Um die Liebe Gottes zum Menschen und die Liebe des Menschen zu Gott ging es am süddeutschen Jugendtag 2017, der am 23. Juli auf dem Gelände der Messe in Stuttgart stattfand.

  • Image 1 from 3

    © Africa Studio - Fotolia.com

  • Image 2 from 3
  • Image 3 from 3

    © Alexander Raths - Fotolia.com

Motto des süddeutschen Jugendtags (SJT) 2017 war, wie berichtet: „Gott ist die Liebe“. Bereits am Vormittag des SJT, vor allem aber im Nachmittagsprogramm stand auch die Nächstenliebe – einer der tragenden Begriffe des christlichen Glaubens – in mehreren Veranstaltungen im Fokus.

Über das Gebot der Nächstenliebe, das als Zusammenfassung der ethischen Forderungen aufgefasst werden könne, die in den Zehn Geboten erhoben würden, sprach Dr. Reinhard Kiefer in einer sehr gut besuchten Nachmittagsveranstaltung im Atrium. Kiefer, der theologischer Referent bei der Neuapostolischen Kirche International ist und das Amt eines Gemeindeevangelisten bekleidet, zitierte den Theologieprofessor Jürgen Ziemer: „Liebe ist ein, wenn nicht das Grundwort des Glaubens“. Dabei beleuchtete er die Begrifflichkeit, u.a. das griechische Wort „agape“, das in der Bibel im Zusammenhang von Nächstenliebe gebraucht werde und sich „in fürsorglichem, respektvollem Verhalten gegenüber dem anderen“ und einem „tätigen Handeln oder in einer sozialen Interaktion zugunsten eines anderen Menschen“ ausdrücke.

In einem interessanten Streifzug durch die Bibel erklärte Reinhard Kiefer die Bedeutung von Nächstenliebe im Alten Testament und im Neuen Testament. In den Evangelien werde durch Jesu Verhalten dem anderen gegenüber deutlich, was unter Nächstenliebe zu verstehen sei: nämlich die Zuwendung zu den Armen, den Kranken, den gesellschaftlich Geächteten. „Nächstenliebe ist darüber hinaus auch ein wesentliches Zeichen der Nähe des Reiches Gottes und des Lebens in ihm“, so Kiefer, der in diesem Zusammenhang Markus 11,5 erwähnte.

Zuletzt ging er noch auf die Feindesliebe ein („eine Konsequenz der Nächstenliebe“) und sprach über Konkretisierungen, zum Beispiel Gewaltverzicht, Besitzverzicht.

 

Was sagt der Katechismus dazu?

Was der 2015 erschienene „Katechismus der Neuapostolischen Kirche in Fragen und Antworten“ zur Nächstenliebe bzw. zum Doppelgebot der Liebe sagt, zitieren wir nachstehend:


151. Welche wesentlichen Aussagen des Evangeliums werden in Gleichnissen veranschaulicht?

Jesus veranschaulichte in den Gleichnissen wesentliche Aussagen zum Reich Gottes, zum Gebot der Nächstenliebe, zur Gesinnung des Menschen und zum Kommen des Menschensohnes.


154. Wie erklärte Jesus die Liebe, die im Reich Gottes herrscht?

Mit dem Gleichnis vom verlorenen Schaf zeigte Jesus, dass Gott sich um alle Menschen bemüht, auch um solche, die verloren scheinen. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn wird Gottes Liebe zum Sünder verdeutlicht.


155. Welches Gleichnis ruft zur Nächstenliebe auf?

Die vornehmsten Gebote sind, Gott und den Nächsten zu lieben. Mit der Erzählung vom barmherzigen Samariter veranschaulichte Jesus, wer der Nächste ist und dass Nächstenliebe bedeutet, nicht die Augen vor der Not anderer zu verschließen, sondern Hilfe zu leisten.


282. Was ist das höchste Gebot?

Auf die Frage nach dem „höchsten Gebot im Gesetz“ antwortete Jesus mit zwei Zitaten aus dem mosaischen Gesetz: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten“ (Matthäus 22,36-40). Das Gebot, Gott und den Nächsten zu lieben, wird auch „Doppelgebot der Liebe“ genannt.


283. Worauf gründet die Liebe des Menschen zu Gott?

Die Liebe des Menschen zu Gott gründet in der Liebe Gottes zum Menschen. Der Mensch will diese Liebe erwidern: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“ (1. Johannes 4,19).


284. Wozu ruft das Gebot der Gottesliebe auf, und was erfordert es?

Die Liebe zu Gott soll das Wesen des Menschen prägen und sein Verhalten bestimmen.

Gott zu lieben ist ein Gebot, das den ganzen Menschen betrifft und vollen Einsatz erfordert: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften“ (Markus 12,30). Das bedeutet die ungeteilte Hinwendung zu Gott.


285. Wie lautet das Gebot der Nächstenliebe?

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Markus12,31; vgl. 3. Mose 19,18).


286. Wozu ruft das Gebot der Nächstenliebe auf?

Das Gebot fordert dazu auf, allen Mitmenschen liebevoll zu begegnen. Es setzt dem Egoismus klare Grenzen.

Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter (vgl. Lukas 10,25-37) veranschaulichte Jesus, dass Nächstenliebe bedeutet, barmherzig zu sein und entsprechend zu handeln.

Wie konsequent Jesus das meinte, geht aus seiner Forderung hervor, selbst den Feind zu lieben.


287. Wer ist der „Nächste“?

Am Beispiel vom barmherzigen Samariter zeigt sich: Der Nächste ist zum einen derjenige, der hilfsbedürftig ist. Der Nächste ist zum anderen derjenige, der hilft. Der Nächste kann also jeder Mensch sein, mit dem wir in Beziehung kommen.


288. Hat Jesus noch mehr zur Nächstenliebe gesagt?

Jesus hat über das Gleichnis vom barmherzigen Samariter hinaus Grundlegendes zur Nächstenliebe in der sogenannten "Goldenen Regel" zusammengefasst.


289. Was besagt die „Goldene Regel“?

Unter der „Goldenen Regel“ versteht man das Wort des Herrn in der Bergpredigt: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten“ (Matthäus 7,12).


290. Wie soll sich Nächstenliebe in der Gemeinde zeigen?

Was Jesus seine Apostel lehrte, gilt ebenso der Gemeinde: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe […]. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (Johannes 13,34.35). Diese Anforderung an seine Jünger geht also über die „Goldene Regel“ hinaus.

Das Gebot der Nächstenliebe, dem Mitmenschen beizustehen und in Notsituationen zu helfen, soll sich insbesondere in der Gemeinde beweisen: „Lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen“ (Galater 6,10). Alle, die zur Gemeinde gehören, haben die Aufgabe, einander mit herzlichem Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld zu begegnen.


291. Was bewirkt die „Liebe untereinander“ in der Gemeinde?

Die „Liebe untereinander“ befähigt dazu, Bruder und Schwester so anzunehmen, wie sie sind (vgl. Römer 15,7), und bewahrt vor Unversöhnlichkeit, Vorurteilen und abschätziger Betrachtung. Sie ist eine Kraft, die den Zusammenhalt in der Gemeinde stärkt, Mitempfinden und Verständnis füreinander weckt und Hilfsbereitschaft fördert.