"Buon giorno e benvenuto" ("Guten Tag und Willkommen"). Mit diesen Worten begrüßt ein Amtsträger herzlich die zum Gottesdienst Kommenden. Schauplatz ist jedoch nicht das Foyer einer neuapostolischen Gemeinde in Italien, wie man im ersten Augenblick vermuten könnte. Diese Szene wiederholt sich jeden Sonntag in der "Chiesa Neo-Apostolica" von Tamm. Denn in der kleinen Ortschaft bei Ludwigsburg besteht seit Jahren das Zentrum der italienischen Sprachgruppe unter den neuapostolischen Christen in Württemberg.

1985 war das kleine Kirchengebäude für die deutsche Gemeinde in Tamm – deren heutige Kirche nur wenige Straßenzüge entfernt liegt – zu klein geworden, geeignete Nebenräume fehlten. Da die Bausubstanz des alten Kirchengebäudes noch gut war, veranlasste der damalige Kirchenpräsident, Bezirksapostel Karl Kühnle, einen Umbau und eine umfassende Renovierung. Damit erhielten die italienischen Gemeindemitglieder aus der weiteren Umgebung am 2. Juni 1985 eine "eigene" Kirche, deren Einzugsgebiet sich bald auf den Großraum Stuttgart erweitern sollte.

Seither kommen die italienischen Gemeindemitglieder und Gäste hierher zum Gottesdienst, in dem jeweils eine zehnminütige deutsche "Predigt-Einlage" für die deutschen Gemeindemitglieder gegeben wird, die aus der Umgebung anreisen, um den italienischen Gemeindechor zu verstärken. Warum sie kommen? Einerseits, weil die unverkrampfte Atmosphäre unter zahlreichen italienischen Glaubensgeschwistern und Gästen immer wieder anziehend wirkt, andererseits, weil viele von ihnen oft schon jahrelang diese fremdsprachigen Gemeinde begleiten. Sie trauern mit, wenn wieder einmal Gemeindemitglieder aus beruflichen und / oder privaten Gründen "per sempre" – für immer – nach Italien zurückkehren. Sie freuen sich aber auch mit, wenn "neue Gesichter" die Gemeinde beleben.

In jüngerer Zeit geschieht das allerdings nur noch sehr selten. Zeiten wie in den 1960er- bis 1980er-Jahren, in denen die Interessierten zu Dutzenden herbeiströmten und Kleinbusse für die Beförderung der Gottesdienstbesucher gemietet werden mussten, gehören schon lange der Vergangenheit an. Auch ist die jüngere Generation, die in Deutschland aufgewachsen ist, selbstverständlich in der deutschsprachigen Gemeinde integriert.

Ein gewichtiges Argument dafür, das Gottesdienstangebot in der fremden Sprache aufrechtzuerhalten, formulierte Bezirksapostel Klaus Saur einmal so: "... auch in Zeiten zunehmender Integration bleibt es für unsere fremdsprachigen Geschwister und viele ausländische Mitbürger kostbar, das Wort Gottes in der Sprache zu hören, in der die Seele zu Hause ist – in der Heimatsprache." So sind die Gemeindemitglieder in Tamm, aber auch an anderen Orten, an denen Gottesdienste in Fremdsprachen gehalten werden, dankbar für die gemeinschaftliche muttersprachliche Bedienung. Und deswegen ist es gut, dass es eine solche integrative, von deutschen Gemeindemitgliedern mitgetragene Gemeinde wie die "Chiesa Neo-Apostolica di Tamm" gibt.