift sind Grundlagen für die glaubensstärkende Beschäftigung mit der Bibel.
28. Was ist Grundlage und Inhalt des christlichen Glaubens?
Christen glauben an den einen Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist. Der Glaube an den dreieinigen Gott ist durch Jesus Christus den Menschen zugänglich geworden. Der Sohn, Jesus Christus, sprach von seinem himmlischen Vater, an den die Menschen glauben sollen. Mehrfach bezeugte Gott, der Vater, dass Jesus Christus sein Sohn ist (vgl. Lukas 3,22; 9,35). Schließlich verhieß Jesus Christus, dass der Heilige Geist als Tröster und Beistand kommen werde.
29. Was ist ein Glaubensbekenntnis?
Ein Glaubensbekenntnis ist eine Zusammenfassung der wesentlichen Inhalte einer Glaubenslehre. Im Glaubensbekenntnis steht, wozu sich die Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft bekennen. Durch ihr Glaubensbekenntnis unterscheidet sich eine Glaubensgemeinschaft zugleich von anderen.
30. Gibt es biblische Glaubensbekenntnisse?
Ja, schon im Alten Testament finden sich Texte, die die gemeinsame Glaubensüberzeugung zum Ausdruck bringen. In einem solchen Glaubensbekenntnis heißt es: „… der Herr ist unser Gott, der Herr allein“ (5. Mose 6,4). Dieses Bekenntnis unter dem Titel „Höre Israel“ legten die Israeliten gemeinsam ab. Sie bekundeten damit ihren Glauben an den einen Gott in einer Zeit, als die Völker um sie herum viele unterschiedliche Götter verehrten. Im Neuen Testament finden sich Texte, die in Formeln ausdrücken, dass Gott das Heil in Jesus Christus schenkt. Beispiele für neutestamentliche Glaubensbekenntnisse sind: • „Jesus ist der Herr“ (Römer 10,9); • „Maranata“ (1. Korinther 16,22) = „Unser Herr kommt!“ (1. Korinther 16,22) • „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden“ (Lukas 24,34)
31. Wie entstanden die ersten christlichen Glaubensbekenntnisse?
Die ersten christlichen Glaubensbekenntnisse werden „altkirchliche Glaubensbekenntnisse“ genannt. Sie entstanden zwischen dem zweiten und vierten Jahrhundert nach Christus. In dieser Zeit wurden die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes und die Lehre vom Wesen Jesu Christi, also von seiner Natur, ausformuliert. Dies war nötig geworden, weil es Streit über Glaubensinhalte gegeben hatte. Zum Beispiel gab es die Meinung, dass Jesus Christus nicht wirklich am Kreuz gestorben und dass er nicht wirklich auferstanden sei. Durch die Glaubensbekenntnisse grenzte man sich von diesen Irrlehren ab.
32. Welche Aussagen wurden Inhalt der christlichen Glaubensbekenntnisse?
Entscheidend dafür, ob eine Aussage vom Wesen und Wirken Gottes in die Glaubensbekenntnisse aufgenommen wurde, war ihre Übereinstimmung mit der Lehre Christi und seiner Apostel.
33. Welches sind die wichtigsten altkirchlichen Glaubensbekenntnisse?
Die beiden wichtigsten altkirchlichen Glaubensbekenntnisse sind das Apostolische Glaubensbekenntnis („Apostolikum“) und das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel. Das Apostolikum wurde in seinen Grundzügen im zweiten Jahrhundert zusammengestellt und im vierten Jahrhundert leicht ergänzt. Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel ist das Ergebnis der Konzile in Nizäa (im Jahr 325 n. Chr.) und in Konstantinopel (im Jahr 381 n. Chr.). In diesem Glaubensbekenntnis wird vor allem das Bekenntnis zur Dreieinigkeit Gottes festgeschrieben.
34. Wie lautet das Apostolikum?
„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige allgemeine [katholische] Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.“
35. Wie lautet das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel?
„Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt. Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein. Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, allgemeine [katholische] und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.“
36. Welche Bedeutung haben die altkirchlichen Bekenntnisse für die Neuapostolische Kirche?
Die Lehre der Neuapostolischen Kirche beruht auf der Heiligen Schrift. Die altkirchlichen Glaubensbekenntnisse fassen wesentliche Inhalte zusammen, die in der Heiligen Schrift bezeugt werden. Die Neuapostolische Kirche bekennt sich zu dem in den beiden altkirchlichen Bekenntnissen formulierten Glauben an den dreieinigen Gott, an Jesus Christus als wahren Gott und wahren Menschen, an Jesu Geburt durch die Jungfrau Maria, an die Sendung des Heiligen Geistes, an die Kirche, die Sakramente, die Erwartung der Wiederkunft Christi und die Auferstehung der Toten. Trotz der Unterschiede zwischen den einzelnen Konfessionen stellen diese Bekenntnisse ein Element dar, das die Christen miteinander verbindet.
37. Wie lautet das neuapostolische Glaubensbekenntnis?
„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Ich glaube an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben, begraben, eingegangen in das Reich des Todes, am dritten Tag auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dort wird er wiederkommen. Ich glaube an den Heiligen Geist, die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Ich glaube, dass der Herr Jesus seine Kirche regiert und dazu seine Apostel gesandt hat und noch sendet bis zu seinem Wiederkommen mit dem Auftrag, zu lehren, in seinem Namen Sünden zu vergeben und mit Wasser und Heiligem Geist zu taufen. Ich glaube, dass die von Gott für ein Amt Ausersehenen nur von Aposteln eingesetzt werden und dass aus dem Apostelamt Vollmacht, Segnung und Heiligung zu ihrem Dienst hervorgehen. Ich glaube, dass die Heilige Taufe mit Wasser der erste Schritt zur Erneuerung des Menschen im Heiligen Geist ist und dass dadurch der Täufling aufgenommen wird in die Gemeinschaft derer, die an Jesus Christus glauben und ihn als ihren Herrn bekennen. Ich glaube, dass das Heilige Abendmahl zum Gedächtnis an das einmal gebrachte, vollgültige Opfer, an das bittere Leiden und Sterben Christi, vom Herrn selbst eingesetzt ist. Der würdige Genuss des Heiligen Abendmahls verbürgt uns die Lebensgemeinschaft mit Christus Jesus, unserm Herrn. Es wird mit ungesäuertem Brot und Wein gefeiert; beides muss von einem vom Apostel bevollmächtigten Amtsträger ausgesondert und gespendet werden. Ich glaube, dass die mit Wasser Getauften durch einen Apostel die Gabe des Heiligen Geistes empfangen müssen, um die Gotteskindschaft und die Voraussetzungen zur Erstlingsschaft zu erlangen. Ich glaube, dass der Herr Jesus so gewiss wiederkommen wird, wie er gen Himmel gefahren ist, und die Erstlinge aus den Toten und Lebenden, die auf sein Kommen hofften und zubereitet wurden, zu sich nimmt; dass er nach der Hochzeit im Himmel mit diesen auf die Erde zurückkommt, sein Friedensreich aufrichtet und sie mit ihm als königliche Priesterschaft regieren. Nach Abschluss des Friedensreiches wird er das Endgericht halten. Dann wird Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen und bei seinem Volk wohnen. Ich glaube, dass ich der weltlichen Obrigkeit zum Gehorsam verpflichtet bin, soweit nicht göttliche Gesetze dem entgegenstehen.“
38. Wie ist das neuapostolische Glaubensbekenntnis entstanden?
Das neuapostolische Glaubensbekenntnis ist Ergebnis der Auslegung der Heiligen Schrift und der altkirchlichen Bekenntnisse durch die Apostel. Es ist inhaltlich und sprachlich in seiner heutigen Form entsprechend der Entwicklung der Glaubenslehre und der Vertiefung der Erkenntnis entstanden. Beim Verfassen war man sich bewusst: Gottes Liebe, Gnade und Allmacht können nicht erschöpfend beschrieben werden. Sie sind immer noch größer als das, was Menschen von ihnen sagen können. Das Glaubensbekenntnis zieht somit keine Grenze, die anderen Christen eine Teilhabe am Heil abspricht.
39. Welche Bedeutung hat das neuapostolische Glaubensbekenntnis?
Das neuapostolische Glaubensbekenntnis bringt in zehn Artikeln die Glaubenslehre der Neuapostolischen Kirche verbindlich zum Ausdruck. Es hat auch die Aufgabe, die Glaubenshaltung neuapostolischer Christen zu prägen. Zudem dient das Glaubensbekenntnis dazu, andere Menschen mit wesentlichen Inhalten des neuapostolischen Glaubens bekanntzumachen.
40. Wie ist das neuapostolische Glaubensbekenntnis aufgebaut?
Die ersten drei Glaubensartikel entsprechen weitgehend dem Apostolikum; sie handeln vom dreieinigen Gott. Die darauffolgenden Artikel 4 und 5 beschreiben die Tätigkeit der Apostel, Artikel 5 darüber hinaus die Tätigkeit der weiteren Amtsträger. Artikel 6, 7 und 8 erläutern die drei Sakramente. Artikel 9 hat unsere Zukunftshoffnung zum Inhalt (Eschatologie). Artikel 10 hat das Verhältnis zur staatlichen Obrigkeit zum Thema.
41. Wovon handelt der erste Glaubensartikel?
Der erste Glaubensartikel handelt vom Schöpfersein Gottes, des Vaters.
42. Wovon handelt der zweite Glaubensartikel?
Der zweite Glaubensartikel spricht von Jesus Christus, dem Grund und Inhalt christlichen Glaubens.
43. Wovon handelt der dritte Glaubensartikel?
Der dritte Glaubensartikel bekennt den Glauben an den Heiligen Geist, also die dritte Person der Gottheit, sowie den Glauben an die Kirche und an weiteres Heil.
44. Wovon handelt der vierte Glaubensartikel?
Der vierte Glaubensartikel spricht davon, dass Jesus Christus seine Kirche regiert und dass Ausdruck dieser Regentschaft die Sendung der Apostel ist.
45. Wovon handelt der fünfte Glaubensartikel?
Im fünften Glaubensartikel geht es um das geistliche Amt.
46. Wovon handelt der sechste Glaubensartikel?
Der sechste Glaubensartikel gilt der Heiligen Wassertaufe.
47. Wovon handelt der siebte Glaubensartikel?
Der siebte Glaubensartikel handelt vom Heiligen Abendmahl.
48. Wovon handelt der achte Glaubensartikel?
Der achte Glaubensartikel thematisiert die Heilige Versiegelung.
49. Wovon handelt der neunte Glaubensartikel?
Der neunte Glaubensartikel spricht von der Wiederkunft Christi und den darauffolgenden Ereignissen.
50. Wovon handelt der zehnte Glaubensartikel?
Der zehnte Glaubensartikel hat das Verhältnis von Christ und Staat zum Inhalt.
51. Wer ist der dreieinige Gott?
Gott ist ein geistiges, vollkommenes, völlig unabhängiges Wesen. Er ist ewig, er ist ohne Anfang und Ende. Der eine Gott ist der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Wenn von „dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist“ gesprochen wird, dann sind damit nicht drei Götter gemeint, sondern drei Personen, die der eine Gott sind.
52. Welche Wesensmerkmale Gottes kennen wir?
Menschen können Gott nicht umfassend beschreiben. Wir kennen aber Wesensmerkmale Gottes: Er ist der Eine (Einzige), der Heilige, der Allmächtige, der Ewige, der Liebende, der Gnädige, der Gerechte, der Vollkommene.
53. Was bedeutet: „Gott ist der Eine“?
Es gibt nur einen Gott. Der Glaube an den einen Gott ist grundlegendes Bekenntnis des Alten und Neuen Testaments und somit auch grundlegend für den christlichen Glauben.
54. Was bedeutet: „Gott ist der Heilige“?
Heiligkeit gehört zum Wesen Gottes, zu seinem Sein und Wirken. Heiligkeit umfasst Majestät, Unantastbarkeit, Abgeschieden-Sein vom Alltäglichen. Auch Gottes Wort und Wille sind heilig. Die Heiligkeit Gottes heiligt den Ort, an dem er sich offenbart.
55. Was bedeutet: „Gott ist der Allmächtige“?
Gott kann alles, für ihn ist nichts unmöglich. Gottes Willen und Wirken kann niemand einschränken. Deutlich zeigt sich in der Schöpfung, dass Gott allmächtig ist. Allein durch sein Wort ist alles geschaffen. Alles was ist, was wir Menschen sehen und auch nicht sehen können, hat er aus Nichts geschaffen. Aus seiner Allmacht wird er auch die neue Schöpfung entstehen lassen. Zur Allmacht Gottes gehören auch seine Allwissenheit und Allgegenwart.
56. Was bedeutet: „Gott ist der Ewige“?
Gott ist ohne Anfang und ohne Ende. Zeitliche Begrenzungen gibt es für ihn nicht. Gott ist Schöpfer der Zeit und Herr über sie.
57. Was bedeutet: „Gott ist der Liebende“?
Gott zeigte sich schon im Alten Bund als der Liebende, indem er das Volk Israel erwählte und aus der Gefangenschaft in Ägypten befreite. Der gesamten Menschheit offenbarte er sich als Liebender, indem er seinen Sohn zum Heil für alle Menschen sandte. Apostel Johannes schrieb: „Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“ (1. Johannes 4,16).
58. Was bedeutet: „Gott ist der Gnädige“?
Gott wendet sich dem Menschen in Barmherzigkeit, Gnade, Geduld und Güte zu (vgl. Psalm 103,8). Dass Gott gnädig ist, zeigt sich vor allem daran, dass er sich des in Sünde verstrickten Menschen annimmt und Sünde vergibt. Hierzu gehört, dass Gott in Jesus Christus Mensch wurde. Niemand kann sich Gottes Gnade verdienen, sie ist Geschenk.
59. Was bedeutet: „Gott ist der Gerechte“?
Alles, was Gott tut, ist recht; er macht keine Fehler. „Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er“ (5. Mose 32,4). Auf Gottes Gerechtigkeit und Verlässlichkeit kann man bauen: „Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun“ (1. Thessalonicher 5,24) Ausdruck von Gottes Gerechtigkeit sind auch Gesetzmäßigkeiten, wie zum Beispiel, dass der Mensch erntet, was er aussät (vgl. Galater 6,7), und dass Sünde den Tod nach sich zieht (vgl. Römer 6,23). Über allem aber steht Gottes Gnade. Auch sie ist Teil seiner Gerechtigkeit. Durch Jesus Christus kann der Sünder, der Strafe verdient hat, Gnade empfangen: Dann rechnet Gott ihm die Sünden und Verfehlungen nicht mehr an.
60. Was bedeutet: „Gott ist der Vollkommene“?
Gottes Werke sind gut, seine Wege sind richtig. Er handelt nicht aufgrund von irgendwelchen Notwendigkeiten oder Zwängen, sondern allein nach seinem vollkommenen Willen. Gott ist in seinen Entscheidungen völlig frei. Zur Vollkommenheit Gottes gehört die Wahrheit. Bei Gott gibt es keine Lüge, keine Täuschung, keine Unsicherheit und keinen Unterschied zwischen Wollen und Tun. Gottes Vollkommenheit kann der Mensch in Jesus Christus erfahren, denn als Einziger auf Erden war Jesus Christus in seinem Sprechen und Handeln ohne Sünde, ohne Fehler, also vollkommen.
61. Was bedeutet: „Gott ist der Dreieinige?“
„Gott, der Dreieinige“, bedeutet, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist der eine Gott sind. Es sind also nicht drei Götter, sondern es ist ein Gott, der sich in drei Personen offenbart.
62. Warum glauben Christen, dass Gott dreieinig ist?
Für die Dreieinigkeit Gottes (Trinität) gibt es im Alten und im Neuen Testament Hinweise. Aufgrund dieser biblischen Zeugnisse glauben Christen an Gott, den Dreieinigen.
63. Welche Hinweise auf die Dreieinigkeit Gottes gibt es im Alten Testament?
Ein erster Hinweis auf die Dreieinigkeit Gottes steht in 1. Mose 1,26: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.“ Die Mehrzahl „Lasset uns“ verweist auf das Wirken des einen Gottes in mehreren Personen. Gott erschien Abraham in Mamre in Gestalt von drei Männern (vgl. 1. Mose 18). Dies wird als Hinweis auf die Dreieinigkeit Gottes verstanden. Ebenso verhält es sich mit dem dreifachen Segen („Aaronitischer Segen“), den Aaron über dem Volk Israel aussprach (4. Mose 6,24-26).
64. Welche Hinweise auf die Dreieinigkeit Gottes finden sich im Neuen Testament?
Als Jesus, der Gottessohn, am Jordan getauft wurde, tat sich der Himmel auf und der Heilige Geist kam wie eine Taube auf ihn herab. Der Vater bezeugte aus dem Himmel: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen“ (Markus 1,10.11). Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist waren also gemeinsam zugegen. Die drei göttlichen Personen werden auch im Taufbefehl genannt, den Jesus seinen Aposteln erteilt hat: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Matthäus 28,18.19). Auch die Segensformel in 2. Korinther 13,13 verweist auf die Dreieinigkeit Gottes: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes [des Vaters] und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“
65. Wann wurde die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes formuliert?
Die Dreieinigkeit Gottes besteht von Ewigkeit her. Formuliert wurde die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes in den Konzilien von Nizäa (325 nach Christus) und Konstantinopel (381 nach Christus). Die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes gehört zu den grundlegenden Aussagen des christlichen Glaubens.
66. In welchem Verhältnis stehen Vater, Sohn und Heiliger Geist zueinander?
Vater, Sohn und Heiliger Geist sind Namen für die drei göttlichen Personen. Obwohl sie voneinander zu unterscheiden sind, sind sie dennoch der eine Gott. In der christlichen Tradition wird den drei göttlichen Personen jeweils ein Schwerpunkt zugeordnet: Gott, der Vater, ist der Schöpfer des Himmels und der Erde. Gott, der Sohn, ist der Erlöser, der Mensch wurde und sein Leben als Opfer zur Erlösung der Menschheit brachte. Gott, der Heilige Geist, ist der Neuschöpfer: Er sorgt dafür, dass das Heil Gottes den Menschen zugänglich gemacht wird und dass die neue Kreatur zur Vollendung gelangt.
67. Was bedeutet der Begriff „Vater“, wenn er im Zusammenhang mit Gott verwendet wird?
Wird der Begriff „Vater“ im Zusammenhang mit Gott verwendet, verbinden sich damit die Gesichtspunkte des Erschaffens, der Autorität und der Fürsorge. Gott ist Schöpfer und Bewahrer des von ihm Geschaffenen. Insofern darf jeder Mensch Gott, der sein Schöpfer ist, als „Vater“ ansprechen.
68. Was wissen wir von Gott als dem Schöpfer?
„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (1. Mose 1,1), das Sichtbare – also die materielle Schöpfung – und das Unsichtbare. Aus dem Schöpfungswirken Gottes ist alles hervorgegangen. Gott hat aus dem Nichts und ohne Vorbild geschaffen: „Gott […] ruft das, was nicht ist, dass es sei“ (Römer 4,17). Auch hat er Dinge und Lebewesen aus der von ihm geschaffenen Materie gestaltet (vgl. 1. Mose 2,7.8.19) und Gesetzmäßigkeiten in sie hineingelegt. Ihm ist alles Geschaffene unterworfen.
69. Was sagt die Schöpfung über Gott aus?
Die Schöpfung und ihre Gesetzmäßigkeiten legen Zeugnis ab von Gottes Weisheit, von deren Größe sich der Mensch keine Vorstellung machen kann. Bewundernd ruft der Psalmist aus: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk“ (Psalm 19,2).
70. In welchem Zeitraum hat Gott die Welt erschaffen?
Gott hat die Welt in sechs „Schöpfungstagen“ erschaffen. Mit „Schöpfungstagen“ sind Zeiträume gemeint, deren Dauer nicht näher bestimmt ist. Ein „Tag“ in der Schöpfung Gottes ist nicht mit einem Tag nach unserer Zeitrechnung gleichzusetzen. In 1. Mose 2,2 heißt es: „Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.“
71. Was berichtet die Bibel über die Schöpfung Gottes?
Die Bibel berichtet, dass auf Gottes Wort hin Himmel und Erde, das Licht, die Gestalt der Erde, Sonne, Mond und Sterne, die Pflanzen und Tiere sowie der Mensch entstanden sind. Alles war sehr gut (vgl. 1. Mose 1,31).
72. Ist Schöpfung Gottes nur das, was der Mensch mit seinen Sinnen erfassen kann?
Nein, es gibt auch eine unsichtbare Schöpfung Gottes. Ihre Geheimnisse entziehen sich – wie Gott selbst – menschlichem Forschen. Die Heilige Schrift enthält jedoch Hinweise auf Bereiche, Vorgänge, Zustände und Wesen außerhalb der materiellen Schöpfung.
73. Was gehört zur unsichtbaren Schöpfung?
Zur unsichtbaren Schöpfung gehören das Reich, in dem Gott thront, die Engel, die unsterbliche Seele des Menschen sowie das Reich des Todes.
74. Gehört der Teufel zur unsichtbaren Schöpfung?
Der Teufel war ursprünglich einer der Engel. Als solcher gehörte er zur unsichtbaren Schöpfung. Dieser Engel lehnte sich gegen Gott auf und wurde mit seinem Anhang wegen seines Ungehorsams, Neides und Lügens aus dem Himmel und der Gemeinschaft mit Gott geworfen.
75. Was sind Engel?
Engel sind von Gott geschaffene geistige Wesen. Sie gehören zur unsichtbaren Schöpfung. Im Einzelfall können sie nach Gottes Willen für den Menschen sichtbar werden.
76. Was ist Aufgabe der Engel?
Aufgabe der Engel ist es, Gott anzubeten, seine Aufträge zu erfüllen und ihm dadurch zu dienen. Gottes Liebe zu den Menschen zeigt sich unter anderem darin, dass er Engel auch den Menschen dienen lässt. Dass insbesondere Kinder Engelschutz haben, kann aus Matthäus 18,10 geschlossen werden.
77. Sollen Engel angebetet werden?
Nein, denn Engel werden immer nach dem Willen Gottes tätig: Deshalb kommt nicht ihnen Dank oder Verehrung zu, sondern allein Gott.
78. Warum soll man sich mit dem Unsichtbaren beschäftigen?
Der Mensch ist eine Einheit aus Geist, Seele und Leib (vgl. 1. Thessalonicher 5,23). Der Leib ist sterblich, gehört also zur sichtbaren Schöpfung Gottes. Seele und Geist sind unsterblich, gehören also zur unsichtbaren Schöpfung Gottes. Weil Seele und Geist auch nach dem Tod fortbestehen, ist es wichtig, sich mit dem Unsichtbaren zu beschäftigen. Die Haltung, die der Mensch auf Erden gegenüber Gott einnimmt, wird Auswirkungen auf das Sein in der jenseitigen Welt haben. Diese Erkenntnis kann dazu beitragen, den Versuchungen des Teufels zu widerstehen und ein Gott wohlgefälliges Leben zu führen. Die Bedeutung des Unsichtbaren in unserem Leben macht Apostel Paulus deutlich: „Unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig“ (2. Korinther 4,17.18). So hilft die Beschäftigung mit dem Unsichtbaren, das besser einordnen zu können, was uns widerfährt.
79. Wie soll man sich mit dem Unsichtbaren beschäftigen?
Man soll sich mit dem Unsichtbaren beschäftigen, indem man sich Gott zuwendet und ihn anbetet. Jedoch ist die Beschäftigung mit dem Unsichtbaren in Form von Geisterbeschwörung oder Totenbefragung (Spiritismus) gegen den Willen Gottes (vgl. 5. Mose 18,10 ff.; 1. Samuel 28).
80. Welche Stellung hat der Mensch in der Schöpfung?
Der Mensch gehört gleichermaßen zur sichtbaren und zur unsichtbaren Schöpfung, da er materielles Wesen (Leib) und immaterielles Wesen (Seele und Geist) hat. Unter allen Geschöpfen hat Gott dem Menschen somit eine herausragende Stellung verliehen und den Menschen in eine enge Beziehung zu sich selbst gebracht: „Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau“ (1. Mose 1,26.27).
81. Was bedeutet es, Ebenbild Gottes zu sein?
Gott hat durch sein Wort alles gemacht und den Menschen bei seinem Namen gerufen. Der Mensch wird also von Gott angesprochen („Du darfst essen …“) und geliebt. Er kann auf Gottes Ansprache hören und die Liebe Gottes erwidern. Weil Gott den Menschen anspricht, sich um ihn sorgt und ihm Anteil an göttlichen Wesensmerkmalen wie Liebe, Vernunft, Unsterblichkeit schenkt, ist der Mensch Ebenbild Gottes. Gott ist unabhängig, also völlig frei. Auch seinem Ebenbild, dem Menschen, hat er die Möglichkeit gegeben, sich frei zu entscheiden. Mit dieser Freiheit ist dem Menschen zugleich die Verantwortung für sein Handeln auferlegt (vgl. 1. Mose 2,16.17).
82. Sind Mann und Frau gleichermaßen Ebenbild Gottes?
Ja, Mann und Frau sind gleichermaßen Ebenbild Gottes. Insofern sind beide ihrem Wesen nach gleich.
83. Heißt „Ebenbild“, dass Gott und Mensch das gleiche Wesen und die gleiche Gestalt haben?
Nein. Dass der Mensch zu Gottes Ebenbild geschaffen ist, bedeutet nicht, dass man von der Person des Menschen aus auf Gottes Wesen oder Gestalt schließen könnte.
84. Wie ist das Verhältnis des Menschen zu seinem Schöpfer?
Der Mensch ist in seinem Dasein von Gott abhängig. Dem Menschen ist gegeben, Gott, seinen Schöpfer, zu erkennen, ihn zu lieben und zu preisen. Insofern ist der Mensch auf Gott ausgerichtet, unabhängig davon, ob er an ihn glaubt oder nicht.
85. Welchen Auftrag hat der Mensch in der sichtbaren Schöpfung?
Gott hat dem Menschen seinen Lebensraum zugewiesen und ihm den Auftrag erteilt, über die Erde zu „herrschen“, nämlich sie zu gestalten und sie zu bewahren (vgl. 1. Mose 1,26.28; Psalm 8,7).
86. Wie soll sich der Mensch als Ebenbild Gottes innerhalb der Schöpfung verhalten?
Im Umgang mit der Schöpfung ist der Mensch Gott, dem Schöpfer, gegenüber verantwortlich. Er darf frei, aber nicht willkürlich mit der Schöpfung umgehen. Als Gottes Ebenbild soll er alles Leben und den Lebensraum so behandeln, wie es göttlichem Wesen entspricht: mit Weisheit, Güte und Liebe.
87. Durften die ersten Menschen uneingeschränkt tun, was sie wollten?
Nein, Gott als Schöpfer, Herr und Gesetzgeber gab Adam und Eva im Garten Eden das Gebot, nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen. Damit prüfte er, wie die Menschen mit der Entscheidungsfreiheit umgingen, die ihnen als Ebenbild Gottes übertragen war. Zugleich warnte er sie vor den Folgen einer Übertretung dieses Gebots.
88. Wie kam es zum Sündenfall?
Durch den Einfluss des Bösen, der als Schlange zu ihnen kam, gerieten die ersten Menschen in Versuchung. Sie verstießen gegen das von Gott gegebene Gebot. Damit wurde der Mensch zum Sünder.
89. Was ist mit dem Sündenfall verbunden?
Mit dem Sündenfall verbunden ist die Trennung von Gott, der geistliche Tod. Der Mensch muss jetzt ein sorgenvolles Dasein auf Erden führen, das mit dem leiblichen Tod endet (vgl. 1. Mose 3,16-19). Seit dem Sündenfall ist der Mensch sündhaft, das heißt, er ist in Sünde verstrickt und daher unfähig, sündlos zu leben.
90. Muss der Mensch im geistlichen Tod bleiben?
Den Zustand des Getrenntseins von Gott kann der Mensch von sich aus nicht aufheben. Aber auch als Sünder bleibt der Mensch nicht ohne Trost und Beistand Gottes. Gott lässt ihn nicht im geistlichen Tod: Mit der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, dessen Opfertod und Auferstehung hat Gott für alle Menschen die Möglichkeit geschaffen, aus dem geistlichen Tod errettet zu werden. Einen ersten Hinweis auf das Opfer Christi erhält der Mensch, als Gott zur Schlange spricht: „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen“ (1. Mose 3,15).
91. Was bedeutet es, dass Gott den Menschen als Einheit aus Geist, Seele und Leib geschaffen hat?
Geist, Seele und Leib sind aufeinander bezogen, sie durchdringen und beeinflussen sich. Der Leib entsteht durch die Zeugung; er hat Anteil an Wesen und Gestalt der Eltern. Die Seele wird unmittelbar von Gott geschaffen; so wirkt Gott auch gegenwärtig und ist Schöpfer jedes einzelnen Menschen. Durch Seele und Geist, die in der Bibel nicht eindeutig voneinander abgegrenzt sind, wird der Mensch befähigt, an der geistigen Welt teilzuhaben, Gott zu erkennen und Verbindung mit ihm zu haben.
92. Was geschieht nach dem leiblichen Tod des Menschen?
Der Leib des Menschen ist sterblich, die Seele und der Geist sind unsterblich. Nach dem Tod des Leibes lebt der Mensch weiter als eine Einheit aus Seele und Geist. Das, was seine Person ausmacht, ist mit dem Tod nicht aufgehoben. Seine Personalität drückt sich dann aus durch Seele und Geist. Bei der Auferstehung der Toten werden Seele und Geist mit einem Auferstehungsleib vereint.
93. Wer ist Gott, der Sohn?
Gott, der Sohn, ist die zweite Person des dreieinigen Gottes. Zwischen Gott, dem Vater, und Gott, dem Sohn, gibt es keine Abstufung, auch wenn die Begriffe „Vater“ und „Sohn“ dies nahelegen könnten. Vater und Sohn sind gleichermaßen wahrer Gott, sie sind wesensgleich.
94. Wer ist Jesus Christus?
In Jesus Christus ist Gott, der Sohn, Mensch geworden und zugleich Gott geblieben. Er wurde in Bethlehem von der Jungfrau Maria geboren.
95. Welche Hinweise gibt es im Alten Testament auf die Geburt Jesu?
Im Alten Testament finden wir unter anderem die Verheißung des Propheten Jesaja: „Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel“ (Jesaja 7,14). Der Prophet Micha sagte den Geburtsort Jesu voraus: „ Du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist“ (Micha 5,1). Jesaja beschrieb Jesus mit Namen, die dessen Einzigartigkeit unterstreichen: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst“ (Jesaja 9,5).
96. Wer war der Wegbereiter Jesu?
Wegbereiter Jesu war Johannes der Täufer. Dieser von Gott verheißene Vorläufer Jesu (vgl. Maleachi 3,1) predigte Buße und kündigte Jesus Christus, den Erlöser, an: „Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen“ (Matthäus 3,11). Johannes der Täufer war der erste, von dem die Bibel berichtet, dass er Jesus ausdrücklich als Sohn Gottes bezeichnete und das dem Volk auch verkündete.
97. Wie bezeichnete Johannes der Täufer Jesus Christus?
Als Jesus zu Johannes kam, sagte dieser: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“ Am nächsten Tag stand Johannes der Täufer mit zweien seiner Jünger zusammen und sagte wieder, als er Jesus vorübergehen sah: „Siehe, das ist Gottes Lamm!“ Daraufhin folgten diese zwei Männer Jesus nach und wurden Jünger von ihm (vgl. Johannes 1,29.36.37).
98. Was bedeutet hier „Lamm Gottes“?
Die Bezeichnung „Lamm“ soll Jesus Christus als den Erlöser vorstellen und lenkt auf Jesaja 53,7: „Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird“. Lämmer zählen im Alten Testament seit ältester Zeit zu den bevorzugten Opfertieren. Das Bild vom geschlachteten „Lamm Gottes“ ist ein Hinweis auf den Opfertod Jesu Christi.
99. Welche Bedeutung hat der Opfertod Jesu für uns?
Mit seinem Opfertod legte der Sohn Gottes den Weg, dass die Sünder aus dem geistlichen Tod errettet werden und das ewige Leben erlangen können: „Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden“ (1. Johannes 4,9.10).
100. Was heißt: Jesus Christus ist Gottes „eingeborener Sohn“?
Gottes „eingeborener Sohn“ bedeutet, dass Jesus Christus, der Gottessohn, einzig und ewig ist. Der Gottessohn ist kein Geschöpf wie der Mensch; er ist auch nicht den Engeln vergleichbar, die einen Anfang haben: Er ist ohne Anfang und ohne Ende, er ist Gott und damit wesensgleich mit dem Vater und dem Heiligen Geist. Somit ist er schon immer – also vor aller Schöpfung – in Gemeinschaft mit dem Vater und dem Heiligen Geist (Präexistenz).
101. Wie ist es zu verstehen, dass der Gottessohn als „Wort“ („Logos“) bezeichnet wird?
Gott hat alles durch das Wort erschaffen („Gott sprach“, vgl. 1. Mose 1,3) und sinnvoll geordnet. Insofern ist das Wort der Ursprung, von dem alles ausgeht. Die Bezeichnung „Wort“ (= griechisch „Logos“) wird in Kapitel 1 des Johannes-Evangeliums zugleich für den Gottessohn verwendet. Dadurch wird darauf verwiesen, dass Gott, der Sohn, ebenso Schöpfer ist wie Gott, der Vater, und Gott, der Heilige Geist.
102. Was bedeutet: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns …“?
In Johannes 1,14 wird ausgesagt, dass der Gottessohn (das „Wort“) „Fleisch“, also wirklicher Mensch, geworden ist. Er wurde in Betlehem geboren, er wuchs in Nazareth auf und lernte dort den Beruf des Zimmermanns. Er starb in Jerusalem: Auf Golgatha wurde er gekreuzigt.
103. War Jesus Christus als Mensch den anderen Menschen gleich?
Ja, Jesus Christus war seiner menschlichen Natur nach den anderen Menschen gleich. In seinem Menschsein hatte er einen Leib und entsprechende Bedürfnisse. Er hungerte, als er in der Wüste war; er hatte Durst, als er zum Jakobsbrunnen kam. Er freute sich auf der Hochzeit zu Kana mit den Fröhlichen. Er litt mit den Traurigen und weinte, als sein Freund Lazarus gestorben war. Ebenso weinte er, als er vor Jerusalem stand und die Menschen ihn nicht als den Gottessohn erkannten. Er litt Schmerzen unter den Schlägen der Kriegsknechte. Er unterschied sich von den Menschen aber darin, dass er sündlos in die Welt kam und nie sündigte. Er war Gott, dem Vater, bis zum Tod am Kreuz gehorsam.
104. War Jesus auf Erden ausschließlich Mensch?
Nein, er war auf Erden gleichermaßen Mensch und der Gottessohn, also wahrer Gott. Jesus Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott: Er hat zwei Naturen, eine menschliche und eine göttliche Natur.
105. Welche Stellen in der Heiligen Schrift bezeugen, dass Jesus Christus immer auch wahrer Gott ist?
Nur als wahrer Gott konnte Jesus Christus sagen: „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10,30) und damit seine Wesensgleichheit mit dem Vater ausdrücken. Bei der Taufe Jesu am Jordan war eine Stimme vom Himmel zu hören: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“ (Matthäus 3,17). Auch bei der Verklärung Jesu stellte Gott, der Vater, dessen Gottessohnschaft heraus: „Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!“ (Matthäus 17,5). Die Worte Jesu „Wer mich sieht, der sieht den Vater“ (Johannes 14,9) bezeugen ebenfalls, dass er Gott ist.
106. Welche Taten zeigen, dass Jesus Christus wahrer Gott ist?
Die Wunder, die er tat, zeigen, dass Jesus Christus wahrer Gott ist. Ihm war die Natur untertan, denn er stillte einen Sturm und ging über den See Genezareth. Er erwies sich als Herr über Leben und Tod, indem er Kranke heilte und Tote zum Leben auferweckte. Dadurch, dass er Brot und Fische vermehrte und damit Tausende Menschen speiste, sowie dadurch, dass er Wasser in Wein umwandelte, überstieg sein Wirken alles, was Menschen können. Er war Herr über die Sünde; wiederholt hat er Sünde vergeben.
107. Was bedeutet der Name „Jesus“?
Der Name „Jesus“ bedeutet: „Der Herr rettet“. Als der Engel Gabriel die Geburt Jesu ankündigte, gab er zugleich den Namen des Kindes vor. Zu Maria sagte er: „Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben“ (Lukas 1,31). Auch zu Josef wurde gesagt, wie das Kind heißen sollte: „[…] dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden“ (Matthäus 1,21). So wird schon in der Namensgebung deutlich, dass Jesus der verheißene Retter und Erlöser ist.
108. Woran erkennen wir, dass Jesus Christus der Erlöser ist?
In seinen Taten offenbarte sich Jesus Christus als der von Gott gesandte Erlöser (= Heiland): „Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt“ (Matthäus 11,5). Dass Jesus Christus der Erlöser ist, zeigt sich vor allem darin, dass er den Willen Gottes verkündigte und sein Leben gab zur Erlösung der Menschen, also zu ihrer Befreiung von Sünden und Schuld.
109. Gibt es Erlösung nur durch Jesus Christus?
Ja, Erlösung gibt es nur durch Jesus Christus. Nur in ihm ist den Menschen das Heil zugänglich.
110. Was versteht man unter den „Hoheitstiteln“ Jesu?
Mit „Hoheitstiteln“ sind Namen und Bezeichnungen für den Sohn Gottes gemeint, mit denen in der Heiligen Schrift unterschiedliche Merkmale seiner Einzigartigkeit angesprochen werden.
111. Was bedeutet der Hoheitstitel „Christus“?
„Christus“ kommt ursprünglich aus der griechischen Sprache („Christos“) und heißt übersetzt „Gesalbter“. Könige wurden in alttestamentlicher Zeit mit Öl gesalbt (vgl. Psalm 20,7); diese Handlung bedeutete eine Aussonderung zu ihrem heiligen Dienst. Jesus wird als „Gesalbter“ bezeichnet, weil er der Herr über alles ist, weil er Menschen mit Gott versöhnt und den Willen Gottes verkündigt. Der Hoheitstitel „Christus“ ist so eng mit Jesus verbunden, dass er zum Eigennamen geworden ist: Jesus Christus.
112. Was bedeutet der Hoheitstitel „Messias“?
„Messias“ kommt aus dem Hebräischen und heißt übersetzt ebenfalls „der Gesalbte“. Dass Jesus von Nazareth der Christus, der von Israel erwartete Messias ist, wird im Neuen Testament ausdrücklich bekannt.
113. Was bedeutet der Hoheitstitel „Herr“?
Im Alten Testament kommt die Bezeichnung „Herr“ überwiegend dann vor, wenn von Gott die Rede ist. Im Neuen Testament wird dieser Hoheitstitel auch auf Jesus Christus bezogen. Die Bezeichnung „Herr“ kennzeichnet dabei die göttliche Autorität Jesu Christi, sie geht also über eine respektvolle Anrede weit hinaus. Wenn Jesus „der Herr“ genannt wird, geschieht dies auch, um damit auszudrücken, dass Jesus Gott ist.
114. Was bedeutet der Hoheitstitel „Menschensohn“?
Wird „Menschensohn“ als Hoheitstitel verwendet, ist damit nicht der Sohn eines Menschen gemeint, sondern ein himmlisches Wesen, das über die Menschen herrscht und richtet. Zu Jesu Zeit wurde in frommen jüdischen Kreisen der „Menschensohn“ erwartet, dem von Gott die Weltherrschaft übertragen werden sollte. Nach Johannes 3,13 gibt sich Jesus als dieser Menschensohn zu erkennen, der vom Himmel herabgekommen ist. Als solcher hat er Vollmacht, Sünden zu vergeben und selig zu machen (vgl. Matthäus 9,6).
115. Gibt es noch weitere Hoheitstitel Jesu?
Ja, die Heilige Schrift nennt weitere Hoheitstitel Jesu: „Immanuel“, „Knecht Gottes“, “Sohn Davids“. Der hebräische Name „Immanuel“ bedeutet „Gott mit uns“. Jesus Christus trägt den Hoheitstitel „Immanuel“, weil Gott in ihm unter den Menschen ist und ihnen seinen Beistand anbietet. Die Bezeichnung „Knecht Gottes“ findet sich in der Heiligen Schrift für herausragende Personen, die im Dienst Gottes stehen. Wenn Jesus als „Knecht Gottes“ bezeichnet wird, ist dies ein Hinweis auf sein Dienen und sein Leiden für die Menschen. „Sohn Davids“ ist im Neuen Testament eine Bezeichnung für Jesus Christus. Schon am Beginn des Matthäus-Evangeliums heißt es: „Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams“ (Matthäus 1,1). Das bedeutet, dass in Jesus Christus die Verheißungen erfüllt sind, die David gegeben wurden (vgl. 2. Samuel 7; Apostelgeschichte 13,32-37).
116. In welcher Weise hat Jesus Christus seinen göttlichen Auftrag erfüllt?
Jesus Christus handelte als König, Priester und Prophet. Bei einem König denkt man an Herrschen und Regieren. Der Priester in alttestamentlicher Zeit ist tätig, um die Versöhnung des Menschen mit Gott zu vermitteln. Ein Prophet verkündigt den göttlichen Willen und sagt kommende Ereignisse voraus. All dies hat Jesus Christus in vollkommener Weise verwirklicht.
117. Was heißt: „Jesus Christus – der König“?
Bei seinem Einzug in Jerusalem gab sich Jesus als der König des Friedens und der Gerechtigkeit zu erkennen. Auch vor Pilatus, einem Vertreter der Weltmacht Rom, bekannte Jesus, dass er König und Zeuge der Wahrheit ist. Jesu König-Sein bezieht sich jedoch nicht auf irdische Regentschaft und wird auch nicht durch äußere Machtentfaltung deutlich. Dass er König ist, zeigt sich in der Vollmacht, mit der er handelte, und in der Kraft, mit der er Zeichen und Wunder tat. Die königliche Würde Jesu Christi wird auch in der Offenbarung des Johannes betont: Jesus Christus ist „Herr über die Könige auf Erden“ (Offenbarung 1,5).
118. Was heißt: „Jesus Christus – der Priester“?
Wichtigste Aufgabe der Priester in alttestamentlicher Zeit war es, Gott Opfer darzubringen und so Gott gnädig zu stimmen. Jesus Christus ist ein Priester, der über allen anderen steht, er ist der wahre Hohepriester. Er hat sein sündloses Leben geopfert, damit die Menschen aus dem geistlichen Tod errettet werden und das ewige Leben erlangen können. Hohepriester in alttestamentlicher Zeit hatten die Aufgabe, die Sünden der Menschen vor Gott zu tragen. Dazu betraten sie fürbittend einmal im Jahr – am Versöhnungstag – den heiligsten Raum des Tempels (das „Allerheiligste“). Jesus Christus bedurfte nicht, wie die Hohepriester des Alten Bundes, der Versöhnung mit Gott: Er ist vielmehr selbst der Versöhner und vergibt die Sünden.
119. Was heißt: „Jesus Christus – der Prophet“?
Gott hatte Mose verheißen: „Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben; der soll zu ihnen reden alles, was ich ihm gebieten werde“ (5. Mose 18,18). Mit diesem Propheten ist Jesus Christus gemeint. Als Prophet verkündigt Jesus Christus den Willen Gottes. Er weist den Weg des Lebens und offenbart Zukünftiges. In den Abschiedsreden verheißt er den Heiligen Geist. Im Buch der Offenbarung enthüllt er den Gang der Heilsgeschichte bis zur neuen Schöpfung. Seine Aussagen sind in Ewigkeit gültig: „Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen“ (Markus 13,31).
120. Wo wird über die Person und das Wirken Jesu Christi berichtet?
Im Neuen Testament wird in den vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes vom Leben und Wirken Jesu Christi berichtet. Die Evangelisten (Verfasser der Evangelien) wollten jedoch keine Lebensgeschichte Jesu schreiben; vielmehr bezeugen sie den Glauben, dass Jesus von Nazareth der Messias ist.
121. Wie trat der Sohn Gottes in das menschliche Dasein?
Der Sohn Gottes wurde als Mensch von der Jungfrau Maria in Bethlehem geboren. Seine Geburt wird in den Evangelien nach Matthäus und Lukas geschildert. Jesus wurde zu der Zeit geboren, als Herodes in Judäa als König herrschte und Augustus in Rom Kaiser war. Jesus hat tatsächlich gelebt; er ist also eine Person der Weltgeschichte und nicht etwa eine Gestalt aus der Welt der Dichtung und der Sagen.
122. Was ging der Geburt Jesu voraus?
Der Engel Gabriel brachte der Jungfrau Maria die Botschaft: „Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben“ (Lukas 1,31-33). Der Engel gab Maria auch die Erklärung, dass sie durch den Heiligen Geist schwanger werde: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden“ (Lukas 1,35).
123. Wer waren die Eltern Jesu?
Maria war die leibliche Mutter Jesu. Josef nahm Jesus an wie einen Sohn. Deshalb wird Josef auch im Stammbaum Jesu erwähnt.
124. Was wissen wir von der Geburt Jesu?
Kaiser Augustus hatte eine Volkszählung angeordnet. Dazu musste jeder „seine“ Stadt, d.h. den Herkunftsort seiner Familie, aufsuchen. Daher ging Josef, der ein Nachkomme Davids war, mit Maria in die „Stadt Davids“, nämlich nach Betlehem. Dort bekamen sie keine Unterkunft. Maria gebar ihren Sohn wohl in einem Stall, denn sie legte ihn in einen Futtertrog: „Sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge“ (Lukas 2,7). Aus diesem Geschehen wird deutlich, dass Gott in armseligen Verhältnissen Mensch wurde.
125. Was ereignete sich zeitgleich mit der Geburt Jesu?
Engel erschienen und verkündeten Hirten, die auf einem Feld bei Betlehem ihre Herde hüteten, die frohe Botschaft: „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids“ (Lukas 2,11; auch Micha 5,1). Im Matthäus-Evangelium wird berichtet, dass auch ein Stern auf die Geburt Jesu hinwies. Weise Männer (Magier) aus dem „Morgenland“ (dem Osten) waren dem Stern gefolgt und nach Jerusalem gekommen, um den „neugeborenen König“ anzubeten: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten“ (Matthäus 2,2). Sie wurden von König Herodes nach Bethlehem geschickt. „Siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war“ (Matthäus 2,9). Diese Ereignisse verweisen auf die Einzigartigkeit der Geburt des Gottessohnes.
126. Was geschah nach der Geburt Jesu?
Da König Herodes glaubte, in Bethlehem sei ein König geboren, der ihn eines Tages vom Thron stürzen würde, trachtete er dem Kinde nach dem Leben. Er ließ alle Kinder in Bethlehem töten, die zwei Jahre und jünger waren (vgl. Matthäus 2,16-18).
127. Wie bewahrte Gott das Kind Jesus?
Gott veranlasste durch einen Traum Josef, den Mann der Maria, mit ihr und dem Kind nach Ägypten zu fliehen (vgl. Matthäus 2,13.14). Nach dem Tod des Königs Herodes zogen sie dann nach Nazareth in Galiläa.
128. Was ist über die Kindheit Jesu bekannt?
In Lukas 2,52 steht, dass Jesus an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen zunahm. In Lukas 2,41-49 wird berichtet, dass der zwölfjährige Jesus dort ein Gespräch mit Schriftgelehrten führte, die „sich über seinen Verstand und seine Antworten“ wunderten.
129. Was ging der Lehrtätigkeit Jesu voraus?
Jesus ließ sich durch Johannes den Täufer am Jordan taufen. Unmittelbar nach der Taufe durch Johannes fuhr der Heilige Geist sichtbar auf Jesus hernieder. In einer Stimme vom Himmel herab bezeugte Gott, der Vater: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen“ (Lukas 3,22). In diesem Geschehen wurde kundgemacht, dass Jesus der Gottessohn ist.
130. Warum ließ sich Jesus von Johannes taufen?
Jesus war ohne Sünde. Trotzdem ließ er sich von Johannes, dem Täufer zur Buße, im Jordan taufen. An diesem Taufakt – der Ausdruck von Buße war – wird deutlich, dass er sich erniedrigte und an sich das vollziehen ließ, was für die Sünder galt.
131. Was ereignete sich nach der Taufe Jesu?
Jesus wurde vom Heiligen Geist in die Wüste geführt, „damit er von dem Teufel versucht würde“ (Matthäus 4,1). Jesus blieb 40 Tage lang dort, und der Teufel führte ihn mehrfach in Versuchung. Jesus widerstand den Versuchungen und wies den Teufel ab. Danach traten Engel zu Jesus und dienten ihm (vgl. Matthäus 4,11).
132. Welche Bedeutung haben die Versuchungen Jesu?
Indem Jesus den Versuchungen widerstand, erwies er sich noch vor Beginn seines öffentlichen Wirkens als Sieger über den Teufel. Der erste Mensch, Adam, hat der Versuchung des Teufels nicht widerstanden. Adam wurde zum Sünder und mit ihm alle Menschen. Im Gegensatz dazu blieb Jesus ohne Sünde. Damit schuf er die Voraussetzung, dass alle Sünder wieder zu Gott finden können.
133. In welchem Alter begann Jesus zu lehren?
Jesus begann im Alter von ungefähr 30 Jahren in Galiläa zu lehren (vgl. Lukas 3,23).
134. Was steht im Mittelpunkt der Lehre Jesu?
Im Mittelpunkt der Lehre Jesu steht die Predigt vom Reich Gottes: „Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,15).
135. Was bedeutet „Reich Gottes“?
Das „Reich Gottes“ ist kein Staatsgebiet, kein politischer Herrschaftsbereich. Vielmehr bedeutet „Reich Gottes“, dass Gott unter den Menschen gegenwärtig ist und herrscht. In der Person von Jesus Christus, dem Gottessohn, ist „das Reich Gottes“ zu den Menschen gekommen (vgl. Lukas 17,21). Jesus Christus ist Herrscher, er schafft Gerechtigkeit, er schenkt Gnade, er wendet sich den Armen und Hilfsbedürftigen zu, er bringt Heil. „Reich Gottes“ hat auch eine zukünftige Bedeutung – es wird mit der „Hochzeit des Lammes“ beginnen und in der neuen Schöpfung (vgl. Offenbarung 21,1-3) ewigen Bestand haben.
136. Was bedeutet „Buße tun“?
„Buße tun“ bedeutet, sich vom Bösen abzuwenden und sich Gott zuzuwenden. Wer Buße tut, ist bereit zu einer Veränderung seiner Gesinnung, um den Willen Gottes zu erfüllen.
137. Was bedeutet „Evangelium“?
„Evangelium“ bedeutet „frohe Botschaft“, „gute Nachricht“. Es ist die Botschaft von der Gnade, Liebe und Versöhnung, die Gott uns in Jesus Christus schenkt.
138. Wie ist Jesu Stellung zum Gesetz des Mose?
Das mosaische Gesetz besaß für das Volk Israel höchste Verbindlichkeit. Seine Erfüllung betrachtete man als Voraussetzung für das rechte Verhältnis des Menschen zu Gott. Jesus machte deutlich, dass er höhere Autorität besitzt als Mose und Herr über das Gesetz ist. Er fasste das Gesetz in dem einen Gebot zusammen, Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst (vgl. Matthäus 22,37-40).
139. Was war eine der ersten Taten Jesu zu Beginn seiner Lehrtätigkeit?
Jesus berief Jünger (vgl. Markus 1,16 ff.). Aus ihnen setzte er zwölf ein, „die er auch Apostel nannte, dass sie bei ihm sein sollten und dass er sie aussendete zu predigen“ (vgl. Markus 3,14).
140. Welche Wunder tat Jesus?
Die Wunder, die der Sohn Gottes tat, sind unterschiedlich: Heilungen von Kranken, Austreibungen böser Geister, Auferweckungen von Toten, Naturwunder, Speisungswunder, Geschenkwunder.
141. Warum tat Jesus Wunder?
Jesus tat Wunder, um zu zeigen, dass sich in ihm Gott als der Allmächtige und der Liebende dem leidenden Menschen barmherzig zuwendet. Die Wunder offenbaren die Herrlichkeit des Gottessohnes und seine göttliche Vollmacht.
142. Von welchen Krankenheilungen wird in den Evangelien berichtet?
Die Evangelien berichten, dass Jesus blinde, lahme, taube und aussätzige Menschen heilte. Diese Heilungen verweisen auf das göttliche Wesen Jesu Christi, der so handelte, wie Gott von sich zu Israel sprach: „Ich bin der Herr, dein Arzt“ (2. Mose 15,26). Die Heilungswunder stehen immer in engem Zusammenhang mit dem Glauben der betroffenen Menschen (vgl. z.B. Lukas 18,35-43).
143. Was wird über Austreibungen böser Geister durch Jesus berichtet?
In den Evangelien wird berichtet, dass Jesus Dämonen austrieb – die nach damaliger Vorstellung auch Verursacher von Krankheiten waren – und so die Menschen heilte. Jesus Christus wurde sogar von den Dämonen als Herr erkannt (vgl. Markus 3,11).
144. Von welchen Totenauferweckungen wird in den Evangelien berichtet?
Die Evangelien schildern drei Fälle, in denen Jesus verstorbene Menschen ins Leben zurückrief: die Tochter des Jairus (vgl. Matthäus 9,18-26), den Jüngling zu Nain (vgl. Lukas 7,12-15) und Lazarus, den Bruder von Maria und Marta (vgl. Johannes 11,1-44). Die Auferweckungen vom Tod machen deutlich, dass Jesus Christus auch Herr über den Tod ist. Sie verweisen zugleich auf die Hoffnung, dass dereinst die Toten zum ewigen Leben auferstehen werden.
145. Von welchen Naturwundern wird in den Evangelien berichtet?
Jesus hatte Macht über den Wind und das Meer, sie waren ihm „gehorsam“ (vgl. Matthäus 8,27): Es war Sturm und als er ihm Einhalt gebot, trat Windstille ein; das Wasser wurde ruhig. Damit zeigte sich Jesu Macht über die Elemente. Die Herrschaft Jesu über die Naturgewalten unterstreicht, dass der Gottessohn Schöpfer ist, wie Gott, der Vater (vgl. Johannes 1,1-3).
146. Von welchen Speisungswundern wird in den Evangelien berichtet?
In allen Evangelien wird von dem Wunder berichtet, dass Jesus fünftausend Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen satt machte (vgl. z.B. Markus 6,30-44). Das Matthäus- und das Markus-Evangelium erzählen zudem von der Speisung der Viertausend (vgl. Matthäus 15,32-39 und Markus 8,1-9). Diese Wunder erinnern daran, dass Gott bei der Wüstenwanderung des Volkes Israel für Speise (Manna) sorgte. Weiterhin verweisen diese Geschehen auf das Heilige Abendmahl.
147. Von welchen Geschenkwundern wird in den Evangelien berichtet?
Jesus tat auch Wunder, in denen Menschen eine Fülle irdischer Gaben empfingen. Beispiel für ein solches Geschenkwunder ist der reiche Fischfang des Petrus. Dieser hatte mit anderen Fischern eine ganze Nacht lang gearbeitet, doch nichts gefangen. Auf das Wort Jesu hin warfen die Fischer ihre Netze erneut aus, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass die Netze zu reißen begannen und die Boote fast untergingen (vgl. Lukas 5,1-11). Bei der Hochzeit zu Kana machte Jesus aus Wasser Wein (vgl. Johannes 2,1-11). Auch dies ist ein Geschenkwunder und damit Zeichen der Göttlichkeit Jesu Christi.
148. Wie brachte Jesus den Menschen seine Lehre nahe?
Jesus predigte den Menschen. Seine bekannteste Predigt ist die „Bergpredigt“, die im Matthäus-Evangelium überliefert ist. Am Beginn der „Bergpredigt“ stehen die „Seligpreisungen“.
149. Was verstehen wir unter „Seligpreisungen“ Jesu?
Im Matthäus-Evangelium finden sich die „Seligpreisungen“ aus der Bergpredigt Jesu. Damit zeigt Jesus, wie man am „Himmelreich“, das in ihm gegenwärtig geworden ist, teilnimmt. Menschen werden von ihm als „selig“ (glücklich) bezeichnet, wenn sie so leben, wie es dort gesagt wird.
150. Wie machte Jesus das Evangelium verständlich?
Jesus redete in seinen Predigten oft in Gleichnissen, also in bildhaften Erzählungen. Diese Geschichten sind der Alltagswelt seiner Zuhörer entnommen, um von ihnen gut verstanden werden zu können. Mit den Gleichnissen veranschaulichte Jesus wesentliche Inhalte des Evangeliums. Mehr als 40 Gleichnisse sind in den ersten drei Evangelien überliefert.
151. Welche wesentlichen Aussagen des Evangeliums werden in Gleichnissen veranschaulicht?
Jesus veranschaulichte in den Gleichnissen wesentliche Aussagen zum Reich Gottes, zum Gebot der Nächstenliebe, zur Gesinnung des Menschen und zum Kommen des Menschensohnes.
152. Wie erklärte Jesus den Beginn und das Wachstum des Reiches Gottes?
Jesus erklärte dies im Gleichnis vom Senfkorn. Er zeigte damit den bescheidenen Anfang des Reiches Gottes und sein Wachstum.
153. Wie erklärte Jesus, dass mit dem Reich Gottes etwas überaus Wertvolles angeboten wird?
Im Gleichnis von der kostbaren Perle wird der Mensch gezeigt, der den in Jesus Christus verborgenen Reichtum erkennt, ihn annimmt und alles andere dafür aufgibt. Jesus unterstreicht dies an anderer Stelle mit der Aufforderung: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes …“ (Matthäus 6,33).
154. Wie erklärte Jesus die Liebe, die im Reich Gottes herrscht?
Mit dem Gleichnis vom verlorenen Schaf zeigte Jesus, dass Gott sich um alle Menschen bemüht, auch um solche, die verloren scheinen. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn wird Gottes Liebe zum Sünder verdeutlicht.
155. Welches Gleichnis ruft zur Nächstenliebe auf?
Die vornehmsten Gebote sind, Gott und den Nächsten zu lieben. Mit der Erzählung vom barmherzigen Samariter veranschaulichte Jesus, wer der Nächste ist und dass Nächstenliebe bedeutet, nicht die Augen vor der Not anderer zu verschließen, sondern Hilfe zu leisten.
156. Welche Gleichnisse betreffen die Gesinnung des Menschen?
Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner verdeutlicht: Nicht wer sich dessen rühmt, was er kann, was er hat und was er ist, sondern wer demütig zu Gott kommt und Gnade sucht, wird gerecht gemacht. Das Gleichnis vom Schalksknecht ruft die, welche Gottes Gnade empfangen haben, dazu auf, den anderen ebenfalls gnädig zu begegnen. Für den, der die Größe der Liebe Gottes erkennt, ist die Versöhnung mit dem Nächsten ein Bedürfnis.
157. Was offenbarte Jesus in den Gleichnissen vom Kommen des Menschensohns?
In den Gleichnissen vom Kommen des Menschensohns sprach Jesus Christus von seiner Wiederkunft. In Matthäus 24,37-39 wird ein Vergleich zwischen der Zeit vor Jesu Wiederkommen und den Tagen Noahs gezogen; es kommt zum Ausdruck: Die Wiederkunft Christi wird plötzlich und überraschend sein. Diese Botschaft vermittelt auch das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (vgl. Matthäus 25,1-13). Wir lernen daraus, zu wachen und für die Wiederkunft des Herrn bereit zu sein.
158. Mit welchen Bildworten beschrieb sich Jesus, und was bedeutet dies?
Im Johannes-Evangelium finden sich Aussagen Jesu, die als „Bildworte“ bezeichnet werden. In ihnen macht Jesus sein Wesen deutlich. Sieben markante Aussagen Jesu beginnen mit den Worten „Ich bin“. In ihnen spricht er bildlich von sich als „Brot des Lebens“ (Johannes 6,35), als „Licht der Welt“ (Johannes 8,12), als „Tür“ zur Errettung (Johannes 10,9), als der „gute Hirte“ (Johannes 10,11), und als „Weinstock“ (Johannes 15,5). Darüber hinaus bezeichnet Jesus Christus sich als „Auferstehung“ (Johannes 11,25) und als „Weg“, „Wahrheit“ und „Leben“ (Johannes 14,6). Das alles bedeutet: Jesus allein eröffnet den Zugang zu Gott, dem Vater, und ist Ursache des Heils.
159. Welche Jünger standen Jesus besonders nahe?
Die zwölf Apostel standen Jesus besonders nahe, zu ihnen hatte er ein besonderes Vertrauensverhältnis: • Als andere Jünger Jesus nicht verstanden und ihm nicht mehr folgten, blieben die Apostel bei ihm und bekannten, dass er der Christus ist (vgl. Johannes 6,66-69). • Nur die Apostel waren bei ihm, als er das Heilige Abendmahl stiftete (vgl. Lukas 22,14 ff.). • Jesus gab den Aposteln, indem er ihnen die Füße wusch, ein Bespiel für demütiges Dienen (vgl. Johannes 13,4 ff.). • An die Apostel wandte er sich in den Abschiedsreden vor seinem Tod, die im Johannes-Evangelium 13-16 überliefert sind, und verhieß ihnen den Heiligen Geist. • Den Aposteln gab er die Verheißung seiner Wiederkunft (vgl. Johannes 14,3). • Den Aposteln zeigte er sich wiederholt nach seiner Auferstehung (vgl. Apostelgeschichte 1,2.3). • Den Aposteln gab er vor seiner Himmelfahrt den Befehl: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“ (Matthäus 28,19.20).
160. Womit begann die Leidenszeit Jesu Christi?
Die Leidenszeit Jesu begann mit seinem Einzug in Jerusalem: „Und als sie in die Nähe von Jerusalem kamen …, sandte er zwei seiner Jünger und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sobald ihr hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat; bindet es los und führt es her! Und wenn jemand zu euch sagen wird: Warum tut ihr das?, so sprecht: Der Herr bedarf seiner … Und sie führten das Füllen zu Jesus und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg, andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern abgehauen hatten. Und die vorangingen und die nachfolgten, schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!“ (Markus 11,1-9). – Trotz des Jubels wusste Jesus Christus, dass die Stimmung im Volk bald umschlagen würde und er den Weg zum Kreuz gehen müsste.
161. Welche Ereignisse folgten auf Jesu Einzug in Jerusalem?
Jesus reinigte den Tempel, indem er Händler und Geldwechsler daraus vertrieb. Damit machte er deutlich, dass der Tempel, das Haus Gottes, heilig und kein Ort für Geschäfte ist. In Betanien wurde Jesus dann mit kostbarem Narden-Öl gesalbt. Dies geschah nach seinen Worten im Blick auf seinen bevorstehenden Tod, denn Tote wurden damals mit wertvollem Öl gesalbt (vgl. Markus 14,8). Jesus hatte unter den Pharisäern und Sadduzäern, zu denen die Hohepriester zählten, viele Feinde. Sie wollten ihn töten. Daher wurde seine Lage immer bedrohlicher.
162. Wer verriet Jesus Christus?
Einer der zwölf Apostel, Judas Iskariot, ging vor dem Passafest zu den Feinden Jesu. „Da ging … Judas Iskariot, hin zu den Hohenpriestern und sprach: Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten“ (Matthäus 26,14.15). Diese boten ihm 30 Silberlinge. Das war ein Betrag, der im Allgemeinen für einen Sklaven bezahlt wurde. Damit erfüllte sich ein Wort des Propheten Sacharja (vgl. Sacharja 11,12.13) – der Herr wurde gleichsam auf die Stufe eines Sklaven gestellt (vgl. 2. Mose 21,32).
163. Wie stiftete Jesus das Heilige Abendmahl?
Zum Passafest war Jesus mit den zwölf Aposteln zusammen und feierte mit ihnen das Passamahl. Es war also auch Judas Iskariot anwesend, der zuvor bei den Feinden Jesu gewesen war, um ihn zu verraten. Als sie zusammen zu Tisch saßen, stiftete der Herr das Heilige Abendmahl: „Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden“ (Matthäus 26,26-28). Während dieses Essens kennzeichnete Jesus seinen Verräter, Judas Iskariot. Dieser verließ daraufhin die Gemeinschaft. Er ging weg, „und es war Nacht“ (Johannes 13,30).
164. Was trug sich im Garten Gethsemane zu?
Nach dem Abendmahl ging Jesus mit den elf verbliebenen Aposteln in den Garten Gethsemane. Die menschliche Natur des Gottessohnes wird an seiner Furcht vor dem bevorstehenden Kreuzestod erkennbar. Er fiel in Demut nieder und rang im Gebet: „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ (Lukas 22,42). Jesus stellte sich also völlig unter den Willen seines Vaters – er war bereit, das Opfer zu bringen. Darauf erschien ein Engel und stärkte ihn (vgl. Lukas 22,43). Die Apostel aber schliefen. Kurz darauf wurde Jesus gefangen genommen.
165. Wie geschah die Gefangennahme Jesu?
Als Jesus die Apostel bat, mit ihm zu wachen, kam eine große Schar Bewaffneter, die von den Hohepriestern geschickt waren. Judas Iskariot führte sie zu Jesus und verriet ihn mit einem Kuss: „Welchen ich küssen werde, der ist’s; den ergreift“ (Matthäus 26,48).
166. Wie verhielten sich die Apostel?
Simon Petrus zog das Schwert, um Jesus zu schützen, und schlug dem Knecht eines Hohepriesters ein Ohr ab (vgl. Johannes 18,10). Jesus jedoch hielt ihn zurück und heilte den Knecht. Jesus machte keinen Gebrauch von seiner göttlichen Macht, sondern ließ sich gefangen nehmen. Daraufhin verließen ihn die Apostel und flohen. Als Simon Petrus in dieser Nacht darauf angesprochen wurde, ein Jünger Jesu zu sein, stritt er dies ab. Er verleugnete den Herrn dreimal.
167. Warf Jesus später den Aposteln ihr Verhalten vor?
Nein, Jesus kannte die menschlichen Schwächen auch seiner Apostel, doch warf er sie ihnen nicht vor. Er begegnete ihnen nach seiner Auferstehung mit dem Gruß des Friedens.
168. Was geschah nach der Gefangennahme Jesu?
Der Hohe Rat, die Hohepriester und Schriftgelehrten, sprach Jesus wegen Gotteslästerung des Todes schuldig. Die Gotteslästerung wurde darin gesehen, dass er sich als Sohn Gottes bekannte.
169. Was tat Judas Iskariot nach der Verurteilung Jesu?
Nachdem Jesus zum Tod verurteilt worden war, bereute Judas Iskariot seinen Verrat, und er brachte die 30 Silberlinge den Hohepriestern zurück. Diese wollten mit ihm nichts mehr zu tun haben. Darauf warf er das Geld in den Tempel, ging fort und erhängte sich (vgl. Matthäus 27,1-5).
170. Wie erging es Jesus vor Pilatus und Herodes?
Nachdem Jesus vom Hohen Rat – der höchsten Behörde in Judäa – verurteilt worden war, wurde er von dem römischen Statthalter Pontius Pilatus verhört. Dieser war zuständig, da die Juden damals von den Römern beherrscht wurden. Pilatus hielt Jesus für unschuldig und überstellte ihn an Herodes (mit Beinamen Antipas), den König der Juden. Da den Juden die Vollstreckung der Todesstrafe von den Römern untersagt war, sandte Herodes Jesus wieder zu Pilatus zurück. Dieser ließ Jesus geißeln. Das Volk forderte Jesu Kreuzigung und lastete ihm an, sich als „König der Juden“ gegen den römischen Kaiser erhoben zu haben. Darauf stand die Todesstrafe (vgl. Johannes 19,12). Pilatus meinte, einen Weg zu wissen, Jesus die Freiheit zu schenken: Da zum Passafest ein Verurteilter begnadigt werden konnte, sollte das Volk entscheiden, ob Jesus oder der Verbrecher Barabbas frei gelassen würde. Aufgehetzt von den Hohepriestern und Ältesten, wählte das Volk Barabbas. Um zum Ausdruck zu bringen, dass er für das nun Folgende nicht verantwortlich sei, wusch sich Pilatus vor dem Volk die Hände und sprach: „Ich bin unschuldig an seinem Blut …“ (Matthäus 27,24). Er ließ Jesus nochmals geißeln und übergab ihn den Soldaten zur Kreuzigung.
171. Wie verhielt sich Jesus in seinem Leiden?
Jesus ließ alle Misshandlungen, Demütigungen und Lästerungen still über sich ergehen. Auch als man ihm zur Verhöhnung eine Dornenkrone auf das Haupt setzte, ertrug er dies mit Würde.
172. Wo endete der Leidensweg Jesu?
Jesus wurde auf Golgatha ans Kreuz geschlagen. Zusammen mit ihm wurden zwei Verbrecher gekreuzigt. Das Kreuz Jesu stand in der Mitte. Hier erfüllte sich die Prophezeiung aus Jesaja 53,12: Der Herr wurde den Übeltätern gleich gerechnet, also wie ein Übeltäter behandelt. Die schweren Leiden Jesu mündeten in einen grausamen Todeskampf, bis er schließlich nach Stunden verstarb.
173. Wer ist schuld am Tod Jesu?
Durch die Mitwirkung des römischen Statthalters sind Verurteilung und Hinrichtung Jesu nicht allein Angelegenheit des jüdischen Volkes: Auch Heiden sind daran beteiligt. Alle Menschen aller Zeiten sind Sünder und laden Schuld auf sich. Jesus starb für die Sünden aller Menschen. Deshalb tragen letztlich alle Menschen Schuld am Tod Jesu.
174. Was waren die letzten Worte Jesu am Kreuz?
Traditionell werden die letzten Worte Jesu, die in den Evangelien unterschiedlich überliefert sind, in die nachstehende Reihenfolge gebracht: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lukas 23,34) Jesus trat für alle ein, die ihn ans Kreuz gebracht hatten und denen die Tragweite ihres Handelns nicht bewusst war. Hier erfüllte Jesus das Gebot der Feindesliebe auf einzigartige Weise (vgl. Matthäus 5,44.45.48). „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lukas 23,43). Jesus wandte sich dem reuigen Übeltäter zu, der ihn um Gnade gebeten und ihn als Heiland bekannt hatte. Als „Paradies“ wird hier der jenseitige Aufenthaltsort der Frommen und Gerechten verstanden. „Frau, siehe, das ist dein Sohn!“ – „Siehe, das ist deine Mutter!“ (Johannes 19,26.27). Jesus vertraute seine Mutter Maria dem Apostel Johannes an. Hier zeigt sich die Fürsorge und Liebe Christi, der sich trotz eigener Not für den Nächsten einsetzte. Maria wird in der christlichen Tradition als Sinnbild der Kirche gedeutet. Diese wird unter die Obhut des Apostelamtes gestellt, das durch Johannes repräsentiert wird. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Markus 15,34). Mit diesen Worten aus Psalm 22 wenden sich fromme Juden in der Todesnähe an Gott. Sie beklagen damit einerseits das Gefühl der Ferne Gottes, bezeugen jedoch andererseits den Glauben an Gottes Macht und Gnade. Auch Jesus benutzte diesen unter Menschen in Todesnot üblichen Ausspruch. „Mich dürstet“ (Johannes 19,28). Jesus hatte im Todeskampf Durst und wollte etwas zu trinken. Dieses Wort steht zudem mit Psalm 69,22 in Verbindung: „Sie geben mir Galle zu essen und Essig zu trinken für meinen Durst“. Es wird auch so ausgelegt, dass Jesus den „Leidenskelch“ bis zur Neige trinken musste, also bis zum Ende leiden musste. „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19,30). Es war um die neunte Stunde, das heißt am frühen Nachmittag, als diese Worte gesprochen wurden. Jesus hat das Opfer zur Erlösung der Menschen gebracht. „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ (Lukas 23,46). Daraus wird deutlich, dass Jesus Christus auch im Augenblick des Todes völlig seinem Vater vertraute.
175. Welche Ereignisse begleiteten den Kreuzestod des Herrn?
Als Jesus am Kreuz starb, erbebte die Erde und Felsen zerbrachen. Der Vorhang im Tempel, der dort den heiligsten Raum („das Allerheiligste“) abtrennte, zerriss in zwei Stücke. Damit wird deutlich, dass durch den Tod Jesu Christi der Opferdienst des Alten Bundes nicht mehr notwendig ist. Durch sein Opfer ist der Weg zu Gott eröffnet. Als der römische Hauptmann und seine Soldaten, die Jesus am Kreuz bewachten, spürten, dass die Erde bebte, riefen sie aus: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ (Matthäus 27,54). Damit bezeugten auch Heiden, dass Jesus der Sohn Gottes ist.
176. Was geschah mit dem Leichnam Jesu?
Josef von Arimathäa, der dem Hohen Rat angehörte, bat Pilatus um den Leichnam Jesu, denn er wollte ihn in ein Grab legen. Zusammen mit Nikodemus, der einmal nachts zum Herrn gegangen und von ihm belehrt worden war (vgl. Johannes 3,1.2), brachte er dann den Leichnam in ein unbenutztes Felsengrab. Vor das Grab wurde ein Stein gewälzt. Die Hohepriester ließen das Grab von Kriegsknechten bewachen, um zu verhindern, dass die Jünger Jesu den Leichnam wegbringen würden.
177. Wozu musste Jesus leiden und sterben?
Gott, der Sohn, wurde in Jesus Mensch und kam in die Welt, damit er die Sünden der Menschen auf sich nehme. Er brachte das Opfer aus freiem Willen in göttlicher Liebe, um die Menschen aus dem Tod zu erretten. Die Macht der Sünde ist groß, doch noch größer ist die Macht der göttlichen Liebe, die sich darin zeigt, dass Jesus Christus sein Leben hingab.
178. Welche Bedeutung hat somit das Leiden und Sterben Jesu für die Menschen?
Der Opfertod Jesu ist Grundlage für ein neues Verhältnis des Menschen zu Gott. Der sündhafte Mensch kann zu Gott zurückfinden.
179. Wird auf das Leiden und den Opfertod Jesu Christi im Alten Testament hingewiesen?
Ja, in Jesaja 53,3-5 wird ein Knecht Gottes beschrieben, der erniedrigt wird und leiden muss. Es heißt dort: Er ist „der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit […] Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. […] Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Dies sind Hinweise auf den Leidensweg Jesu Christi und seinen Opfertod.
180. Gab Jesus selbst Hinweise auf sein Leiden und Sterben?
Ja, Jesus gab mehrfach Hinweise auf sein Leiden und Sterben und auch auf seine Auferstehung. Nachdem Petrus zu Jesus gesagt hatte: „Du bist der Christus Gottes!“, verwies Jesus auf sein bevorstehendes Leiden und Sterben: „Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tag auferstehen“ (Lukas 9,22). Ähnlich äußerte sich Jesus im Anschluss an das Geschehen auf dem Berg der Verklärung: „Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen und sie werden ihn töten; und wenn er getötet ist, so wird er nach drei Tagen auferstehen“ (Markus 9,31). Vor dem Einzug in Jerusalem sagte er zu den Aposteln: „Der Menschensohn wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überantwortet werden; und sie werden ihn zum Tode verurteilen und werden ihn den Heiden überantworten, damit sie ihn verspotten und geißeln und kreuzigen; und am dritten Tage wird er auferstehen“ (Matthäus 20,18.19). Den Schriftgelehrten und Pharisäern gegenüber sprach Jesus davon, dass er nach drei Tagen auferstehen werde. Dazu erinnerte er an die Geschichte des Propheten Jona: „Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein“ (Matthäus 12,40).
181. Was sagen die Briefe der Apostel zum Opfertod Jesu?
In 2. Korinther 5,19 wird die Bedeutung des Opfertodes Jesu am Kreuz so beschrieben: „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber.“ In 1. Johannes 3,16 heißt es: „Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns gelassen hat.“ In der Auseinandersetzung mit Irrlehren, die das Mensch-Sein Jesu Christi und seine Auferstehung leugneten, machte Apostel Paulus deutlich, „dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift“ (1. Korinther 15,3.4).
182. Was bedeutet das Kreuz?
Das Kreuz Christi ist Zeichen dafür, dass Gott sich mit den sündigen Menschen versöhnt. Der Tod am Kreuz war in der Antike Ausdruck einer Niederlage: schmachvolles Ende eines Verachteten und aus der menschlichen Gesellschaft Ausgeschlossenen. Bei Jesus jedoch ist die vermeintliche Niederlage ein Sieg: Durch den Tod am Kreuz hat er ein unvergleichliches Werk der Erlösung getan.
183. Was geschah, nachdem Jesus gestorben war?
Nachdem Jesus Christus gestorben war, ging er in das Reich des Todes. In 1. Petrus 3,18-20 heißt es, dass der Sohn Gottes nach seinem Tod am Kreuz denen predigte, die zur Zeit Noahs Gott ungehorsam waren. Dies tat er, um das Heil anzubieten: „Dazu ist auch den Toten das Evangelium verkündigt, dass sie zwar nach Menschenweise gerichtet werden im Fleisch, aber nach Gottes Weise das Leben haben im Geist“ (1. Petrus 4,6). Wie sich der Sohn Gottes auf Erden den Sündern zugewandt hatte, so tat er dies nun gegenüber den Toten. Seit er das Opfer gebracht hat, ist auch für die Toten Erlösung möglich.
184. Aus welcher Macht ist Jesus Christus auferstanden?
Die Auferstehung Jesu Christi ist Tat des dreieinigen Gottes: • Zum einen offenbart sich hier die Macht Gottes, des Vaters – er erweckte Jesus von den Toten: „Der Gott unsrer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr an das Holz gehängt und getötet habt“ (Apostelgeschichte 5,30). • Zum anderen erfüllten sich die Worte Gottes, des Sohnes: „Ich habe Macht, es [mein Leben] zu lassen, und habe Macht, es wieder zu nehmen“ (Johannes 10,18). • Schließlich wird das Handeln Gottes, des Heiligen Geistes, im Brief des Apostels Paulus an die Römer bezeugt: „Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt“ (Römer 8,11). Dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, zeigt die Macht Gottes über den Tod.
185. Gibt es Zeugen für die Auferstehung Christi?
Jesus Christus ist auferstanden, ohne dass ein Mensch Augenzeuge dieses Vorgangs geworden wäre. Jedoch wird in der Heiligen Schrift die Auferstehung des Sohnes Gottes vielfach bezeugt. Eines dieser Zeugnisse ist das leere Grab. Weitere Belege sind die vielfältigen Erscheinungen des Auferstandenen in den 40 Tagen zwischen seiner Auferstehung und Himmelfahrt: Es sind konkret benannte Personen, denen er sich zeigte und die ihn erkannten. Die Auferstehung Jesu Christi ist keine Wunschvorstellung seiner Anhänger, sondern ein wirkliches Geschehen. Sie hat tatsächlich stattgefunden.
186. Welche Bedeutung hat die Auferstehung Christi für die Menschen?
Jesus Christus ist auferstanden. Dadurch hat der Gläubige eine berechtigte Hoffnung auf die eigene Auferstehung und ewiges Leben: „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden“ (1. Korinther 15,20-22). Der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi ist notwendig, weil durch seine Auferstehung gezeigt wird, dass Jesus Christus der Heiland der Welt ist (vgl. 1. Korinther 15,14).
187. Von welchen Erscheinungen des Auferstandenen wird im Neuen Testament berichtet?
Der auferstandene Jesus erschien öfter seinen Jüngern und Jüngerinnen. Hierfür einige Beispiele: Maria von Magdala und weitere Frauen waren die ersten Zeugen des Auferstandenen. „Siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder“ (Matthäus 28,9). Der Auferstandene begleitete, von ihnen zunächst unerkannt, Jünger, die zum Dorf Emmaus gingen. Er erklärte ihnen die Schrift und brach schließlich mit ihnen das Brot, sodass sie ihn erkannten (vgl. Lukas 24,13-35). Am Abend des Tages seiner Auferstehung trat Jesus in den Kreis seiner Jünger. Als Auferstandener und Herr über Tod und Sünde erteilte er den Aposteln Vollmacht, den Menschen die Sündenvergebung zugänglich zu machen: „Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten“ (Johannes 20,19-23). Ein weiteres Mal erschien der Herr einigen Jüngern am See Tiberias und gab Apostel Petrus den Auftrag, die „Lämmer und Schafe Christi“ – also alle Mitglieder der Gemeinde – zu „weiden“, d.h. sie zu betreuen (Petrusdienst; vgl. Johannes 21,15-17). Der auferstandene Herr zeigte sich seinen Aposteln „durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes“ (Apostelgeschichte 1,3). Apostel Paulus spricht in 1. Korinther 15,6 davon, dass der auferstandene Jesus von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal gesehen wurde.
188. Wie verhielten sich die Hohepriester nach der Auferstehung Jesu Christi?
Die Hohepriester erfuhren von der Auferstehung Jesu Christi. Sie bestachen die Soldaten mit Geld und sagten: „Sagt, seine Jünger sind in der Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen“ (Matthäus 28,13).
189. Was ist der Auferstehungsleib Christi?
Der Auferstehungsleib ist herausgenommen aus der Endlichkeit und Sterblichkeit; er ist nicht an Raum und Zeit gebunden. Der Auferstehungsleib Christi ist nicht ein Körper, der krank wird, altert und einmal stirbt. Er ist ein verherrlichter Leib. In diesem verherrlichten Leib trat Jesus Christus mitten unter seine Jünger. Er ging durch verschlossene Türen, brach mit den Jüngern das Brot, zeigte ihnen seine Wundmale von der Kreuzigung und aß mit ihnen. Dadurch machte er deutlich, dass er nicht als ein „Geist“, sondern als Jesus Christus in körperlicher Gegenwart bei ihnen war. „Auferstehung“ bedeutet nicht eine Rückkehr in das irdische Dasein.
190. Was geschah bei der Himmelfahrt Jesu Christi?
40 Tage nach seiner Auferstehung fuhr Jesus Christus auf zum Himmel. Dafür gibt es Augenzeugen: Nachdem er mit seinen Aposteln geredet und sie gesegnet hatte, wurde er emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn vor ihren Augen weg. Als sie ihm nachsahen, standen zwei Engel bei ihnen und sagten: „Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen“ (Apostelgeschichte 1,11).
191. Wohin ging Jesus Christus, als er in den Himmel fuhr?
Jesus Christus kehrte zum Vater zurück. Er „setzte sich zur Rechten Gottes“ (Markus 16,19).
192. Was bedeutet: „Jesus Christus sitzt zur Rechten Gottes“?
Wer im Altertum zur rechten Seite eines Herrschers stand oder saß, hatte Anteil an dessen Macht und Autorität. Das Bild, dass Jesus Christus zur Rechten Gottes sitzt, weist also darauf hin, dass er an der Machtfülle und Herrlichkeit Gottes, des Vaters, teilhat. Diese Herrlichkeit will Jesus Christus zukünftig mit den Seinen teilen. So betete Jesus im hohepriesterlichen Gebet: „Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen“ (Johannes 17,24). Diese Bitte wird in Erfüllung gehen, wenn Jesus Christus die Seinen aus den Toten und Lebenden zu sich entrückt und sie dann bei ihm sein werden allezeit.
193. Ist Jesus Christus auch nach seiner Himmelfahrt auf Erden anwesend?
Ja, durch den Heiligen Geist, der die dritte Person der Gottheit ist und gegenwärtig in der Kirche wirkt, ist Jesus Christus auch nach seiner Himmelfahrt auf Erden anwesend. Damit erfüllt Jesus Christus seine Zusage: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,20).
194. Was meinte Jesus damit, als er sagte: „Ich will wiederkommen“?
Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin“ (Johannes 14,3). Jesus Christus kommt wieder – diesmal als Bräutigam. Bei seiner Wiederkunft als Bräutigam wird er diejenigen aus den Toten und Lebenden zu sich nehmen, die die Gabe des Heiligen Geistes empfangen haben und sich in der Brautgemeinde auf dieses Ereignis vorbereiten ließen. Die Wiederkunft Jesu Christi ist nahe.
195. Wie wird das Wiederkommen Jesu Christi auch noch bezeichnet?
Das Ereignis des Wiederkommens Jesu Christi wird bezeichnet als „Tag des Herrn“, „Tag Christi“, „Zukunft unseres Herrn“, „Offenbarung der Herrlichkeit Christi“, „Erscheinung“, „Wiederkommen des Herrn“, „Wiederkunft Christi“. Dieses Ereignis ist nicht Endgericht, sondern Heimholung der Braut Christi zur Hochzeit des Lammes.
196. Welche Hinweise zur Wiederkunft Christi finden wir im Neuen Testament?
Im Neuen Testament wird insbesondere in den Briefen der Apostel die Verheißung der Wiederkunft Christi bekräftigt. Seinen ersten Brief an die Gemeinde zu Korinth beendete der Apostel mit dem Gruß: „Maranata“ – das heißt: „Unser Herr kommt!“ (vgl. 1. Korinther 16,22). Apostel Jakobus forderte auf, bis zum Kommen des Herrn geduldig zu sein, „denn das Kommen des Herrn ist nahe“ (Jakobus 5,8). Im Hebräerbrief wird ebenfalls zur Geduld gemahnt: „Denn nur noch eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und wird nicht lange ausbleiben“ (Hebräer 10,37). Der zweite Petrusbrief (vgl. 2. Petrus 3,9) wendet sich gegen alle, die bestreiten, dass Jesus Christus wiederkommt. Auch die Möglichkeit, dass sich die Erfüllung der Verheißung seiner Wiederkunft verzögert, wird in diesem Brief ausgeschlossen.
197. Wer ist der Heilige Geist?
Der Heilige Geist ist wahrer Gott. Er ist die dritte Person Gottes, die mit dem Vater und dem Sohn als Herr und Gott angebetet wird. Der Heilige Geist geht aus von Gott, dem Vater und dem Sohn. Der Heilige Geist lebt ewig in der Gemeinschaft mit ihnen und wirkt wie sie universell.
198. Wie zeigt sich der Heilige Geist als göttliche Person?
Der Heilige Geist zeigt sich als Person der Trinität Gottes, indem er – wie Gott, der Sohn – Menschen sendet, die das Evangelium weitertragen sollen. In Apostelgeschichte 13,4 wird berichtet: „Nachdem sie nun ausgesandt waren vom Heiligen Geist, kamen sie nach Seleuzia und von da zu Schiff nach Zypern.“ Er steht denen, die den Herrn bekennen, in Bedrängnis zur Seite: „Sorgt nicht, … was ihr sagen sollt; denn der Heilige Geist wird euch in dieser Stunde lehren, was ihr sagen sollt“ (Lukas 12,11.12). Der Heilige Geist lehrt die Gesandten Gottes: „Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit“ (1. Korinther 2,10).
199. Wie wird der Heilige Geist noch genannt?
Der Heilige Geist wird auch „Geist Gottes“, „Geist des Herrn“, „Geist der Wahrheit“, „Geist [Jesu] Christi“, „Geist des Sohnes“ und „Geist der Herrlichkeit“ genannt. Jesus sprach vom Heiligen Geist als Tröster und göttlichem Beistand.
200. Was bedeutet: „Der Heilige Geist ist Tröster und Beistand“?
Jesus Christus ist Tröster, Beistand und Fürsprecher der Seinen. In den Abschiedsreden vor seiner Gefangennahme und Kreuzigung verhieß er den Heiligen Geist als weiteren Tröster und Beistand: „Ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit“ (Johannes 14,16). Der Heilige Geist begleitet die Gläubigen, er steht ihnen in allen Lebenslagen bei.
201. Was bedeutet: „Der Heilige Geist ist Geist der Wahrheit“?
Der Heilige Geist macht deutlich, was Gott gefällt und was Gottes Willen entgegensteht. Als Geist der Wahrheit kennzeichnet er Wahrheit und Lüge. Der Heilige Geist sorgt dafür, dass die Botschaft von Opfertod, Auferstehung und Wiederkunft Christi über die Zeiten hinweg bewahrt und verbreitet wird.
202. Was bedeutet: „Der Heilige Geist ist Kraft aus der Höhe“?
Die Bezeichnung „Kraft aus der Höhe“ deutet an, dass das Wirken des Heiligen Geistes ein machtvolles Eingreifen Gottes beinhaltet. Als „Kraft aus der Höhe“ (Lukas 24,49) bewegt und erfüllt der Heilige Geist den Menschen und stärkt ihn im Bemühen, nach dem Wohlgefallen Gottes zu leben und sich auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten.
203. Woran erkennen wir, dass der Heilige Geist wirkt?
Das Wirken des Heiligen Geistes wird daran deutlich, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist: Der Heilige Geist kam über Maria (vgl. Lukas 1,35), und sie wurde schwanger. Dass der Heilige Geist wirkt, erkennen wir zudem daran, dass er Menschen Einblick in göttliche Wahrheit (Offenbarungen und Erkenntnisse) schenkt. Dazu sagte Jesus: „Der […] Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Johannes 14,26). So erleben wir heute die Tätigkeit des Heiligen Geistes in der Predigt, vor allem im Wachhalten der Verheißung Jesu Christi, wiederzukommen. Die Apostel erfüllen ihre Aufgaben, weil sie erfüllt sind vom Heiligen Geist. „Als er [Jesus] das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist!“ (Johannes 20,22).
204. Was ist die Gabe des Heiligen Geistes?
Es muss unterschieden werden zwischen dem Heiligen Geist als Person der Gottheit und dem Heiligen Geist als Gabe Gottes. Der Heilige Geist als Gabe Gottes ist ein Geschenk Gottes und eine Kraft, die aus dem dreieinigen Gott hervorgeht. Der Gläubige, der diese Gabe empfängt, wird zugleich mit der Liebe Gottes erfüllt. Getaufte, die den Heiligen Geist als Gabe Gottes empfangen, erhalten damit die Gotteskindschaft.
205. Wie empfängt man die Gabe des Heiligen Geistes?
Die Gabe des Heiligen Geistes schenkt Gott durch Handauflegung und Gebet eines Apostels. Dies zeigt beispielhaft das Geschehen in Samarien.
206. Wird der Heilige Geist im Alten Testament erwähnt?
Ja, wenn wir im Alten Testament vom „Geist Gottes“ lesen, ist damit der Heilige Geist gemeint. Er wird jedoch noch nicht als göttliche Person dargestellt.
207. Hat der Heilige Geist in alttestamentlicher Zeit gewirkt?
Ja, in der Heiligen Schrift wird das Wirken des Heiligen Geistes in alttestamentlicher Zeit vielfach bezeugt. Der Heilige Geist regte Menschen an, damit sie Werkzeuge nach göttlichem Willen sein konnten. Er wirkte zum Beispiel in den alttestamentlichen Propheten und sprach durch sie. Durch den Heiligen Geist wurden Verheißungen hervorgebracht, die das Kommen des Messias betrafen.
208. Wurde der Heilige Geist in alttestamentlicher Zeit auch als Gabe geschenkt?
Nein, der Heilige Geist erfüllte in alttestamentlicher Zeit Menschen nur zeitweilig. Der Heilige Geist als sakramentale Gabe konnte erst nach dem Opfertod Jesu Christi empfangen werden.
209. Wann erfüllten sich die Verheißungen zur Ausgießung des Heiligen Geistes?
Am 50. Tag nach Ostern, an Pfingsten, wurde der Heilige Geist über die in Jerusalem versammelten Jünger Jesu ausgegossen.
210. Wie geschah die Ausgießung des Heiligen Geistes?
In der Bibel wird berichtet: „Als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist“ (Apostelgeschichte 2,1-4). Der Heilige Geist erfüllte die Apostel und alle, die bei ihnen waren, bleibend als Gabe, als Kraft aus der Höhe (vgl. Lukas 24,49).
211. Wirkte der Heilige Geist über die Zeit der ersten Apostel hinaus?
Ja, der Heilige Geist wirkt bis in die heutige Zeit hinein. Dadurch erleben wir die Gegenwart Gottes. Der Herr selbst verwies auf die künftige Wirksamkeit des Heiligen Geistes: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. […] was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen“ (Johannes 16,13).
212. Wo wirkt der Heilige Geist heute?
Wo man an Jesus Christus glaubt, ihn als Herrn bekennt und das Leben nach seinem Willen führt, wirkt der Heilige Geist.
213. Wirkt der Heilige Geist in den Sakramenten?
Ja, alle drei göttlichen Personen wirken in den Sakramenten. So ist immer, wenn der dreieinige Gott handelt, der Heilige Geist als Person der Gottheit beteiligt. Die Sakramente werden gespendet im Namen und in der Kraft des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Dadurch haben die Sakramente heilsvermittelnde Kraft.
214. Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Wirken des Heiligen Geistes und dem Apostelamt?
Die Apostel sind von Jesus Christus gesandt. Durch sie bietet er den Menschen Erlösung an. Sie üben ihr Amt in der Kraft des Heiligen Geistes aus. Dies wirkt sich aus in der Spendung der Sakramente, in der Verkündigung der Sündenvergebung und in der Verbreitung des Evangeliums sowie im Wachhalten der Verheißung der Wiederkunft Christi. So erfolgt die Vorbereitung der Braut Christi auf das Wiederkommen Jesu Christi.
215. Weshalb sind die Menschen erlösungsbedürftig?
Seit dem Sündenfall ist jeder Mensch Sünder: Er wurde vom Bösen zur Sünde verführt. Kein Mensch kann sündlos leben, jeder ist in Sünde verstrickt. Aus diesem Zustand will Gott die Menschen befreien, d.h. erlösen.
216. Was bedeutet „Erlösung“?
„Erlösung“ in diesem Sinn betraf in seiner ursprünglichen Wortbedeutung das Aufbinden von Stricken und Fesseln. Erlösung im Zusammenhang mit dem Opfer Jesu bedeutet, dass der in Sünde verstrickte Mensch aus den Fesseln des Bösen befreit wird.
217. Woher kommt das Böse?
Woher das Böse kommt, kann man mit dem Verstand nicht erfassen und nicht erklären.
218. Was ist das Böse?
Das Böse ist eine zerstörerische, antigöttliche Kraft.
219. Wie zeigt sich das Böse?
Das Böse zeigt sich in unterschiedlicher Weise – zum Beispiel in Zerstörung, Lüge, Neid, Habsucht. Es führt letzten Endes zum Tod.
220. Gibt es das Böse auch als Person?
Ja, das Böse tritt auch als Person in Erscheinung und wird u.a. „Teufel“ oder „Satan“ genannt (vgl. Matthäus 4,1; Markus 1,13). Als Feind von Christus wird er auch als „Antichrist“ bezeichnet.
221. Wie kam das Böse zum Menschen?
Gott gab den Menschen die Möglichkeit, sich für den Gehorsam oder den Ungehorsam ihm gegenüber zu entscheiden. Als der Mensch sich von Gott abwandte und sich für den Ungehorsam gegenüber Gott entschied, trat das Böse zutage. Das Böse ist also nicht von Gott geschaffen, wohl aber von ihm zugelassen, indem er die Entscheidung des Menschen nicht verhindert hat.
222. Wird es das Böse immer geben?
Nein, das Böse wird es nicht immer geben. Die Macht des Bösen ist durch Jesus Christus schon gebrochen. In 1. Johannes 3,8 heißt es diesbezüglich: „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ Nach dem Friedensreich wird dem Bösen eine letzte Möglichkeit gegeben, sich gegen Gott zu stellen. Danach wird es vollständig unwirksam gemacht. In der neuen Schöpfung wird Böses keinen Platz haben.
223. Was wird in der Heiligen Schrift vom Sündenfall berichtet?
Gott hatte Adam und Eva geboten, nicht von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen, der mitten im Garten Eden stand. Gott machte auch auf die Folgen aufmerksam, wenn das Gebot übertreten würde: „An dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben“ (1. Mose 2,17). Der Teufel beeinflusste den Menschen und weckte Zweifel an Gottes Wort: „Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist“ (1. Mose 3,4.5). Adam und Eva gaben der Versuchung zur Sünde nach. Sie lehnten sich gegen Gott auf, übertraten sein Gebot und aßen von der Frucht des Baumes. Dieser Ungehorsam gegenüber Gott wird als „Sündenfall“ bezeichnet.
224. Welche Folgen hatte der Sündenfall für den Menschen?
Der Sündenfall brachte Veränderungen im Leben des Menschen, die der Mensch nicht umkehren konnte. Der Mensch fürchtete sich vor Gott und versteckte sich vor ihm. Auch das Verhältnis der Menschen untereinander nahm Schaden, ebenso das Verhältnis des Menschen zur Schöpfung. Seitdem ist das Leben des Menschen voller Mühe und es ist begrenzt: „Du bist Erde und sollst zu Erde werden“ (1. Mose 3,19). Eine weitere Folge des Sündenfalls war die Trennung des Menschen von Gott: Gott vertrieb den Menschen aus dem Garten Eden (vgl. 1. Mose 3,23.24).
225. Wie steht Gott zu dem in Sünde gefallenen Menschen?
Gottes Liebe bleibt dem Menschen auch nach dem Sündenfall erhalten. Trotz des Ungehorsams nahm Gott sich seiner an: In seiner Fürsorge kleidet Gott Adam und Eva mit Röcken aus Fell (vgl. 1. Mose 3,21). Die Liebe Gottes zu dem in Sünde gefallenen Menschen offenbart sich in vollkommener Weise in der Sendung Jesu Christi, der Sünde besiegt. „Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt. Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen zu Sündern geworden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen zu Gerechten“ (Römer 5,18.19).
226. Wie ist die weitere Entwicklung der Menschheit nach dem Sündenfall?
Nach dem Sündenfall wuchsen die Sünden der Menschheit in einem erschreckenden Maß an: Zunächst schlug Kain trotz Gottes Mahnung seinen Bruder Abel tot (vgl. 1. Mose 4,6-8). Im Fortgang der Zeiten sündigten die Menschen immer mehr. Gott beschloss ein Strafgericht und ließ die Sintflut kommen. Nur Noah fand Gnade vor Gott. Auf Gottes Befehl baute Noah eine Arche, in der er mit seiner Familie Rettung fand (vgl. 1. Mose 6,5-7.17.18). Selbst nach diesem Strafgericht blieben die Menschen im Ungehorsam gegenüber Gott. Die Bibel berichtet beispielsweise vom Turmbau zu Babel. Gott ließ die Erbauer des Turms an ihrem Hochmut und ihrer Sucht nach Ruhm scheitern: Er bewirkte, dass sie einander nicht mehr verstanden (vgl. 1. Mose 11,1-8).
227. Hat der Sündenfall Folgen für alle Menschen?
Ja, seit dem Sündenfall unterliegen alle Menschen der Macht der Sünde. Sünde führt zur Trennung von Gott, das heißt zum geistlichen Tod: „Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben“ (Römer 5,12). Beim Menschen bleibt die Geneigtheit zur Sünde (Konkupiszenz) bestehen; aus eigener Kraft kann er nicht in den Zustand der Sündlosigkeit zurückkehren.
228. Hat der Sündenfall darüber hinaus Folgen für die Schöpfung?
Ja, aus dem Sündenfall des Menschen ergeben sich weit reichende Auswirkungen auf die Schöpfung: Der Acker wird verflucht: „Weil du … gegessen [hast] von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen –, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen“ (vgl. 1. Mose 3,17.18). Die ursprünglich vollkommene Schöpfung ist seitdem beschädigt. Auch die Schöpfung muss von dem Fluch, der auf ihr liegt, befreit werden.
229. Was ist Sünde?
Sünde ist alles, was dem Willen Gottes entgegensteht und Gottes Wesen zuwiderläuft, also alle Worte, Taten und Gedanken, die gegen Gottes Willen und Wesen stehen. Sünde ist auch, wenn man absichtlich unterlässt, Gutes zu tun (vgl. Jakobus 4,17). Mit jeder Sünde lädt der Mensch Schuld gegenüber Gott auf sich.
230. Wie unterscheiden sich Sünde und Schuld?
Sünde ist absolut, sie kann also nicht relativiert werden. Sie trennt von Gott. Demgegenüber können wir aber davon ausgehen, dass Gott die Schuld, die man ihm gegenüber durch Sünde auf sich geladen hat, in seiner Gerechtigkeit und Barmherzigkeit unterschiedlich bewertet.
231. Wie kann die Trennung von Gott aufgehoben werden?
Um in Gottes Nähe zu gelangen, muss die Sünde vergeben werden.
232. Wer bestimmt, was Sünde ist?
Gott bestimmt, was Sünde ist. Keineswegs darf dies der Mensch selbst festlegen.
233. Wie können wir erkennen, was Sünde ist?
Was Sünde ist, also dem Willen Gottes entgegensteht, erfahren wir aus der Heiligen Schrift: • gegen die Zehn Gebote verstoßen (vgl. 2. Mose 20,20), • Gelübde brechen, die Gott gegeben wurden (vgl. 5. Mose 23,22), • den Glauben an Christus verweigern (vgl. Johannes 16,9), • Geiz, Neid und Vergleichbares. Dies wird in der Predigt durch den Heiligen Geist deutlich gemacht.
234. Mit welchen Gaben hilft Gott dem sündigen Menschen?
Gott hat dem Menschen Gewissen, Vernunft und Glauben geschenkt. Wenn der Mensch diese Gaben nutzt, dann ist dies die richtige Antwort auf Gottes Zuwendung zu ihm.
235. Wie sollen Gewissen, Vernunft und Glauben eingesetzt werden?
Gewissen, Vernunft und Glauben sollen auf Jesus Christus ausgerichtet sein.
236. Wozu dient das Gewissen?
Das Gewissen kann helfen, Entscheidungen zu treffen, die Gottes Willen entsprechen. Im Gewissen wird abgewogen, was gut und was böse ist. Außerdem macht das Gewissen, wenn es von Vernunft und Glaube bestimmt ist, dem Menschen bewusst, ob er durch sein Verhalten vor Gott und seinem Nächsten Schuld auf sich geladen hat.
237. Wozu dient die Vernunft?
Die Vernunft kann den Menschen zu einem Verhalten anleiten, das Gott gefällt. Vernunft zeigt sich darin, dass der Mensch sein Handeln vor Gott und vor dem Nächsten verantworten kann. Die Vernunft wird auch benötigt, um das Evangelium zu verstehen und den Glauben bekennen zu können.
238. Sind der menschlichen Vernunft Grenzen gesetzt?
Ja. Der menschlichen Vernunft in ihrer Begrenztheit ist es nicht möglich, Gott in seiner Unendlichkeit zu erfassen. Gottes Wesen und Handeln übersteigt alle menschliche Vernunft (vgl. Philipper 4,7). Demzufolge kann die Vernunft nicht Maß aller Dinge sein.
239. Was ist Glaube?
Glaube umfasst Gott gegenüber Vertrauen, Gehorsam und Treue. Daraus gewinnt der Mensch Zuversicht auf Gottes Barmherzigkeit und Hilfe. In Hebräer 11,1 heißt es dazu: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“
240. Wie kommt der Mensch zum Glauben?
Am Anfang des Glaubens steht immer Gott, der sich durch Wort und Werk offenbart. Der Glaube ist ein Geschenk Gottes. Wahrer Glaube beruht auf Gottes erwählender Gnade. Zugleich ist Glaube eine Aufgabe für den Menschen. Ob und inwieweit der Mensch zum Glauben gelangt, hängt nämlich auch von seiner eigenen Beteiligung ab: Der Mensch muss glauben wollen. Deshalb ist das Gebet um Glauben notwendig.
241. Worin besteht die Aufgabe des Glaubenden?
Der Mensch ist aufgefordert, Gottes Wort anzunehmen, darauf zu vertrauen und demgemäß zu handeln. Jesus Christus forderte: „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ (Johannes 14,1). Er verheißt, dass „alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Johannes 3,16). Die Folge des Unglaubens stellte er in aller Konsequenz heraus: „Wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, werdet ihr sterben in euren Sünden“ (Johannes 8,24).
242. Wozu hilft der Glaube?
Der Glaube an Jesus Christus ist Voraussetzung für Heil: • dass Gott sich mit dem Sünder versöhnt, • dass der Mensch Gottes Kind werden kann (vgl. Johannes 1,12) • dass der Mensch in die ewige Gemeinschaft mit Gott gelangen kann.
243. Was ist mit „Heilsgeschichte“ gemeint?
In der Heiligen Schrift wird der Begriff „Heil“ im Sinn von „Rettung“, „Bewahrung“ und „Erlösung“ verwendet. Unter „Heilsgeschichte“ versteht man das Handeln Gottes, der Menschen Heil zukommen lässt.
244. Was ist mit „Heilsplan“ gemeint?
Die Geschehnisse vom Sündenfall bis zur neuen Schöpfung werden als „Heilsplan“ Gottes bezeichnet. Wir Menschen kennen zwar den Heilsplan Gottes nicht in ganzer Fülle; aber wir können aus dem Ablauf der Heilsgeschichte die Absicht Gottes erkennen, wie er den Menschen helfen will.
245. Wie vollzieht sich die Heilsgeschichte?
Art und Maß des Heils sind in den einzelnen Abschnitten der Heilsgeschichte unterschiedlich. Über allem steht Gottes Errettungswille, der allen Menschen aller Zeiten gilt.
246. Worauf richtete sich die Hoffnung auf Heil in alttestamentlicher Zeit?
Die Hoffnung auf Heil richtete sich in alttestamentlicher Zeit zunächst auf Rettung aus irdischer Not und Gefangenschaft. Nach und nach bezog sich die Heilshoffnung Israels jedoch immer deutlicher auf den erwarteten Messias.
247. Worauf gründet das Heil?
Jesus Christus ist Urheber des ewigen Heils: „Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden“ (Hebräer 5,9). Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und Mensch (vgl. 1. Timotheus 2,5). In Apostelgeschichte 4,12 wird bezeugt: „In keinem andern [als Jesus Christus] ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“ Jesus Christus ist der von Gott gesandte Heiland, der Erlöser, der die Sünde besiegt hat. In ihm findet der Mensch Heil für den Schaden, den die Sünde anrichtet: Das Opfer, das Jesus am Kreuz gebracht hat, ermöglicht die Befreiung von Sünde und die Aufhebung der Trennung von Gott.
248. Wer kann das Heil erlangen?
Das Heil wird durch Jesus Christus allen Menschen angeboten, sowohl Lebenden als auch Toten.
249. In welchem Abschnitt des göttlichen Heilsplans leben wir?
Wir leben heute in dem Abschnitt des göttlichen Heilsplans, in dem die Brautgemeinde gesammelt und auf die Wiederkunft Christi vorbereitet wird. Hierzu vermitteln die Apostel Heil durch die Verkündigung des Wortes Gottes und die Spendung der Sakramente.
250. Wie kann heute das Heil erlangt werden?
Niemand kann aus sich heraus das Heil erlangen. Das Heil erlangt der Mensch, indem er an Jesus Christus glaubt und an sich das geschehen lässt, was Jesus Christus zum Heil der Menschen gegeben hat: die Sakramente und Gottes Wort.
251. Welches Heil erfährt die Brautgemeinde bei der Wiederkunft Christi?
Die Brautgemeinde wird bereits bei der Wiederkunft Christi durch die Hochzeit im Himmel in die ewige Gemeinschaft mit Gott gelangen.
252. Wann ist der Heilsplan Gottes erfüllt?
Nach der Heiligen Schrift ist der Heilsplan Gottes mit der neuen Schöpfung erfüllt.
253. Worauf gründet Erwählung durch Gott?
Erwählung ist immer im Willen Gottes begründet. Auf die Entscheidung Gottes kann niemand Einfluss nehmen.
254. Warum erwählt Gott?
Gott ruft Einzelne oder Gruppen aus der Menschheit, weil er mit ihnen einen von ihm bestimmten Zweck verfolgt. Er nimmt sie damit in Verantwortung.
255. Gibt es Beispiele für Erwählung im Alten Testament?
Ja, schon in der Schöpfung deutet sich göttliches Erwählen an: Gott hat den Menschen aus all seinen Geschöpfen heraus erwählt und ihm den Auftrag gegeben, sich die Erde untertan zu machen. Viele weitere Beispiele für Erwählung sind im Alten Testament zu finden: • Noah wurde erwählt, die Arche zu bauen. • Abraham, Isaak und Jakob waren dazu erwählt, dass durch sie alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollten. • Mose war dazu erwählt, das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten herauszuführen, und Josua war dazu erwählt, es ins verheißene Land zu bringen. • Auch das Volk Israel wurde erwählt: „Denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der Herr angenommen und erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat“ (vgl. 5. Mose 7,6-8).
256. Gibt es Beispiele für Erwählung im Neuen Testament?
Jesus erwählte aus der Schar seiner Jünger die Apostel und sandte sie in alle Welt mit dem Auftrag, zu lehren und zu taufen. Damit ist die Erwählung zum Volk Gottes nicht mehr auf Israel begrenzt, sondern bezieht alle ein, die an Jesus Christus glauben, Juden und Heiden. So ist das Volk des Neuen Bundes von Gott auserwählt (vgl. 1. Petrus 2,9). Petrus wurde erwählt zu einem besonderen Dienst in der Kirche, dem Petrusdienst.
257. Gibt es einen Anspruch auf Erwählung durch Gott?
Nein, niemand hat Anspruch auf Gottes Erwählung, denn sie ist in Gottes freier Entscheidung begründet. Die Erwählung lässt sich nicht mit menschlicher Überlegung begreifen.
258. Was bedeutet Erwählung aus der Sicht des Evangeliums?
Aus der Sicht des Evangeliums ist Erwählung ein Geschenk der Liebe Gottes. Der Mensch hat die Entscheidungsfreiheit, dieses Geschenk anzunehmen oder abzulehnen. Erwählung durch Gott bedeutet nicht, dass von vornherein festgelegt wäre, wie der Mensch handelt.
259. Wozu führt die Annahme der Erwählung?
Gott erwählt Menschen zu ihrem eigenen Heil, aber auch zum Heil anderer. Wenn Gott erwählt, ist damit Aufgabe und Verantwortung verbunden. Das Annehmen der Erwählung im Glauben heißt, Jesus Christus, dem Urheber des Heils, konsequent nachzufolgen, also sein Leben nach dem Evangelium auszurichten. Dies zieht göttlichen Segen nach sich. Erwählung wirkt sich auch in der Zukunft aus: Wenn Jesus Christus sein Reich des Friedens aufrichtet, wird die königliche Priesterschaft die frohe Botschaft vom Heil in Christus allen Menschen verkündigen. Erwählt sind dazu diejenigen, die an der ersten Auferstehung teilhaben.
260. Was ist Segen?
Segen ist eine Zuwendung Gottes, die sich niemand verdienen kann. Gesegnet zu werden bedeutet, Gutes von Gott zu empfangen. Segen hat göttliche Kraft in sich und ist die Zusage, dass Gott Beistand und Begleitung schenkt. Das Gegenteil vom Segen ist der Fluch.
261. Wie wird Segen erlangt und wie entfaltet er sich?
Gott übermittelt seinen Segen oftmals durch Menschen, die von ihm dazu beauftragt sind. Niemand kann sich selber segnen. Segen entfaltet sich, wenn er im Glauben ergriffen wird. Ob er sich auf Dauer auswirkt, hängt auch von der Einstellung und vom Wandel des Gesegneten ab. Segen ist ein Geschenk Gottes, das sich immer wieder erneuern kann. Segen kann sich auch über den unmittelbar Gesegneten hinaus auf künftige Generationen erstrecken.
262. Wie zeigt sich Gottes Segen in der Schöpfung?
Gott hat seine Geschöpfe gesegnet und in alles Leben das Gesetz der Vermehrung gelegt. Er hat die Schöpfung dem Menschen anvertraut und ihn für die damit verbundene Aufgabe gesegnet. Dieser Segen Gottes wurde durch den Fluch der Sünde zwar in seiner Wirkung eingeschränkt, doch nicht aufgehoben. Gott erneuerte ihn nach der Sintflut. Was dieser Segen umfasst, wird in der Zusage Gottes deutlich: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (1. Mose 8,22). Von diesem Segen in der Schöpfung bezeugt das Neue Testament: „Denn die Erde, die den Regen trinkt, der oft auf sie fällt, und nützliche Frucht trägt denen, die sie bebauen, empfängt Segen von Gott“ (Hebräer 6,7). Dieser Segen kommt allen Menschen zugute.
263. Wie wird Segen im Alten Bund erfahren?
Die Zusage von Segen ist Bestandteil des Bundes, den Gott mit Israel geschlossen hat. Im Alten Bund zeigte sich der Segen Gottes vor allem in irdischem Wohlergehen. Hierzu gehörten zum Beispiel Sieg im Kampf gegen Feinde, langes Leben, Reichtum, zahlreiche Nachkommen, Fruchtbarkeit des Landes. Abraham war ein Gesegneter Gottes: „Ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden“ (1. Mose 12,2.3). Dieser Segen reichte über die Zusage persönlichen Wohlergehens hinaus; er befähigte Abraham, auch zu einem Segen für andere zu werden.
264. Was war für die Israeliten damit verbunden, wenn sie Gottes Segen annahmen oder ablehnten?
Der Segen Gottes hing für die Israeliten davon ab, ob sie allein Gott dienten und seinen Geboten gehorchten oder nicht. Handelte das Volk Gott gegenüber ungehorsam, war damit Fluch verbunden. Die Entscheidung darüber lag in der Hand des Volkes: „Siehe, ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch: den Segen, wenn ihr gehorcht den Geboten des Herrn, eures Gottes, die ich euch heute gebiete; den Fluch aber, wenn ihr nicht gehorchen werdet den Geboten des Herrn, eures Gottes“ (5. Mose 11,26-28).
265. Von wem geht der Segen im Neuen Bund aus?
Der göttliche Segen im Neuen Bund geht von Jesus Christus aus.
266. Wie segnete Jesus?
Jesus segnete durch sein Wort, durch seine Wunder, durch seinen Wandel. Kindern legte er segnend die Hände auf, Sündern hat er vergeben. Der größte Segen liegt in der Hingabe seines sündlosen Lebens als Opfer zur Versöhnung für alle Menschen.
267. Wo liegt der Schwerpunkt im Segen Jesu Christi?
Der Segen Gottes, der durch Jesus Christus zugänglich gemacht wird, hat seinen Schwerpunkt im Geistlichen. Dazu heißt es in Epheser 1,3: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus“.
268. Was umfasst dieser geistliche Segen?
Dieser Segen umfasst u. a. • die Erwählung vor der Erschaffung der Welt (vgl. Epheser 1,4), • die Erlösung und die Vergebung der Sünden (vgl. Epheser 1,7), • Einblick in den Willens Gottes (vgl. Epheser 1,9), • die Bestimmung zum Erben der künftigen Herrlichkeit (vgl. Epheser 1,11), • die Erkenntnis göttlicher Wahrheit im Evangelium (vgl. Epheser 1,13), • die Versiegelung mit der Gabe des Heiligen Geistes (vgl. Epheser 1,13).
269. Wie kann der Segen erlangt und wie soll damit umgegangen werden?
Viele göttliche Segnungen werden den Glaubenden im Gottesdienst zugänglich gemacht. Auch Opfer bringt Segen – dies ist eine Grunderfahrung des Christen. Der Mensch ist aufgerufen, um den Segen Gottes zu beten und sich so zu verhalten, dass er sich dieses Segens würdig erweist. Der Glaubende erweist seine Dankbarkeit für den Segen Gottes durch ein von Gottesfurcht und Gehorsam des Glaubens geprägtes Leben.
270. Worin liegt die Fülle des Segens?
Die Fülle des Segens liegt darin, auf ewig an Gottes Herrlichkeit teilzuhaben.
271. Gab Gott seinem Volk im Alten Bund ein Gesetz?
Ja, Gott gab dem Volk Israel durch Mose ein Gesetz. Es ist enthalten in den fünf Büchern Mose und wird „mosaisches Gesetz“ genannt. Seine wesentlichen Inhalte sind in den Zehn Geboten zusammengefasst. Die Gebote, Gott und den Nächsten zu lieben, sind ebenfalls Bestandteil des mosaischen Gesetzes.
272. Wozu dient das mosaische Gesetz?
Das mosaische Gesetz leitet zu gottwohlgefälligem Handeln an. Es ist von Gott gegebene Lebenshilfe, zeigt den Weg zum Guten und hilft, das Böse zu meiden.
273. Wie wurde das mosaische Gesetz in alttestamentlicher Zeit bewertet?
In alttestamentlicher Zeit galt das mosaische Gesetz im Volk Israel als höchste und verbindliche Ordnung. Es wurde als Weg zum Heil verstanden. Man ging davon aus, dass der Mensch durch das Befolgen dieses Gesetzes vor Gott angenehm sei und von ihm angenommen werde.
274. Wie wird das mosaische Gesetz aus der Sicht des Evangeliums bewertet?
Das mosaische Gesetz ist aus der Sicht des Evangeliums nicht der Weg zum Heil. Aber es weist den Weg, der zum Heil führt: Jesus Christus. Niemand kann das ganze Gesetz halten. Deshalb ist es nicht möglich, allein durch eigenes Bemühen Heil zu erlangen. Der Mensch muss zur Einsicht kommen: „Ich bin Sünder und benötige Vergebung der Sünden.“ Die Vergebung der Sünden aber setzt den Glauben an Jesus Christus voraus.
275. Was ist der Inhalt des Evangeliums?
Inhalt des Evangeliums ist das Handeln Gottes in Jesus Christus zum Heil der Menschen. Das Evangelium umfasst alles, was Jesus lehrte und was seine Person betrifft, von seiner Geburt bis zu seinem Kreuzestod, seiner Auferstehung und seiner Wiederkunft. Im Evangelium wird deutlich, dass Jesus Christus der einzige Weg zum Heil ist.
276. Wie wird das Evangelium auch genannt?
Das Evangelium wird auch das „Wort vom Kreuz“ (1. Korinther 1,18) und das „Wort von der Versöhnung“ (2. Korinther 5,19) genannt.
277. In welchem Verhältnis stehen Gesetz und Evangelium?
Gesetz und Evangelium zeigen beide den Willen Gottes, dem Sünder zum Heil zu verhelfen. Das Gesetz zeigt vor allem Gebote und Verbote auf, um den Menschen zu einem Gott wohlgefälligem Handeln anzuleiten. Der einzige Mensch, der dieses Gesetz vollkommen, ohne Übertretung, erfüllt hat, ist Jesus Christus: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen“ (Matthäus 5,17). Das immer Gültige und Notwendige des mosaischen Gesetzes fasste Jesus Christus in dem Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe zusammen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. […] Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Matthäus 22,37.39). Nach seiner Auferstehung erklärte er den Jüngern, dass sich in ihm alles erfüllt hatte, was im Gesetz Moses, in den Propheten und in den Psalmen geschrieben steht (vgl. Lukas 24,44). Daraus folgt: Christus ist Erfüllung und zugleich Ziel des Gesetzes. Die Vorstellung des Alten Bundes, das Gesetz sei der Weg zum Heil, ist durch Christus zum Ende gekommen. Jesus hat einen neuen Weg gelegt, den Weg der Gnade.
278. Welches sind die grundlegenden Voraussetzungen, um die Gnade zu erlangen, die im Evangelium angeboten wird?
Zunächst muss der Mensch erkennen, dass er ein Sünder ist. Dann muss er den Glauben aufbringen, dass durch Jesus Christus die Versöhnung des Sünders mit Gott möglich geworden ist und der Sünder durch den Glauben an Christus die Gerechtigkeit erlangen kann, die vor Gott gilt: „Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt“ (Römer 5,18).
279. In welchem Verhältnis stehen die guten Werke des Menschen zu seiner Erlösung?
Erlösung kann man sich nicht mit guten Werken verdienen, sondern sie kommt einzig aus der Gnade Christi. Dazu ist der Glaube an Christus notwendig. Gute Werke sind Ausdruck eines lebendigen Glaubens. So soll sich der Mensch aus seinem Glauben heraus um einen geheiligten Wandel bemühen, der sich auch in seinen Werken zeigt.
280. Wozu dienen Gottes Gebote?
Gott hat den Menschen Gebote gegeben. In ihnen verkündet er seinen Willen zum Wohl der Menschen. In den Geboten kommt zum Ausdruck, wie der Mensch seine Beziehung zu Gott gestalten soll. Zudem sind die Gebote Grundlage für ein gutes Miteinander der Menschen.
281. In welcher Einstellung soll der Mensch Gottes Geboten folgen?
Wer im Glauben Gott als den Allmächtigen, Allwissenden und Liebenden erkennt, fragt nach seinem Willen und bemüht sich, sein Denken und Handeln nach Gottes Willen, also auch nach seinen Geboten, auszurichten. In der Erkenntnis, dass Gott die Gebote aus Liebe zum Menschen gegeben hat, werden die Gebote nicht aus Furcht vor Strafe, sondern aus Liebe zu Gott erfüllt.
282. Was ist das höchste Gebot?
Auf die Frage nach dem „höchsten Gebot im Gesetz“ antwortete Jesus mit zwei Zitaten aus dem mosaischen Gesetz: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten“ (Matthäus 22,36-40). Das Gebot, Gott und den Nächsten zu lieben, wird auch „Doppelgebot der Liebe“ genannt.
283. Worauf gründet die Liebe des Menschen zu Gott?
Die Liebe des Menschen zu Gott gründet in der Liebe Gottes zum Menschen. Der Mensch will diese Liebe erwidern: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“ (1. Johannes 4,19).
284. Wozu ruft das Gebot der Gottesliebe auf, und was erfordert es?
Die Liebe zu Gott soll das Wesen des Menschen prägen und sein Verhalten bestimmen. Gott zu lieben ist ein Gebot, das den ganzen Menschen betrifft und vollen Einsatz erfordert: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften“ (Markus 12,30). Das bedeutet die ungeteilte Hinwendung zu Gott.
285. Wie lautet das Gebot der Nächstenliebe?
„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Markus12,31; vgl. 3. Mose 19,18).
286. Wozu ruft das Gebot der Nächstenliebe auf?
Das Gebot fordert dazu auf, allen Mitmenschen liebevoll zu begegnen. Es setzt dem Egoismus klare Grenzen. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter (vgl. Lukas 10,25-37) veranschaulichte Jesus, dass Nächstenliebe bedeutet, barmherzig zu sein und entsprechend zu handeln. Wie konsequent Jesus das meinte, geht aus seiner Forderung hervor, selbst den Feind zu lieben.
287. Wer ist der „Nächste“?
Am Beispiel vom barmherzigen Samariter zeigt sich: Der Nächste ist zum einen derjenige, der hilfsbedürftig ist. Der Nächste ist zum anderen derjenige, der hilft. Der Nächste kann also jeder Mensch sein, mit dem wir in Beziehung kommen.
288. Hat Jesus noch mehr zur Nächstenliebe gesagt?
Jesus hat über das Gleichnis vom barmherzigen Samariter hinaus Grundlegendes zur Nächstenliebe in der sogenannten "Goldenen Regel" zusammengefasst.
289. Was besagt die „Goldene Regel“?
Unter der „Goldenen Regel“ versteht man das Wort des Herrn in der Bergpredigt: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten“ (Matthäus 7,12).
290. Wie soll sich Nächstenliebe in der Gemeinde zeigen?
Was Jesus seine Apostel lehrte, gilt ebenso der Gemeinde: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe […]. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (Johannes 13,34.35). Diese Anforderung an seine Jünger geht also über die „Goldene Regel“ hinaus. Das Gebot der Nächstenliebe, dem Mitmenschen beizustehen und in Notsituationen zu helfen, soll sich insbesondere in der Gemeinde beweisen: „Lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen“ (Galater 6,10). Alle, die zur Gemeinde gehören, haben die Aufgabe, einander mit herzlichem Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld zu begegnen.
291. Was bewirkt die „Liebe untereinander“ in der Gemeinde?
Die „Liebe untereinander“ befähigt dazu, Bruder und Schwester so anzunehmen, wie sie sind (vgl. Römer 15,7), und bewahrt vor Unversöhnlichkeit, Vorurteilen und abschätziger Betrachtung. Sie ist eine Kraft, die den Zusammenhalt in der Gemeinde stärkt, Mitempfinden und Verständnis füreinander weckt und Hilfsbereitschaft fördert.
292. Wie lauten die Zehn Gebote?
Das erste Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Das zweite Gebot: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“ Das dritte Gebot: „Du sollst den Feiertag heiligen.“ Das vierte Gebot: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir's wohl gehe und du lange lebest auf Erden.“ Das fünfte Gebot: „Du sollst nicht töten.“ Das sechste Gebot: „Du sollst nicht ehebrechen.“ Das siebte Gebot: „Du sollst nicht stehlen.“ Das achte Gebot: „Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“ Das neunte Gebot: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.“ Das zehnte Gebot: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist.“
293. Wem wurden die Zehn Gebote gegeben?
Gott hat die Zehn Gebote durch Mose dem Volk Israel am Berg Sinai gegeben (vgl. 2. Mose 19.20). Sie wurden auf steinerne Tafeln geschrieben.
294. Welche Bedeutung hatten die Zehn Gebote für das Volk Israel?
Die Zehn Gebote regelten das Verhalten der Israeliten sowohl gegenüber Gott als auch untereinander. Die Verkündigung der Zehn Gebote gehört zu dem Bund, den Gott mit dem Volk Israel geschlossen hat. Das Halten der Gebote war Pflicht und wurde von Gott gesegnet. Bereits die Kinder im Volk Israel lernten die Gebote auswendig. Bis heute haben die Zehn Gebote ihre hohe Bedeutung im Judentum behalten.
295. Äußerten sich Jesus und seine Apostel über die Zehn Gebote?
Ja, Jesus bekräftigte die Zehn Gebote. Einzelne verschärfte er sogar, indem er den Geboten einen neuen, tieferen Sinn gab und ihren ursprünglichen Geltungsbereich ausweitete. Seine Apostel machten schließlich deutlich, dass bereits die Übertretung eines einzigen der Gebote die Übertretung des gesamten Gesetzes bedeutet: „Denn wenn jemand das ganze Gesetz hält und sündigt gegen ein einziges Gebot, der ist am ganzen Gesetz schuldig“ (Jakobus 2,10).
296. Für wen gelten die Zehn Gebote?
In den Zehn Geboten wendet sich Gott an alle Menschen. Der Einzelne trägt Gott gegenüber die Verantwortung dafür, wie er sich verhält und wie er sein Leben führt.
297. Wie sind Gottes Gebote im Verhältnis zu staatlichen Gesetzen zu sehen?
Gottes Gebote stehen über staatlichen Gesetzen. Entscheidend dafür, ob gegen Gottes Gebote verstoßen wird, ist allein der Wille Gottes und nicht der des Gesetzgebers.
298. Was bedeutet es, gegen Gottes Gebote zu verstoßen?
Jeder Verstoß gegen Gottes Gebote ist Sünde. Sünde macht den Menschen vor Gott schuldig. Das Ausmaß der aus der Sünde erwachsenen Schuld kann unterschiedlich sein. Gott allein legt fest, wie groß die Schuld ist. Im Einzelfall kann es sein, dass aus der Sünde kaum eine Schuld gegenüber Gott entsteht.
299. Wie wird das ganze Gesetz erfüllt?
Gott und den Nächsten in vollkommener Weise zu lieben, würde das Halten des ganzen Gesetzes bedeuten (vgl. Römer 13,8.10). Dies war einzig Jesus Christus möglich.
300. Wie lautet das erste Gebot?
„Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“
301. Was bedeutet das erste Gebot?
Das erste Gebot bedeutet, dass Gott Herr über alles ist. Einzig ihm, dem Schöpfer aller Dinge, kommen Anbetung und Verehrung zu. Seinem Willen ist Gehorsam zu leisten.
302. Welche Bedeutung hat das erste Gebot im Alten Testament?
In den Ländern um Israel herrschte Vielgötterei. Mit dem ersten Gebot machte Gott deutlich, dass er der einzige Gott ist. Demzufolge gebührt allein ihm Anbetung; nur ihm ist zu dienen. „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft“ (5. Mose 6,4.5).
303. Was beinhaltet das Verbot der Verehrung anderer Götter?
Jegliche Verehrung oder Anbetung von all dem, was Menschen außer Gott, dem Schöpfer, als Gottheit ansehen können, ist Sünde. Hierzu zählt die Verehrung von Lebewesen, Naturerscheinungen, Gegenständen, wirklichen oder erdachten geistigen Wesen. Demnach verstößt es gegen das erste Gebot, zum Beispiel Statuen, Tierfiguren, Steine, Amulette sowie Gestirne, Berge, Bäume und Feuer, Sturm usw. als Gott anzusehen. Auch die Anfertigung und Anbetung des goldenen Kalbs zur Zeit des Alten Testaments stellten einen Verstoß gegen dieses Gebot Gottes dar: „Da riss alles Volk sich die goldenen Ohrringe von den Ohren und brachte sie zu Aaron. Und er nahm sie von ihren Händen und bildete das Gold in einer Form und machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat!“ (vgl. 2. Mose 32,3.4).
304. Wie ist das Verbot zu sehen, Bilder herzustellen und zu verehren?
In 2. Mose 20,4.5 wird untersagt, Bilder von dem herzustellen, was Gott geschaffen hat: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!“ Das Verbot, Bilder herzustellen und zu verehren, muss vor dem Hintergrund gesehen werden, dass es Bilder und Statuen gab, die als Gottheit verehrt und angebetet wurden.
305. Ist es uns verboten, Bilder anzufertigen oder zu fotografieren?
Nein, es ist nicht verboten, Bilder, Skulpturen, Fotografien oder filmische Darstellungen anzufertigen. Solche Darstellungen sollen aber nicht verehrt und angebetet werden.
306. Was bedeutet das erste Gebot im Neuen Testament?
Das erste Gebot besagt, dass es nur einen Gott gibt. Dieser ist der dreieinige Gott: Vater, Sohn, Heiliger Geist. Im Neuen Testament wird das erste Gebot nicht nur auf Gott, den Vater, sondern auch auf Jesus Christus und den Heiligen Geist bezogen.
307. Was bedeutet das erste Gebot für uns heute?
Das erste Gebot fordert uns auf, aus Liebe Gott zu ehren. Gottesverehrung vollzieht sich in Anbetung, Gehorsam und Gottesfurcht. Gottesfurcht erwächst aus der Liebe zu Gott. Sie ist nicht Ausdruck von Angst, sondern von Demut, Liebe und Vertrauen zu Gott. Es gilt, Gott so annehmen, wie er in der Welt in Erscheinung getreten ist: in Jesus Christus (vgl. Johannes 14,9). Es ist ein Verstoß gegen das Gebot, sich in Macht, Ehre, Geld, Idolen oder auch in der eigenen Person gleichsam einen Gott zu machen, dem sich alles andere unterordnen muss. Ebenso verstößt es gegen das erste Gebot, sich von den eigenen Wünschen oder Ansichten geprägte Gottesvorstellungen zu machen. Gleichermaßen verstößt es gegen das Gebot, wenn man in Statuen, Bäumen, Naturerscheinungen usw. Götter sieht. Handlungen gegen das erste Gebot sind darüber hinaus Satanismus, Wahrsagerei, Magie, Hexerei, Geisterbefragung oder Totenbeschwörung.
308. Wie lautet das zweite Gebot?
„Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“
309. Was bedeutet das zweite Gebot?
Das zweite Gebot mahnt, alles heilig zu halten, was mit Gott und seinem Namen zu tun hat.
310. Welche Bedeutung hat das zweite Gebot im Alten Testament?
Als Gott sich Mose im feurigen Dornbusch zu erkennen gab, nannte er seinen Namen: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ Hier ist der Name nicht nur ein Unterscheidungsmerkmal, sondern der Name beschreibt auch das Wesen seines Trägers. Damit macht Gott kund, dass er in seinem Wesen unveränderlich und ewig ist. Der einzelne Mensch erlebt Gott unterschiedlich, dennoch bleibt Gott unwandelbar. Das Wesen und die Majestät Gottes dürfen in keiner Weise angetastet werden. Aus Ehrfurcht sprechen die Juden den Namen „Ich werde sein, der ich sein werde“ (hebräisch: „Jahwe“) überhaupt nicht aus. Sie wollen so jede – auch unbeabsichtigte – missbräuchliche Verwendung des Namens Gottes vermeiden.
311. Welche Bedeutung hat das zweite Gebot im Neuen Testament?
Die Menschen sollen von Gott in Liebe, Ehrfurcht und voller Verantwortungsbewusstsein reden. Als Jesus beten lehrte, forderte er auf, Gott als den „Vater im Himmel“ anzusprechen (vgl. Matthäus 6,9). Wenn Jesus Christus im Gebet zum Ausdruck brachte: „Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan“ (Johannes 17,26), verdeutlichte er damit das Wesen Gottes, nämlich Liebe (vgl. 1. Johannes 4,16).
312. Was bedeutet das zweite Gebot für uns heute?
Wir sollen alles, was mit Gott und seinem Namen zu tun hat, heilig halten. Das gilt für unser Denken, Reden und den Lebenswandel. Als Christen sind wir dem Namen des Herrn Jesus Christus gegenüber besonders verpflichtet. Als Gottes Kinder, die den Namen des Vaters und des Sohnes tragen, stehen wir in hoher Verantwortung, Gottes Namen heilig zu halten.
313. Wie würde man Gottes Namen missbrauchen?
Ein krasser Missbrauch des Namens Gottes ist die Gotteslästerung, bei der Gott bewusst verhöhnt oder beschimpft wird. Auch wer beim Namen Gottes flucht oder sich auf Gott beruft und dabei lügt, missbraucht den Namen Gottes. Schon die leichtfertige Verwendung der Bezeichnungen „Gott“, „Jesus Christus“ oder „Heiliger Geist“ für lockere Redensarten oder in Witzen ist ein Verstoß gegen das zweite Gebot.
314. Welche Konsequenz hat ein Verstoß gegen das zweite Gebot?
Als einziges Gebot enthält das zweite eine Strafandrohung im Falle der Übertretung. Worin die Strafe besteht, sagt die Bibel nicht. Für uns sollte Beweggrund, dieses Gebot zu befolgen, vor allem Liebe zu Gott und Ehrfurcht sein, nicht eine zu befürchtende Strafe.
315. Ist Schwören unter Anrufung Gottes ein Verstoß gegen das zweite Gebot?
Jesus hat in der Bergpredigt das Schwören untersagt. Dies ist so zu verstehen, dass es für das leichtfertige Schwören im alltäglichen Leben gilt, nicht aber zum Beispiel für das Schwören vor Gericht. Wer bei einer vorgeschriebenen Eidesformel Gott zum Zeugen anruft („So wahr mir Gott helfe!“), um seine Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit Gott gegenüber zu bekunden, legt damit ein öffentliches Bekenntnis seines Glaubens an den allmächtigen, allwissenden Gott ab.
316. Wie lautet das dritte Gebot?
„Du sollst den Feiertag heiligen.“
317. Was bedeutet das dritte Gebot?
Mit dem dritten Gebot wird dazu aufgefordert, einen Tag der Woche von den anderen abzusondern, um Gott anzubeten und sich mit seinem Wort zu beschäftigen. Für Christen ist dies der Sonntag – der Tag, an dem Jesus Christus auferstanden ist.
318. Was bedeutet das dritte Gebot im Alten Testament?
Gott ruhte am siebten Schöpfungstag und heiligte ihn. Der Ruhetag ist als Feiertag gegeben, um Gott für sein schöpferisches Handeln zu danken und ihn zu ehren. Gott benannte bereits vor der Gesetzgebung am Sinai den Sabbat als den Tag, der heilig gehalten werden sollte. Während der Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste verkündete Mose: „Das ist’s, was der Herr gesagt hat: Morgen ist Ruhetag, heiliger Sabbat für den Herrn“ (2. Mose 16,23). Am Sabbat sollte sich das Volk Israel von der Arbeit ausruhen und sich ungestört Gott zuwenden. Der Sabbat diente dem Lob des Schöpfers und der Erinnerung an die Befreiung Israels aus der Gefangenschaft in Ägypten. Demjenigen war Segen zugesagt, der den Sabbat in Ehren hielt und persönliche Geschäfte und „leeres Geschwätz“ mied (vgl. Jesaja 58,13.14).
319. Was bedeutet das dritte Gebot im Neuen Testament?
Den Sabbat – den siebten Tag des jüdischen Kalenders – zu heiligen, gehörte für die Israeliten zum Gesetz. Jesus ging am Sabbat in die Synagoge und heilte Kranke, was nach dem Verständnis der Israeliten Arbeit und somit ein Verstoß gegen das Gebot war. Damit machte Jesus, der Herr über den Sabbat, deutlich, dass Wohltun an den Menschen höher zu werten ist als eine rein formale Erfüllung des dritten Gebotes.
320. Warum heiligen Christen den Sonntag als „Feiertag“?
Christen heiligen den Sonntag als „Feiertag“, weil Jesus Christus an einem Sonntag von den Toten auferstanden ist. Daher ist für Christen das Heiligen des Sonntags auch ein Bekenntnis zur Auferstehung Jesu Christi. Ein Hinweis auf die Bedeutung des Sonntags als Feiertag der Christen findet sich in Apostelgeschichte 20,7: „Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, das Brot zu brechen, predigte ihnen Paulus …“ Hier wird ebenso wie in 1. Korinther 16,2 der erste Tag der Woche herausgehoben, der Sonntag.
321. Wie halten wir den Sonntag heilig?
Der Sonntag soll ein Tag der Ruhe und ein Festtag der Seele sein. Wir halten den Sonntag vor allem dadurch heilig, dass wir Gott im Gottesdienst Anbetung darbringen, sein Wort gläubig aufnehmen, bußfertig die Sündenvergebung annehmen und Christi Leib und Blut im Sakrament des Heiligen Abendmahls würdig genießen. Heiligung des Sonntags bedeutet auch, dass die Wirkung des Gottesdienstes vertieft wird und bewahrt bleibt. Wer nicht zum Gottesdienst kommen kann, heiligt den Sonntag, indem er im Gebet Verbindung mit Gott und der Gemeinde sucht. Dies gilt beispielsweise für Berufstätige sowie kranke, behinderte und alte Menschen. Das Gebot, den Feiertag zu heiligen, fordert den Gläubigen auf zu prüfen, inwieweit sich seine Aktivitäten mit dem Sinn des dem Herrn geweihten Tags vereinbaren lassen.
322. Wie lautet das vierte Gebot?
„Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebest auf Erden.“
323. Was bedeutet das vierte Gebot?
Das vierte Gebot richtet sich an Menschen jeglichen Alters und verlangt, Vater und Mutter die gebührende Achtung und Wertschätzung zukommen zu lassen. Es ist das einzige Gebot, das eine Belohnung verheißt.
324. Welche Bedeutung hat das vierte Gebot im Alten Testament?
Das vierte Gebot steht, wie das mosaische Gesetz überhaupt, im Zusammenhang mit der Wüstenwanderung der Israeliten. Älteren Angehörigen der Sippe sollte man auf der beschwerlichen Wanderung beistehen und somit Ehre erweisen. Die Verheißung des "Wohlergehens" fasste man als ein Wohlergehen im irdischen Leben auf. Das Gebot verstand man in Israel auch als eine Anweisung an Erwachsene, für die alt gewordenen Eltern zu sorgen und sie im Krankheitsfall zu pflegen.
325. Welche Bedeutung hat das vierte Gebot im Neuen Testament?
Vom zwölfjährigen Jesus ist berichtet, dass er sich seiner Mutter Maria und deren Mann Josef gehorsam unterordnete: „Er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen untertan“ (Lukas 2,51). Die Zuwendung Jesu zu seiner Mutter wird deutlich, als er sie noch in seiner Todesstunde der Fürsorge des Apostels Johannes anbefahl (vgl. Johannes 19,27). In den Briefen des Apostels Paulus werden die Kinder ausdrücklich zum Gehorsam gegenüber ihren Eltern ermahnt.
326. Was bedeutet das vierte Gebot für uns heute?
Kindern stellt sich, unabhängig von ihrem Alter, die Aufgabe, die Eltern zu ehren. Die konkrete Umsetzung des Gebotes kann sich, je nach Alter, sozialem Umfeld und gesellschaftlichen Umgangsformen, unterschiedlich gestalten. Alle Gehorsamspflicht des Kindes ist eingeschränkt durch den Hinweis des Apostels Petrus: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5,29).
327. Wie ist die Verheißung eines „langen Lebens“ zu verstehen?
Wenn Kinder ihre Eltern aus Liebe und Dankbarkeit ehren, sie also wertschätzen, ihnen gehorsam sind und für sie sorgen, wird darauf der Segen Gottes ruhen. In der Vorstellung der Menschen zur Zeit des Alten Testaments war „langes Leben“ Ausdruck für Segen Gottes. Im Neuen Bund zeigt sich der Segen Gottes hauptsächlich in geistlichen Gütern.
328. Ergeben sich aus dem vierten Gebot auch Pflichten für die Eltern?
Ja, die Eltern tragen in ihrer Lebensführung und in ihrem Erziehungsauftrag eine hohe Verantwortung und sollen durch ein Gott wohlgefälliges Verhalten dafür sorgen, dass den Kindern die Wertschätzung ihrer Eltern nicht erschwert wird. Erfüllen die Eltern diese Pflichten nicht, können sie auch keinen Gehorsam ihrer Kinder erwarten. Keinesfalls kann eine Gehorsamspflicht der Kinder den Eltern gegenüber aus dem vierten Gebot begründet werden, wenn die Eltern oder die Kinder in diesem Zusammenhang gegen göttliche Gebote verstoßen würden.
329. Wie lautet das fünfte Gebot?
„Du sollst nicht töten.“
330. Was bedeutet das fünfte Gebot?
Das Leben ist von Gott gegeben. Er allein ist Herr über Leben und Tod. Es steht niemandem zu, Menschenleben zu beenden.
331. Welche Bedeutung hat das fünfte Gebot im Alten Testament?
Die wörtliche Übersetzung des Gebots aus dem hebräischen Text heißt: „Du sollst nicht morden.“ Demnach untersagte das fünfte Gebot das eigenmächtige Töten von Menschen. Es bezog sich ausdrücklich nicht auf Kriegsdienst und Todesstrafe.
332. Welche Bedeutung hat das fünfte Gebot im Neuen Testament?
Jesus beschränkte die Beachtung dieses Gebotes nicht auf die buchstabengemäße Erfüllung. Schwerpunkt für ihn war die innere Haltung, die Gesinnung des Menschen. Deshalb sagte er: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: ‚Du sollst nicht töten‘; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig“ (Matthäus 5,21.22). In 1. Johannes 3,15 heißt es ergänzend: „Wer seinen Bruder hasst, der ist ein Totschläger“.
333. Welche Bedeutung hat das fünfte Gebot für uns heute?
Anfang und Ende des menschlichen Lebens liegen allein in Gottes Hand. Nur er ist Herr über Leben und Tod. Auch wenn heute auf Erden vielfach Gewalt herrscht und viele Menschen das Leben anderer nur noch gering achten, gilt das Gebot unverändert. Es umfasst – neben dem Verbot, menschliches Leben zu beenden – zugleich den Auftrag, menschliches Leben zu achten, zu schützen und zu bewahren. Jeder Verstoß gegen das fünfte Gebot ist Sünde. Die sich daraus ergebende Schuld Gott gegenüber kann unterschiedlich sein.
334. Verstößt ein Schwangerschaftsabbruch gegen das fünfte Gebot?
Ja. Ungeborenes Leben ist zu achten und zu schützen, denn es ist davon auszugehen, dass vom Augenblick der Zeugung an von Gott gegebenes menschliches Leben vorliegt.
335. Fällt eine Selbsttötung unter das fünfte Gebot?
Ja, denn es wird von Gott gegebenes Leben beendet.
336. Ist Töten in Notwehr ein Verstoß gegen das fünfte Gebot?
Ja, auch das Töten in Notwehr verstößt gegen das fünfte Gebot.
337. Was gilt für das Töten im Krieg?
Töten im Krieg ist ein Verstoß gegen das fünfte Gebot. Aus dem Gebot folgt für den Einzelnen die Verantwortung, das Töten möglichst zu vermeiden. Im Einzelfall kann es sein, dass aus der Handlungsweise kaum Schuld Gott gegenüber entsteht.
338. Ist Sterbehilfe eine Übertretung des fünften Gebots?
Wer aktive Sterbehilfe leistet – das heißt, wer Handlungen vornimmt, die zum Tod eines Sterbenden führen –, übertritt das fünfte Gebot. Passive Sterbehilfe – also die Unterlassung von Maßnahmen, die das Leben verlängern – wird unter strengen Voraussetzungen nicht als Übertretung des fünften Gebots gesehen. Die Entscheidung über den Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen obliegt zunächst dem Patienten selbst. Bei fehlender Willensbekundung soll diese Entscheidung in Absprache zwischen den Ärzten und den Angehörigen einzig unter verantwortungsbewusster Würdigung der Interessen des Sterbenden getroffen werden.
339. Wie ist aus Sicht des fünften Gebots die Todesstrafe zu bewerten?
Es steht keinem Menschen zu, Menschenleben zu beenden. Insofern verletzt der Vollzug der Todesstrafe die göttliche Ordnung. In der Todesstrafe erkennt die Neuapostolische Kirche zudem kein geeignetes Mittel zur Abschreckung und zum Schutz der Gesellschaft.
340. Bezieht sich das fünfte Gebot auch auf das Töten von Tieren?
Nein, das Töten von Tieren fällt nicht unter das fünfte Gebot. Gott lässt ausdrücklich zu, dass Tiere der Ernährung des Menschen dienen (vgl. 1. Mose 9,3). Doch auch das Leben der Tiere ist zu respektieren; dies ergibt sich aus der Mitverantwortung des Menschen zur Bewahrung der Schöpfung.
341. Wie lautet das sechste Gebot?
„Du sollst nicht ehebrechen.“
342. Was bedeutet das sechste Gebot?
Die Ehe ist die von Gott gewollte, auf Lebenszeit angelegte Gemeinschaft von Mann und Frau. Zugrunde liegt ihr eine beiderseitige freie Willensentscheidung. Sie wird durch ein öffentliches Treueversprechen bekundet. Ehebruch begeht, wer als Verheirateter mit jemand anderem als seinem Ehepartner geschlechtlich verkehrt. Ebenso begeht Ehebruch, wer als Unverheirateter mit einem ehelich Gebundenen geschlechtlich verkehrt.
343. Was bedeutet das sechste Gebot im Alten Testament?
Schon zur Zeit des Alten Testaments wurde die Ehe als Bund verstanden, der unter Gottes Schutz steht und durch Gebet gesegnet wird. Ehebruch wurde damals mit dem Tode bestraft.
344. Was bedeutet das sechste Gebot im Neuen Testament?
Jesus Christus spricht sich eindeutig für die Einehe (Monogamie) aus. Sie ist die gottgewollte, dem gläubigen Christen angemessene Form ehelichen Zusammenlebens von Mann und Frau. Jesus deutete auch das sechste Gebot über den ursprünglichen Sinn hinaus: In der Bergpredigt sagte er: „Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen“ (Matthäus 5,28). Das bedeutet, dass man trotz äußerlich untadeligem Lebenswandel einen „Ehebruch im Herzen“, also in Gedanken, begehen kann.
345. Was sagt das Neue Testament zur Scheidung?
Scheidung wird im Neuen Testament als Verstoß gegen das sechste Gebot gewertet: „Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden“ (Markus 10,9). Einziger Ausnahmefall, für den die Scheidung zugelassen wird, ist Ehebruch des Ehepartners (vgl. Matthäus 19,9). Die neutestamentlichen Aussagen zur Scheidung dienten vor allem dazu, die Situation der Frau, die in der Antike nur sehr eingeschränkte Rechte besaß, zu verbessern. Die Frau sollte davor geschützt werden, willkürlich von ihrem Ehemann verstoßen werden zu können.
346. Was bedeutet das sechste Gebot für uns heute?
Die Ehe ist auf Unauflöslichkeit angelegt (vgl. Matthäus 19,6; Markus 10,9). Vor diesem Hintergrund ist es geboten, die Ehe zu schützen und zu fördern. Aus dem Gebot ergibt sich auch, dass die Ehepartner einander in Treue zugetan sein sollen. Zu den Verpflichtungen aus dem Gebot gehört, dass die Ehepartner sich ernsthaft bemühen, den Lebensweg in Gottesfurcht und Liebe miteinander zu gehen.
347. Wie steht die Neuapostolische Kirche zu Geschiedenen?
Geschiedene und in Scheidung Lebende haben ihren Platz in der Gemeinde und werden von ihren Seelsorgern vorbehaltlos betreut. Geschiedene und in Scheidung Lebende werden nicht vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen. Geschiedenen, die erneut eine Ehe eingehen wollen, wird auf Wunsch der Trausegen gespendet. Damit soll die Möglichkeit zu einem Neuanfang gegeben werden. Immer ist im Auge zu behalten, dass Jesus dem Menschen nicht mit strenger Bestrafung, sondern in Liebe und Gnade begegnet ist (vgl. Johannes 8,2-11).
348. Wie lautet das siebte Gebot?
„Du sollst nicht stehlen.“
349. Was bedeutet das siebte Gebot?
Es ist verboten, sich am Hab und Gut des Nächsten zu vergreifen. Man darf sich das Eigentum des Nächsten nicht unrechtmäßig aneignen und es auch nicht schädigen.
350. Was bedeutet das siebte Gebot im Alten Testament?
Ursprünglich bezog sich das Gebot, nicht zu stehlen, vor allem auf den Menschenraub. Dabei ging es darum, den freien Mann davor zu schützen, geraubt, verkauft oder in Unfreiheit gehalten zu werden. Eigentumsdelikte konnte man durch materielle Entschädigung wiedergutmachen (sühnen), Menschenraub dagegen wurde in Israel mit dem Tod bestraft: „Wer einen Menschen raubt, sei es, dass er ihn verkauft, sei es, dass man ihn bei ihm findet, der soll des Todes sterben“ (2. Mose 21,16). Auch der Diebstahl von fremdem Eigentum wurde unter Strafe gestellt; das mosaische Gesetz forderte Wiedergutmachung. „Wenn jemand ein Rind oder ein Schaf stiehlt und schlachtet’s oder verkauft’s, so soll er fünf Rinder für ein Rind wiedergeben und vier Schafe für ein Schaf“ (2. Mose 21,37).
351. Was bedeutet das siebte Gebot im Neuen Testament?
Jesus bezeichnete Diebstahl als Sünde. Diebstahl hat seinen Ursprung in der Gesinnung des Menschen. „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen“ (Matthäus 15,19.20).
352. Was bedeutet das siebte Gebot für uns heute?
Diebstahl im eigentlichen Sinn liegt vor, wenn materielles oder geistiges Eigentum anderer entwendet wird. Aber auch Betrug, Wucher, Ausnutzung einer Notlage, Veruntreuung, Unterschlagung, Steuerhinterziehung, Korruption und Verschwendung von anvertrauten Geldern müssen als Übertretung des siebten Gebots gesehen werden. Das siebte Gebot fordert zudem dazu auf, dem Nächsten seine Ehre und seinen guten Ruf nicht zu nehmen und seine Würde als Mensch nicht anzutasten.
353. Wie lautet das achte Gebot?
„Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“
354. Was bedeutet das achte Gebot?
„Falsches Zeugnis“ ist eine unwahre Aussage, die einen anderen betrifft. Jedes „falsche Zeugnis“ ist Lüge. Kern des Gebots ist die Forderung, der Wahrheit gemäß zu reden und zu handeln.
355. Was bedeutet das achte Gebot im Alten Testament?
Das achte Gebot betraf zunächst die Falschaussage vor Gericht. Sowohl eine falsche Anklage als auch eine unwahre Zeugenaussage konnten „falsches Zeugnis“ im Sinne des Gebotes sein. Stellte sich vor Gericht heraus, dass ein Zeuge falsch ausgesagt hatte, verhängte man über ihn die Strafe, die über den Angeklagten bei einem Schuldspruch verhängt worden wäre (vgl. 5. Mose 19,18.19).
356. Was bedeutet das achte Gebot im Neuen Testament?
Jesus Christus wies mehrfach auf das achte Gebot hin. Er zeigte auf, dass die Übertretung dieses Gebots Ausdruck von verkehrter Gesinnung ist und den Menschen unrein macht (vgl. z.B. Matthäus 15,18-20).
357. Was bedeutet das achte Gebot für uns heute?
Heute bedeutet das achte Gebot, über den ursprünglichen Sinn hinausgehend, das Verbot jeglichen unwahrhaftigen Redens und Handelns. So verstoßen auch Notlügen, Halbwahrheiten, Aussagen, die den wirklichen Sachverhalt verschleiern sollen, sowie Verleumdungen gegen das achte Gebot. Auch sind Prahlerei und Übertreibung, Doppelzüngigkeit und Heuchelei, Verbreiten von Gerüchten, üble Nachrede und Schmeichelei Ausdruck von Unwahrhaftigkeit. Jeder ist verpflichtet, sich um Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit zu bemühen. Auch das Verhalten in Gesellschaft und Geschäftsleben soll sich am achten Gebot orientieren.
358. Welche Aufgabe ergibt sich für Christen aus dem achten Gebot?
Christen sind dazu aufgerufen, ein „wahrhaftiges Zeugnis“ abzulegen, indem sie das Evangelium glauben, es verkündigen und einen ihm entsprechenden Lebenswandel führen.
359. Wie lauten das neunte und zehnte Gebot?
„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist.“
360. Warum werden das neunte und das zehnte Gebot oft zusammengefasst?
Die letzten zwei der Zehn Gebote sind inhaltlich eng miteinander verknüpft. Sie werden daher oft zusammen als ein Gebot gezählt. Diese beiden Gebote existieren in der Bibel in unterschiedlichen Fassungen. In 2. Mose 20,17 wird als erstes des Nächsten Haus genannt, hingegen ist in 5. Mose 5,21 zuerst die Frau erwähnt.
361. Welche Bedeutung haben das neunte und zehnte Gebot?
Kern des neunten und zehnten Gebots ist die Aussage: „Du sollst nicht begehren.“ Damit ist nicht jede Form menschlichen Verlangens untersagt, sondern die sündhafte Begierde nach dem Ehepartner des Nächsten oder nach dessen Hab und Gut. Richtet sich das Begehren auf das, was dem anderen lieb und wert ist bzw. ihm gehört, wird es zur sündhaften Begierde. Dann wirkt es zerstörerisch. Begierde kann anwachsen bis zur Habsucht und entspringt meist dem Neid.
362. Welche Bedeutung haben das neunte und zehnte Gebot im Alten Testament?
Seit Anbeginn versucht Satan, Menschen zur Sünde zu verführen, indem er Begierde und Lust auf Verbotenes weckt. Im Alten Testament wird ein Beispiel von extremen Folgen der Begierde nach der Frau des Nächsten geschildert, als König David aus diesem Verlangen heraus Betrug, Ehebruch und Mord beging (vgl. 2. Samuel 11).
363. Welche Bedeutung haben das neunte und zehnte Gebot im Neuen Testament?
Wird sündhaftes Verlangen nicht beherrscht, folgt die Umsetzung in die Tat. Die Folgen sind in Jakobus 1,15 beschrieben: „Wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“ In Galater 5,19-25 wird gezeigt, dass sündhaftes Begehren zu sündhaftem Handeln führt. Dies wird als „Werke des Fleisches“ bezeichnet. Der Begierde stellt die Bibel den Begriff „Keuschheit“ entgegen. Keuschheit zeigt sich in Selbstbeherrschung und Verzicht.
364. Welche Bedeutung haben das neunte und zehnte Gebot für uns heute?
Das neunte und zehnte Gebot stellen dem Menschen die Aufgabe, über die Reinheit des Herzens zu wachen. Er soll die Versuchung zu sündhaftem Tun abwehren.
365. Was bedeutet „Kirche“ allgemein?
Der Begriff „Kirche“ hat im allgemeinen Sprachgebrauch drei unterschiedliche Bedeutungen. Man meint damit zum einen ein christliches Gotteshaus (z. B. die Dorfkirche), in dem sich die Gläubigen zum Gottesdienst versammeln. In einer weiteren Bedeutung wird mit „Kirche“ die Gemeinde in einem Ort bezeichnet. Außerdem wird unter „Kirche“ eine christliche Gemeinschaft (Denomination) verstanden, zum Beispiel die Neuapostolische Kirche oder die Katholische Kirche.
366. Was bedeutet „Kirche“ in Bezug auf den Glauben?
„Kirche“ bedeutet in Bezug auf den Glauben nicht in erster Linie das Gotteshaus, sondern die Einrichtung, die die Aufgabe hat, den Menschen das Heil in Christus zu vermitteln. Die Menschen, die der Kirche angehören, sind berufen zur ewigen Gemeinschaft mit Gott. Darüber hinaus bedeutet „Kirche“, jetzt schon Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott zu haben, indem dieser sich in Wort und Sakrament den Gläubigen zuwendet, die ihm Anbetung und Lobpreis darbringen. In der Kirche haben die Glaubenden miteinander Gemeinschaft. Mittelpunkt des kirchlichen Lebens ist der Gottesdienst.
367. Ist Kirche notwendig?
Ja, Kirche ist zum Christ-Sein notwendig, denn nur in ihr hören wir das Wort Gottes, empfangen die Sakramente und erleben Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Diese Bestandteile sind in ihrer Gesamtheit unverzichtbar, um das Heil zu erlangen. Ohne Kirche ist dies dem Menschen nicht möglich.
368. Wer hat die Kirche gegründet?
Jesus Christus hat die Kirche gegründet. Er hat nicht nur eine Lehre hinterlassen, sondern eine Einrichtung zur Vermittlung des Heils geschaffen, nämlich seine Kirche. Sie hat also ihren Ursprung im Gottessohn, der auf die Erde kam und als Mensch unter Menschen handelte: Er rief Menschen als Jünger in seine Nachfolge, predigte, tat Wunder, vergab Sünden, verhieß und sandte den Heiligen Geist. Person und Tat Jesu Christi sind die Grundvoraussetzung dafür, dass es die Kirche gibt.
369. Wer ist das „Haupt“ der Kirche Jesu Christi?
Jesus Christus ist das „Haupt“ seiner Kirche.
370. Was sind die Aufgaben der Kirche Jesu Christi?
Die Kirche Jesu Christi hat zwei Aufgaben. Die erste Aufgabe ist es, den Menschen Heil und ewige Gemeinschaft mit Gott zugänglich zu machen. Die zweite Aufgabe besteht darin, dass Menschen in ihr Gott Anbetung und Lobpreis darbringen.
371. Unterscheiden sich die Kirche Jesu Christi und die Neuapostolische Kirche?
Ja, sie unterscheiden sich. In der Neuapostolischen Kirche und in den anderen christlichen Kirchen wird die eine Kirche Jesu Christi auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlichem Umfang offenbar.
372. Mit welchen Handlungen stiftete Jesus Christus die Kirche?
Jesus Christus stiftete die Kirche, indem er bedeutende Handlungen vornahm: Er • versammelte Jünger und Jüngerinnen um sich (vgl. Markus 1,16 ff.), • predigte vom Reich Gottes (vgl. Markus 1,14.15), • erwählte die Apostel (vgl. Lukas 6,12-16), • setzte den Petrusdienst ein (vgl. Matthäus 16,18), • feierte erstmals das Heilige Abendmahl (vgl. Matthäus 26,20-29), • brachte an Karfreitag sein Opfer (vgl. Matthäus 27,50), • stand an Ostern von den Toten auf (vgl. Matthäus 28,1 ff.), • gab den Aposteln Auftrag, das Evangelium zu verkündigen und im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen (vgl. Matthäus 28,19.20), • sandte an Pfingsten den Heiligen Geist (vgl. Apostelgeschichte 2,1 ff.).
373. Gibt es im Alten Testament Hinweise auf die Kirche Jesu Christi?
Ja, es gibt im Alten Testament Hinweise auf die Kirche Jesu Christi, so beispielsweise: • die Arche: In ihr fanden Noah und seine Familie Rettung vor der Sintflut. Die Arche diente Noah und seiner Familie zur Rettung. So dient die Kirche Christi zur Rettung der Sünder (vgl. 1. Petrus 3,20.21). • die Zehn Gebote, die Mose auf dem Berg Sinai empfing: In ihnen kommt der göttliche Wille zum Ausdruck. Dieser wurde durch Mose, den Knecht Gottes, dem versammelten Volk Israel kundgetan. In der Kirche Christi wird der göttliche Wille durch die Predigt des Evangeliums einer Versammlung, nämlich der Gemeinde, mitgeteilt.
374. Wie wird die Kirche Jesu Christi im Neuen Testament beschrieben?
Im Neuen Testament wird in unterschiedlichen Bildern und Beispielen das Wesen der Kirche Jesu Christi beschrieben. Der „Leib Christi“ ist eines der wichtigsten Bilder für die Kirche; in diesem Bild wird die Kirche mit einem Körper verglichen: „Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir viele ein Leib in Christus“ (Römer 12,4.5).
375. Was bedeutet das Bild vom Leib Christi?
Mit dem Bild vom Leib Christi sind alle gemeint, die zu Jesus Christus gehören, weil sie getauft sind, an ihn glauben und ihn als ihren Herrn bekennen. Wie die Glieder eines Leibes zusammen zu einem Organismus gehören, so gehören die Getauften gemeinsam zur Kirche Jesu Christi.
376. Welche Entsprechung gibt es zwischen der Kirche und der Person Jesu Christi?
Jesus Christus hat zwei Naturen. Diese spiegeln sich auch in der Kirche wieder. Wenn man von den zwei Naturen Jesu spricht, meint das, dass Jesus Christus zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Dies lässt sich an Beispielen aus seinem Leben zeigen: Als er den verstorbenen Lazarus ins Leben zurückrief, tat er dies als wahrer Gott (vgl. Johannes 11,43-47). Als wahrer Mensch litt er zum Beispiel Hunger und Durst, wie andere Menschen auch (vgl. Johannes 4,7). Die göttliche Natur Jesu war unsichtbar, seine menschliche Natur war sichtbar. So ist es auch mit der Kirche: Sie hat eine unsichtbare Seite und eine sichtbare Seite. Beide Seiten gehören, wie die zwei Naturen Jesu Christi, unauflöslich zusammen.
377. Wie erlebt man die unsichtbare Seite der Kirche Jesu Christi?
Die unsichtbare Seite der Kirche erlebt man unter anderem in den Heilswirkungen. Diese sind für den Menschen unsichtbar und können nur im Glauben erfasst werden. Beispiele für Heilswirkungen sind: • wenn Gott die Sünden vergibt, • wenn durch die Taufe die Erbsünde abgewaschen wird, • wenn Gott die Gabe des Heiligen Geistes schenkt, • wenn im Heiligen Abendmahl Leib und Blut Christi gegeben werden, • wenn Entschlafenen die Sakramente gespendet werden, • wenn Segenshandlungen (Konfirmationen, Ordinationen usw.) vorgenommen werden, • wenn Gott in der Predigt durch menschliche Worte wirkt, • wenn der Segen auf die Gemeinde gelegt wird.
378. Wie erlebt man die sichtbare Seite der Kirche Jesu Christi?
Die sichtbare Seite der Kirche erlebt man unter anderem dann, wenn Menschen in der Kirche handeln. Dies ist wahrnehmbar – zum Beispiel, • wenn Menschen sich zu Jesus Christus bekennen, • wenn Gottesdienst gefeiert wird, • wenn Wasser für die Taufe geweiht und die Taufhandlung durchgeführt wird, • wenn die Amtsträger Brot und Wein für das Heilige Abendmahl aussondern und Heiliges Abendmahl spenden, • wenn die Apostel die Hände auflegen und die Heilige Versiegelung durchführen, • wenn gepredigt wird, • wenn gebetet wird, • wenn Nächstenliebe geübt wird.
379. Ist die unsichtbare Seite der Kirche Jesu Christi vollkommen?
Ja; die unsichtbare Seite der Kirche Jesu Christi ist vollkommen. So entspricht sie der göttlichen Natur Jesu Christi. Die Größe, das Ausmaß und die Vollkommenheit der Kirche Jesu Christi sind für uns Menschen nicht vorstellbar und selbst dem Glaubenden nicht ganz erfassbar.
380. Ist die sichtbare Seite der Kirche Jesu Christi vollkommen?
Nein; die sichtbare Seite der Kirche Jesu Christi ist nicht vollkommen. Denn nicht immer zeigten die in ihr Handelnden die Liebe, Barmherzigkeit, Wahrhaftigkeit und Güte Jesu. In der Kirche handeln sündige Menschen, die Fehler machen. Von daher finden sich in der Kirche auch Irrtümer, Irrwege und Entgleisungen wieder, die der Menschheit zu eigen sind. An dieser Stelle unterscheidet sich die sichtbare Seite der Kirche grundlegend von der menschlichen Natur Jesu. Im Gegensatz zu der sichtbaren Seite der Kirche, die Mängel hat, war Jesus Christus auch in seiner menschlichen Natur vollkommen und sündlos.
388. Ab wann trat die Kirche Jesu Christi in Erscheinung?
Die Kirche Jesu Christi trat zuerst an Pfingsten in Erscheinung, als der Heilige Geist ausgegossen wurde. Apostel Petrus predigte, und etwa 3.000 Menschen kamen zum Glauben. Sie ließen sich taufen und bildeten gemeinsam mit den Aposteln die erste christliche Gemeinde. Dies geschah in Jerusalem.
389. Was zeichnete die ersten Christen aus?
Die ersten Christen blieben „beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet“ (Apostelgeschichte 2,42). Dies ist von entscheidender Bedeutung für die Kirche Jesu Christi.
390. Wo erfahren wir Wesentliches über die Entwicklung der ersten Gemeinden?
Einen Einblick in die Entwicklung der ersten Gemeinden erhalten wir aus dem Neuen Testament: aus der Apostelgeschichte und den Briefen der Apostel.
391. Welche Entwicklung nahm die Kirche Jesu Christi?
Ab Pfingsten, als der Heilige Geist ausgegossen worden war, entfaltete sich die Kirche Jesu Christi: In ihr wirkten Apostel und weitere Ämter. Das Evangelium wurde gepredigt, die Sakramente wurden gespendet. Überall im Römischen Reich entstanden Gemeinden, das Christentum breitete sich unter Juden und Heiden aus.
392. Wohin wurde das Evangelium durch die Apostel weitergetragen?
In Erfüllung des Sendungsauftrags, den ihnen Jesus Christus erteilt hatte – alle Völker zu lehren und zu taufen –, wirkten die Apostel in unterschiedlichen Gebieten. Vorwiegend die Apostel Petrus und Jakobus verkündigten das Evangelium unter den Juden, die Apostel Paulus und Barnabas reisten in heidnische Länder des Mittelmeerraums. Das Evangelium wurde bis in Länder Asiens und Afrikas ausgebreitet, Gemeinden entstanden in Ägypten, in der Türkei, in Griechenland, Italien, Libyen, Mazedonien, Syrien und Zypern.
393. Wie verlief die Missionstätigkeit?
Die Apostel nahmen im Dienst Christi Mühen, Strapazen und Leiden auf sich. In 2. Korinther 11,25-28 hat Apostel Paulus seine Erlebnisse beschrieben: „Ich bin dreimal mit Stöcken geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer. Ich bin oft gereist, ich bin in Gefahr gewesen durch Flüsse, in Gefahr unter Räubern, in Gefahr unter Juden, in Gefahr unter Heiden, in Gefahr in Städten, in Gefahr in Wüsten, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter falschen Brüdern; in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße; und außer all dem noch das, was täglich auf mich einstürmt, und die Sorge für alle Gemeinden.“ Aufgrund von Verfolgungen flohen viele Gläubige aus Jerusalem (vgl. Apostelgeschichte 8,1; 11,19). Auch in ihrer neuen Umgebung machten sie Menschen mit dem christlichen Glauben bekannt und verkündigten sie das Wort des Herrn, wie beispielsweise Philippus in der Hauptstadt Samariens.
394. Was ist über das Ende der ersten Apostel überliefert?
In der Heiligen Schrift gibt es nur wenige Anhaltspunkte. Aus außerbiblischen Texten geht hervor, dass viele Apostel den Märtyrertod starben. Am längsten unter allen Aposteln lebte und wirkte wohl Johannes. Nach der Zerstörung Jerusalems (im Jahr 70 n. Chr.) hielt er sich in Kleinasien auf und wirkte hauptsächlich in der Gemeinde zu Ephesus.
395. Was geschah nach dem Tod der ersten Apostel?
Nach dem Tod der ersten Apostel war das Amt, dem Jesus die Spendung der Sakramente, die Vergebung der Sünden und die Verkündigung des Evangeliums übertragen hatte, nicht mehr besetzt. Damit konnte die Gabe des Heiligen Geistes nicht mehr gespendet werden. Auch konnten keine weiteren Amtsgaben aus dem Apostelamt hervorgehen. Das Evangelium wurde dennoch weiter ausgebreitet. Gläubige Menschen trugen das Evangelium und die christliche Werteordnung weiter.
396. Wie erging es den Mitgliedern der ersten christlichen Gemeinden?
Die Mitglieder der ersten christlichen Gemeinden wurden in heidnischen Ländern als Gottesleugner verfolgt, weil sie nicht die Götter verehrten, an die dort geglaubt wurde. Man gab den Christen auch die Schuld für Missernten, Erdbeben oder Überschwemmungen – was immer wieder Anlass war, sie zu verfolgen. Die römischen Kaiser versuchten das Christentum auszurotten; zur ersten Christenverfolgung kam es im Jahr 64 nach Christus in Rom durch Kaiser Nero.
397. Wuchs die Kirche Jesu Christi weiter?
Ja, auch nach dem Tod der ersten Apostel und trotz der Christenverfolgungen wuchs die Kirche. Menschen, die an Jesus Christus glaubten und ihn als ihren Herrn bekannten, empfingen das Sakrament der Heiligen Wassertaufe. So wurden sie in den Leib Christi eingefügt. Auf diese Weise hat sich die Kirche Jesu Christi auf der ganzen Erde ausgebreitet.
398. Wie entwickelte sich die christliche Lehre?
In den Predigten trat nach und nach die Erwartung der baldigen Wiederkunft Christi in den Hintergrund. Der Glaube an Leben und Wirken des Sohnes Gottes, an seinen Tod und seine Auferstehung wurde jedoch lebendig erhalten. Vom Heiligen Geist angeregt, wurden die altkirchlichen Bekenntnisse festgeschrieben. Auf Kirchenversammlungen (Konzilien) wurde die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes und von den zwei Naturen Jesu Christi formuliert und als verbindlich für den christlichen Glauben erklärt.
399. Wann erhielt die Kirche Christi wieder Apostel?
Nachdem die Apostel der ersten apostolischen Zeit gestorben waren, gab es keinen Träger des Apostelamts mehr. Das Apostelamt selbst existierte jedoch unverändert fort. Im Jahr 1832 hat Gott dieses Amt wieder neu besetzt.
400. Wie erfolgte die Wiederbesetzung des Apostelamts?
Gläubige verschiedener Konfessionen in England, Schottland und Deutschland beteten und hofften darauf, dass der Heilige Geist wieder verstärkt, wie zur Zeit der ersten Apostel, wirken werde. Damit hing die Erwartung zusammen, dass Gott wieder Apostel senden werde. Schließlich wurde im Jahr 1832 in London ein gläubiger Mann, John Bate Cardale, vom Heiligen Geist ins Apostelamt berufen und durch Henry Drummond als Apostel bezeichnet. An Weihnachten 1832 nahm John Bate Cardale mit einer Ordination seine erste Amtshandlung als Apostel vor.
401. Was bedeutete dies für die Kirche Christi?
Mit der erneuten Berufung von Aposteln gab es wieder Träger des Apostelamts in der Kirche Christi. Das Amt, das die Vollmacht zur Spendung aller Sakramente hat, das die Gewissheit der nahen Wiederkunft Christi wachhält und das der Vorbereitung der Brautgemeinde auf dieses Ereignis dient, war nun wieder, wie in der Gründungsphase der Kirche Christi, besetzt: Die Gabe des Heiligen Geistes wurde wieder gespendet. Auch wurde wieder die Sündenvergebung durch Apostel verkündigt. Ebenso wurden wieder Ordinationen durchgeführt.
402. Welche Aufgaben haben die Apostel in der Kirche Jesu Christi?
Jesus Christus regiert seine Kirche. Dazu bedient er sich der Apostel. Das Apostelamt ist das ursprüngliche Amt der Kirche. Es ist das einzige Amt, das Jesus selbst gegeben hat. Die wichtigsten Aufgaben der Apostel sind die Predigt des Evangeliums in aller Welt, die Verkündigung der Sündenvergebung, die Spendung der Sakramente für Lebende und Tote, die Ordination von Amtsträgern. So wird durch das Wirken der Apostel die Brautgemeinde gesammelt und auf die Wiederkunft Christi vorbereitet.
403. Wo wirken gegenwärtig Apostel?
Die Apostel wirken gegenwärtig in der Neuapostolischen Kirche. Das Apostelamt ist jedoch nicht nur für die Neuapostolische Kirche, sondern für die gesamte Kirche Jesu Christi gegeben. Das Apostelamt hat den Auftrag, in alle Teile der Kirche hineinzuwirken. Die Apostel sind zu allen Völkern gesandt, sie erfüllen diesen Auftrag, indem sie in allen Ländern der Erde Gemeinden gründen und die Gläubigen zu Jesus Christus hinführen.
404. Wer spendet die Sakramente in der Kirche Jesu Christi?
Die Spendung aller Sakramente – Heilige Wassertaufe, Heiliges Abendmahl, Heilige Versiegelung – ist dem Apostelamt anvertraut. Die Apostel spenden die Sakramente auch für Verstorbene. Die Heilige Versiegelung wird nur von Aposteln gespendet. Das Heilige Abendmahl und die Heilige Wassertaufe werden in der Neuapostolischen Kirche im Auftrag der Apostel auch von den priesterlichen Amtsträgern gespendet. Die Heilige Wassertaufe ist der ganzen Kirche Christi anvertraut: Überall, wo im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, mit Wasser getauft wird, werden gläubige Menschen in die Kirche Jesu Christi eingefügt.
405. Was geschieht mit der Kirche bei der Wiederkunft Christi?
Bei der Wiederkunft Christi wird ein Teil der Kirche, die Brautgemeinde (Erstlinge), entrückt. Sie wird mit Jesus Christus die „Hochzeit“ im Himmel erleben (vgl. Offenbarung 19,6.7). Der andere Teil der Kirche bleibt auf der Erde zurück und muss sich in Bedrängnissen bewähren, die sich gegen die auf Erden verbliebenen Christen richten werden (vgl. Offenbarung 12).
406. Gehören alle Getauften zur Kirche Jesu Christi?
Zur Kirche Jesu Christi gehören die Menschen, die an Jesus Christus glauben und den Gottessohn als ihren Herrn bekennen. Sie sind getauft im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Aber längst nicht alle Getauften glauben und bekennen. Demzufolge gehören nicht alle Getauften zur Kirche Christi.
407. Warum gibt es unterschiedliche Kirchengemeinschaften?
Die Vielheit der Kirchengemeinschaften (Denominationen) ist bedingt durch die verschiedenen Auslegungen des Evangeliums sowie durch kulturelle, soziale und geschichtliche Unterschiede.
408. Wo ist die Kirche Jesu Christi zu erfahren?
Die Kirche Christi ist dort erfahrbar, wo Einheit, Heiligkeit, Allgemeinheit und Apostolizität – in unterschiedlichem Umfang – vorhanden sind. Am deutlichsten tritt die Kirche Jesu Christi dort zutage, wo das Apostelamt, die Spendung der drei Sakramente an Lebende und Tote sowie die rechte Wortverkündigung vorhanden sind. Dort ist das Erlösungswerk des Herrn, in dem die Braut Christi für die Hochzeit im Himmel vorbereitet wird.
409. Was lässt sich über die Zukunft der Kirche Jesu Christi sagen?
Bei der Wiederkunft Christi wird ein Teil der Kirche – die Brautgemeinde – entrückt. Ein anderer Teil der Kirche bleibt auf der Erde zurück und muss sich in antichristlichen Bedrängnissen bewähren. Im Friedensreich zeigt sich die Kirche darin, dass durch die königliche Priesterschaft alle Menschen, die je gelebt haben, mit dem Evangelium bekannt gemacht werden. In der neuen Schöpfung wird Gott auf ewig Anbetung und Lobpreis dargebracht.
410. Was verbindet die einzelnen Kirchengemeinschaften miteinander?
Verbindende Elemente der einzelnen Kirchengemeinschaften sind die Taufe im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, das Bekenntnis zu Jesus Christus und der Glaube an den dreieinigen Gott. Durch die Getauften, die ihres Glaubens leben und Christus als ihren Herrn bekennen, wird Kirche als Gemeinschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe erfahrbar.
411. Was ist unter „Amt“ zu verstehen?
Im Allgemeinen ist unter „Amt“ eine Funktion oder eine offizielle Stellung zu verstehen, mit der konkrete Aufgaben und Verantwortung verbunden sind. In einem weiteren Sinn haben Amtsinhaber die Autorität inne, eine Gemeinschaft zu leiten und entsprechende Entscheidungen zu treffen.
412. Was ist ein geistliches Amt?
Ein geistliches Amt ist die durch Ordination (Amtseinsetzung) empfangene Bevollmächtigung, Segnung und Heiligung, um in der Kirche Christi zu dienen. Das geistliche Amt wird in der Kraft des Heiligen Geistes ausgeübt.
413. Was ist der Ursprung des geistlichen Amts?
Das geistliche Amt hat seinen Ursprung darin, dass Gott, der Vater, Jesus Christus gesandt hat. Jesus Christus ist also der Gesandte Gottes. Als solcher ist er bevollmächtigt, gesegnet und geheiligt zur Erlösung der Menschen. Die Apostel sind Gesandte Jesu Christi. Das geistliche Amt steht immer in Zusammenhang mit Jesus Christus und den von ihm gesandten Aposteln. Amt und Apostolat hängen also zusammen: Dort, wo das Apostelamt wirkt, gibt es das geistliche Amt.
414. Gibt es bereits im Alten Testament Hinweise zum geistlichen Amt?
Bereits im Alten Testament lassen sich anhand des Wirkens von Königen, Priestern und Propheten Hinweise auf das geistliche Amt festmachen: Der König regiert, der Priester vermittelt den Segen Gottes und der Prophet verkündet den göttlichen Willen. Diese Ämter sind Hinweise auf das geistliche Amt. In Jesus Christus findet sich alles wieder, was im alttestamentlichen Amt angelegt war – er ist zugleich König, Priester und Prophet.
415. Was verstehen wir unter „Bevollmächtigung“ zum geistlichen Amt?
Ein geistliches Amt wird vom Apostel im Auftrag Jesu Christi übertragen. Damit erhält derjenige, der das Amt empfängt, Anteil an der Vollmacht des Apostels. Von dieser Vollmacht soll er im Auftrag des Apostels Gebrauch machen. Der Amtsempfänger handelt damit im Namen des Apostels und vertritt diesen in dem für das Amt festgelegten Umfang. Schließlich sendet der Apostel den Amtsträger aus. Der Gesandte ist dem Sender gegenüber verantwortlich und verpflichtet.
416. Was verstehen wir unter „Segnung“ zum geistlichen Amt?
Durch die Ordination werden die vorhandenen Gaben des Amtsempfängers erweckt, gestärkt, vermehrt und dem Dienst des Herrn gewidmet. Zudem werden durch den Segen zusätzliche Kräfte übermittelt.
417. Was verstehen wir unter „Heiligung“ zum geistlichen Amt?
Bei der Ordination bekommt der Amtsträger Anteil an der Heiligkeit Gottes – das Amt ist heilig, der Träger des Amtes bleibt sündhafter Mensch. Der Amtsträger kann auch heilige Handlungen in der Kraft des Heiligen Geistes vollziehen und Gott und der Gemeinde dienen.
418. Was verstehen wir unter „Dienste“ in der Kirche Jesu Christi?
Jeder Getaufte ist gerufen, dem Herrn zu dienen durch tätige Liebe am Nächsten und durch Bekenntnis des Glaubens (vgl. Johannes 12,26). Werden in der Kirche Jesu Christi einzelnen Gläubigen bestimmte Aufträge und Tätigkeitsbereiche zugeordnet, die zum Wohl der Gläubigen und zur Verkündigung des Evangeliums beitragen, verstehen wir dies als „Dienste“. Solche Dienste werden überall dort ausgeübt, wo Getaufte ihren Glauben an Jesus Christus als ihren Herrn in Wort und Tat bekennen.
419. Was unterscheidet Dienste in der Kirche Jesu Christi vom geistlichen Amt?
Dienste unterscheiden sich vom geistlichen Amt dadurch, dass sie ohne Ordination ausgeübt werden können.
420. Werden in der Neuapostolischen Kirche Dienste ohne Ordination ausgeübt?
Ja, in der Neuapostolischen Kirche werden Dienste ohne Ordination ausgeübt. Hierzu zählen die kirchlichen Beauftragungen [= gemäß den 2017 publizierten BAV-Beschlüssen sind dies „Ernennungen“] zur religiösen Unterweisung von Kindern und Jugendlichen, zur musikalischen Mitgestaltung der Gottesdienste und für Besuche bei Kranken.
421. Welches Amt hat Jesus Christus gestiftet?
Jesus Christus hat seiner Kirche unmittelbar nur ein Amt gegeben, nämlich das Apostelamt. Er hat die Apostel bevollmächtigt, gesegnet, geheiligt und mit Heiligem Geist ausgerüstet: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten“ (Johannes 20,21-23). Den Aposteln hat er die Verwaltung der Sakramente anvertraut. Auf diese Weise wird sein Opfer den Menschen zugänglich (vgl. Matthäus 28,19.20).
422. Wann begann die Wirksamkeit des Apostelamts in der Kirche?
Die Wirksamkeit des Apostelamts in der Kirche begann an Pfingsten. Das Amt selbst aber ist bereits vorher durch Jesus Christus seinen Aposteln gegeben worden.
423. Was bedeutet „Apostel“?
„Apostel“ bedeutet „Gesandter“ und geht auf das griechische Wort „apóstolos“ zurück. Die Apostel sind die Gesandten Jesu. Jesus Christus stellte seine Sendung mit ihrer Sendung in unmittelbaren Zusammenhang: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Johannes 20,21).
424. Welchen Auftrag hat Jesus Christus den Aposteln gegeben?
Die Apostel sind von Jesus Christus gesandt, um den Menschen das von ihm gebrachte Opfer und das daraus kommende Heil zu vermitteln. Nach seiner Auferstehung gab Jesus den Aposteln Vollmacht, die Sündenvergebung zu verkündigen. Sie sollen in seinem Auftrag die Sakramente spenden, das Evangelium predigen und die Gläubigen auf seine Wiederkunft vorbereiten.
425. In welcher Vollmacht handeln die Träger des Apostelamts?
Die Apostel sind Gesandte Jesu Christi. Sie handeln in dessen Namen. Er hat die Apostel bevollmächtigt, die Aufgaben zu erfüllen, die aus seinen Ämtern – König, Priester und Prophet – hervorgehen: Sie sollen die Regentschaft Christi ausüben, den göttlichen Segen spenden, das Evangelium Christi verkündigen. Die Autorität, die das Apostelamt hat, kommt ausschließlich aus Jesus Christus. Das Apostelamt steht in einem völligen Abhängigkeitsverhältnis zu ihm.
426. Welche Bezeichnungen gibt es im Neuen Testament für das Apostelamt?
Das Apostelamt wird bezeichnet als „Amt des Neuen Bundes“, „Amt des Geistes“, „Amt zur Gerechtigkeit“, „Amt der Versöhnung“, „Amt des Wortes“.
427. Was bedeutet: „Amt des Neuen Bundes“?
Mit dieser Bezeichnung, die auf 2. Korinther 3,6 zurückgeht, wird eine Abgrenzung zum Alten Bund vorgenommen, in dem das mosaische Gesetz galt, das auf das Volk Israel beschränkt war. Im Neuen Bund ist die Botschaft von der Gnade Gottes, das Evangelium, entscheidend, das die Träger des Apostelamts verkündigen. Das Amt des Neuen Bundes wirkt zudem unter allen Völkern.
428. Was bedeutet: „Amt des Geistes“?
Das „Amt des Geistes“ ist „das Amt, das den Geist gibt“ (2. Korinther 3,8). Durch die Spendung der Gabe des Heiligen Geistes wird dem mit Wasser Getauften die Gotteskindschaft und die Voraussetzung zur Erstlingsschaft geschenkt.
429. Was bedeutet: „Amt zur Gerechtigkeit“?
Das Apostelamt weist darauf hin, dass der Mensch Sünder ist und die Gnade Gottes benötigt. Glaube an Jesus Christus und das Annehmen seines Opfers führen in die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Also ist das Apostelamt das „Amt, das zur Gerechtigkeit führt“ (2. Korinther 3,9).
430. Was bedeutet: „Amt der Versöhnung“?
Das Apostelamt, „das die Versöhnung predigt“ (2. Korinther 5,18.19), mahnt zur Buße und ermöglicht dem Gläubigen, in der Sündenvergebung und in der Feier des Heiligen Abendmahls an dem Opfer Christi teilzuhaben. „Versöhnung“ zielt letztlich auf die Wiederherstellung des ungestörten Verhältnisses zwischen Mensch und Gott sowie der Menschen untereinander.
431. Was bedeutet: „Amt des Wortes“?
In Johannes 1,1-14 wird der Gottessohn als „Wort“ (Logos) bezeichnet. Durch dieses „Wort“ ist alles geschaffen. An dem „Wort“ hat das Apostelamt Anteil, denn der Herr (Logos) hat ihm auch den Auftrag gegeben zu lehren. In diesem Sinn ist auch Apostelgeschichte 6,4 zu verstehen: „Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.“
432. Wie werden Apostel auch bezeichnet?
Die Apostel werden auch bezeichnet als • „Botschafter an Christi statt“: Die Aussage „So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt […]“ (2. Korinther 5,20) drückt aus, dass Jesus Christus durch die Apostel in seiner Kirche wirkt. • „Haushalter“ über Gottes Geheimnisse: Ein „Haushalter“ (1. Korinther 4,1) ist verantwortlich für das „Haus“, nämlich die Gemeinde. In ihr achten die Apostel darauf, dass die Wortverkündigung dem Evangelium entsprechend geschieht und die Sakramente im Sinne Jesu Christi gespendet werden. Die Apostel ordinieren Amtsträger und sorgen für die Ordnung in der Gemeinde.
433. Was ist ein weiteres wichtiges Merkmal des Apostelamts?
Ein weiteres wichtiges Merkmal des Apostelamts ist es, die Gläubigen auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten (vgl. 2. Korinther 11,2).
434. Wer sandte die Apostel aus?
Jesus Christus selbst sandte die Apostel aus. Er erwählte aus dem Kreis seiner Jünger zwölf Männer, die er als Apostel einsetzte (vgl. Markus 3,13-19). Ihnen galten die Worte Jesu: • „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat“ (Matthäus 10,40). • „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,19.20).
435. Wie hießen die ersten zwölf Apostel?
Die ersten Apostel hießen: Simon mit Beinamen „Petrus“, Andreas, Jakobus, Johannes, Philippus, Bartholomäus, Thomas, Matthäus, Jakobus, Thaddäus, Simon von Kana, Judas Iskariot (vgl. Matthäus 10,2-4). Diese Apostel werden „die Zwölf“ genannt, auch noch nach dem Verrat des Judas Iskariot.
436. Gab es außer ihnen noch weitere Apostel in den Anfängen der Kirche?
Ja, außer den Zwölf erwähnt das Neue Testament noch: Matthias (vgl. Apostelgeschichte 1,15-26), Barnabas (vgl. Apostelgeschichte 13,1-4; 14,4.14), Paulus (vgl. 1. Korinther 9,1-16; 2. Korinther 11) und Jakobus, den Bruder des Herrn (vgl. Galater 1,19; 2,9). Auch Silvanus und Timotheus werden als Apostel bezeichnet (vgl. 1. Thessalonicher 1,1; 2,7), ferner Andronikus und Junias (vgl. Römer 16,7). Auffällig ist dabei, dass lediglich bei Matthias als Voraussetzung der Berufung zum Apostel gefordert wurde, dass er Augenzeuge des Wirkens Jesu war (Apostelgeschichte 1,21.22).
437. Wurde einem der Apostel eine herausgehobene Stellung verliehen?
Ja, in Anwesenheit der übrigen Apostel übertrug Jesus Christus dem Simon Petrus eine besondere Vollmacht: Simon wurde als „Fels“ (Petrus) bezeichnet und ihm wurde die „Schlüsselvollmacht“ erteilt. Auch vertraute ihm der Herr seine „Lämmer und Schafe“, also die Gemeinde, zur Pflege an (vgl. Johannes 21,15-17). An ihn richtete der Herr auch die Worte: „Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder“ (Lukas 22,31.32).
438. Wie zeigte sich die Vorrangstellung des Apostels Petrus nach der Himmelfahrt des Herrn?
Die Vorrangstellung des Apostels Petrus zeigte sich nach der Himmelfahrt des Herrn darin, dass • auf seine Veranlassung Judas Iskariot im Kreis der Apostel ersetzt wurde (vgl. Apostelgeschichte 1,15-26); • er die Pfingstpredigt hielt (vgl. Apostelgeschichte 2,14); • ihm der Herr offenbarte, dass auch den Heiden das Heil in Christus zugedacht ist (vgl. Apostelgeschichte 10).
439. Welche neutestamentliche Schrift beschreibt das Wirken der Apostel am ausführlichsten?
Am ausführlichsten berichtet Lukas in der Apostelgeschichte von dem Wirken der Apostel. So ist in Apostelgeschichte 11,1-18 und 15,1-29 von Versammlungen unter Leitung von Aposteln zu lesen, in denen u.a. festgelegt wurde, dass auch gläubige Heiden zur Gemeinde Christi gehören können. Die Apostel trafen also gemeinsam Entscheidungen, die weitreichende Wirkung für die christliche Gemeinde hatten.
440. Wer spendete gemäß dem Neuen Testament die Gabe des Heiligen Geistes?
Aus Apostelgeschichte 8,15-18 geht hervor, dass die Spendung der Gabe des Heiligen Geistes an das Apostelamt gebunden ist: Philippus predigte in Samarien und taufte die Gläubigen mit Wasser. Die Apostel hörten davon und sandten daraufhin Petrus und Johannes dorthin. Diese „beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. Denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. Da legten sie die Hände auf sie und sie empfingen den Heiligen Geist“. Dies wird unterstrichen durch Apostelgeschichte 19,6: „Und als Paulus die Hände auf sie legte, kam der Heilige Geist auf sie.“
441. Welches waren weitere wichtige Aufgaben der Apostel?
Eine wichtige Aufgabe der Apostel war es, zu verkündigen, dass Jesus Christus unter ihnen gewirkt hat, gestorben und von den Toten auferstanden ist (vgl. Apostelgeschichte 13,26-41; 17,1-4). Sie bekämpften Irrlehren, in denen dies bestritten wurde (vgl. 1. Korinther 15,3-8; 1. Johannes 4,1-6).
442. Welche Erwartung stand schon damals im Mittelpunkt der apostolischen Verkündigung?
Die Apostel erwarteten die Wiederkunft Christi zu ihrer Lebenszeit und bereiteten die Gläubigen darauf vor (vgl. 1. Thessalonicher 4,14-18). Daran zeigt sich, dass es im Wesen des Apostelamts liegt, die Wiederkunft Christi zu verkündigen und die Gemeinden darauf vorzubereiten.
443. Welches Amt ist als erstes aus dem Apostelamt hervorgegangen?
Ab Pfingsten begannen die Apostel, ihren Auftrag zu erfüllen und das Evangelium zu predigen. Schon bald stellte sich heraus, dass sie Helfer benötigten: Sieben Männer wurden dazu ausersehen. Sie wurden für ihren Dienst gesegnet, indem die Apostel beteten und ihnen die Hände auflegten. Diese sieben Männer werden als die ersten Diakone bezeichnet.
444. Was folgt aus dieser Handlungsweise der Apostel?
Aus dieser Handlungsweise folgt, dass Handauflegung und Gebet durch Apostel für Ordinationen erforderlich sind.
445. Sind aus dem Apostelamt weitere Ämter hervorgegangen?
Ja. Die Apostel und weitere Gläubige gründeten neue Gemeinden, für deren seelsorgerische Betreuung Amtsträger erforderlich waren. Die Apostel setzten dafür Gemeindevorsteher ein, die man als „Bischöfe“ oder „Älteste“ bezeichnete. Darüber hinaus wirkten in den christlichen Gemeinden in der Anfangszeit Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer (vgl. Epheser 4,11).
446. Wie wurden die Gemeinden nach dem Tod der ersten Apostel seelsorgerisch betreut?
Nach dem Tod der ersten Apostel bildeten sich Dienste mit unterschiedlichen Aufgaben und Bezeichnungen heraus. Durch sie wurden die Mitglieder der Gemeinden seelsorgerisch betreut.
447. Gab es nach dem Tod der ersten Apostel das Apostelamt nicht mehr?
Doch, obwohl die Apostel starben, blieb das Apostelamt bestehen. Es ist von Jesus Christus für seine Kirche gestiftet. Selbst in der Zeit, als es keine Träger dieses Amts auf Erden gab, war das von ihm gestiftete Amt also vorhanden. Die Apostel sollen Christi Zeugen sein bis an das Ende der Welt (vgl. Matthäus 28,19.20). Um diesen umfassenden Auftrag im Blick auf seine Wiederkunft zu erfüllen, sendet Jesus Christus auch heute Apostel.
448. Bis wann dauerte die Unterbrechung des Wirkens von Aposteln?
Nach außerbiblischen Angaben starb Johannes als letzter der urchristlichen Apostel gegen Ende des ersten Jahrhunderts. Bis zur Wiederbesetzung des Apostelamts im 19. Jahrhundert war somit das Wirken von Aposteln unterbrochen.
449. Weshalb wurde das Wirken von Aposteln unterbrochen?
Die Unterbrechung des Wirkens von Aposteln liegt im Willen Gottes; für den Menschen bleibt dies ein Geheimnis. Jedoch hat auch in der Zeit ohne Apostel der Heilige Geist gewirkt und für Bewahrung und Entfaltung des Evangeliums gesorgt.
450. Wann wurde das Apostelamt wieder besetzt?
Das Apostelamt wurde nach Gottes Willen wieder personal besetzt, als die Zeit für die abschließende Sammlung und Vorbereitung der Brautgemeinde auf die Wiederkunft Christi gekommen war: Ab dem Jahr 1832 gab es wieder Träger des Apostelamts. Apostel wirken also am Anfang der Kirche Christi und in der Zeit vor Christi Wiederkunft zur Bereitung der Brautgemeinde.
451. Besteht ein Unterschied in der geistlichen Vollmacht zwischen dem Apostelamt am Anfang und am Ende des Erlösungswerks Gottes?
Nein, es besteht aufgrund derselben geistlichen Vollmacht kein Unterschied in Auftrag und Wirkung; denn das Apostelamt ist von Jesus Christus einmal für seine Kirche gestiftet worden.
452. Welche Amtsebenen und Ämter gibt es in der Neuapostolischen Kirche?
In der Neuapostolischen Kirche gibt es drei Amtsebenen mit unterschiedlichen geistlichen Vollmachten: Apostel, priesterliche Ämter und Diakone. • Zur Amtsebene Apostel gehören: Stammapostel, Bezirksapostel und Apostel. • Zur Amtsebene priesterliche Ämter gehören: Bischof, Bezirksältester, Bezirksevangelist, Hirte, Gemeindeevangelist und Priester. • Zur Amtsebene Diakone gehören: Diakon und Unterdiakon.
453. Welche Aufgaben hat das Apostolat?
Jesus Christus hat den Aposteln den Auftrag erteilt, zu „lösen und zu binden“ (Matthäus 18,18), also etwas für erlaubt oder verboten zu erklären. Dadurch wird die Lehre festgelegt und die Ordnung in den Gemeinden gestaltet. Nach dem Vorbild Jesu sind die Apostel Diener (vgl. Johannes 13,15). Sie sind nicht Herren über den Glauben der Gemeinde, sondern Gehilfen der Freude (2. Korinther 1,24) und sollen Vorbild für die Gemeinde sein in der Nachfolge Christi (vgl. 1. Korinther 11,1).
454. Woraus ergibt sich die Autorität des Apostelamts?
Die Autorität des Apostelamts ergibt sich aus der Berufung der Apostel durch Jesus Christus und aus den Vollmachten, die der Herr in dieses Amt gelegt hat. Die Bedeutung des Amts wird im hohepriesterlichen Gebet Jesu ersichtlich: „Wie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in der Wahrheit“ (Johannes 17,18.19).
455. Worauf ist die Tätigkeit der Apostel gerichtet?
Die Tätigkeit der Apostel ist darauf gerichtet, das Erlösungswerk des Herrn zu erbauen und zur Vollendung zu führen. Dazu gehört, dass die Sakramente so gespendet werden, wie es im Willen Jesu Christi liegt. Die Apostel achten darauf, dass das Evangelium unverfälscht gepredigt wird und dass die Gemeinde eine Ordnung hat, die Gott wohlgefällt. Darüber hinaus sollen die Apostel die Brautgemeinde durch die Predigt des Evangeliums, die Verkündigung der Sündenvergebung, die Taufe mit Wasser und Heiligem Geist sowie durch das Heilige Abendmahl auf die Wiederkunft des Herrn vorbereiten.
456. Ist das Apostelamt für die gesamte Kirche Christi gegeben?
Ja, das Apostelamt ist für die gesamte Kirche Christi gegeben. Es hat die Aufgabe, das Heil in Jesus Christus allen Menschen anzubieten. Apostel Paulus beschreibt seinen Auftrag als Apostel so: „Denn so hat uns der Herr geboten: ‚Ich habe dich zum Licht der Heiden gemacht, damit du das Heil seist bis an die Enden der Erde‘“ (Apostelgeschichte 13,47). Das Heil wird allein durch den Sohn Gottes möglich. Die Vermittlung von Heil erfolgt bis zur Wiederkunft Christi durch die Apostel in Wort und Sakrament.
457. Worauf gründet das Stammapostelamt?
Grundlage des Stammapostelamts ist der Auftrag, den Jesus bei der Einsetzung des Petrusdienstes gegeben hat. Jesus sagte zu Simon Petrus: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein“ (Matthäus 16,18.19).
458. Warum wird das Stammapostelamt auch „Felsenamt“ genannt?
Jesus bezeichnete den Apostel Simon als den „Felsen“, auf den er seine Kirche bauen werde. Damit ist vom Sohn Gottes ein unauflöslicher Zusammenhang zwischen dem Amt des Petrus – dem „Felsenamt“ – und der Kirche Christi geschaffen worden. Heute übt der Stammapostel das „Felsenamt“ aus.
459. Welche Aufgaben hat der Stammapostel?
Der Stammapostel erhält das Einssein unter den Aposteln. Er stärkt die Apostel (vgl. Lukas 22,32) und „weidet“ die Herde Christi (vgl. Johannes 21,15-17): Er wacht darüber, dass das Evangelium unverfälscht verkündigt wird. Er erschließt aus dem Heiligen Geist Erkenntnisse und Zusammenhänge in der Lehre der Kirche und ist verantwortlich für ihre einheitliche Ausbreitung. Weiterhin legt er die Kirchenordnung fest. All diese Aufgaben machen die „Schlüsselvollmacht“ des Stammapostelamts aus. Der Stammapostel ordiniert die Apostel. Gemeinsam mit ihnen leitet er die Kirche.
460. Welche Aufgaben hat der Bezirksapostel?
Der Bezirksapostel hat – über die Aufgaben hinaus, die jeder Apostel hat – die Verantwortung, innerhalb eines bestimmten Arbeitsbereichs („Bezirksapostelbereich“) die seelsorgerische Pflege und die Versorgung der Gemeinden sicherzustellen. Zudem ist er für die geistliche Ausrüstung der Amtsträger verantwortlich.
461. Wer beruft in ein geistliches Amt?
Die Ausersehung zu einem geistlichen Amt liegt nicht im menschlichen Willen, sondern im göttlichen Willen begründet. Es ist Aufgabe des Apostels, den göttlichen Willen zu erkennen und entsprechend zu handeln.
462. Was verstehen wir unter „Ordination“?
Unter „Ordination“ verstehen wir die Einsetzung in ein geistliches Amt. Sie ist kein Sakrament, sondern eine Segenshandlung.
463. Wie wird die Ordination vollzogen?
Die Ordination wird vom Apostel im Namen des dreieinigen Gottes durch Handauflegung und Gebet vollzogen. Der Amtsträger kann seine Aufgaben nur in enger Verbindung mit dem Apostelamt erfüllen.
464. Was geschieht bei der Ordination?
Bei der Ordination wird der Segen Gottes vermittelt. Der ins Amt Berufene empfängt die Heiligung für sein Amt. Aus dem Apostelamt wird das jeweilige Amtsvermögen übertragen und die im Amt liegende Vollmacht erteilt, sei es zum diakonischen oder priesterlichen Dienst oder zu dem Dienst eines Apostels. Der Amtsträger erhält den Auftrag, das Amt im festlegten Rahmen auszuüben.
465. Welche Pflichten werden bei der Ordination übernommen?
Der zu Ordinierende gelobt vor dem Apostel Gott gegenüber Treue, Nachfolge Christi und Gehorsam des Glaubens.
466. Wie soll ein geistliches Amt ausgeübt werden?
Wer ein geistliches Amt trägt, muss in seiner Lebensführung und seinen geistlichen Fähigkeiten bestimmten Anforderungen gerecht werden. Hierzu zählen Vertrautheit mit der Lehre, Glaubensfestigkeit, Sendungsbewusstsein, Tragkraft, Verschwiegenheit, Ehrlichkeit, Opferbereitschaft und Demut. Der Amtsträger soll sich in allem am Vorbild Jesu ausrichten. Damit sich die empfangenen Gaben zum Wohl für die Gemeinde entfalten können, muss der Amtsträger in die Tat umsetzen, was ihm bei der Ordination in der Segnung und Heiligung anvertraut wurde. Der in ein geistliches Amt Berufene ist sich bewusst, dass er ein Diener und Werkzeug in der Hand Gottes ist.
467. Wann endet der Amtsauftrag?
Der Auftrag, ein Amt auszuüben, endet im Regelfall mit der Ruhesetzung; das Amt selbst bleibt dem Amtsträger erhalten. Bei einer Amtsrückgabe oder Amtsenthebung verliert er das Amt.
468. Was ist Aufgabe aller Amtsträger?
Jeder Amtsträger hat die Aufgabe, das Evangelium Christi zu verkündigen und dafür einzutreten. Er betreut die ihm zur Seelsorge anvertrauten Gemeindemitglieder und fördert ihren Glauben. Als Seelsorger nimmt er teil an ihren persönlichen Anliegen und begleitet sie in Belastungen des täglichen Lebens.
469. Was sind Aufgaben der priesterlichen Amtsträger?
Die priesterlichen Amtsträger haben Auftrag und Vollmacht erhalten, die Heilige Wassertaufe zu spenden, die Sündenvergebung zu verkündigen und das Heilige Abendmahl auszusondern und zu spenden. Zu ihren Aufgaben gehört weiterhin, Gottesdienste, Segenshandlungen und Trauerfeiern durchzuführen sowie die Gemeindemitglieder seelsorgerisch zu betreuen.
470. Was ist Aufgabe der Diakone?
Der Diakon hilft in vielfältiger Weise in der Gemeinde. Aufgabe der Diakone ist es auch, die Priester bei der seelsorgerischen Arbeit zu unterstützen. Die Diakone können bei der Wortverkündigung im Gottesdienst mitwirken.
471. Was ist eine Beauftragung?
Eine Beauftragung ist das Übertragen einer festgelegten Aufgabe. Die Beauftragung kann zeitlich und örtlich begrenzt sein. Unter Beauftragung in Verbindung mit einem geistlichen Amt wird die Beauftragung zum Gemeindevorsteher, Bezirksvorsteher, Bezirksapostelhelfer, Stammapostelhelfer verstanden. Eine solche Beauftragung ist nicht gleichzusetzen mit einer Ordination. Sie ist nicht an die Zeit der Amtstätigkeit gebunden, sondern kann vorher enden; spätestens endet sie mit der Ruhesetzung des Amtsträgers. Beauftragungen, die unabhängig von einem geistlichen Amt sind, werden zur Erfüllung der vielfältigen Aufgaben in Gemeinden und Bezirken sowohl an Schwestern als auch an Brüder erteilt.
472. Was sind Sakramente?
Sakramente sind grundlegende Gnadenmitteilungen Gottes. In diesen heiligen Handlungen – die durch Menschen am Menschen vollzogen werden – schenkt Gott dem Empfänger Heil.
473. Wozu dienen die Sakramente?
Die Sakramente dienen dazu, dass der Mensch Heil erlangt: Durch die Sakramente wird der Mensch in die Lebensgemeinschaft mit Gott aufgenommen und in ihr erhalten. Der Empfang der drei Sakramente Heilige Wassertaufe, Heilige Versiegelung und Heiliges Abendmahl eröffnet die Möglichkeit, bei der Wiederkunft Christi mit dem Herrn vereint zu werden.
474. Was gehört zu einem Sakrament?
Ein Sakrament hat vier Elemente: das Zeichen, den Inhalt, den Spender, den Glauben.
475. Was ist „Zeichen“ bei einem Sakrament?
Das „Zeichen“ ist das sichtbare Element bei einem Sakrament. Bei der Heiligen Wassertaufe ist es das Wasser. Beim Heiligen Abendmahl sind Brot und Wein das „Zeichen“. Bei der Heiligen Versiegelung ist „Zeichen“ die Handauflegung des Apostels.
476. Was ist „Inhalt“ bei einem Sakrament?
Der „Inhalt“ ist die Heil vermittelnde Wirkung. Bei der Heiligen Wassertaufe ist „Inhalt“, dass die Erbsünde abgewaschen wird und dass der Getaufte in die Nähe Gottes gelangt. Beim Heiligen Abendmahl ist es der Genuss von Leib und Blut Jesu. Bei der Heiligen Versiegelung ist es der Empfang der Gabe des Heiligen Geistes.
477. Wer ist „Spender“ bei einem Sakrament?
Der „Spender“ ist derjenige, der das Sakrament vermittelt. Die Apostel spenden alle drei Sakramente, die priesterlichen Amtsträger spenden im Auftrag ihres Apostels die Heilige Wassertaufe und das Heilige Abendmahl.
478. Welche Bedeutung hat der „Glaube“ bei einem Sakrament?
Der Mensch empfängt das Sakrament zu seinem Heil nur dann, wenn er an dessen Wirkung glaubt.
479. Welche Sakramente hat Jesus Christus eingesetzt?
Jesus Christus hat drei Sakramente eingesetzt: Heilige Wassertaufe, Heilige Versiegelung und Heiliges Abendmahl.
480. Wem hat Jesus die Verwaltung der Sakramente anvertraut?
Die Verwaltung der Sakramente hat Jesus Christus den Aposteln anvertraut.
481. Was geschieht durch die Heilige Wassertaufe?
Durch die Heilige Wassertaufe wird das Verhältnis des Menschen zu Gott grundlegend verändert. Indem die Erbsünde abgewaschen wird, wird der Täufling aus der Gottferne herausgeführt: Er gelangt in die Nähe Gottes. Er wird Christ. Durch seinen Glauben und sein Bekenntnis zu Christus gehört der Getaufte der Kirche Christi an.
482. Was bedeutet „Erbsünde“?
„Erbsünde“ (Ursünde) meint den durch den Sündenfall entstandenen Zustand, in dem der Mensch von Gott getrennt ist (Gottferne). Seit dem Sündenfall lastet die Sünde auf allen Menschen (vgl. 1. Mose 3,20; Psalm 51,7; Römer 5,12.18.19): Jeder Mensch ist also Sünder, noch bevor er handeln oder denken kann.
483. Was bedeutet das Wasser bei der Heiligen Wassertaufe?
Wasser ist Voraussetzung des Lebens und Mittel zur Reinigung. Wasser ist in der Taufe das äußere Zeichen für die innere Reinigung des Menschen.
484. Gibt es im Alten Testament Hinweise auf die Heilige Wassertaufe?
Ja, Noahs Rettung in der Arche, die vom Wasser getragen wurde, ist ein Hinweis auf die Wassertaufe. Auch kann im siebenmaligen Untertauchen des Naaman im Wasser des Jordan (vgl. 2. Könige 5,1-14) ein Sinnbild für das Abwaschen der Erbsünde in der Taufe gesehen werden.
485. Musste auch Jesus sich taufen lassen?
Es war nicht erforderlich, dass Jesus Christus sich taufen ließ, weil er sündlos war. Dennoch unterzog er sich der Taufe durch Johannes den Täufer. Dadurch stellte er sich den Sündern gleich. Er zeigte damit, auf welchem Weg Gerechtigkeit vor Gott erlangt werden kann (vgl. Matthäus 3,15). Die Taufe des Johannes war eine Taufe zur Buße. Sie ist ein Hinweis auf das Sakrament der Heiligen Wassertaufe, die im Namen des dreieinigen Gottes vollzogen wird.
486. Was sagte Jesus seinen Aposteln zur Taufe?
Nach seiner Auferstehung gab Jesus seinen Aposteln den Missionsbefehl: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Matthäus 28,19). Taufen gehört also zu den Aufgaben der Apostel. Dabei wird unter „Taufe“ im Neuen Testament oft die zweigliedrige Taufe mit Wasser und mit Heiligem Geist verstanden (vgl. Apostelgeschichte 8,14 ff.). Heilige Wassertaufe und Heilige Geistestaufe stehen im engen Zusammenhang miteinander.
487. Wer kann die Heilige Wassertaufe empfangen?
Jeder Mensch kann die Heilige Wassertaufe empfangen. Voraussetzung ist, dass er an Jesus Christus und sein Evangelium glaubt.
488. Wie wird die Heilige Wassertaufe gespendet?
Die Taufe wird mit Wasser vollzogen und in dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, gespendet. Das Wasser zur Taufe wird im Namen des dreieinigen Gottes geweiht. Danach zeichnet der Taufende mit dem Wasser dreimal ein Kreuz auf die Stirn des Täuflings und spricht dabei: „Ich taufe dich in dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Wird die Taufe so mit Wasser und im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, gespendet („rite“), ist sie gültig und kann ihre Wirkung entfalten.
489. Warum können Kinder getauft werden?
Die Aussage Jesu: „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes“ (Markus 10,14) verweist darauf, dass auch Kindern Segnungen Gottes zugänglich gemacht werden sollen. Dazu zählen die Sakramente. Im Neuen Testament wird bezeugt, dass Hausgemeinschaften getauft wurden „Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen … und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er zum Glauben an Gott gekommen war“ (Apostelgeschichte 16,33.34, vergleiche auch 16,15). Zu Hausgemeinschaften gehörten Kinder. Daraus hat sich die christliche Tradition entwickelt, auch Kinder zu taufen. Im Übrigen übernehmen bei der Taufe von Kindern die Erziehungsberechtigten das Bekenntnis des Glaubens an Jesus Christus und die Verantwortung für die Erziehung im Sinn des Evangeliums.
490. Welche Auswirkungen hat die Heilige Wassertaufe?
Die Heilige Wassertaufe bedeutet das Ende des Lebens in der Gottferne und den Beginn des Lebens in Christus. Sie vermittelt Kräfte, den Kampf gegen die Sünde zu führen. Die trinitarisch vollzogene Taufe verbindet die Christen miteinander. Der in der Neuapostolischen Kirche Getaufte ist berechtigt, auf Dauer das Heilige Abendmahl zu empfangen.
491. In welchem Zusammenhang stehen die Heilige Wassertaufe und die Heilige Versiegelung zueinander?
Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung sind zwei unterschiedliche Sakramente. Sie stehen in einem engen Zusammenhang: Durch die Hinnahme beider Sakramente geschieht die Wiedergeburt aus Wasser und Geist. Die Heilige Wassertaufe geht dabei der Heiligen Versiegelung voraus.
492. Wer darf die Heilige Wassertaufe durchführen?
Den Befehl zur Durchführung der Taufe hat der auferstandene Gottessohn seinen Aposteln erteilt (vgl. Matthäus 28,18-20). In der Neuapostolischen Kirche haben die Apostel auch den priesterlichen Ämtern die Vollmacht übertragen, mit Wasser zu taufen.
493. Ist die in einer anderen Kirchengemeinschaft vollzogene Taufe gültig?
Ja, die Spendung der Wassertaufe ist in allen Bereichen der einen Kirche Christi möglich und wirksam. Die Wassertaufe ist der erste Schritt auf dem Weg zur völligen Erlösung. Überall, wo in dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, mit Wasser getauft wird, hat die Taufe Gültigkeit. Somit ist die Wassertaufe der Kirche als ganzer anvertraut. Der Grund dafür liegt im allgemeinen Heilswillen Gottes.
494. Woraus leitet sich der Begriff „Heiliges Abendmahl“ ab?
Der Begriff „Abendmahl“ verweist auf die Situation, in der Jesus Christus dieses Sakrament stiftete: Am Abend vor seiner Kreuzigung feierte er in der Gemeinschaft mit seinen Aposteln das Passamahl.
495. Welche Bezeichnungen werden für das Heilige Abendmahl auch gebraucht?
Das Heilige Abendmahl wird auch „Eucharistie“ („Danksagung“), „Mahl des Herrn“ oder „Brotbrechen“ genannt.
496. Gibt es eine Beziehung zwischen Passamahl und Heiligem Abendmahl?
Ja, es gibt eine Beziehung: Nach dem Bericht der ersten drei Evangelien setzte Jesus das Abendmahl während der Feier des Passamahls mit seinen Aposteln ein. Wie das Passamahl, ist auch das Abendmahl ein Gedächtnismahl. Im Passamahl wird an die Befreiung der Israeliten aus der Knechtschaft und Gefangenschaft in Ägypten erinnert. Das Heilige Abendmahl deutet auf Befreiung in einem viel umfassenderen Sinn hin – auf die Erlösung der Menschen aus der Knechtschaft der Sünde.
497. Gibt es noch weitere Zeugnisse für das Heilige Abendmahl im Neuen Testament?
Ja, in 1. Korinther 11,23-26 findet sich ein weiteres Zeugnis für das Heilige Abendmahl: „Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ Diese Worte sind Grundlage für den Text, der bei der Aussonderung des Heiligen Abendmahls gesprochen wird.
498. Was bedeuten die Elemente Brot und Wein?
Die Elemente Brot und Wein sind beide für die Feier des Heiligen Abendmahls erforderlich. Brot steht ebenso wie Wein für Nahrung des Menschen. Wein ist in Israel auch Symbol für Freude und für das zukünftige Heil.
499. Was ruft das Heilige Abendmahl dem Gläubigen ins Gedächtnis?
Das Heilige Abendmahl ist Gedächtnismahl: Bei ihm wird des Todes Jesu Christi als eines einzigartigen und für alle Zeiten gültigen Geschehens gedacht. Jesus Christus beauftragte die Apostel mit der Feier des Heiligen Abendmahls mit den Worten: „Das tut zu meinem Gedächtnis …“ (Lukas 22,19).
500. Wozu bekennen sich diejenigen, die am Heiligen Abendmahl teilnehmen?
Wer am Heiligen Abendmahl teilnimmt, bekennt damit seinen Glauben an Tod, Auferstehung und Wiederkunft Jesu Christi. Wer auf Dauer am Heiligen Abendmahl in der Neuapostolischen Kirche teilnimmt, bekennt sich damit auch zum Glauben an die heute tätigen Apostel Jesu. Insofern ist das Heilige Abendmahl auch Bekenntnismahl.
501. Auf welche Weise ist das Heilige Abendmahl Gemeinschaftsmahl?
Im Heiligen Abendmahl hat Jesus Christus zunächst mit den Aposteln und dann mit den Gläubigen Gemeinschaft. In der Abendmahlsfeier haben die Gläubigen zudem Gemeinschaft untereinander.
502. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Heiligen Abendmahl und dem künftigen „Hochzeitsmahl“ im Himmel?
Ja, das Heilige Abendmahl verweist auf das zukünftige „Hochzeitsmahl“ im Himmel. Somit hat das Heilige Abendmahl auch einen endzeitlichen Charakter. Jesus sagte bei der Einsetzung des Abendmahls im Kreis der Apostel: „Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt“ (Lukas 22,18). Bis zur Vereinigung von Brautgemeinde und Jesus Christus erlebt die Gemeinde innige Gemeinschaft mit dem Herrn im Heiligen Abendmahl.
503. Was geschieht bei der Aussonderung der Hostien?
Bei der Aussonderung (Konsekration) werden Leib und Blut Jesu Christi gegenwärtig. Brot und Wein werden durch die Aussonderung in ihrer Substanz nicht verändert, das heißt, Brot und Wein werden nicht verwandelt. Vielmehr tritt zu Brot und Wein die Substanz von Leib und Blut Jesu hinzu. Dieses Geschehen bezeichnet man als „Konsubstantiation“. Beim Heiligen Abendmahl sind Brot und Wein nicht Bilder oder Symbole für Leib und Blut Jesu, sondern Leib und Blut Jesu Christi sind nach der Aussonderung wirklich anwesend.
504. Ist das Opfer Jesu Christi im Heiligen Abendmahl gegenwärtig?
Ja, das Opfer Jesu Christi ist im Heiligen Abendmahl gegenwärtig. Dieses Opfer wird jedoch nicht wiederholt, sondern es ist „ein für alle Mal“ gebracht (Hebräer 10,10.14).
505. Warum wird das Heilige Abendmahl in jedem Gottesdienst gefeiert?
Im Unterschied zu den Sakramenten Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung wird das Heilige Abendmahl in jedem Gottesdienst gefeiert, weil es den Menschen in der Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus erhält. Wir nehmen damit Wesen von Jesu Wesen auf.
506. Wie lange bleiben Leib und Blut Christi in den ausgesonderten Hostien gegenwärtig?
Leib und Blut Christi bleiben so lange in den ausgesonderten Hostien gegenwärtig, bis sie die für sie bestimmten Empfänger erreicht haben.
507. In welchem Verhältnis stehen Sündenvergebung und Heiliges Abendmahl zu einander?
Sündenvergebung und Heiliges Abendmahl stehen in einem engen Bezug zueinander, denn beide haben das Opfer Jesu Christi zur Grundlage. Im Sakrament des Heiligen Abendmahls wird nicht zugleich auch die Vergebung der Sünden bewirkt. Die Vergebung der Sünden ist erforderlich, um anschließend das Heilige Abendmahl würdig, das heißt in einem von Sünde gereinigten Zustand, genießen zu können.
508. Wem hat Jesus Christus das Heilige Abendmahl anvertraut?
Jesus Christus hat das Heilige Abendmahl im Kreis der Apostel gestiftet und es ihnen anvertraut. Dort, wo Apostel oder von ihnen bevollmächtigte priesterliche Amtsträger wirken, sind alle Aspekte des Heiligen Abendmahls vorhanden.
509. Wie lauten die Aussonderungsworte zum Heiligen Abendmahl?
Zur Aussonderung (Konsekration) des Heiligen Abendmahls wird ein festgelegter Text gesprochen, der zurückgeht auf 1. Korinther 11,23 ff. und Matthäus 26,26 ff.: „In dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, sondere ich aus Brot und Wein zum Heiligen Abendmahl und legte darauf das einmal gebrachte, ewig gültige Opfer Jesu Christi. Denn der Herr nahm Brot und Wein, dankte und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Das ist mein Blut des Neuen Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. Esst und trinkt! Das tut zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von diesem Wein trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er wiederkommt. Amen!“
510. Wie wird die Feier des Heiligen Abendmahls im Gottesdienst gestaltet?
Zunächst werden die Hostien ausgesondert. Dies geschieht dadurch, dass der bevollmächtigte Amtsträger seine Hände über die geöffneten Abendmahlsgeräte ausbreitet und die Aussonderungsworte spricht. Dann empfangen die Amtsträger und die Gemeinde Leib und Blut Jesu Christi in Form von mit Wein beträufelten Hostien. Die Darreichung geschieht mit den Worten: „Der Leib und das Blut Jesu für dich gegeben.“
511. Was ist Voraussetzung für den würdigen Genuss des Heiligen Abendmahls?
Voraussetzung für den würdigen Genuss des Heiligen Abendmahls ist neben der vorausgegangen Sündenvergebung der Glaube an Jesus Christus und sein Opfer.
512. Welche Wirkungen hat das Heilige Abendmahl?
Das Heiligen Abendmahl schafft innige Gemeinschaft mit Jesus Christus. Es vermittelt Wesen und Kraft des Gottessohnes. Der Genuss des Heiligen Abendmahls dient zudem der Einheit der Gläubigen untereinander, denn sie entwickeln sich gemeinsam ins Wesen Jesu Christi. So ist das Heilige Abendmahl ein wichtiges Mittel zur Vorbereitung auf die Wiederkunft Christi.
513. Wer ist zur Teilnahme am Heiligen Abendmahl berechtigt?
Die in der Neuapostolischen Kirche Getauften, die Versiegelten und die in die Gemeinde Aufgenommenen sind berechtigt, auf Dauer am Heiligen Abendmahl teilzunehmen. Formgerecht (rite) getaufte Christen können als Gäste Zugang zum Heiligen Abendmahl erhalten.
514. Welche Bedeutung haben die Abendmahlsfeiern anderer Kirchen?
In den Abendmahlsfeiern anderer Kirchen sind wichtige Elemente des Heiligen Abendmahls vorhanden. Auch dort wird des Todes und der Auferstehung Jesu Christi dankbar und gläubig gedacht. Neuapostolische Christen sollten allerdings bedenken, dass sie sich durch eine dauerhafte Teilnahme an der Abendmahlsfeier anderer Kirchen im Grunde zu deren Lehre bekennen.
515. Was ist die Heilige Versiegelung?
Die Heilige Versiegelung ist das Sakrament, durch das der Gläubige unter Handauflegung und Gebet eines Apostels die Gabe des Heiligen Geistes empfängt. Er wird ein Gotteskind und ist zur Erstlingsschaft berufen.
516. Was bedeutet in den neutestamentlichen Briefen die Formulierung „versiegeln“?
„Versiegeln“ bedeutet in den neutestamentlichen Briefen die Übermittlung der Gabe des Heiligen Geistes: „Gott ist’s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat“ (2. Korinther 1,21.22). „In ihm [Christus] seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist“ (Epheser 1,13). „Betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung“ (Epheser 4,30).
517. Wirkte der Heilige Geist schon in der Zeit des Alten Testaments?
Ja, der Heilige Geist als Person der Dreieinigkeit Gottes wirkt wie der Vater und der Sohn von Ewigkeit her. Im Alten Bund erfüllte er einzelne Menschen, die von Gott für bestimmte Aufgaben ersehen waren.
518. Gibt es Hinweise im Alten Testament für die Ausgießung des Heiligen Geistes im Neuen Bund?
Ja, das Alte Testament gibt mehrere Hinweise (z.B. Hesekiel 36,27) darauf, dass Gottes Geist über viele Menschen ausgegossen wird. Ein wichtiger Hinweis findet sich in Joel 3,1.2: „Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen. Auch will ich zur selben Zeit über Knechte und Mägde meinen Geist ausgießen“ (siehe auch Apostelgeschichte 2,15 ff.).
519. Hat Jesus die Ausgießung des Heiligen Geistes verheißen?
Ja, Jesus verhieß seinen Aposteln mehrfach, den Heiligen Geist zu senden, so zum Beispiel: „Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir“ (Johannes 15,26).
520. Wann erfüllte sich die Verheißung der Ausgießung des Heiligen Geistes?
Zu Pfingsten in Jerusalem erfüllte sich diese Verheißung, als der Heilige Geist auf die Apostel und die Jünger und Jüngerinnen ausgegossen wurde.
521. Wann geschah die Salbung Jesu mit dem Heiligen Geist?
Nach der Taufe Jesu kam der Heilige Geist auf ihn herab. Johannes der Täufer bezeugte: „Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm“ (Johannes 1,32). Dieses Geschehen kann als „Salbung“ bezeichnet werden.
522. Was bedeuten die Taufe Jesu und die anschließende Salbung mit dem Heiligen Geist?
Die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer und das Herabkommen des Heiligen Geistes auf Jesus sind Hinweise auf die Sakramente der Heiligen Wassertaufe und der Heiligen Versiegelung. Die Salbung Jesu mit Heiligem Geist stellt ihn als den Messias heraus. Sie ist Hinweis auf das Sakrament der Heiligen Versiegelung. Darauf nimmt auch Apostelgeschichte 10,37.38 Bezug: „Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist, angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte, wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft.“
523. Woraus ergibt sich, dass die Wassertaufe Voraussetzung für den Empfang der Gabe des Heiligen Geistes ist?
Apostel Petrus antwortete den Zuhörern der Pfingstpredigt auf ihre Frage, was sie tun sollten: „Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes“ (Apostelgeschichte 2,38).
524. Was berichtet die Apostelgeschichte über die Heilige Versiegelung?
Einen wichtigen Hinweis auf die Versiegelung gibt Apostelgeschichte 8,14 ff.: „Als aber die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, sandten sie zu ihnen Petrus und Johannes. Die kamen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. Denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. Da legten sie die Hände auf sie und sie empfingen den Heiligen Geist.“ Nach diesem Zeugnis der Schrift ist die Heilige Versiegelung an das Apostelamt gebunden. Dies bestätigt auch Apostelgeschichte 8,18: Simon, der früher Zauberei betrieben hatte, dann zum Glauben gekommen war und sich taufen ließ (vgl. Apostelgeschichte 8,9.11 ff.), „sah, dass der Geist gegeben wurde, wenn die Apostel die Hände auflegten“. An diesem Geschehen ist erkennbar, dass die Sakramente der Heiligen Wassertaufe und der Heiligen Versiegelung deutlich voneinander abgegrenzt sind. Ähnliches finden wir auch in Apostelgeschichte 19,1-6. In Ephesus hatten Jünger nur die Taufe zur Buße durch Johannes empfangen. Als sie zum Glauben an Jesus kamen, wurden sie zunächst auf den Namen des Herrn Jesus getauft. Danach empfingen sie durch den Apostel die Gabe des Heiligen Geistes: „Und als Paulus die Hände auf sie legte, kam der Heilige Geist auf sie.“
525. Wie wird das Sakrament der Heiligen Versiegelung gespendet?
Das Sakrament der Heiligen Versiegelung wird durch Apostel gespendet, indem sie dem Getauften in dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, die Gabe des Heiligen Geistes vermitteln. Dabei legen sie die Hände auf das Haupt des Getauften und beten.
526. Welches sind die Voraussetzungen für den Empfang der Heiligen Versiegelung?
Die Heilige Versiegelung setzt beim Empfangenden den Glauben an den dreieinigen Gott und die von Jesus Christus gesandten Apostel voraus. Er muss zuvor formgerecht mit Wasser getauft worden sein. Er muss seinen Glauben bekennen und geloben, Christus nachzufolgen.
527. Wer kann die Heilige Versiegelung empfangen?
Die Heilige Versiegelung kann jeder Mensch empfangen, der die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt. Das Sakrament wird sowohl Erwachsenen als auch Kindern gespendet. Bei einer Versiegelung von Kindern müssen die Eltern bzw. zur religiösen Erziehung Berechtigten stellvertretend den Glauben bekennen. Sie müssen geloben, die Kinder im neuapostolischen Glauben zu erziehen.
528. Was verstehen wir unter „Wiedergeburt aus Wasser und Geist“?
Die beiden Sakramente Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung machen zusammen die „Wiedergeburt aus Wasser und Geist“ aus. Durch sie schafft Gott die „neue Kreatur“ – Leben aus Gott.
529. In welchem Zusammenhang stehen Heilige Versiegelung und Wiedergeburt aus Wasser und Geist?
Die Heilige Versiegelung ist ein Bestandteil der Wiedergeburt aus Wasser und Geist. In ihr wird vollendet, was Gott in der Wassertaufe begonnen hat. Die Erneuerung des Menschen geschieht durch Gott, den Heiligen Geist, der sich so als Neuschöpfer zeigt.
530. Welches sind die Auswirkungen der Heiligen Versiegelung?
Bei der Heiligen Versiegelung wird der Mensch bleibend mit Heiligem Geist erfüllt. Gott schenkt ihm Anteil an seinem Wesen; dabei werden Gottes Kraft, Gottes Leben und Gottes Liebe dem Menschen geschenkt: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“ (Römer 5,5). Der Versiegelte ist Eigentum Gottes; Gottes Geist hat bleibend Wohnung in ihm genommen (vgl. Römer 8,9). Der Mensch ist nun Gotteskind, er ist zum Erstling berufen: Die Wiedergeburt hat also eine gegenwärtige Auswirkung in der Gotteskindschaft und eine zukünftige in der Erstlingsschaft. Als Gotteskind ist der Glaubende Gottes Erbe und Miterbe Christi. Der „kindliche Geist“, der durch die Heilige Versiegelung im Menschen wirkt, spricht Gott vertrauensvoll als „lieber Vater“ an. Gibt der Versiegelte dem Heiligen Geist Raum zur Entfaltung, entwickeln sich göttliche Tugenden. Sie werden bildhaft als „Frucht des Heiligen Geistes“ bezeichnet (vgl. Galater 5,22).
531. Gibt es ein Weiterleben nach dem Tod?
Ja, der Mensch ist sowohl ein leibliches als auch ein geistiges Wesen; er ist eine Einheit von Leib, Seele und Geist. Der Leib des Menschen ist sterblich, er unterliegt der Vergänglichkeit. Er ist von Erde genommen und wird wieder zu Erde (vgl. 1. Mose 3,19). Dagegen leben Seele und Geist auch nach dem leiblichen Tod weiter, sind also unsterblich. Die Personalität des Menschen – das Wesentliche, was ihn ausmacht, was er erlebt, empfunden, geglaubt und gedacht hat – bleibt also nach dem leiblichen Tod erhalten.
532. Was ist der Tod?
Man unterscheidet zwischen dem leiblichen Tod und dem geistlichen Tod des Menschen. Der leibliche Tod bedeutet das Ende des Erdenlebens. Wenn er eingetreten ist, haben Seele und Geist den Leib verlassen. Der geistliche Tod ist die Trennung des Menschen von Gott. Sie ist Folge der Sünde. Wenn die Bibel vom „zweiten“ Tod (vgl. Offenbarung 20,6; 21,8) spricht, ist damit die Trennung von Gott gemeint, die nach dem Endgericht wirksam wird.
533. Was ist in der Bibel auch noch unter „Tod“ zu verstehen?
In der Bibel wird mit „Tod“ auch die gottwidrige Macht bezeichnet, die leibliches und geistiges Leben bedroht und zerstören will. So wird in der Offenbarung des Johannes der Tod bildlich als Person beschrieben: „Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, dessen Name war: Der Tod, und die Hölle folgte ihm nach“ (Offenbarung 6,8).
534. Wer hat Macht über den Tod?
Der dreieinige Gott ist Herr über Leben und Tod. Jesus Christus hat durch seine Auferstehung den Tod besiegt. Damit hat er dem Menschen den Zugang zum ewigen Leben ermöglicht: „… Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium“ (2. Timotheus 1,10).
535. Welche Bedeutung hat die Auferstehung Jesu Christi?
Die Auferstehung Jesu Christi ist Grundlage für die Auferstehung der Toten. Da er auferstanden ist, werden die Toten auch auferstehen, „die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande“ (Daniel 12,2).
536. Gibt es Hinweise auf das Weiterleben nach dem Tod in der Heiligen Schrift?
Ein Weiterleben nach dem leiblichen Tod wird schon im Alten Testament angedeutet, im Neuen Testament wird es mehrfach bezeugt. Beispielsweise heißt es in 1. Petrus 3,19.20: „In ihm ist er [Jesus Christus] auch hingegangen und hat gepredigt den Geistern im Gefängnis, die einst ungehorsam waren, als Gott harrte und Geduld hatte zur Zeit Noahs, als man die Arche baute, in der wenige, nämlich acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser hindurch.“
537. Wo befinden sich die Menschen nach dem leiblichen Tod?
Seele und Geist von Menschen, die gestorben sind, gelangen in das Totenreich. Dies bezeichnen wir auch als „Jenseits“.
538. Was verstehen wir unter dem „Jenseits“?
Der Begriff „Jenseits“ bezieht sich im Allgemeinen auf alle Bereiche, Vorgänge und Zustände, die außerhalb der materiellen Welt liegen. Im engeren Sinn ist damit das Totenreich (hebräisch: „scheol“, griechisch: „hades“) gemeint.
539. Gibt es eine Reinkarnation der Toten?
Nein, Vorstellungen von wiederholten Erdenleben (Reinkarnation), ob als Mensch, Tier oder Pflanze, widersprechen den biblischen Aussagen und damit dem Inhalt des Evangeliums. Es ist „den Menschen bestimmt […], einmal zu sterben“ (Hebräer 9,27).
540. Können wir in Verbindung mit Verstorbenen treten?
Durch das Andenken an Verstorbene und das Beten für sie haben wir Verbindung mit ihnen. Durch Totenbeschwörung oder Totenbefragung mit Verstorbenen in Verbindung zu treten, ist von Gott untersagt und somit Sünde: „… dass nicht jemand unter dir gefunden werde, der … Geisterbeschwörungen … vornimmt oder die Toten befragt. Denn wer das tut, der ist dem Herrn ein Gräuel“ (5. Mose 18,10-12).
541. Wie ist der Zustand der Seelen im Jenseits?
Der Zustand der Seelen in der jenseitigen Welt ist Ausdruck der Gottnähe oder Gottferne. Die Seele des Menschen hat durch seinen leiblichen Tod keine Veränderung erfahren. Glaube oder Unglaube, Versöhnlichkeit oder Unversöhnlichkeit, Liebe oder Hass prägen den Menschen nicht nur in dieser Welt, sondern auch im Jenseits. Dieser Zustand wird im Gleichnis Jesu vom reichen Mann und armen Lazarus (vgl. Lukas 16,19-31) auch angesprochen, wenn dort von einem Ort der Geborgenheit und einem Ort der Qual die Rede ist. Den Verstorbenen kann ihr Zustand bewusst werden. Diejenigen, die Qual leiden, erhoffen Hilfe.
542. Wer sind die, die „in Christus gestorben sind“?
In 1. Thessalonicher 4,16 ist von den Toten zu lesen, „die in Christus gestorben sind“. Das sind die Verstorbenen, die aus Wasser und Geist wiedergeboren wurden und sich auf die Wiederkunft Christi vorbereiten lassen. Sie gehören mit zur Gemeinde des Herrn und befinden sich in einem Zustand der Gerechtigkeit vor Gott, die aus Gnade und Glaube erlangt wird.
543. Ist der Zustand der Seelen im Jenseits veränderbar?
Ja, seit dem Opfer Christi ist der Zustand der Seelen im Jenseits zum Guten hin veränderbar. Jesus Christus ist nach seinem Tod ins Totenreich gegangen und hat dort gepredigt. Predigt des Evangeliums beinhaltet die Möglichkeit zur Veränderung für den, der sie im Glauben annimmt. Heil kann also auch noch nach dem leiblichen Tod des Menschen erlangt werden.
544. Wie ist Veränderung der Seelen im Jenseits möglich?
Seelen im Jenseits, die nie vom Evangelium gehört, keine Sündenvergebung erfahren und kein Sakrament empfangen haben, befinden sich in einem Zustand der Gottferne. Dieser Zustand kann nur durch den Glauben an Jesus Christus und sein Opfer sowie durch den Empfang der Sakramente überwunden werden.
545. Welche Aussagen macht die Heilige Schrift zur Hilfe für Verstorbene?
In 2. Makkabäer 12 wird von solchen berichtet, die Götzen gedient hatten und im Kampf gefallen waren. Für sie betete man um Hilfe in ihrem sündigen Seelenzustand. Es wurde Geld gesammelt, mit dem Opfertiere für ein Sühneopfer gekauft werden sollten. Biblischer Ausgangspunkt für die Sakramentsspendung für Verstorbene ist 1. Korinther 15,29: In Korinth wurden Lebende für Tote getauft. Diese Praxis wurde von den Aposteln der Neuzeit wieder aufgenommen. Es entwickelten sich die heute üblichen Gottesdienste für die Entschlafenen.
546. Können wir den Verstorbenen eine Hilfe zum Heil sein?
Ja, wir können für unerlöste Seelen fürbittend eintreten und den Herrn bitten, er möge ihnen helfen. Ebenso können wir darum beten, dass die Seelen zum Glauben an Jesus Christus gelangen und dafür aufgeschlossen und bereit sind, das Heil anzunehmen, das Gott ihnen schenken will. Da die Toten und die Lebenden in Christus eine Gemeinschaft bilden, werden sie im Jenseits wie im Diesseits im Sinn Christi wirken, also Fürbitte für Unerlöste einlegen. Erlösung selbst jedoch geschieht allein durch Jesus Christus.
547. Worin besteht die Heilsvermittlung an Verstorbene?
Jesus Christus ist Herr über Tote und Lebende. Es liegt im Willen Gottes, dass allen Menschen geholfen wird (vgl. 1. Timotheus 2,4-6). Dies geschieht durch die Predigt, die Sakramente und die Vergebung der Sünden. Dazu ist der Glaube an Jesus Christus unerlässlich. Dies gilt für Tote und Lebende gleichermaßen. Dass auch den Verstorbenen das Evangelium verkündigt werden muss, sagt 1. Petrus 4,6: „Denn dazu ist auch den Toten das Evangelium verkündigt, dass sie zwar nach Menschenweise gerichtet werden im Fleisch, aber nach Gottes Weise das Leben haben im Geist.“
548. Wie und durch wen geschieht die Heilsvermittlung an Verstorbene?
Die Spendung der Heiligen Wassertaufe, der Heiligen Versiegelung und des Heiligen Abendmahls für Verstorbene geschieht, indem Apostel die jeweilige sichtbare Handlung an Lebenden vornehmen. Die Heilswirkung kommt hierbei nicht den Lebenden, sondern den Verstorbenen zugute. Wie Jesus Christus sein Opfer auf Erden brachte, so geschieht auch Heilsvermittlung durch die Apostel auf Erden.
549. Woher wissen wir von den Ereignissen in der Zukunft?
Die Lehre von den Ereignissen, die in der Zukunft geschehen werden (Eschatologie), hat ihre Grundlage in der Heiligen Schrift. Viele Hinweise zur künftigen Heilsgeschichte sind in den Evangelien und in den Briefen der Apostel enthalten. Zentrale Aussagen finden sich in der Offenbarung des Johannes, die in bildhafter Weise von den künftigen Dingen spricht.
550. Welches zukünftige Ereignis ist das Glaubensziel neuapostolischer Christen?
Jesus Christus kommt wieder – das ist eine Hauptaussage des Evangeliums. Seit seiner Himmelfahrt verkündigen die Apostel die Wiederkunft des Herrn. Bei diesem Ereignis von ihm angenommen zu werden, ist das Glaubensziel neuapostolischer Christen.
551. Wer hat die Wiederkunft Jesu Christi verheißen?
Jesus Christus selbst hat seinen Aposteln verheißen: „Wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin“ (Johannes 14,3). Diese Verheißung Jesu wurde bei seiner Himmelfahrt von Engeln bekräftigt: „Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen“ (Apostelgeschichte 1,11).
552. Wer kennt den Zeitpunkt der Wiederkunft Christi?
An welchem Tag und zu welcher Stunde Jesus Christus wiederkommt, wissen weder Menschen noch Engel, sondern allein der dreieinige Gott.
553. Was folgt aus der Tatsache, dass kein Mensch den Zeitpunkt der Wiederkunft Christi kennt?
Weil kein Mensch den Zeitpunkt der Wiederkunft Christi kennt, ist der Gläubige dazu aufgerufen, sich für dieses Geschehen an jedem Tag bereit zu halten. Der Gottessohn fasst dies in die Aufforderung: „Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt“ (Matthäus 24,42). Dass man zu jeder Stunde im Glauben wach sein und ihn erwarten soll, verdeutlichte Jesus auch in Gleichnissen.
554. Wie sind die ersten Apostel mit der Verheißung der Wiederkunft Christi umgegangen?
Die Verheißung der Wiederkunft Christi spielte in der Verkündigung der ersten Apostel eine wichtige Rolle. Sie gehörte neben Opfertod und Auferstehung Jesu zu den wichtigsten Inhalten ihres Glaubens. Sie waren davon überzeugt, dass Jesus zu ihrer Zeit wiederkommt: „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden“ (1. Korinther 15,51). Apostel Paulus sprach die Gemeinde zu Korinth mit dem urchristlichen Gebetsruf an: „Maranata!“, was bedeutet: „Unser Herr kommt!“ oder: „Unser Herr, komm!“ (vgl. 1. Korinther 16,22). Der Aufruf, immer für die Wiederkunft Christi bereit zu sein, kommt auch in der Offenbarung des Johannes in den Worten des Herrn zum Ausdruck: „Ich komme bald!“ (Offenbarung 3,11; 22,7.12.20).
555. Was bedeutet die Verheißung der Wiederkunft Christi für uns?
Dass Jesus Christus wiederkommen und seine Brautgemeinde zu sich holen wird, ist eine der Grundgewissheiten des Evangeliums. Er selbst hat seine Wiederkunft verheißen (vgl. Johannes 14,3).
556. Warum glauben wir, dass die Wiederkunft Christi nahe ist?
Dass das Apostelamt wieder besetzt wurde, ist Zeichen dafür, dass die Wiederkunft Christi nahe bevorsteht. Die Erwartung, dass sich diese Verheißung des Herrn erfüllt, steht heute ebenso im Zentrum des neuapostolischen Glaubens wie die Hoffnung des Einzelnen, persönlich die Wiederkunft Christi und die Entrückung zu ihm zu erleben.
557. Wie erfolgt die Bereitung auf die Wiederkunft Christi?
Die Apostel bereiten die Gläubigen durch Wort und Sakrament auf die Wiederkunft Christi vor. Diese richten ihr Leben bewusst darauf aus.
558. Wie wird die Wiederkunft Christi in den Briefen des Apostels Paulus beschrieben?
In 1. Thessalonicher 4,15-17 heißt es: „Denn das sagen wir euch mit einem Wort des Herrn, dass wir, die wir leben und übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, denen nicht zuvor kommen werden, die entschlafen sind. Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.“ In 1. Korinther 15,51.52 steht: „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. In Philipper 3,20.21 findet sich die Aussage: „Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus, der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.“
559. Was geschieht bei der Wiederkunft Christi?
Zusammengefasst ergibt sich aus diesen Aussagen des Apostels Paulus: Bei der Wiederkunft des Herrn werden zuerst die Toten, die in Christus gestorben sind, unverweslich auferstehen. Die Lebenden, die sich auf das Wiederkommen Christi vorbereiten ließen, werden die Verwandlung erleben, ohne den leiblichen Tod zu erleiden. Die Toten und die Lebenden werden einen verherrlichten Leib empfangen. Dieser Leib gleicht dem Auferstehungsleib Christi. Sie werden gemeinsam zu Jesus Christus entrückt und gelangen so in die ewige Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott. Diese Geschehnisse gehören zu der ersten Auferstehung, von der in Offenbarung 20,5.6 die Rede ist.
560. Worauf beruht die Hoffnung des Gläubigen, den leiblichen Tod nicht erleiden zu müssen?
Die Hoffnung des Gläubigen, den leiblichen Tod nicht erleiden zu müssen, beruht auf der Aussage des Apostels Paulus: „Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, dass wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden […], weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden wollen, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben. Der uns aber dazu bereitet hat, das ist Gott, der uns als Unterpfand den Geist gegeben hat“ (2. Korinther 5,2.4.5). Der Apostel meint mit „Behausung“ den verherrlichten Leib, den nicht nur die empfangen, die vom Tod auferstehen, sondern auch die, die bei der Wiederkunft Christi verwandelt werden. „Überkleiden“ heißt, einen neuen Leib zu erhalten, ohne vorher sterben zu müssen. „Entkleiden“ ist hier ein Ausdruck für „sterben“.
561. Wer wird bei der Wiederkunft Christi entrückt?
Die Entrückung bei der Wiederkunft Christi ist zunächst jenen zugesagt, denen die Wiedergeburt aus Wasser und Geist zuteil geworden ist und die an Jesus Christus glauben und ihm nachfolgen. Diese Schar wird auch „die Brautgemeinde“ oder der „Knabe“ (Offenbarung 12,5) genannt. Ob darüber hinaus Gott Anderen die Gnade der Entrückung zuteilwerden lässt, entzieht sich menschlicher Beurteilung und unterliegt der Entscheidung Gottes.
562. Wer zählt zur "Brautgemeinde"?
Jesus Christus hat seinen Aposteln den Auftrag gegeben, die Kirche Christi auf die Vereinigung mit ihm bei seiner Wiederkunft vorzubereiten. Apostel Paulus schreibt dazu: „Ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch verlobt mit einem einzigen Mann, damit ich Christus eine reine Jungfrau zuführte“ (2. Korinther 11,2). Das Bild von der „reinen Jungfrau“ verweist auf die „Braut“ (Offenbarung 19,7). Wer dazu zählt und mit Jesus Christus vereinigt wird, zeigt sich erst bei der Wiederkunft Christi.
563. Gibt es Kennzeichen für jene, die der Brautgemeinde angehören?
Ja – ein herausragendes Kennzeichen ist, dass sie täglich auf die Wiederkunft Christi warten und beständig sind im Beten: „Herr, komme bald!“ (vgl. Offenbarung 22,17.20).
564. Werden in der Bibel weitere Kennzeichen für die Brautgemeinde genannt?
Ja, weitere Kennzeichen der Brautgemeinde sind in Offenbarung 14,1-5 genannt. Hier wird das Bild einer Schar von „Hundertvierundvierzigtausend“ für die Brautgemeinde verwendet. Die Zahl „144.000“ ist nicht wörtlich zu verstehen, sondern hat symbolischen Charakter. Sie ist abgeleitet von der Zwölfzahl der Stämme Israels. Sie wird mit folgenden Bildern beschrieben: „Das Lamm stand auf dem Berg Zion und mit ihm hundertvierundvierzigtausend, die hatten seinen Namen und den Namen seines Vaters geschrieben auf ihrer Stirn […], die folgen dem Lamm nach, wohin es geht. Diese sind erkauft aus den Menschen als Erstlinge für Gott und das Lamm, und in ihrem Mund wurde kein Falsch gefunden; sie sind untadelig.“
565. Was bedeuten die Bilder in Offenbarung 14,1-5?
Die Kennzeichnung („Siegel“) mit dem Namen des „Lammes“ und des Vaters bedeutet, dass die Hundertvierundvierzigtausend Eigentum Gottes sind. „Untadelig“ sein, „im Mund kein Falsch“ haben und „dem Lamm nachfolgen“ bedeutet, dass in Wort und Tat ein Leben nach dem Evangelium geführt wird. Der Begriff „Erstlinge“ bezeichnet diejenigen, die Christus bei seiner Wiederkunft zu sich nimmt: Es sind die, die zuerst umfängliches Heil empfangen werden. Mit „Lamm“ ist Jesus Christus gemeint: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“(Johannes 1,29). Offenbarung 5,12 drückt aus, dass das geschlachtete Lamm den Sieg davonträgt. Dies bedeutet, dass der erniedrigte und gekreuzigte Gottessohn zugleich triumphiert und siegt.
566. Wann findet die „Hochzeit des Lammes“ statt?
Die „Hochzeit des Lammes“, also die Vereinigung der Brautgemeinde mit dem Bräutigam Jesus Christus, findet statt, wenn er wiedergekommen ist und seine Brautgemeinde verwandelt und entrückt wurde.
567. Was geschieht bei der „Hochzeit des Lammes“?
Die Brautgemeinde darf die Herrlichkeit Christi teilen und ist in der unmittelbaren und unauflöslichen Gemeinschaft mit Gott.
568. Was geschieht auf Erden nach der Wiederkunft Christi?
Nach der Wiederkunft Christi beginnt eine Zeit, in der die Menschen und die Schöpfung leiden, da sie der Macht Satans ausgesetzt sind. Diese Zeit wird als „große Trübsal“ bezeichnet.
569. Wird es in der Zeit der „großen Trübsal“ eine Bewahrung geben?
Ja, in der Zeit der „großen Trübsal“ wird es für diejenigen eine geistliche Bewahrung geben, die zur Kirche Jesu Christi zählen, aber nicht zu Jesus Christus entrückt worden sind. In der Offenbarung werden sie durch das Bild der Frau dargestellt, die mit der Sonne bekleidet ist und einen Knaben geboren hat. Sie erfahren weiterhin göttliche Begleitung und geistliche Versorgung, so dass ihr Glaube erhalten bleibt (vgl. Offenbarung 12,6). Es werden in der Zeit der „großen Trübsal“ Menschen, die sich zu Christus bekennen, getötet. Diese standhaften Bekenner werden also zu Märtyrern (Blutzeugen).
570. Was geschieht mit den Märtyrern aus der Zeit der „großen Trübsal“?
Die Menschen, die sich in der Zeit der „großen Trübsal“ zu Christus bekennen und deshalb getötet werden, haben an der ersten Auferstehung teil, wie zuvor die Brautgemeinde.
571. Was geschieht nach der „Hochzeit des Lammes“ und der „großen Trübsal“?
Nach der „Hochzeit des Lammes“ kommt Jesus Christus mit der Brautgemeinde auf die Erde zurück und beendet die Zeit der „großen Trübsal“.
572. Was geschieht nach der Zeit der „großen Trübsal“ mit Satan?
Satan und sein Anhang, die widergöttlichen Kräfte, werden gemäß Offenbarung 20,1-3 „gefesselt“ und „in den Abgrund geworfen“. Es wird ihnen also jede Macht genommen. Damit kann niemand mehr von Satan verführt werden.
573. Was geschieht, wenn Satan gebunden und seine Macht genommen ist?
Wenn Satan gebunden und den widergöttlichen Mächten alle Macht genommen ist, findet die Auferstehung der Märtyrer aus der „großen Trübsal“ statt. Damit haben die Märtyrer teil an der ersten Auferstehung.
574. Welche Ereignisse umfasst die erste Auferstehung?
Bei der ersten Auferstehung werden die „Toten in Christus“ auferstehen und gemeinsam mit den Lebenden, die zur Brautgemeinde gehören, entrückt. Nach der „Hochzeit im Himmel“ werden die Märtyrer aus der „großen Trübsal“ auferstehen und zur königlichen Priesterschaft gezählt. Diese beiden Ereignisse werden als „erste Auferstehung“ bezeichnet: „Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre“ (Offenbarung 20,6).
575. Was folgt nach Abschluss der ersten Auferstehung?
Nach Abschluss der ersten Auferstehung richtet Christus auf Erden sein Friedensreich auf und übt seine Königsherrschaft „tausend Jahre“ aus. Diese „tausend Jahre“ stehen als Symbol für eine lange, jedoch begrenzte Zeit.
576. Werden die Menschen in dieser Zeit noch sündigen?
Ja. Zwar ist Satan entmachtet und kann niemanden mehr zur Sünde verführen, dennoch bleiben die Menschen weiterhin Sünder und sind sterblich, da die Geneigtheit zur Sünde nicht aufgehoben ist. Davon ausgenommen sind diejenigen, die an der ersten Auferstehung teilhatten.
577. Was geschieht in dem Zeitraum des Friedensreichs auf Erden?
Im Zeitraum des Friedensreichs Christi wird Jesus Christus mit der königlichen Priesterschaft das Evangelium ungehindert verkündigen. Das Evangelium wird allen auf Erden lebenden Menschen und ebenso allen Seelen in den Bereichen der Entschlafenen nahegebracht. Am Ende des Friedensreichs werden alle Menschen aller Zeiten das Evangelium Jesu Christi kennengelernt haben.
578. Was geschieht am Ende des Friedensreichs?
Am Ende des Friedensreichs wird Satan losgelassen; er hat zum letzten Mal Gelegenheit, Menschen zu verführen. Nach Christi Sieg über ihn wird er „geworfen in den Pfuhl von Feuer und Schwefel“ (vgl. Offenbarung 20,7-10). Das Böse ist dann für ewig unwirksam.
579. Was erfolgt, wenn das Böse für immer seine Macht verloren hat?
Wenn das Böse für immer seine Macht verloren hat, erfolgt die Auferstehung der Toten zum Gericht. Dann wird Jesus Christus alle Menschen richten, die je gelebt haben. Ausgenommen von diesem Endgericht sind nur jene, die an der ersten Auferstehung teilhatten.
580. Was geschieht mit denjenigen, die in das Endgericht kommen?
Diejenigen, die im Endgericht Gnade finden, werden – zusammen mit jenen, die an der ersten Auferstehung teilhatten – Bewohner von Gottes neuer Schöpfung sein. Sie alle dürfen dann ewige Gemeinschaft mit Gott haben. Die anderen verbleiben im Elend der Gottferne.
581. Was wird in der Bibel über Gottes neue Schöpfung gesagt?
Gott wird nach dem Endgericht eine neue Schöpfung an die Stelle der alten setzen: „Er [Gott] wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein“ (Offenbarung 21,3). Damit erfüllt sich die Erwartung, die in 2. Petrus 3,13 ausgedrückt wird: „Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.“ Dieses Reich Gottes wird ewig sein; dann wird Gott sein alles in allem (vgl. 1. Korinther 15,28).
582. Wie entstanden die ersten christlichen Gemeinden?
In Jerusalem entstand an Pfingsten die erste christliche Gemeinde (vgl. Apostelgeschichte 2,37 ff.), die allein aus Juden bestand. Aufgrund von Verfolgungen flohen viele Gläubige aus Jerusalem (vgl. Apostelgeschichte 8,1; 11,19). In ihrer neuen Umgebung verkündigten sie das Evangelium, das dort auch Glauben fand. So bildeten sich an weiteren Orten christliche Gemeinden.
583. Wie kam das Evangelium zu den Heiden?
Die Apostel gingen zunächst davon aus, dass das Evangelium allein den Juden verkündigt werden sollte. Gott jedoch machte dem Apostel Petrus durch eine Erscheinung deutlich, dass das Evangelium auch den Heiden zugedacht ist (vgl. Apostelgeschichte 10 und 11). Auf der Apostelversammlung in Jerusalem wurden Fragen zur Heidenmission und zur Bedeutung des mosaischen Gesetzes für die getauften Heiden geklärt (vgl. Apostelgeschichte 15,1-29). Diese Entscheidungen trugen dazu bei, dass sich die christlichen Gemeinden schließlich von vielen Traditionen des jüdischen Glaubens lösten.
584. Welcher Apostel verkündigte hauptsächlich den Heiden das Evangelium?
Vor allem Apostel Paulus verkündigte den Heiden das Evangelium. Dazu reiste er, zum Teil zusammen mit Apostel Barnabas, in die heutige Türkei, nach Griechenland, Zypern und schließlich auch nach Italien.
585. Wo entstand die Bezeichnung „Christ“?
In Antiochia wurden die Anhänger Jesu erstmals „Christen“ genannt (vgl. Apostelgeschichte 11,26).
586. Wie lange wirkten die Apostel?
Die Apostel wirkten zunächst wohl bis Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus. Johannes gilt als letzter Apostel der Urkirche. Danach begann die Zeit, in der das Apostelamt zwar bestand, doch personal nicht besetzt war. Erst im 19. Jahrhundert erfolgte erneut eine personale Besetzung des Apostelamts.
587. Worin zeigte sich das Wirken des Heiligen Geistes nach dem Tod der ersten Apostel?
Der Heilige Geist sorgte dafür, dass die verbindliche Sammlung der Schriften des Alten und des Neuen Testaments (Kanon) zustande gekommen ist. Durch das Wirken des Heiligen Geistes konnten in Kirchenversammlungen (Konzilien) wichtige Grundlagen der christlichen Lehre formuliert werden. Dazu gehören zum Beispiel die Lehre, dass Gott dreieinig ist, dass Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott ist, sowie die Erkenntnis, welche entscheidende Bedeutung das Opfer Jesu und seine Auferstehung für das Heil und die Erlösung der Menschen haben. Auf das Wirken des Heiligen Geistes über die Jahrhunderte hinweg ist darüber hinaus zurückzuführen, dass sich christlicher Glaube weltweit ausbreiten konnte.
588. Wie fand in dieser Zeit Heilsvermittlung statt?
Heil wurde vor allem dadurch vermittelt, dass das Evangelium verkündigt und die Heilige Wassertaufe gespendet wurde.
589. Wie entwickelte sich das Christentum ab dem 2. Jahrhundert?
Was mit der Steinigung des Diakonen Stephanus begonnen hatte, wuchs sich zu Verfolgungswellen aus: Viele Christen wurden wegen ihres Glaubens getötet. Damit wurden sie zu Märtyrern. Trotz der Verfolgungen und vieler Widerstände verbreitete sich der christliche Glaube im gesamten Römischen Reich.
590. Wer gab die Verkündigung der ersten Apostel an die Nachwelt weiter?
Die ursprüngliche Verkündigung der Apostel wurde von den „apostolischen Vätern“ weitergegeben und fortgesetzt. Es handelte sich um Kirchenlehrer von großem Einfluss. Zu ihnen werden Clemens von Rom (gestorben um 100), Ignatius von Antiochien (gestorben um 115), Polykarp, Bischof von Smyrna (geboren um 69, gestorben um 155), und Papias von Hierapolis (geboren um 70, gestorben um 130/140) gezählt. Es war ihr Anliegen, den christlichen Glauben gegenüber Heiden und Juden zu verteidigen und die Grundlagen der christlichen Lehre zu bewahren. Eine für die Kirche prägende Persönlichkeit war Athanasius der Große (um 295 bis 373), unter dessen Einfluss im Jahr 325 das Glaubensbekenntnis von Nizäa formuliert wurde.
591. Wer waren die „Kirchenväter“?
"Kirchenväter" waren Gelehrte, die nach den „apostolischen Vätern“ die grundlegenden christlichen Wahrheiten formulierten. Zu ihnen gehörten Ambrosius von Mailand (339 bis 397), Hieronymus (347 bis 420) und Augustinus von Hippo (354 bis 430).
592. Wann wurde das Christentum im Römischen Reich Staatsreligion?
Nach schweren Zeiten der Verfolgung verkündete der römische Kaiser Konstantin der Große im Jahr 313 Glaubensfreiheit für die Christen. Im Jahr 381 erhob Kaiser Theodosius das Christentum im Römischen Reich zur Staatsreligion. Er verbot, heidnische Götter zu verehren.
593. Wie vollzog sich die Entwicklung des Christentums bis zum Mittelalter?
Zur Zeit der Völkerwanderung (4./5. Jahrhundert) gewann das Christentum in Europa und Asien an Stärke. Bei der Ausbreitung des Christentums spielte das Mönchtum, das seit dem 3. Jahrhundert zuerst in Ägypten entstand, eine bedeutende Rolle. Eine Hauptaufgabe der Mönche war, ihr Leben in Armut nach dem Vorbild Christi zu führen und den christlichen Glauben weiterzutragen. Im Mittelalter erbrachten Mönche und Nonnen vielfach hervorragende Leistungen in der Wissenschaft und engagierten sich auf dem Gebiet der Landwirtschaft und im Sozialwesen. Das Christentum bestimmte mehr und mehr das Leben der Menschen sowie Kultur, Politik und Gesellschaft in Europa. Im Jahr 1054 kam es zu einer Spaltung in eine Westkirche (römisch-katholisch) und eine Ostkirche (orthodox).
594. Womit mussten sich die Christen seit dem 7. Jahrhundert zunehmend auseinandersetzen?
Ab dem 7. Jahrhundert mussten sich die Christen in Teilen Asiens, Afrikas und auch Europas mit einer neuen Religion, dem Islam, auseinandersetzen. Viele Gebiete gingen für den christlichen Glauben verloren, zum Beispiel der vordere Orient und Nordafrika. Es kam zu Kämpfen, beispielsweise bei den Kreuzzügen. Diese fanden zwischen 1095 und 1270 im Orient statt und hatten zum Ziel, Jerusalem und das Heilige Land für die Christenheit zu erobern.
595. Warum kam es zu Bemühungen um eine Reform der Kirche?
Im Mittelalter kam es innerhalb der Kirche mehr und mehr zu einer Verweltlichung – Glaube und Lehre verloren immer mehr an Wert. Dies ist auf eine mangelnde Ausrichtung am Evangelium zurückzuführen. Deshalb nahmen die Bemühungen um eine Kirchenreform zu. Zum einen bemühte sich das Mönchtum um eine Reform der Kirche, zum anderen Männer wie der Franzose Petrus Waldes (1140, gestorben vor 1218), der englische Theologe Johannes Wiclif (1330 bis 1384) und der Rektor der Prager Universität, Johannes Hus (1369 bis 1415). Sie alle waren konsequente Kritiker einer verweltlichten Kirche. Die von ihnen angestoßenen und begleiteten Bewegungen ergriffen weite Teile Europas und führten schließlich zur Reformation.
596. Was ist die Reformation?
Die Reformation (aus dem Lateinischen „reformatio“: Wiederherstellung, Erneuerung) ist eine religiöse Erneuerungsbewegung in Europa, die auf dem Wunsch nach einer Rückbesinnung auf das Evangelium gründet. Sie ist eng mit dem deutschen Mönch Martin Luther (1483 bis 1546) verbunden. Alleinige Grundlage für die Lehre sollte nach seiner Überzeugung das biblische Zeugnis von Jesus Christus sein. Luther übersetzte die Bibel aus der hebräischen und griechischen Sprache ins Deutsche und machte sie so dem Volk zugänglich. Eigenständig entstand 1534 in England die anglikanische Staatskirche.
597. Wer sind die bedeutendsten Reformatoren?
Neben Martin Luther aus Wittenberg sind dies der Reformator Ulrich Zwingli (1484 bis 1531), der in Zürich wirkte, und Johannes Calvin (1509 bis 1564), der in Genf eine eigenständige Reformbewegung einleitete.
598. Wie reagierte die römisch-katholische Kirche auf die Reformation?
Als Reaktion auf die Reformation leitete das Konzil von Trient (ab 1545) eine Erneuerung der Kirche ein und bereitete den Boden für die Gegenreformation. Dies führte zum Wiedererstarken des Papsttums.
599. Welche Folgen hatte die Auseinandersetzung zwischen Protestantismus und Katholizismus?
Im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken kam es in Europa zum Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648), dessen Ergebnis unter anderem die Festigung des Einflusses war, den der Staat auf die Kirche nahm. Der Herrscher bestimmte die Religionszugehörigkeit seiner Untertanen.
600. Wie war die Lage des Christentums im Europa des 18. Jahrhunderts?
Im 18. Jahrhundert verband sich der christliche Glaube oft mit einem Denken, das den menschlichen Verstand als einzigen Maßstab ansah („Aufklärung“). Als Reaktion darauf gewann der Pietismus, eine Bewegung innerhalb der reformatorischen Kirche, zunehmend an Gewicht. Pietisten betreiben ein intensives Bibelstudium und sind sozial und missionarisch engagiert.
601. Wie war die Lage des Christentums im 19. Jahrhundert?
Im 19. Jahrhundert wurde der Versuch unternommen, Menschen, für die der christliche Glaube aufgrund ihrer Armut und Unwissenheit fremd geworden war, wieder für das Evangelium zu gewinnen („Innere Mission“). Darüber hinaus wurden „Missionsgesellschaften“ gegründet: Sie sorgten für eine weitere Ausbreitung des Christentums in außereuropäischen Ländern, vor allem in Afrika.
602. Welche wichtigen Entwicklungen gab es im Christentum des 19. Jahrhunderts?
Von großer Bedeutung – vor allem innerhalb des Protestantismus in England und den USA – waren die sogenannten „Erweckungsbewegungen“: Gläubige Christen riefen dazu auf, von einem „Gewohnheitschristentum“ zu einem lebendigen christlichen Glauben zurückkehren. Dieser Ruf nach Besinnung auf das Evangelium verband sich oft mit der Hoffnung auf die Wiederkunft Christi. Dies ist der geschichtliche Hintergrund, vor dem Gott das erneute Wirken von Aposteln vorbereitete.
603. Wie kam es im 19. Jahrhundert zur Wiederbesetzung des Apostelamtes?
Zwischen 1826 und 1829 kamen gläubige Männer zu Konferenzen in Albury (Südengland) zusammen, um sich gemeinsam mit der Offenbarung des Johannes zu beschäftigen. Diese Konferenzen erfolgten auf Einladung des Bankiers Henry Drummond (1786 bis 1860) in enger Zusammenarbeit mit Edward Irving (1792 bis 1834), der Geistlicher der schottischen Nationalkirche war. Die Konferenzteilnehmer wollten Klarheit über biblische Aussagen zum Wirken des Heiligen Geistes und zur Wiederkunft Christi erlangen. Auch in Schottland warteten Gläubige verschiedener Konfessionen auf ein verstärktes Wirken des Heiligen Geistes. Unter ihnen traten 1830 viel beachtete Krankenheilungen, Zungenreden (Reden in unbekannten Sprachen) und Weissagungen auf. Im Herbst 1832 wurde John Bate Cardale (1802 bis 1877) in London vom Heiligen Geist zum Apostel berufen und durch Henry Drummond als Apostel bezeichnet. Ab September 1833 wurden weitere elf Apostel durch Weissagungen – vor allem durch den Propheten Oliver Taplin (1800 bis1862) – gerufen.
604. Wie entstand die Katholisch-apostolische Kirche?
Die Apostel zogen sich 1835 für ein Jahr nach Albury zu intensiven gemeinsamen Beratungen zurück. Sie erarbeiteten das „Große Testimonium“ (1837), eine Bekenntnisschrift, die allen geistlichen und weltlichen Führern der Christenheit zugestellt wurde. Im Testimonium forderten die Apostel die Christen dazu auf, sich unter ihrer Leitung zu sammeln, und sich auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten. Man wollte also keine neue Kirche gründen, sondern die verschiedenen vorhandenen Kirchen unter Aposteln zusammenführen. Doch nahmen die meisten Christen den Ruf der Apostel nicht an. Die wenigen Christen, die den Aposteln Glauben schenkten, verbanden sich in einer neuen Kirche, nämlich der Katholisch-apostolischen Kirche.
605. Wann fanden die ersten Versiegelungen statt?
Die ersten Versiegelungen, die damals „apostolische Handauflegung“ genannt wurden, fanden 1847 in England, Kanada und Deutschland statt.
606. Was geschah, als einige der Apostel starben?
Im Jahr 1855 starben drei Apostel. Von den Propheten Edward Oliver Taplin und Heinrich Geyer (1818 bis 1896) wurden Nachfolger im Apostelamt benannt. Diese Rufungen wurden jedoch von den verbliebenen Aposteln nicht anerkannt. Es wurden keine Apostel mehr ordiniert. Diese Sehensweise hatte schließlich zur Folge, dass es in der Katholisch-apostolischen Kirche nach dem Tod des zuletzt noch lebenden Apostels Francis V. Woodhouse im Jahr 1901 keine Apostel mehr gab. Es wurden auch keine Amtsträger mehr ordiniert.
607. Wie ist die Neuapostolische Kirche entstanden?
Am 10. Oktober 1862 wurde in Königsberg der Priester Rudolf Rosochacky (1815 bis 1894), Vorsteher der dortigen katholisch-apostolischen Gemeinde, durch den Propheten Geyer als Apostel benannt. Die Apostel der Katholisch-apostolischen Kirche erkannten diese Rufung nicht an. Prophet Heinrich Geyer und der Leiter der Katholisch-apostolischen Gemeinde in Hamburg, Friedrich Wilhelm Schwartz (1815 bis 1895), waren jedoch davon überzeugt, dass diese Berufung ein Werk des Heiligen Geistes war. Die Gemeinde in Hamburg erkannte am 4. Januar 1863 diese Apostelrufung an und wurde daraufhin aus der Katholisch-apostolischen Kirche ausgeschlossen. Im Januar 1863 ist somit der Beginn der Neuapostolischen Kirche anzusetzen. Auch als Apostel Rosochacky kurz darauf von seinem Amt zurücktrat, hielten Geyer, Schwartz und die Hamburger Gemeinde daran fest, dass es sich um einen göttlichen Ruf gehandelt hatte.
608. Was geschah in der Folgezeit?
Der Priester Carl Wilhelm Louis Preuß (1827 bis 1878) und wenig später Friedrich Wilhelm Schwartz wurden zu Aposteln gerufen. Apostel Preuß wirkte in Norddeutschland, während Apostel Schwartz die Niederlande als Arbeitsgebiet hatte. Weitere Rufungen von Aposteln folgten in kurzer Zeit. Die neu entstandene Gemeinschaft nannte sich „Allgemeine christliche apostolische Mission“. Im Jahr 1872 wurde Friedrich Wilhelm Menkhoff (1826 bis 1895) als Apostel für Westfalen und das Rheinland berufen. Apostel Menkhoff gründete 1884 in Deutschland die Kirchenzeitschrift „Der Herold“. Unter seinem Einfluss schaffte Apostel Schwartz zunächst in seinem Tätigkeitsbereich die liturgischen Gewänder und viele Elemente der von der Katholisch-apostolischen Kirche übernommenen Liturgie ab. Im Jahr 1885 wurden diese Änderungen von allen anderen Gemeinden übernommen.
609. Wie kam es zum Namen „Neuapostolische Kirche“?
Zur Unterscheidung von den katholisch-apostolischen Gemeinden nannten sich die ab 1863 entstehenden Gemeinden im amtlichen Schriftverkehr bald „neuapostolische Gemeinden“. 1907 erfolgte die offizielle Bezeichnung „Neuapostolische Gemeinde“ und ab etwa 1930 „Neuapostolische Kirche“.
610. Wie lange wirkte das Prophetenamt?
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts trat das Apostelamt als zentrales Amt, das umfassende Vollmachten hat, in der Kirche immer mehr hervor. Zugleich ging die Bedeutung des Prophetenamts zurück. Seit Ende der 1920er-Jahre sind keine Propheten mehr in den Gemeinden tätig.
611. Wer war der erste Stammapostel?
1881 wurde Friedrich Krebs (1832 bis 1905) aus Braunschweig (Deutschland) zum Apostel berufen. Nach dem Tod der Apostel Schwartz und Menkhoff nahm er die leitende Funktion in der Kirche ein. Die Einheit unter den Aposteln war ihm ein wichtiges Anliegen. Ab 1897 bildete sich das Stammapostelamt heraus. Friedrich Krebs war der erste Stammapostel im heutigen Sinn.
612. Welche weiteren Träger des Stammapostelamts gibt es?
• Hermann Niehaus (1848 bis 1932, Stammapostel von 1905 bis 1930), • Johann Gottfried Bischoff (1871 bis 1960, Stammapostel von 1930 bis 1960), • Walter Schmidt (1891 bis 1981, Stammapostel von 1960 bis 1975), • Ernst Streckeisen (1905 bis 1978, Stammapostel von 1975 bis 1978), • Hans Urwyler (1925 bis 1994, Stammapostel von 1978 bis 1988), • Richard Fehr (1939 bis 2013, Stammapostel von 1988 bis 2005), • Wilhelm Leber (geboren 1947, Stammapostel von 2005 bis 2013), • Jean-Luc Schneider (geboren 1959, Stammapostel seit 2013).
613. Was ist ein Gottesdienst?
Gottesdienst ist Wirken Gottes am Menschen. Zugleich ist er Werk des Menschen für Gott. Zum Gottesdienst kommen Menschen zusammen, um miteinander Gott anzubeten, ihn zu loben und ihm zu danken. Ebenso versammeln sie sich, um Gottes Wort zu hören und um die Sakramente zu empfangen. So ist ein Gottesdienst eine Begegnung von Gott und Mensch. Im Gottesdienst nimmt die Gemeinde die Gegenwart des dreieinigen Gottes wahr und erlebt, dass Gott ihr in Liebe dient.
614. Wie war der Gottesdienst in alttestamentlicher Zeit?
In alttestamentlicher Zeit bestand der Gottesdienst hauptsächlich aus dem Opferdienst, bei dem die Priester Gott Gaben darbrachten. Sie hatten zudem den Auftrag, dem Volk den Segen Gottes zu übermitteln (vgl. 4. Mose 6,22-27). Aus der Zeit des Königs David wird berichtet, dass im Gottesdienst Sänger und Musiker mitwirkten und Gott mit Psalmen priesen (vgl. 1. Chronik 25,6). In der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft – 597 v. Chr. bis 539 v. Chr. – versammelten sich gläubige Juden in dazu erbauten Häusern (Synagogen), um miteinander zu beten, die heiligen Schriften zu lesen und auszulegen. Hier liegt ein Ursprung der späteren christlichen Form des Gottesdienstes.
615. Welche Elemente enthielt der Gottesdienst in den ersten christlichen Gemeinden?
Wie der Gottesdienst in den ersten christlichen Gemeinden genau ablief, ist nicht überliefert. Es gab in ihm die Verkündigung des Evangeliums, Bekenntnisse der Gemeinde, gemeinsame Gebete, Gesänge und Abendmahlsfeiern.
616. Wie entwickelte sich der christliche Gottesdienst weiter?
Der christliche Gottesdienst hatte über Jahrhunderte einen liturgischen Charakter. Das heißt, der Gottesdienst war überwiegend bestimmt durch Rituale, nämlich festgelegte Worte und Gesänge. Dies änderte sich nach der Reformation in vielen Kirchengemeinschaften. Bei ihnen stand nun die Predigt im Mittelpunkt. An diese Tradition knüpft auch der neuapostolische Gottesdienst mit der Predigt in freier Rede an.
617. Ist Gott im Gottesdienst gegenwärtig?
Ja, zu Gottesdienstbeginn wird Gott mit den Worten „In dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ angerufen. Diese Anrufung Gottes wird als „trinitarische Eingangsformel“ bezeichnet. So wird dem Besucher im Gottesdienst deutlich gemacht, dass Gott gegenwärtig ist, wie es der Gottessohn verheißen hat (vgl. Matthäus 18,20).
618. Was sind die Grundelemente des Gottesdienstes?
Von der ersten Christen in Jerusalem wird bezeugt: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet“ (Apostelgeschichte 2,42). Davon leiten sich die Grundelemente des Gottesdienstes ab: die Lehre der Apostel, die Gemeinschaft, das Brotbrechen und das Gebet.
619. Was ist mit „Lehre der Apostel“ gemeint?
Mit „Lehre der Apostel“ ist gemeint, dass die Apostel die Lehre Jesu Christi, also das Evangelium von Tod, Auferstehung und Wiederkunft des Gottessohnes, verkündigen. Diese Lehre wird auch durch die im Auftrag der Apostel tätigen Amtsträger im Gottesdienst verkündigt.
620. Was verstehen wir unter „Brotbrechen“?
„Brotbrechen“ ist die Feier des Heiligen Abendmahls. Es ist das zentrale Geschehen im Gottesdienst, das in Dankbarkeit für das Opfer Jesu gefeiert wird.
621. Was bedeutet „Gemeinschaft“ im Gottesdienst?
„Gemeinschaft“ im Gottesdienst bedeutet, die Erfüllung der Worte Jesu Christi zu erleben: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Matthäus 18,20). „Gemeinschaft“ im Gottesdienst bedeutet weiter, dass die Glaubenden miteinander Gott anbeten und ihm Lob und Dank darbringen. So haben sie auch Gemeinschaft untereinander.
622. Welche Rolle spielt „Gebet“ im Gottesdienst?
Gebet ist unverzichtbarer Bestandteil des Gottesdienstes. Im Gottesdienst verbindet sich die Gemeinde in den Gebeten des Gottesdienstleiters. Dabei kommen Anbetung Gottes, Dank, Fürbitte und Bitte zum Ausdruck. Gemeinsam wird vor der Sündenvergebung das Gebet „Unser Vater“ gesprochen. Nach dem Empfang des Heiligen Abendmahls dankt der Glaubende Gott in einem stillen Gebet.
623. Was verstehen wir unter „Wortverkündigung“ (Predigt)?
In den Gottesdiensten wird Gottes Wort verkündigt. Amtsträger sprechen Gedanken aus, die der Heilige Geist in ihnen erweckt. Dies nennt man „Wortverkündigung“ oder „Predigt“. Die Predigt ist im neuapostolischen Gottesdienst kein vorgefertigter Text. Ihr liegt ein Wort aus der Bibel zugrunde, das der Amtsträger in freier Rede entfaltet.
624. Was vermag die Predigt?
Da die Predigt von Gott erweckt wird, erleben die Zuhörer, dass das gesprochene Wort „lebendig“ ist: dass also • Lebens- und Glaubensfragen beantwortet werden, • der Glaube gestärkt wird, • Trost geschenkt wird, • Zuversicht vermittelt wird, • Entscheidungshilfen und auch Ermahnungen gegeben werden. Das Wort vom Altar gibt Orientierung, um nach Gottes Willen zu leben. Die Predigt ist „Speise“ für die Seele gemäß den Worten Jesu: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“ (Matthäus 4,4).
625. Wer ist dazu berufen, im Gottesdienst das Wort zu verkündigen?
Die Apostel und die hierzu von ihnen beauftragten Amtsträger sind berufen, im Gottesdienst das Wort Gottes zu verkündigen.
626. Was ist Hauptinhalt und Ziel der Predigt?
Hauptinhalt der Predigt ist das Evangelium Jesu Christi, die frohe Botschaft davon, dass Jesus das Opfer gebracht hat, auferstanden ist und wiederkommen wird. Der Heilige Geist spricht durch den Amtsträger. So wird Glaube geweckt und gestärkt. Die Wortverkündigung hat immer das Ziel, die Gemeinde auf das Kommen Jesu Christi vorzubereiten (vgl. 2. Korinther 11,2).
627. Sind Fehler beim Verkündigen und beim Hören der Predigt ausgeschlossen?
Jeder Mensch, der Gottes Wort verkündigt, ist Sünder; er hat Fehler und er macht Fehler. Das Amt jedoch, das er trägt, ist von Gott gegeben und damit heilig. Wenn nun der unvollkommene Mensch Gottes Wort verkündigt, kann es Fehlerhaftes enthalten. Trotzdem legt Gott in die vom Menschen gesprochenen Worte Kraft hinein. Auch der Zuhörer ist Sünder; er hat Fehler und er macht Fehler. Deshalb sind bei ihm Fehler im Verständnis des Gehörten nicht ausgeschlossen. Doch wenn er das Wort im Glauben annimmt, wird er trotz menschlicher Unvollkommenheiten und Fehler die göttlichen Kräfte, die in der Predigt liegen, in die Seele aufnehmen können.
628. Welche Aufgabe haben die Hörer der Predigt?
Vor der Predigt sollen die Hörer darum beten, dass der Herr ihnen aus dem Wort Stärkung und Frieden schenkt. Sie sollen das Wort im Glauben annehmen und haben die Aufgabe, es im Alltag – im Denken, Reden, Tun – zu verwirklichen. Sie sind also aufgerufen, ein Leben in der Nachfolge Christi zu führen.
629. Wie werden die Sündenvergebung und die Feier des Heiligen Abendmahls vorbereitet?
Die Zuhörer werden durch den Gottesdienstleiter mit entsprechenden Worten auf die Sündenvergebung und die Feier des Heiligen Abendmahls eingestimmt. Zur direkten Vorbereitung darauf dient ein gemeinsam gesungenes Bußlied. In ihm bringt die Gemeinde das Bekenntnis ihrer Sündhaftigkeit und Hilfsbedürftigkeit zum Ausdruck.
630. Welches Gebet wird im Gottesdienst in einem festgelegten Wortlaut gebetet?
Das Gebet, das Jesus gelehrt hat, ist das „Unser Vater“ (Vaterunser). Es ist das einzige Gebet, das die Glaubenden im Gottesdienst miteinander in einem festgelegten Wortlaut beten. Es ist in einer Fassung mit fünf Bitten (vgl. Lukas 11,2-4) und in einer ausführlicheren Fassung mit sieben Bitten überliefert (vgl. Matthäus 6,9-13).
631. In welchem Wortlaut wird das Vaterunser im Gottesdienst gebetet?
Im Gottesdienst wird das Vaterunser nach dem Wortlaut aus dem Matthäus-Evangelium gebetet: „Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“
632. Was bedeutet die Anrede „Unser Vater“?
„Die Anrede „Unser Vater“ zeigt, dass dieses Gebet ein Gemeinschaftsgebet ist. Sprechen Menschen Gott als „Vater“ an, kommt damit zum Ausdruck, dass er sie erschaffen hat, ihr Herr ist und für sie sorgt. Sie dürfen zu Gott ohne Furcht, in Liebe, vertrauensvoll „Vater“ sagen.
633. Was bedeutet: „… im Himmel“?
Die Worte „im Himmel“ betonen, dass Gott größer und höher ist als alles Irdische. Und dennoch ist er in seiner Allgegenwart den Menschen nahe.
634. Was bedeutet: „Dein Name werde geheiligt“?
Das ist die erste Bitte im Vaterunser. Gott ist heilig. Die Gläubigen heiligen seinen Namen, indem sie ihm alle Ehre geben und sich bemühen, seinem Willen gemäß zu leben. Diese Bitte erinnert zugleich an das zweite Gebot.
635. Was bedeutet: „Dein Reich komme“?
Das Reich Gottes ist in Christus zu den Menschen gekommen. Mit der Bitte „Dein Reich komme“ wird darum gebetet, dass das Wesen Christi mehr und mehr in der Gemeinde wahrnehmbar werde. Außerdem wird mit diesen Worten darum gebetet, dass das zukünftige Reich Gottes offenbar werde: Dieses beginnt mit der Wiederkunft Christi zur Heimholung seiner Brautgemeinde.
636. Was bedeutet: „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“?
Im Himmel, dem Bereich, wo Gott thront, herrscht sein Wille uneingeschränkt. Die Bitte richtet sich darauf, es möge sich auch auf Erden alles nach Gottes Willen vollziehen. Auch beten die Gläubigen mit diesen Worten darum, dass es ihnen gelingen möge, Gottes Willen zu tun.
637. Was bedeutet: „Unser tägliches Brot gib uns heute“?
Damit wird um alles gebetet, was der Mensch zum Leben braucht. Auch schließt die Bitte ein, dass Gott die Schöpfung erhalten möge. Im übertragenen Sinn geht die Bitte dahin, Gott möge sein Wort als „Speise“ für die unsterbliche Seele geben.
638. Was bedeutet: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“?
Alle Menschen laden wegen ihrer Sünden Schuld auf sich. Mit diesen Worten bekennen sich die Gläubigen vor Gott als Sünder und bitten ihn um Vergebung. Weil Gott gnädig ist und vergibt, erwartet er, dass auch wir denen vergeben, die uns Unrecht zugefügt haben. Daher wird uns Vergebung nur dann zuteil, wenn wir selbst versöhnlich und vergebungsbereit sind.
639. Was bedeutet: „Führe uns nicht in Versuchung“?
Die Gläubigen bitten darum, dass Gott ihnen hilft, mit ganzer Kraft der Sünde zu widerstehen. Auch wird damit die Bitte ausgedrückt, Gott möge vor schweren Glaubensprüfungen bewahren.
640. Was bedeutet: „Erlöse uns von dem Bösen“?
Diese Bitte drückt den Wunsch aus, Gott möge aus der Macht des Bösen befreien. Letztlich geht es darum, dass Gott die endgültige Erlösung schenkt, indem er uns für immer vom Bösen befreit. Im Sohn Gottes ist „die Erlösung …, nämlich die Vergebung der Sünden“ (Kolosser 1,14).
641. Was bedeutet: „Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“?
Diese Worte sind ein Lobpreis Gottes („Doxologie“). Damit wird der Allmächtige verherrlicht, und ihm wird die Ehre dargebracht, die ihm zukommt. Der Blick richtet sich auf die Vollendung seines Heilsplans, wenn die Erlösten auf ewig bei Gott die Herrlichkeit erleben dürfen.
642. Was bedeutet: „Amen“?
Dieses Wort stammt aus dem Hebräischen und heißt übersetzt: „So sei es!“ Damit wird das Vaterunser beendet und es wird alles, was Gott in diesem Gebet gesagt wurde, nochmals bekräftigt.
643. Wann erfolgt die Verkündigung der Sündenvergebung im Gottesdienst?
Die Verkündigung der Sündenvergebung geschieht unmittelbar nach dem gemeinsamen Beten des Vaterunsers.
644. Mit welchen Worten wird die Vergebung der Sünden verkündigt?
Die Apostel verkündigen die Sündenvergebung unter unmittelbarer Bezugnahme auf Jesus Christus: „Ich verkündige euch die frohe Botschaft: In dem Namen unseres Herrn Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, sind euch die Sünden vergeben. Der Friede des Auferstandenen sei mit euch! Amen.“ Die priesterlichen Amtsträger verkündigen die Vergebung der Sünden mit Bezug auf das Apostelamt: „Im Auftrag meines Senders, des Apostels, verkündige ich euch die frohe Botschaft: In dem Namen unseres Herrn Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, sind euch die Sünden vergeben. Der Friede des Auferstandenen sei mit euch! Amen.“
645. Ist Sündenvergebung ein Sakrament?
Nein, die Vergebung der Sünden („Freisprache“, „Absolution“) ist kein Sakrament. Sie ist jedoch eine der Voraussetzungen zum würdigen Empfang der Sakramente.
646. Was ist der Grund dafür, dass Sünden vergeben werden können?
Sünden können vergeben werden, weil Gott – als Gott der Liebe – seinen Sohn zu den Menschen auf die Erde sandte. Dieser brachte durch seinen Tod am Kreuz das ewig gültige Opfer zur Vergebung der Sünden. Durch die freiwillige Hingabe seines Lebens hat Jesus Christus die Macht Satans gebrochen und ihn und seine Werke, nämlich Sünde und Tod, besiegt. Seitdem besteht die Möglichkeit, dass Menschen von Sünden befreit werden (vgl. Matthäus 26,28). Jesus hat sein Leben für uns geopfert, damit uns die Sünden vergeben werden können und wir nicht unter der Herrschaft der Sünde bleiben müssen.
647. Wer vergibt die Sünden?
Der dreieinige Gott ist es, der die Sünden vergibt. Der Mensch ist aus eigener Kraft nicht in der Lage, Sünden zu vergeben und von Sünden frei zu werden. „Selig ist der Mann, dem der Herr die Sünde nicht zurechnet!“ (Römer 4,8).
648. Ist die Verkündigung der Sündenvergebung notwendig?
Ja, Sündenvergebung muss verkündigt werden. Die Apostel verkündigen die Vergebung der Sünden im Auftrag Jesu gemäß seinen Worten: „Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen“ (Johannes 20,23). Sie machen also den Glaubenden das Opfer Jesu zugänglich. Die priesterlichen Amtsträger sind von den Aposteln bevollmächtigt, ebenso zu handeln.
649. Was muss der Mensch tun, um Sündenvergebung zu erlangen?
Um Sündenvergebung zu erlangen, ist notwendig: • Der Mensch muss an Jesus Christus als seinen Erlöser glauben (vgl. Johannes 8,24). • Erforderlich ist zudem der Glaube, dass Sündenvergebung durch die Apostel verkündigt wird. • Notwendig ist auch die Einsicht, dass man gesündigt und Schuld auf sich geladen hat und somit Gnade benötigt. • Es muss der Wunsch im Herzen stehen, mit Gott versöhnt zu werden. • Der Sünder muss seine Sünden bereuen und vor Gott im Vaterunser bekennen: „Vergib uns unsere Schuld …“ • Es muss der ernste Vorsatz bestehen, Schwächen und Fehler zu überwinden. • Der Sünder muss sich mit demjenigen versöhnen wollen, der ihm etwas angetan hat und somit ihm gegenüber schuldig geworden ist. „Darum habe ich euch gesagt, dass ihr sterben werdet in euren Sünden; denn wenn nicht glaubt, dass ich es bin, werdet ihr sterben in euren Sünden.“ (Johannes 8,24).
650. Was gehört zur Erkenntnis, gesündigt zu haben?
Zur Erkenntnis, gesündigt zu haben, gehört das Wahrnehmen der eigenen Schwächen und Fehler. Dies setzt eine Selbstprüfung voraus. Diese Erkenntnis führt zu Buße und Reue.
651. Was bedeuten Buße und Reue?
Buße bedeutet die Einsicht, dass man sich falsch verhalten hat, dass man Reue zeigt und den ernsthaften Vorsatz fasst, Fehler und Schwächen zu überwinden. Reue ist das Gefühl von Leid über Unrecht, das man begangen hat, sei es durch eine Tat oder durch eine Unterlassung. Aufrichtige Reue zeigt sich auch darin, dass der Wille vorhanden ist, sich mit dem Nächsten zu versöhnen und angerichteten Schaden, soweit möglich, wieder gutzumachen.
652. Welche Wirkungen hat die Sündenvergebung?
Die Sündenvergebung reinigt von Sünden und hebt die Schuld auf, die Gott gegenüber besteht. Den Gläubigen, denen die Sünden vergeben worden sind, wird der Friede Jesu Christi mit den Worten zugesprochen: „Der Friede des Auferstandenen sei mit euch!“ Wenn dieser Friede gläubig im Herzen aufgenommen wird, kann die Furcht vor den Folgen der Sünde weichen. Unabhängig von der Sündenvergebung muss der Mensch für die Konsequenzen und Verantwortlichkeiten einstehen, die sich aus seinem sündigen Verhalten ergeben, etwa materieller oder rechtlicher Art.
653. Gibt es Sünden, die nicht vergeben werden?
Ja, die Lästerung des Heiligen Geist ist eine Sünde, für die es keine Vergebung gibt. Davon sagte der Sohn Gottes: „Wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig“ (Markus 3,29).
654. Wer begeht die Lästerung gegen den Heiligen Geist?
Lästerung gegen den Heiligen Geist begeht, wer aus feindseligen oder niedrigen Beweggründen bewusst und mutwillig den Heiligen Geist als teuflisch und verführerisch darstellt.
655. Wer spendet die Sakramente im Gottesdienst?
Die Sakramente Heilige Wassertaufe und Heiliges Abendmahl werden von Aposteln oder von priesterlichen Amtsträgern im Auftrag der Apostel gespendet. Das Sakrament Heilige Versiegelung wird nur von Aposteln gespendet.
656. Wie oft werden die Sakramente gespendet?
Die Heilige Wassertaufe und die Heilige Versiegelung werden dem Menschen nur einmal gespendet. Das Heilige Abendmahl wird ihm wiederholt gespendet.
657. Wird das Heilige Abendmahl in jedem Gottesdienst gefeiert?
Das Heilige Abendmahl wird in der Regel in jedem Gottesdienst gefeiert. Zu bestimmten Anlässen (z. B. Trauung, Todesfall) werden „Wortgottesdienste“ – also Gottesdienste ohne Abendmahlsfeier – durchgeführt (Traugottesdienst, Trauerfeier).
658. Empfangen auch Kinder die Sakramente?
Ja, auch Kinder können alle drei Sakramente empfangen. Wenn möglich, nehmen die Kinder mit der Gemeinde an der Feier des Heiligen Abendmahls teil. Die Kinder empfangen die Sakramente Heilige Wassertaufe, Heilige Versiegelung und Heiliges Abendmahl entsprechend den Worten Jesu: „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht“ (Markus 10,14).
659. Werden die Sakramente auch Entschlafenen gespendet?
Ja, im Gottesdienst am Sonntag und an kirchlichen Feiertagen spenden der Stammapostel, die Bezirksapostel oder von ihnen beauftragte Apostel nach der Feier des Heiligen Abendmahls mit der Gemeinde dieses Sakrament auch Entschlafenen. Zwei Amtsträger nehmen dabei stellvertretend für Verstorbene Leib und Blut Christi entgegen. Dreimal im Jahr – jeweils am ersten Sonntag im März, Juli und November – werden Gottesdienste gefeiert, in denen der Stammapostel, die Bezirksapostel oder von ihnen beauftragte Apostel alle drei Sakramente Entschlafenen spenden. Auch diese Handlungen werden an zwei Amtsträgern stellvertretend vollzogen.
660. Was sind „Segenshandlungen“?
Gott begleitet den Menschen in den unterschiedlichen Lebenssituationen mit Segen. Unter „Segenshandlungen“ verstehen wir all jene kirchlichen Handlungen, die zu bestimmten Anlässen vorgenommen werden. Segenshandlungen sind keine Sakramente.
661. Was geschieht bei einer Segenshandlung?
Bei einer Segenshandlung wendet sich Gott dem Menschen zu, der aufrichtig um den Segen bittet. Durch Apostel und priesterliche Amtsträger segnet Gott den Verlangenden und bietet ihm Hilfe, Gnade und Barmherzigkeit an. Auch die Weihe eines Kirchengebäudes bzw. der Versammlungsstätte einer Gemeinde stellt im erweiterten Sinn eine Segenshandlung dar.
662. Welche Segenshandlungen finden im Gottesdienst statt?
Im Gottesdienst finden folgende Segenshandlungen statt: Konfirmation, Aufnahme in die Neuapostolische Kirche, Spendung des Verlobungssegens, des Trausegens und des Segens zu Hochzeitsjubiläen. Ordinationen und sonstige, ein geistliches Amt betreffende Handlungen werden ebenfalls im Gottesdienst durchgeführt.
663. Was ist die Konfirmation?
Die Konfirmation (lateinisch „confirmatio“: „Bestärkung, Bestätigung“) ist jene Segenshandlung, bei der junge Christen die Verpflichtungen übernehmen, die ihre Erziehungsberechtigten stellvertretend für sie bei der Heiligen Wassertaufe und der Heiligen Versiegelung übernommen haben. Die Konfirmanden verpflichten sich zur Treue gegenüber Gott und bekennen sich öffentlich, vor der Gemeinde, zum neuapostolischen Glauben. Von der Konfirmation an tragen sie als nun mündige Christen vor Gott die Verantwortung für ihr Glaubensleben.
664. Was ist notwendig, um konfirmiert zu werden?
Die erste Voraussetzung, um konfirmiert zu werden, ist, dass man die Heilige Wassertaufe und die Heilige Versiegelung empfangen hat. Weitere Voraussetzungen sind der regelmäßige Besuch der Gottesdienste und des Konfirmandenunterrichts. Die Konfirmanden sollen die Grundzüge des neuapostolischen Glaubens und die Glaubensartikel kennen und bereit sein, ihr Leben nach dem Evangelium zu führen.
665. Wie erfolgt die Segenshandlung der Konfirmation?
Die Konfirmation findet im Gottesdienst statt. Zunächst beantworten die Konfirmanden vor dem Altar die Frage, ob sie ihren zukünftigen Lebensweg als neuapostolische Christen in der Treue zu Gott gehen wollen, mit einem Ja. Nach diesem Bekenntnis vor Gott und der Gemeinde sprechen die jungen Christen das Konfirmationsgelübde. Damit geloben sie öffentlich, Jesus Christus als ihren Herrn anzunehmen und entsprechend zu leben. Daraufhin empfangen die Konfirmanden – nach einem Gebet des Gottesdienstleiters – den Segen. Er wird ihnen unter Handauflegung gespendet.
666. Was bewirkt der Segen zur Konfirmation?
Der Segen stärkt den Konfirmanden in dem Bestreben, das Konfirmationsgelübde zu halten und sich in Wort und Tat zu Jesus Christus zu bekennen.
667. Wie lautet das Konfirmationsgelübde?
Das Konfirmationsgelübde lautet: „Ich entsage dem Teufel und all seinem Werk und Wesen und übergebe mich dir, o dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, im Glauben, Gehorsam und ernstlichen Vorsatz: Dir treu zu sein bis an mein Ende. Amen.“ Damit kommt zum Ausdruck, dass der Konfirmand den festen Willen hat, alles Böse, Widergöttliche zu meiden und konsequent den Weg des Evangeliums zu gehen. Er bekennt sich zum Glauben an den dreieinigen Gott und dazu, sein ganzes Leben im Glauben und Gehorsam Gott gegenüber zu führen.
668. Was verstehen wir unter der Segenshandlung „Aufnahme“?
Die „Aufnahme“ stellt die Handlung im Gottesdienst dar, bei der Christen anderer Denominationen in der Neuapostolischen Kirche willkommen geheißen werden.
669. Was geschieht bei der Aufnahme?
Bei der Aufnahme von Christen legen die Betreffenden öffentlich das Bekenntnis zum neuapostolischen Glauben ab. Nach einem Gebet werden sie im Namen des dreieinigen Gottes in die Neuapostolische Kirche aufgenommen. Die Aufgenommenen sind nun berechtigt, auf Dauer an der Feier des Heiligen Abendmahls teilzunehmen. Es stehen ihnen alle weiteren Segenshandlungen der Kirche offen.
670. Was ist der Verlobungssegen?
Der Verlobungssegen ist ein Segen, der gespendet wird, wenn sich ein Paar verlobt hat. Die Verlobung ist ein ernsthaftes Eheversprechen. Das Verlobungspaar bekundet bei der Segenshandlung vor Gott und der Gemeinde, sich in Gott wohlgefälliger Weise auf die Ehe vorbereiten zu wollen. Dazu empfängt es den Segen.
671. Was ist der Trausegen?
Der Trausegen ist ein Segen, der nach der Eheschließung gespendet wird. Die Ehepartner werden gefragt, ob sie in gegenseitiger Treue einander in allen Verhältnissen beistehen und in Liebe miteinander den Lebensweg gehen wollen. Dies geloben die beiden vor Gott und der Gemeinde mit ihrem Jawort. Daraufhin empfangen sie den Segen des dreieinigen Gottes. Der Segen soll ihnen helfen, dieses Gelübde zu halten, das gemeinsame Leben harmonisch zu führen und mit Gottes Hilfe schwierige Situationen zu meistern.
672. Zu welchen Hochzeitsjubiläen wird ein Segen gespendet?
Auf Wunsch der Ehepaare wird der Segen zu folgenden Ehejubiläen gespendet: • silberne Hochzeit (nach 25 Jahren) • Rubinhochzeit (nach 40 Jahren) • goldene Hochzeit (nach 50 Jahren) • diamantene Hochzeit (nach 60 Jahren) • eiserne Hochzeit (nach 65 Jahren) • Gnadenhochzeit (nach 70 Jahren) • Kronjuwelenhochzeit (nach 75 Jahren) Dabei wird auf den Ehebund erneut der Segen Gottes gelegt und die Ehepartner werden der weiteren Fürsorge und Begleitung Gottes anbefohlen.
673. Was geschieht bei der Weihe eines Kirchengebäudes?
Ein Kirchengebäude wird anlässlich des ersten Gottesdienstes seiner Bestimmung übergeben. Im Weihegebet wird es im Namen des dreieinigen Gottes zur Offenbarungsstätte des Heiligen Geistes geweiht, also zu dem Ort, an dem Gottes Wort verkündigt wird und die Sakramente gespendet werden. Die geweihte Kirche ist ein Raum der Anbetung Gottes und auch ein Zufluchtsort für Heil suchende Menschen. Hier werden göttliche Gnade und Trost, Stärkung des Glaubens und Seelenfrieden in den Gottesdiensten angeboten.
674. Was geschieht bei der Entwidmung eines Kirchengebäudes?
Wird eine geweihte Kirche nicht mehr für Gottesdienste genutzt, wird sie entwidmet: Im letzten Gottesdienst wird die in der Weihe vorgenommene Bestimmung des Kirchengebäudes als heilige Stätte göttlichen Wirkens aufgehoben. Nach der Entwidmung ist die vormalige Kirche wieder ein gewöhnliches Gebäude, das einer anderen Verwendung zugeführt werden kann.
675. Wann werden im Gottesdienst Sakramente gespendet und Segenshandlungen vorgenommen?
Die Sakramente werden im Gottesdienst nach der Sündenvergebung und dem anschließenden Gebet gespendet. Die Segenshandlungen finden grundsätzlich nach der Abendmahlsfeier statt. Da die Konfirmation in direktem Zusammenhang mit den Sakramenten Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung steht, wird sie vor der Feier des Heiligen Abendmahls durchgeführt. Auch die Aufnahme wird, da sie die Berechtigung zur Teilnahme am Heiligen Abendmahl beinhaltet, vor der Abendmahlsfeier vollzogen.
676. Wann werden Ordination, Beauftragung, Amtsbestätigung und Ruhesetzung im Gottesdienst vorgenommen?
Die Ordination – also die Einsetzung in ein geistliches Amt –, die Beauftragung zum Vorsteher einer Gemeinde oder eines Bezirks, die Bestätigung eines Amtsträgers in einem Amt und die Ruhesetzung eines Amtsträgers schließen sich an die Spendung der Sakramente an. Sie erfolgen also nach der Feier des Heiligen Abendmahls.
677. Wie geschieht die Ordination?
Ordinationen werden ausschließlich von Aposteln durchgeführt. Der zu Ordinierende wird nach einer Ansprache vom Apostel gefragt, ob er bereit ist, das Amt anzunehmen. Er wird zudem gefragt, ob er Gott treu und gehorsam dienen, für das Evangelium Jesu Christi einstehen und das Amt entsprechend dem neuapostolischen Glaubensbekenntnis ausüben will. Ebenso wird er gefragt, ob er bereit ist, das Amt im Sinne Jesu Christi, in Liebe zu den Gläubigen und im Gehorsam des Glaubens auszuüben. Dies alles gelobt er vor Gott, der ihn zum Dienst ruft, und der Gemeinde mit einem Ja. Kniend empfängt er durch Handauflegung und Gebet des Apostels das Amt.
678. Was ist die Aufgabe der Musik im Gottesdienst?
Durch die Musik im Gottesdienst soll Gott Lob und Ehre dargebracht werden (vgl. Psalm 150). Sie hat also dienende Funktion. So kann sie im Innersten bewegen, stimmt die Gemeinde auf die Wortverkündigung ein und unterstreicht das Wort Gottes. Durch Gesang von Gemeinde und Chor oder durch Instrumentalmusik werden Mut, Kraft und Zuversicht ausgedrückt und vermittelt. In Traurigkeit und Bedrängnis kann durch Musik Trost erfahren werden. Musik und Andacht vor dem Gottesdienst dienen der inneren Sammlung der Gottesdienstbesucher und bereiten die Wortverkündigung vor. Durch den Gemeindegesang sind alle Anwesenden aktiv in das gottesdienstliche Geschehen einbezogen. Vor der Feier des Heiligen Abendmahls kann die Gemeinde in einem Lied bußfertige Gesinnung bezeugen. Im zur Feier des Heiligen Abendmahls gesungenen Lied wird Liebe und Dankbarkeit Gott gegenüber zum Ausdruck gebracht.
679. Wie wird der Gottesdienst beendet?
Am Ende des Gottesdienstes wird allen Anwesenden der Segen des dreieinigen Gottes gespendet. Zusammen mit der trinitarischen Eingangsformel bildet der Schlusssegen den Rahmen, der das gottesdienstliche Geschehen umschließt. Dadurch wird deutlich, dass alles, was im Gottesdienst geschieht, vom dreieinigen Gott ausgeht.
680. Wie lautet der Schlusssegen?
Der Schlusssegen wird der Gemeinde mit den Worten aus 2. Korinther 13,13 übermittelt: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“
681. Was veranlasst die Gläubigen, die Gottesdienste regelmäßig zu besuchen?
Die Gläubigen wollen Gott in der Gemeinschaft anbeten. Sie wissen, dass im Gottesdienst der Glaube durch die Predigt gefestigt und die Hoffnung auf die baldige Wiederkunft Christi gestärkt wird. Auf dieses Ereignis lassen sie sich in jedem Gottesdienst vorbereiten. Weiter wollen sie die Vergebung der Sünden erleben und das Heilige Abendmahl empfangen. Zudem werden sie im Gottesdienst gesegnet.
682. Welche Folgen hat es, wenn man die Gottesdienste versäumt?
Dem, der die Gottesdienste leichtfertig versäumt, entgehen der Segen, die Gnade und die Kräfte, die im Wort Gottes und im Heiligen Abendmahl liegen. Bleibt man häufig den Gottesdiensten ohne zwingenden Grund fern, kann es sein, dass der Glaube nachlässt und das Verlangen nach dem Wort Gottes schwindet. Sünde ist es, wenn der Gottesdienst und die Gnade bewusst abgelehnt oder als gering geachtet werden.
683. Gibt es Segenshandlungen, die nicht im Gottesdienst stattfinden?
Ja, die Spendung des vorgeburtlichen Segens wird immer außerhalb des Gottesdienstes vorgenommen. Sie findet in der Regel im familiären Kreis statt.
684. Was ist der vorgeburtliche Segen?
Der vorgeburtliche Segen ist die erste sichtbare Handlung Gottes am noch ungeborenen Menschen. Der Segen kommt der Seele des Ungeborenen zugute. Die Segenshandlung wird an der werdenden Mutter vollzogen. Durch den vorgeburtlichen Segen stärkt Gott die Mutter, ihr Kind in der vorgeburtlichen Entwicklung glaubensmäßig zu fördern und zu pflegen. Mit dem vorgeburtlichen Segen ist der Beistand Gottes für die Zeit der Schwangerschaft und für die Geburt des Kindes verbunden. Dies bedeutet jedoch nicht die Zusage einer problemlosen Schwangerschaft oder der Geburt eines gesunden Kindes.
685. Was ist eine kirchliche Trauerfeier?
Die kirchliche Trauerfeier ist ein Gottesdienst zur Tröstung und Stärkung der Hinterbliebenen. Der Trost liegt vor allem in der Hoffnung auf die Wiederkunft Christi, auf die damit verbundene Auferstehung der in Christus Gestorbenen und die Vereinigung mit ihnen (vgl. 1. Thessalonicher 4,13-18). Das in der Trauerfeier verkündigte Wort gilt auch der unsterblichen Seele des Verstorbenen, die der Gnade Gottes anbefohlen wird. Die zur Trauerfeier versammelte Trauergemeinde umgibt die Hinterbliebenen, um ihnen Anteilnahme zu bekunden und das Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln. Darüber hinaus wird damit dem Verstorbenen die letzte Ehre erwiesen.
686. Was geschieht bei einer kirchlichen Trauerfeier?
Bei der Trauerfeier wird das Leben des Verstorbenen in angemessener Weise gewürdigt. Seele und Geist des Verstorbenen werden der Liebe des Erlösers Jesus Christus mit segnendem Zuspruch anbefohlen, dass er sie bewahren möge zur Auferstehung zum ewigen Leben. Der entseelte, vergängliche Leib wird seiner Bestimmung übergeben.
687. Hat die Bestattung Einfluss auf die Auferstehung von den Toten?
Ob und in welcher Weise ein Leichnam bestattet wird, ist für die Auferstehung von den Toten ohne Bedeutung.
688. Was bedeutet Seelsorge?
Was Seelsorge bedeutet, lässt sich aus dem Verhalten Jesu erkennen: Er wandte sich ohne Ansehen der Person den Sündern zu und ließ sie seine Liebe empfinden. Er hörte zu, half, tröstete, gab Rat, mahnte, stärkte, betete, lehrte.
689. Wie erfüllen die Amtsträger der Kirche Seelsorgeaufgaben?
Seelsorge durch die Amtsträger hat zum Ziel, den Glaubenden beizustehen und sie auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten. Die Seelsorger begleiten die Glaubensgeschwister in den unterschiedlichen Lebenssituationen. Dazu gehört auch, für sie zu beten. Jedem neuapostolischen Christen wird persönliche Seelsorge angeboten. Sie findet vor allem in Besuchen durch die priesterlichen Amtsträger (Seelsorger) statt. Seelsorgebesuche können aber auch durch Diakone durchgeführt werden.
690. Was ist Aufgabe des Seelsorgebesuchs?
Beim Seelsorgebesuch steht das Bemühen im Vordergrund, die Liebe zu Gott und seinem Werk zu vertiefen, das Glaubensleben zu fördern und die Erkenntnis über Gottes Heilswirken zu vermehren. Vor allem geschieht dies dadurch, dass ein Gedankenaustausch über Glaubensfragen stattfindet. Zum Seelsorgebesuch gehört das gemeinsame Gebet. Im Krankheitsfall erfährt der neuapostolische Christ Zuwendung durch Besuche, sei es zu Hause oder im Krankenhaus. Der Amtsträger stärkt im Glauben, tröstet, betet und feiert, wenn möglich, mit dem Kranken das Heilige Abendmahl. Vorbild für die persönliche seelsorgerische Betreuung ist die Arbeit Jesu Christi, der wiederholt Besuche machte, so etwa bei Maria, Marta und Lazarus oder beim Zöllner Zachäus: „Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren“ (Lukas 19.9).
691. Kennen wir in der Seelsorge die Beichte?
Ja, wir kennen die Beichte. Man versteht darunter das Sündenbekenntnis, das Eingestehen von Schuld, vor einem kirchlichen Amtsträger. Zwar bedarf es zur Vergebung der Sünde keiner Beichte, doch besteht die Möglichkeit zu beichten, wenn trotz der Sündenvergebung die Schuld noch als belastend empfunden und kein innerer Friede erlangt wird. Die Beichte wird dann vor einem Apostel abgelegt. Ist in dringendem Fall kein Apostel erreichbar, kann ausnahmsweise jeder priesterliche Amtsträger die Beichte abnehmen und im Auftrag des Apostels und im Namen Jesu Christi die Vergebung verkündigen.
692. Ist Seelsorge nur Aufgabe der Amtsträger?
Seelsorge ist in einem weiteren Sinn auch eine Aufgabe der ganzen Gemeinde. Sie bezieht sich auch auf praktische Lebenshilfe. Es gelten die Worte Jesu: „Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. […] Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Matthäus 25,35.36.40).
693. Wie findet Seelsorge für Kinder statt?
Seelsorge für Kinder ist vor allem Aufgabe der Eltern. Sie sollen ihren Kindern die Grundwerte des Evangeliums vermitteln. Dazu gehört, sie zur Liebe zu Gott und dem Nächsten anzuleiten und ihnen im Gebetsleben und in der Opfertreue ein Vorbild zu sein. Amtsträger und die als kirchliche Lehrkräfte beauftragten Brüder und Schwestern unterstützen die Eltern in ihrer Verantwortung, so dass die Kinder zu überzeugten und selbstverantwortlichen neuapostolischen Christen heranwachsen können.
694. Was ist Ziel der kirchlichen Unterrichte?
In den kirchlichen Unterrichten werden die Heranwachsenden mit Glaubensinhalten vertraut gemacht und angeleitet, ihr Leben verantwortungsbewusst vor Gott zu führen. Dieses Ziel leitet sich aus dem Evangelium Jesu Christi ab. Zudem werden die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Heranwachsenden gefördert. Das Unterrichtsangebot ist auf Alter und Entwicklungsstufe der Kinder abgestimmt.
695. Was ist Aufgabe der Vorsonntagsschule?
Die Vorsonntagsschule hat das Ziel einer kindgemäßen Hinführung zu Gott und seinem Wirken. So können schon die noch nicht schulpflichtigen Kinder eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott entwickeln. In der Vorsonntagsschule geht es nicht in erster Linie um Wissensvermittlung. Vielmehr soll Geborgenheit geschenkt und Freude am Glauben in die Herzen der Kinder gelegt werden.
696. Was ist Aufgabe der Sonntagsschule?
Mit Eintritt in die Schule bzw. in das schulpflichtige Alter besuchen Kinder die Sonntagsschule. Aufgabe der Sonntagsschule ist: • die Freude an der Gemeinschaft der Gotteskinder sowie an den Gottesdiensten zu wecken und zu stärken, • den Kindern anhand von biblischen Geschichten altersgerecht Gottes Wirken zu vermitteln, • den Glauben an göttliche Verheißungen zu festigen, • den Kindern den Ablauf des Gottesdienstes, die Bedeutung der Sakramente, Segenshandlungen und der kirchlichen Feiertage zu erklären.
697. Was ist Inhalt und Ziel der Kindergottesdienste?
Zusätzlich zur Sonntagsschule finden von Zeit zu Zeit in kleinerem oder größerem Rahmen Kindergottesdienste statt. Das Wort Gottes wird durch priesterliche Amtsträger entsprechend dem Verständnis der Kinder vermittelt. Die Amtsträger helfen so den Kindern, Gott und sein Werk zu verstehen. Was die Kinder aus dem eigenen Erleben nachvollziehen können, wird zu einer Grundlage des Glaubens auf ihrem Lebensweg. Der Kindergottesdienst geht auf die Bedürfnisse der Kinder ein. Sie fühlen sich verstanden, geborgen und geliebt. Es ist für sie ein besonderes Erlebnis, in ihrem Kreis Gottesdienst und dabei das Heilige Abendmahl zu feiern.
698. Was ist Aufgabe des kirchlichen Religionsunterrichts?
Im Religionsunterricht lernen die Kinder durch Berichte von Erfahrungen, die Menschen mit Gott machten: Die Heilsgeschichte wird mit Bezug auf das Glaubensleben der Kinder behandelt. Glaubensinhalte werden vertieft, Erkenntnisse gefördert und Zusammenhänge des göttlichen Heilsplans erläutert. So werden den Kindern Werte vermittelt, die Bestand haben. Im Weiteren soll der Religionsunterricht sie in die Lage versetzen, ihren Glauben freimütig zu bekennen.
699. Was ist Aufgabe des Konfirmandenunterrichts?
Im Konfirmandenunterricht werden die Heranwachsenden darauf vorbereitet, bei der Konfirmation vor der Gemeinde ihr Treuegelübde Gott gegenüber abzulegen und als mündige Christen die Verantwortung für ihr Glaubensleben zu übernehmen. Inhaltlicher Schwerpunkt des Konfirmandenunterrichts ist die Beschäftigung mit dem Glaubensbekenntnis, dem Vaterunser und den Zehn Geboten.
700. Wie erfolgt die Seelsorge für die Jugendlichen?
Die Jugendlichen erleben eine altersgemäße Betreuung und Begleitung. Jugendbetreuer stehen ihnen als persönliche Ansprechpartner auch für vertrauliche Gespräche in unterschiedlichen Lebenssituationen und Glaubensfragen zur Verfügung.
701. Was ist Aufgabe der Jugendseelsorge?
Die seelsorgerische Betreuung der Jugendlichen dient dazu, dass die Jugendlichen sich zu glaubensstarken und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten entwickeln. Die Jugendlichen sollen in den Werten des christlichen Glaubens gefestigt und für sie begeistert werden. So finden sie Entscheidungsgrundlagen für ihre Lebensführung. Sie werden ermutigt, den Glauben zu praktizieren und in ihrer Umgebung zu bekennen und zu vertreten. Darüber hinaus wird die Bereitschaft gefördert, sich in die Gemeinde einzubringen. Eine wichtige Aufgabe der Jugendbetreuung ist auch die Pflege der Gemeinschaft der Jugendlichen untereinander. Für Jugendliche gibt es spezielle Gottesdienste. Sie finden in der Regel auf Bezirksebene und überregional bei Jugendtagen statt.
702. Wie geschieht Seelsorge an Todkranken und Sterbenden?
Todkranke und Sterbende benötigen besondere Zuwendung. Auch gläubige Menschen haben Angst vor Sterben und Tod. Diese Angst darf nicht als Zeichen mangelnden Glaubens gedeutet werden. Auf dem schweren Weg, den der Sterbende geht, soll sich der Seelsorger seiner in seinen Ängsten und Nöten annehmen. Es gilt, die Hoffnung auf ein Leben mit Gott und den in dieser Hoffnung enthaltenen Trost wachzuhalten. Zur Sterbebegleitung gehört, dass der Seelsorger dem Sterbenden die Sündenvergebung verkündigt, ihm den Frieden des Auferstandenen zuspricht und mit ihm das Heilige Abendmahl feiert. Der Genuss von Leib und Blut des Herrn verbürgt die Lebensgemeinschaft mit dem Gottessohn. So wird der Sterbende auf seinem letzten Weg getröstet und gestärkt. Auch die Zuversicht des Wiedersehens mit denen, die bereits in das Jenseits voraufgegangen sind, trägt den Sterbenden durch die Phase des Abschiednehmens.
703. Wie erfolgt Seelsorge für die Angehörigen eines Sterbenden?
Die seelsorgerische Betreuung auch der Angehörigen eines Sterbenden ist notwendig. In einer Phase, in der sie sich bewusst werden, einen ihrer Lieben zu verlieren, sollen sie die Sicherheit erfahren, nicht alleine gelassen zu werden. Besonders stärkend werden gemeinsame Gebete empfunden. Die Gewissheit des Wiedersehens hilft, die Schwere des Abschiednehmens tragen zu können. Es ist für Angehörige zudem hilfreich, wenn ihnen gegenüber bewusst gemacht wird, was sie für den Sterbenden tun konnten.
704. Was gehört zur Trauerbegleitung?
Trauer muss zugelassen werden. Wichtig ist es, die Leidtragenden aufzusuchen, Anteilnahme zu bekunden und mit den Trauernden zu beten. Den Trauernden muss das Gefühl wahren Mitempfindens vermittelt werden. Trotz aller möglichen Berührungsängste soll man auf sie zugehen. „Lass die Weinenden nicht ohne Beistand, sondern traure mit den Trauernden“ (Sirach 7,38). Vor allem ist es zur Trauerbewältigung hilfreich, wenn bewusst gemacht wird, dass auch Jesus Christus gelitten hat und gestorben ist. In seiner Auferstehung ist auch die Auferstehung des Entschlafenen begründet; er hat Anteil am Sieg Christi über den Tod (vgl. Römer 14,7-9).
705. Wozu dient die Trauerbegleitung?
Die Trauerbegleitung dient der Ermutigung der Trauernden, über den Verlust zu sprechen und ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Traurigkeit, Angst, Wut, Hadern mit Gott und Schuldgefühle dürfen zur Sprache kommen und dem Seelsorger gegenüber vorbehaltlos geäußert werden. Bei der Trauerbegleitung ist es hilfreich, auch an das Positive, an beglückende Erlebnisse oder Erfahrungen mit dem Verstorbenen zu erinnern. Eine Trost bewirkende seelsorgerische Betreuung der Trauernden bis zur Bewältigung der Trauer kann sich über Wochen und Monate, manchmal sogar Jahre über den Tod des geliebten Menschen hinaus erstrecken.
706. Welche Feiertage werden in der Neuapostolischen Kirche begangen?
In der Neuapostolischen Kirche werden folgende Feiertage begangen: Weihnachten, Palmsonntag, Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten und Erntedank.
707. Welche Bedeutung hat Weihnachten?
Am Weihnachtsfest erinnern wir uns an die Geburt Jesu Christi, ein Fest, das auf ein zentrales Geschehen der Heilsgeschichte hinweist. Die Erinnerung an das erste Kommen des Gottessohnes bestärkt uns auch in dem Glauben an sein baldiges Wiederkommen.
708. Welche Bedeutung hat der Palmsonntag?
An Palmsonntag wird an den Einzug Jesu in Jerusalem anlässlich der Feier des jüdischen Passafestes erinnert.
709. Welche Bedeutung hat der Karfreitag?
An Karfreitag wird dankbar an die Kreuzigung und den Opfertod Jesu Christi gedacht. Durch seinen Opfertod hat der Gottessohn die Macht Satans und der Sünde gebrochen.
710. Welche Bedeutung hat Ostern?
Diesem Fest liegt die Tatsache zugrunde, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten vollzog sich am ersten Tag der Woche, am Sonntag. Später wurde ein bestimmter Sonntag im Jahresablauf für das Osterfest festgelegt. Mit seiner Auferstehung zeigt Jesus Christus, dass er auch die Macht des Todes gebrochen hat. Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten ist Grundlage des Glaubens an die Auferstehung der Toten und begründet die Hoffnung auf das ewige Leben.
711. Welche Bedeutung hat Himmelfahrt?
An Himmelfahrt wird daran erinnert, dass Jesus Christus am vierzigsten Tag nach Ostern aus dem Kreis der Apostel gen Himmel gefahren ist. Er wurde „zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.“ Durch zwei Engel empfingen die Apostel die Verheißung: „Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen“ (Apostelgeschichte 1,3-11).
712. Welche Bedeutung hat Pfingsten?
Das Pfingstfest – fünfzig Tage nach Jesu Auferstehung – wird zum Gedächtnis an den Tag begangen, an dem der Heilige Geist ausgegossen wurde. Man spricht von Pfingsten auch als dem „Geburtstag der Kirche Christi“. Apostel Petrus hielt nach der Ausgießung des Heiligen Geistes eine Predigt, in der der gekreuzigte, auferstandene und gen Himmel gefahrene Christus im Mittelpunkt stand. Pfingsten ist zudem ein Fest der Freude darüber, dass der Heilige Geist in der Kirche gegenwärtig ist und wirkt.
713. Welche Bedeutung hat Erntedank?
Erntedank ist das Fest, an dem Gott als dem Schöpfer gedankt wird. An einem Sonntag im Jahr – dem Erntedanksonntag – wird ein Gottesdienst gehalten, in dem der Dank gegenüber Gott für alles, was er dem Menschen an Gaben schenkt, im Mittelpunkt steht. Aus Dankbarkeit bringen die Gläubigen ein besonderes Opfer: „Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes“ (Psalm 50,23).
714. Wie werden die Gottesdienste an den kirchlichen Feiertagen gestaltet?
Die Gottesdienste an den kirchlichen Feiertagen werden grundsätzlich wie die Gottesdienste mit Heiligem Abendmahl gefeiert. Das geschichtliche Ereignis wird durch Bibellesungen thematisiert und seine Bedeutung für das Heil der Menschen beleuchtet.
715. Was verstehen wir unter Gebet?
Das Gebet ist eine Möglichkeit, die Gott dem Menschen gegeben hat, um mit ihm in Verbindung zu treten. Im Gebet spürt der Glaubende: Gott ist gegenwärtig, Gott hört, Gott antwortet. So verneigt sich der gläubige Mensch in Demut vor Gottes Majestät und Liebe. Der Heilige Geist gibt Impulse zum rechten Gebet.
716. Ist Beten notwendig?
Beten wird manchmal als das „Atmen der Seele“ bezeichnet. Dieses Bild soll die Notwendigkeit des Betens für den Glauben verdeutlichen. Ein Glaube ohne Gebet ist kein lebendiger Glaube. Ein Gebet ohne Glauben ist kein rechtes Gebet.
717. Welche Hinweise gibt das Alte Testament zum Gebet?
Im Alten Testament finden sich viele Zeugnisse der Anbetung Gottes. Beispielhaft sei das Lied Moses erwähnt: „Ich will den Namen des Herrn preisen. Gebt unserm Gott allein die Ehre! Er ist ein Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er“ (5. Mose 32,3.4). Wesentliches Anliegen der Psalmen ist es, Gott in Gebeten zu danken, ihn zu loben und zu preisen. Auch Gebete, die Gottes Hilfe und Beistand erflehen, finden sich vielfach im Alten Testament.
718. Welche Hinweise gab Jesus zum Beten?
In der Bergpredigt gab Jesus wichtige Hinweise zum Beten (vgl. Matthäus 6,5-8): Man soll sein Beten nicht zur Schau stellen und muss auch nicht viele Worte machen. Gott darf als „Vater“ angesprochen werden. Das Gebet soll von Herzen kommen. Im Blick auf seine Wiederkunft ermahnte Jesus: „So seid allezeit wach und betet, dass ihr stark werdet, zu entfliehen diesem allen, was geschehen soll, und zu stehen vor dem Menschensohn“ (Lukas 21,36).
719. Was berichtet die Bibel über das Gebetsleben Jesu?
Die Evangelien bezeugen, dass Jesus sich oft zurückzog, um zu beten. Im Lukasevangelium wird berichtet, dass Jesus insbesondere vor entscheidenden Ereignissen betete: • bevor der Heilige Geist auf ihn herabkam (vgl. Lukas 3,21.22), • bevor er die zwölf Apostel erwählte (vgl. Lukas 6,12), • bevor der Vater ihn vor den Zeugen aus dem Diesseits und dem Jenseits verklärte (vgl. Lukas 9,28-36), • bevor sein Leiden begann (vgl. Lukas 22,41-46), • bevor er am Kreuz starb (vgl. Lukas 23,46). Auffällig ist, dass Jesus bereits dankte, bevor sein Gebet Erhörung gefunden hatte (vgl. Johannes 11,41.42).
720. Was ist das „hohepriesterliche Gebet“?
In Johannes 17 ist das „hohepriesterliche Gebet“ überliefert. Es ist das große Gebet, das Jesus vor seinem Leidensweg gesprochen hat. Er hat für die Apostel und für die zukünftige Gemeinde, also auch für uns, gebetet: „Ich bitte aber nicht allein für sie [die Apostel], sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien“ (Johannes 17,20.21).
721. Was wissen wir über das Gebet der ersten Christen?
Die ersten Christen beteten in der Gemeinschaft: „Diese alle waren stets beieinander einmütig im Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern“ (Apostelgeschichte 1,14). Von intensiven Gebeten wird im Zusammenhang mit wesentlichen Geschehnissen berichtet, so beispielsweise bei der Erwählung des Matthias zum Apostel oder bei der Einsetzung der ersten sieben Diakone. Auch wurden die Apostel in Gefahrensituationen von Gebeten der Gemeinde begleitet (vgl. Apostelgeschichte 12,1-12).
722. Wie sollen wir beten?
Das Gebet ist an keine äußere Form gebunden. Jedoch kann die Intensität des Betens beispielsweise durch das Schließen der Augen, das Falten der Hände oder das Knien gefördert werden. Der Betende zieht sich damit von der Geschäftigkeit des Alltags zurück, er hält inne und beugt sich in Demut vor Gott. Neuapostolische Christen beginnen und beenden den Tag mit Gebet. Ebenso beten sie vor dem Essen. Auch wenden sie sich im Laufe des Tages immer wieder einmal an Gott, um seine Nähe zu spüren und seine Hilfe zu suchen. In den Familien beten Eltern mit ihren Kindern und führen sie so in ein eigenes Gebetsleben hinein.
723. Welchen Inhalt hat das Gebet?
Der Inhalt des Gebets ist bestimmt von Anbetung, Dank, Bitte und Fürbitte.
724. Wie geschieht Anbetung?
Das Wissen um die Majestät Gottes drängt dazu, ihn anzubeten: „Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat“ (Psalm 95,6).
725. Was beinhaltet der Dank im Gebet?
Der Dank im Gebet schließt alles ein, was aus Gottes Güte hervorgegangen ist: Wort, Gnade und Sakrament sowie irdische Gaben, wie Nahrung, Kleidung, Wohnung.
726. Welche Bitten tragen wir vor Gott?
In den Bitten werden Gott alle Anliegen dargebracht. Das betrifft Bewahrung im Glauben, Engelschutz oder seine Hilfe im Alltag. Die bedeutendste Bitte richtet sich auf die baldige Wiederkunft Christi und das Verlangen, dann in Gnaden angenommen zu werden.
727. Warum leisten wir Fürbitte?
Die Fürbitte ist Ausdruck von Nächstenliebe. Sie ist nicht auf die eigene Familie oder die Gemeinde beschränkt; vielmehr umschließt sie alle, die Gottes Hilfe brauchen, sei es im Diesseits oder im Jenseits.
728. Welche Wirkungen hat das Gebet?
Das Gebet stärkt den Glauben, das Vertrauen zu Gott und schenkt die Gewissheit der Geborgenheit in Gott. Der Betende ist nach dem Gebet sicher, dass all seine Anliegen nun in Gottes Hand liegen: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen“ (Psalm 37,5).
729. Was ist „Opferbereitschaft“?
Im Allgemeinen versteht man unter „Opferbereitschaft“ die innere Bereitschaft eines Menschen, seine Kräfte und Gaben zum Wohl anderer einzusetzen und seine eigenen Interessen dafür zurückzustellen.
730. Was versteht man allgemein unter „Opfer“?
Im üblichen Sprachgebrauch sind „Opfer“ Gaben, die Gott dargebracht werden. Ebenso können darunter Taten von Menschen verstanden werden, die sich im Dienst für andere hingeben. Auch Geldmittel, die für religiöse Zwecke gespendet werden, sind im religiösen Sprachgebrauch Opfer.
731. Wie verstehen wir unser „Opfer“?
Unser „Opfer“ verstehen wir als den Einsatz von Begabungen und Fähigkeiten, von Zeit und Kraft, die in den Dienst Gottes und seines Werkes gestellt werden. Auch wenn zugunsten des Werkes Gottes Verzicht geübt wird, ist es ein Opfer. Es ist dem Gläubigen ein Anliegen, seine Dankbarkeit und Liebe Gott gegenüber auch in konkreten Gaben (Opfern) auszudrücken, seien es Geldmittel oder Naturalien. Nach Maleachi 3,10 sollte man den „Zehnten“ aller Erträge in das Haus des Herrn bringen. Der „Zehnte“ kann als Orientierung für die Opfergaben der Glaubensgeschwister dienen. Letztlich ist alles Opfer, was der Glaubende aus Liebe zu Gott tut oder unterlässt.
732. Welche Bedeutung hat das Opfer im Alten Bund?
Opfer haben im Alten Bund eine herausragende Bedeutung. Mit dem Opfer soll Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht, göttliche Strafe abgewendet oder auch Versöhnung herbeigeführt werden. Die Opfer wurden in vielfältiger Form dargebracht. Das mosaische Gesetz legte alle Einzelheiten des Opferdienstes genau fest (vgl. 3. Mose 1-7).
733. Welche Bedeutung hat das Opfer im Neuen Bund?
Der alttestamentliche Opferdienst, der den Menschen mit Gott versöhnen sollte, hat durch das Opfer Christi seine Bedeutung verloren (vgl. Hebräer 8-10). Opfer im neutestamentlichen Sinn bedeutet, dass man sein Leben nach dem Evangelium führt. So rief Apostel Paulus die Christen auf, „dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist“ (Römer 12,1).
734. Wer ist das Vorbild der Opferbereitschaft?
Jesus Christus ist das Vorbild der Opferbereitschaft. Er hat sich selbst, aus Liebe zu den Menschen, als Gabe und Opfer gegeben. Wenn auch kein anderes Opfer mit dem des Herrn verglichen werden darf, steht doch seine Opferbereitschaft als Vorbild da, das zur Nachfolge aufruft.
735. Was ist der Grund für die Opferbereitschaft?
Opfer im christlichen Sinn darf nicht erzwungene Pflicht sein, soll auch nicht in Erwartung einer Gegenleitung stehen. Opferbereitschaft erwächst vielmehr aus Glaube, Dankbarkeit und Liebe gegenüber Gott.
736. Wie zeigt sich Opferbereitschaft im Gemeindeleben?
Opferbereitschaft zeigt sich unmittelbar im Gemeindeleben: Zahlreiche Glaubensgeschwister bringen unentgeltlich einen erheblichen Teil ihrer Freizeit, Kraft und Begabung in den Dienst der Gemeinde ein. Viele wirken im Musik- und Unterrichtswesen der Kirche mit. Bis auf wenige Ausnahmen sind auch die Amtsträger ehrenamtlich tätig.
737. Was ist ein „geistliches Opfer“?
Ein „geistliches Opfer“ ist es, wenn man den eigenen Willen unter den Willen Gottes stellt und sich von dem leiten lässt, was Gott will.
738. In welchem Zusammenhang stehen Opfer und Segen?
Grundsätzlich kann der Mensch nur opfern, weil ihn Gott zuvor schon gesegnet hat. Die Opfer sind deshalb Ausdruck der Dankbarkeit für das Empfangene. Bei allen Opfern ist die Gesinnung entscheidend. Wird das Opfer freiwillig aus Dankbarkeit und Liebe erbracht, ist damit auch Segen verbunden. Dieser kann im Irdischen erlebt werden, zum Beispiel in Wohlergehen. In erster Linie ist der Segen jedoch geistlicher Art: Darunter wird die Zuwendung göttlichen Heils aus dem Verdienst Christi verstanden (vgl. Epheser 1,3-7).
739. Was ist die Ehe?
Die Ehe ist die Lebensgemeinschaft von Mann und Frau, die Gott unter seinen Segen stellt. Sie bildet die Grundlage für die Familie. Ihr liegt ein öffentliches Treueversprechen zugrunde, das beide Ehepartner freiwillig gegeben haben. Gegenseitige Liebe und Treue sind für das Gelingen der Ehe unerlässlich. Die Vielehe (polygame Ehe) steht nicht in Übereinstimmung mit der christlichen Lehre und Tradition.
740. Was ist aus der Schöpfungsgeschichte zur Ehe zu entnehmen?
„Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan“ (1. Mose 1,27.28). – Beide, Mann und Frau, sind zum Ebenbild Gottes erschaffen. Unterschiedlich, aber gleichwertig stehen beide unter Gottes Segen. Der Mensch ist auf Gemeinschaft hin angelegt; im Ehepartner haben Mann und Frau ein Gegenüber, dem sie eine Hilfe sein sollen. „Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei“ (1. Mose 2,18). Mit der Eheschließung werden Mann und Frau zu einer Einheit zusammengefügt, die auf das ganze Leben angelegt ist: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch“ (1. Mose 2,24).
741. Welche Bedeutung hat der Ehesegen?
Der Ehesegen kann sich auf vielfältige Weise auswirken: Er stärkt die Kraft zur dauerhaften Liebe und Treue; er fördert die Bereitschaft zum Dienen, Helfen und Verstehen; er trägt dazu bei, dass Fehler verziehen werden und man sich aussöhnt. Jedoch kann sich der empfangene Segen nur dann auswirken, wenn die Ehepartner sich entsprechend verhalten.
742. Welche Bedeutung hat der christliche Glaube für den Bestand der Ehe?
Es ist erstrebenswert, dass die Ehepartner in Glaubensfragen übereinstimmen. Allerdings ist die Ausgangssituation, dass die Ehepartner Christen sind, keine Garantie für ein harmonisches Eheleben. Insbesondere wenn ein Ehepartner einem anderen Kulturkreis, einer anderen Religion oder Konfession angehört, sollten alle Fragen eines gemeinsamen Lebens vor der Eheschließung geklärt werden.
743. Welche Bedeutung hat die Sexualität in der Ehe?
Wenn gegenseitiges Einverständnis und Liebe im Vordergrund stehen, kann die Sexualität als ein wichtiges Bindeglied die eheliche Gemeinschaft stärken und zum Wohlbefinden beider Ehepartner beitragen. Die Sexualität in der Ehe soll von Wertschätzung und Einfühlungsvermögen geprägt sein.
744. Wie steht die Neuapostolische Kirche zur Familienplanung?
Die Familienplanung ist Angelegenheit der Ehepartner. Jedoch lehnt die Kirche empfängnisverhütende Methoden und Mittel ab, die als wesentliche Wirkung haben, dass bereits befruchtete Eizellen abgetötet werden. Der künstlichen Befruchtung wird grundsätzlich zugestimmt; es werden aber alle Maßnahmen abgelehnt, durch die Leben aufgrund menschlicher Auswahl vernichtet wird.
745. Wie steht die Neuapostolische Kirche zur Pflichterfüllung in Beruf und Gesellschaft?
Orientierung bei der Erfüllung von Pflichten in Beruf und Gesellscahft geben die Zehn Gebote. Es ist Aufgabe des Christen, zum Wohl der Gesellschaft bezutragen. Jeder ist dafür mitverantwortlich.
746. Wie nimmt die Neuapostolische Kirche Verantwortung in der Gesellschaft wahr?
Im Rahmen ihrer Möglichkeiten und ihres Auftrags hilft die Neuapostolische Kirche, das Allgemeinwohl der Menschen zu fördern. Die Neuapostolische Kirche tritt ein für Frieden in der Welt, ruft zur Versöhnung und mahnt zur Vergebung. Jegliche Art von Gewalttätigkeit lehnt sie ab.
747. Betätigen sich neuapostolische Christen im öffentlichen Leben?
Ja, neuapostolische Christen betätigen sich im öffentlichen Leben. Auf die politischen Auffassungen und Tätigkeiten ihrer Mitglieder übt die Kirche keinen Einfluss aus. Die Neuapostolische Kirche fordert ihre Mitglieder auf, allen menschen, unabhängig von sozialer Herkunft, Alter, Sprache und anderer Unterschiede mit Achtung und Toleranz zu begegnen.
748. Welche Stellung hat die Neuapostolische Kirche zum Staat?
Die Neuapostolische Kirche legt Wert auf offene und konstruktive Beziehungen zu Regierungen und Behörden. Sie ist parteipolitisch neutral. In ihrem Handeln richtet sie sich nach den Gesetzen des jeweiligen Landes unter Berücksichtigung von Römer 13,1: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet.“ Dies setzt voraus, dass sich auch die Staatsgewalt an göttlichen Geboten messen lässt. Die Kirche erfüllt ihre aus den Gesetzen und Verordnungen des jeweiligen Landes bestehenden Verpflichtungen. Sie erwartet auch, dass sie in ihrer Position respektiert und anerkannt wird.
749. Wie ist das Verhältnis der Neuapostolischen Kirche zu anderen Kirchen, Religionsgemeinschaften und Religionen?
Die Neuapostolische Kirche und ihre Mitglieder achten die Religionsausübung anderer Menschen und äußern sich nicht abwertend über Andersgläubige, über andere Religionen und Religionsgemeinschaften. Sie bemühen sich um ein gutes, friedliches Verhältnis auf der Basis gegenseitigen Respekts. Jede Art von religiösem Fanatismus lehnt die Kirche ab. Im Dialog mit anderen christlichen Kirchen werden – ungeachtet der unterschiedlichen Lehrpositionen – die Gemeinsamkeiten des christlichen Glaubens betont.
750. Wie ist das soziale Engagement der Neuapostolischen Kirche?
Die Neuapostolische Kirche ist dem Evangelium verpflichtet. Sie sieht ihre Aufgabe unter anderem in „praktizierter Nächstenliebe“, die den Menschen ohne Ansehen der Person zugutekommt. Getragen wird das soziale Engagement durch viele ehrenamtliche Helfer aus den Gemeinden, aber auch durch materielle Hilfeleistung. Die Kirche plant, fördert und unterstützt im Rahmen ihrer Möglichkeiten gemeinnützige und wohltätige Projekte, Einrichtungen sowie Hilfsaktionen in aller Welt, auch in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen.