Hände fliegen in die Höhe, Finger drehen sich geschwind … – es ist ein besonderes Reden! Die Deutsche Gebärdensprache (DGS), die in den Gottesdiensten der Hörgeschädigtengemeinde Süddeutschland angewandt wird, ist eine eigenständige visuelle Sprache und in dieser Form gesetzlich anerkannt. Neben den Gebärden, den vor dem Körper gebildeten Handzeichen, zählen auch Mimik, Kopf- und Körperhaltung zu den Kommunikationsmitteln. Somit wird der ganze Körper als „Sprachinstrument“ genutzt.

Die DGS ist nicht als eine mit Gebärden unterstützte deutsche Lautsprache zu verstehen (wie die LBG, die „Lautsprachebegleitenden Gebärden“), sondern verfügt über einen eigenen Wortschatz und eine ausdifferenzierte Grammatik.

Seit mittlerweile 29 Jahren gibt es in der Gebietskirche Süddeutschland eine offizielle Hörgeschädigten-Gemeinde. Einmal im Monat finden Gottesdienste für Hörgeschädigte, deren Freunde, Betreuer und weitere interessierte (hörende) Glaubensgeschwister aus ganz Süddeutschland zumeist in Stuttgart-Vaihingen statt, in der Kirche in der Sterneckerstraße 3. Hörgeschädigte und weitere (hörende) Kirchenmitglieder und Gäste besuchen regelmäßig diese Gottesdienste, in denen die Predigt – von ehrenamtlich tätigen – Gemeindemitgliedern in die DGS übersetzt wird (teils wird in anderen neuapostolischen Gebietskirchen die LBG benutzt).

Umrahmt werden die Gottesdienste dieser besonderen Gemeinde von einem Gebärdenpoesie-Chor. Dieser Chor wurde in der Gebietskirche Süddeutschland 2006 gegründet.

Die Besonderheit an der Gebärdenpoesie ist die Poesie in den Bewegungen. Die Texte sind in der DGS „verfasst“ und damit für die hörgeschädigten Chormitglieder und Zuhörer „barrierefrei“ aufzunehmen, aufzuführen und mitzugestalten. Im Jahr 2010 war erstmalig eine öffentliche Aufführung mit Gebärdenpoesie im Forum Fasanenhof zu erleben, der Begegnungsstätte der Gebietskirche Süddeutschland in Stuttgart-Möhringen.

Außer zu den Gottesdiensten finden sich die Mitglieder der Hörgeschädigten-Gemeinde zu Sommerfesten und Weihnachtsfeiern zusammen. Einmal jährlich wird ein nationales Hörgeschädigten-Treffen veranstaltet, wozu alle Hörgeschädigten-Gemeinden aus Deutschland und der Schweiz eingeladen sind.

Allen hörgeschädigten Gemeindemitgliedern kann durch diese Gemeinschaft eine direkte seelsorgerische Betreuung angeboten werden. Regelmäßig lassen sich auch interessierte Glaubensgeschwister in Gebärdensprachkursen ausbilden, um in der Gemeinde als Übersetzer ehrenamtlich mitzumachen.

Informationen zu den Hörgeschädigten-Gemeinden der Neuapostolischen Kirche in Deutschland sind auf deren Webseite zu finden.